Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt - Die Frauen, die er kannte / Lärjungen

  • Buchdetails

    Titel: Die Frauen, die er kannte


    Band 2 der

    Verlag: Rowohlt Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 752

    ISBN: 9783499256714

    Termin: November 2013

  • Bewertung

    4.3 von 5 Sternen bei 77 Bewertungen

    86,8% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Die Frauen, die er kannte"

    Sebastian Bergman, Kriminalpsychologe: SEIN GEGNER IST IHM EBENBÜRTIG. Wieder wurde in Stockholm eine Frau ermordet, sie ist bereits das dritte Opfer. Die Handschrift der Taten deutet auf einen berüchtigten Serienmörder: Edward Hinde, manipulativ, grausam, hochintelligent. Doch Hinde sitzt seit Jahren im Hochsicherheitstrakt. Daher holt Kommissar Höglund jenen Mann ins Team, der Hinde einst hinter Gitter brachte - Kriminalpsychologe Sebastian Bergman. Für den Kommissar und sein Team ist der arrogante Einzelgänger eine Zumutung, für Bergman der Fall ein Albtraum: Denn der Name des vierten Opfers ist ihm nicht unbekannt. Sebastian Bergmans zweiter Fall
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  • Kurzmeinung

    Smoke
    interessant, aber weitschweifig und im Krimiteil sehr konstruiert
  • Kurzmeinung

    Pasghetti
    Spannend, aber ziemlich in die Länge gezogen

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  • Klappentext:


    Wieder wurde in Stockholm eine Frau ermordet, es ist bereits das dritte Opfer. Auch sie trug ein hellblaues Nachthemd, wurde brutal vergewaltigt, ihre Kehle aufgeschlitzt.
    Kommissar Höglund und seine Kollegen stehen unter großem Druck, denn die Abstände zwischen den Taten werden kürzer. Und die Handschrift deutet auf einen berüchtigten Serienmörder: Edward Hinde, manipulativ, grausam, hochintelligent. Doch Hinde sitzt seit Jahren im Hochsicherheitstrakt.
    Höglund bleibt nichts anderes übrig, als jenen Mann ins Team zu holen, der Hinde einst hinter Gitter brachte - Kriminalpsychologe Sebastian Bergman. Für den Kommissar und sein Team ist der arrogante Einzelgänger eine Zumutung, für Bergman wird der Fall zum Albtraum: Denn der Name des vierten Opfers ist ihm nicht unbekannt....


    Die Autoren:


    Michael Hjorth, geboren 1963, ist ein erfolgreicher schwedischer Produzent, Regisseur und Drehbuchautor. Er schrieb u.a. Drehbücher für die Verfilmungen der Romane von Henning Mankell.
    Hans Rosenfeldt, Jahrgang 1964, schreibt ebenfalls Drehbücher, zuletzt für die ZDF-Koproduktion "The Bridge", und ist in Schweden ein beliebter Radio- und Fernsehmoderator.
    "Die Frauen, die er kannte" ist der zweite Band in der Reihe um den Stockholmer Kriminalpsychologen Sebastian Bergman, die von Sveriges Television in Kooperation mit dem ZDF verfilmt wird.


    Thriller, 730 Seiten


    Meine Meinung:


    Dieses Schriftsteller-Duo gehört jetzt auch zu meinen Lieblingsautoren! Was mich fasziniert, ist die unglaubliche Dichte und Detailgenauigkeit in der Beschreibung von Personen und Handlungen. Und ein weiterer Pluspunkt: Es ist nicht erforderlich, die Reihenfolge in der Serie einzuhalten. Die Autoren streuen sporadisch Hintergrundwissen zu den handelnden Protagonisten ein, so dass man gut über die Hauptfiguren informiert wird, auch über die Beziehungen untereinander im Ermittlerteam. Es kommt zur Sprache, dass schon einmal eine Zusammenarbeit mit dem Kriminalpsychologen Sebastian Bergman erfolgte und auch damals gab es bereits Reibereien, denn Sebastian eckt gern überall an. Es gibt zwar Andeutungen auf eine frühere Zusammenarbeit, aber keine Informantionen (die sind auch für diesen aktuellen Fall nicht notwendig) zum damals behandelten Fall, so dass der Leser, wenn ihm dieses Buch gefällt, ohne weiteres den Vorgängerroman (bestimmt mit ebenso viel Genuss) auch noch lesen kann, falls er ihn nicht schon kennt. :lol:


    In diesem vorliegenden Buch geht es um die Taten eines Serientäters. Es scheinen genaue Kopien der Morde eines bereits verurteilten und einsitzenden Verbreches zu sein. Dieser hochintelligente und sehr manipulative Mörder Hinde trägt die Züge eines Hannibal Lecter. Und genau wie diesem gelingt es ihm, die Mitmenschen um ihn herum zu seinen Marionetten zu machen. Auch das Ermittlerteam der Reichsmordkommission muss schließlich einen Weg finden, Informationen von ihm zu erhalten. Denn bald scheint es so gut wie sicher, dass Hinde irgendwie selbst in den Fall involviert ist. Das herauszufinden, darauf dringt auch der Kriminalpsychololge Sebastian Bergman. Er hat sich wieder einmal ins Team eingebracht. Denn er ist schon wieder seelisch ganz unten und braucht Arbeit. Dringend. Und der Leiter der Mordkommission Torkel Höglund kann mal wieder nicht nein sagen. Und dass ist auch gut so, denn bald wird klar, dass die ermordeten Frauen ehemalige One-Night-Stands Sebastians sind. Und davon gibt es jede Menge. Denn Sebastian braucht seine Affären, um mit dem Verlust seiner Familie (Frau und Tochter wurden Opfer des verheerenden Tsunamis) fertig zu werden. Nun versucht Sebastian Zugang zu Hinde zu finden und hat außerdem noch das Problem seiner unehelichen Tochter (die aber nichts von ihm wissen darf!). Diese ist ebenfalls im Ermittlerteam und gerät ganz besonders ins Visier Hindes, der auf unheimliche Art und Weise viel mehr über Sebastian zu wissen scheint, als diesem lieb sein kann.


    Das schon bald klar wird, wer der Mörder ist, tut aber der Spannung keinen Abbruch. Es ist zwar nicht Hinde selbst, aber dieser scheint doch irgendwie seine Marionetten außerhalb und innerhalb des Hochsicherheitstraktes zu haben. Ganz besonders gerne treibt er seine Spielchen mit dem neuen Anstaltsleiter Haraldson. Dieser ehemalige Polizist ist auch dem Ermittlerteam nicht unbekannt und sein Ehrgeiz, der ihm bei der Polizei zum Verhängnis wurde, bringt ihn auch hier wieder in Schwierigkeiten.


    Sehr gut gefallen haben mir die Detailgenauigkeit und die gut ausgearbeiteten Lebensläufe der handelnden Personen. Hinde und der Täter, sowie die Mitglieder der Mordkommission erhalten dadurch eine Pastizität, durch die eine Oberflächlichkeit vermieden wird. Das Ermittlerteam hat auch untereinander mit Beziehungsproblemen, Kompetenzgerangel und Neid zu kämpfen. Das macht die Figuren richtig lebendig. Das auch die Mörder einen Hintergrund erhalten, lässt die Motivation hinter ihren Taten deutlich werden. Aber das darf man ja schließlich von einem guten Krimi auch verlangen: das einleuchtende Motiv. Man muss hier ja kein Verständnis haben, aber es darf eben nicht total unsinnig sein. Das hier auch noch ein Hannibal Lecter-Verschnitt (Hinde) seinen Auftritt hat, gibt der Sache noch einmal einen besonderen Reiz. Ich hatte nicht den Eindruck, dass hier nur einfach abgekupfert wurde und habe die Story mit Interesse gelesen.


    Und auch der Schluss hat mir sehr gut gefallen. Es gibt zwar ein befriedigendes Ende, aber ein kleiner Ausblick, der neugierig auf eine Fortsetzung macht, fehlt dennoch nicht. Schließlich hatte Sebastian während der Geschichte noch eine Stalkerin am Hals. Diese hat sich schließlich bei ihm einquartiert und findet nun in seiner Wohnung einige Unterlagen (Recherchematerial, das den Stiefvater von Sebastians unehelicher Tochter belasten könnte und das Sebastian eigentlich nicht mehr verwenden wollte), mit dem sie ihm oder ein paar anderen Leuten noch Schaden zufügen kann. Sofern sie sich aus reiner Liebe vieleicht einmischt. Bleibt abzuwarten. Ich werde auf jeden Fall diese Serie weiterverfolgen.


    Mein Fazit: Ein tolles Autorenteam, das zu schreiben versteht. Ein gut ausgearbeiteter Psycho-Thriller, der seinem Figurenensemble durch Detailgenauigkeit und Hintergrundwissen Leben einhaucht. Das aber ohne Längen und immer spannend. Der intelligente und gut lesbare Schreibtstil der Autoren haben mich überzeugen können. Ein tolles Team und ein toller Serienheld, der zwar nicht immer sympathisch ist, aber für den man trotzdem Verständnis aufbringt und den man auch irgendwie mag. Weiter so. :thumleft:
    Meine Bewertung: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    :study: Jeder Tag, an dem ich nicht lesen kann, ist für mich ein verlorener Tag!

    6 Mal editiert, zuletzt von birgitk ()

  • Vielschichtige und sehr spannende Unterhaltung

    Das Debüt des schwedischen Autorenduos Hjorth & Rosenfeldt, über das ich von allen Seiten nur Gutes hörte, stand ja schon ewig auf meiner Wunschliste. Leider ist mein Bücherbudget begrenzt und meist sogar überzogen. Als ich nun die Möglichkeit hatte, den neuen Fall für Sebastian Bergmann testlesen zu können, griff ich zu.


    Die Frauen, die er kannte


    In Stockholm wurden bereits 3 Frauen ermordet aufgefunden. Die Reichsmordkommission kann sehr schnell Parallelen zu einer Mordserie herstellen, die vor 15 Jahren ganz Schweden erschütterte. Doch der zweifelsfrei festgestellte und verurteilte Täter ist seit 14 Jahren in Sicherheitsverwahrung und hat keinerlei Kontakte zur Außenwelt.


    Der Kriminalpsychologe Sebastian Bergmann, der den Fall einst löste und sich durch seine Bücher darüber in der Welt der Profiler etablierte, kann den Verlust seiner Familie nicht überwinden. Ihn quälen Alpträume und er ist einsam. Er geht keiner sinnvollen Tätigkeit mehr nach, sucht sich ständig neue One-Night-Stands und spioniert der Frau hinterher, von der er vor kurzem herausgefunden hat, dass sie seine leibliche Tochter ist.


    Obwohl er vor ein paar Monaten seinen ehemaligen Kollegen bei der Reichsmordkommission erfolgreich bei der Lösung eines Falles helfen konnte, mag eigentlich keiner wieder mit ihm zusammen arbeiten. Als dieser jedoch bei den ehemaligen Kollegen vorspricht und bei der neuen Mordserie ein Detail entdeckt, was einem normalen Nachahmungstäter nicht bekannt sein dürfte, wird er von ihnen notgedrungen in die Ermittlungen integriert. Allerdings kommt es durch seine eigensinnige Art und Weise schnell wieder zu Spannungen. Dann stellt sich auch noch heraus, dass er selbst das Verbindungsglied zwischen den Opfern ist…

    Spannung von Anfang bis Ende


    Kaum hatte ich diesen Kriminalroman in die Hand genommen, war ich auch schon gefangen und wollte ihn am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen. Nicht nur der flüssige, bildhafte Schreibstil in Erzählperspektive hielt mich am Ball.


    Bereits beim Einstieg ist es den Autoren gelungen, mich emotional zu fesseln. Obwohl ich schon nach einigen Zeilen ahnen konnte, dass etwas Furchtbares passiert sein muss, fieberte ich mit, bis meine Vermutung zur Gewissheit wurde.


    Um die Spannung weiterhin zu halten, arbeiten die Autoren bei der Gestaltung des Handlungsverlaufs mit Szenenwechseln. Da ich den Vorgänger-Roman noch nicht kannte, waren für mich auch alle Protagonisten neu. Die Einführung erfolgte situationsbezogen. Neben dem Einstieg in die Ermittlungsarbeit des Teams der Reichsmordkommission, lerne ich den nicht ganz so sympathischen Titelhelden kennen, erfahre einiges über das Privatleben der Ermittler und bekomme erste Einblicke in die kranke Vorgehensweise des anfangs noch anonymen Mörders. Später bekomme ich dann einen Wissensvorlauf und fiebere mit den Ermittlern, dass auch sie herausfinden, was ich bereits weiß.


    Wie schon oft in Krimis oder Thrillern erfuhr ich auch einiges über die persönlichen Geschichten der Mörder. Hier musste ich wieder einmal feststellen, dass mir das, was ihnen als Kindern passiert ist, zwar unheimlich leid tat, ich aber trotzdem keinerlei Verständnis für ihre späteren Taten entwickeln kann. Irgendwie bin ich da doch immer der Meinung, dass jeder Mensch trotzdem selbst die Wahl zu dem hat, was aus einem wird.


    Dieser Roman lebt nicht von Aktionsreichtum und auch nicht allein von dem Kriminalfall, sondern vor allem von der Vielschichtigkeit seiner Protagonisten. Wie bereits erwähnt, erfuhr ich ja neben den brutalen Morden und ihrer Aufklärung auch sehr viel zu den Hintergründen der agierenden Personen. Keiner von den Ermittlern z. B. ist einfach nur ein toller Hecht oder ein absoluter Unsympath. Jeder schleppt seine kleinen oder größeren Geheimnisse mit sich rum, von denen die anderen zwar nichts wissen, über die ich als Leser aber informiert werde und mir dabei schon über die eine oder andere mögliche Konsequenz Gedanken mache.


    Ich begegnete auch Charakteren, mit Parallelen zu Leuten, wie ich sie ähnlich aus dem realen Leben kenne. Menschen mit übersteigertem Ehrgeiz oder Menschen, die überhaupt nicht begreifen, dass sie stets viel zu weit in die Privatsphäre anderer eindringen, ohne es selbst zu merken. Lustig fand ich dabei, dass selbst ein Typ wie Sebastian Bergmann nicht in der Lage ist, sich dauerhaft dagegen zu wehren.


    Obwohl Teile des Showdowns doch vorhersehbar waren, minderten diese bei mir den Lesegenuss nicht im Geringsten. Dass am Ende allerdings ein böser Cliffhanger eingebaut wurde und ich im Moment noch nicht weiß, wann ich mit einer Fortsetzung rechnen kann, das ärgert mich mehr.

    Resümee


    Obwohl ich den Vorgänger noch nicht kenne, hatte ich während des Lesens nicht das Gefühl, dass mir wichtiges Vorwissen fehlt. Kurze Anspielungen auf die Vergangenheit machten mich eher neugierig. „Der Mann, der kein Mörder war“ ist inzwischen von mir gekauft. Aber auch auf den nächsten Fall für Sebastian Bergmann bin ich aufgrund des Endes sehr gespannt. Für mich war „Die Frauen, die er kannte“ auf jeden Fall spannende Unterhaltungslektüre und dafür gibt es natürlich auch eine Leseempfehlung.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

    :study: Fünf Kopeken - Sarah Stricker


    Ein Tag ohne Lesen ist für mich ein Tag ohne Entspannung!

  • Und ein weiterer Pluspunkt: Es ist nicht erforderlich, die Reihenfolge in der Serie einzuhalten.


    Ich lese dieses Buch gerade und kann der obigen Aussage nicht ganz zustimmen: es gibt eine Stelle, an der auf den Täter des ersten Bandes Bezug genommen wird und ein konkreter Name genannt wird. Vielleicht ist es nicht so gravierend, weil Leser, die den ersten Band nicht kennen, leichter darüber hinweglesen, da es nur ein ganz kurzer Absatz ist.
    Dennoch würde ich dafür plädieren, möglichst die richtige Reihenfolge einzuhalten.
    Dann versteht man auch die Anspielungen besser.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Zum Inhalt


    Der Kriminalpsychologe Sebastian Bergman steht auch im zweiten Roman des Autorengespanns Hjorth & Rosenfeldt im Mittelpunkt. Vor 14 Jahren hat Bergman den Serienmörder Edward Hinde hinter Schloss und Riegel gebracht, der mehrere Frauen vergewaltigt und getötet hat.
    Seitdem hat sich in Bergmans Leben viel geändert: er hat bei dem Tsunami 2004 seine Frau und Tochter verloren und ist zu einem richtigen egozentrischen, zynischen Ekel mutiert, der wahllos mit allen möglichen Frauen Sex hat und sie dann wie heiße Kartoffeln fallen lässt.


    Plötzlich werden neue Morde an Frauen begangen, die Taten verlaufen genau wie seinerzeit die Morde von Edward Hinde. Dieser sitzt jedoch in einem Hochsicherheitstrakt ein und hat keinerlei Verbindung zur Außenwelt. Woher kann der Nachahmungstäter die detaillierten Informationen über die Mordserie von 1996 haben?
    Als Sebastian Bergman erkennen muss, dass die Opfer der neuen Mordserie allesamt ehemalige Eroberungen von ihm sind, muss die Reichsmordkommission wohl oder übel erneut mit ihm zusammenarbeiten, obwohl er sich dort bereits beim vergangenen Fall ("Der Mann, der kein Mörder war") sehr unbeliebt gemacht hat. Vom Mordfall abgesehen, hat Bergman aber auch noch seine ganz persönlichen Gründe, warum er unbedingt wieder im Team von Torkel Höglund mitarbeiten will...


    Eigene Beurteilung


    Wie der erste Roman ist auch dieses Buch sehr spannend zu lesen und bietet unterhaltsame Stunden. Die Charakterisierung einiger Figuren war mir hier allerdings viel zu unglaubwürdig: Der Protagonist ist der größtmögliche Unsympath, dessen Benehmen an und für sich schon unglaubwürdig ist. Noch unrealistischer ist aber seine Verwandlung, als es um eine Person geht, die ihm nahe steht. Plötzlich ist der gnadenlose Egomane bereit, für einen anderen Menschen sogar sein Leben zu geben.
    Auch der inkompetente Polizist Thomas Haraldsson aus dem ersten Roman taucht wieder auf. Schon im Vorgängerroman war dieser Haraldsson wegen seiner Dummheit aufgefallen. Er hat inzwischen die Arbeit bei der Polizei aufgegeben und leitet nun die Haftanstalt, in der Edward Hinde einsitzt. Wie kommt ein solcher Mensch zu einem solchen Führungsposten? Niemand in seiner Position würde sich einem hochintelligenten Serienmörder gegenüber so naiv und leichtsinnig verhalten wie er.
    Auch die Figur der Ellinor, einer Bettbekanntschaft von Bergman, die sich nicht so einfach "ablegen" lassen will, scheint mir sehr unrealistisch gezeichnet zu sein. Sie bringt allerdings Humor in die Geschichte und sorgt auch für einen kleinen Cliffhanger am Ende... :wink:


    Die Motive der beiden Täter sind nur teilweise nachzuvollziehen: im Fall von Edward Hinde ist dies noch möglich, im Fall des Nachahmungstäters kann ich mir kein anderes Motiv vorstellen als dessen Bewunderung für den "Meister" Edward Hinde. Ansonsten sind seine Taten unlogisch.


    :arrow: "Die Frauen, die er kannte" ist ein unterhaltsamer und streckenweise sehr spannender Kriminalroman, der aber wegen der schwachen Charakterisierung der Figuren nicht an den ersten Band heranreicht. Trotz der Tatsache, dass ich vieles als unglaubwürdig empfunden habe, werde ich auch den nächsten Band lesen, hoffe aber, dass die Autoren dann nicht ganz so dick auftragen.
    Ich empfehle, die beiden Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, weil Bergmans Hauptmotivation für die Zusammenarbeit mit der Reichsmordkommission auf einer Tatsache beruht, die erst am Ende des ersten Bandes offensichtlich wurde.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Danke für deine Meinung, €nigma. Auch wenn unsere Meinung doch voneinander abweicht, ist es immer wieder schön, die verschiedenen Beurteilungen zu lesen. Meinst du mit der Motivation Bergmanns diese Tatsache?

    Ich halte es allerdings nach wie vor nicht für unbedingt erforderlich, eine Reihenfolge einzuhalten, aber ok, dass ist natürlich Ansichtssache. :)

    :study: Jeder Tag, an dem ich nicht lesen kann, ist für mich ein verlorener Tag!

  • Ja, er hat ja im letzten Band nach Auffinden des Briefes die ganze Zeit nach seiner ehemaligen, seinerzeit von ihm schwangeren Geliebten und dem Kind gesucht.


    Wenn ein Leser das schon durch den zweiten Roman wüsste, könnte ich mir vorstellen, dass ein Teil des Lesevergnügens beim ersten Band verloren ginge.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
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  • In Stockholm werden mehrere Frauen getötet. Die Morde erinnern
    bis ins Detail an die, die Edward Hinde 15 Jahre vorher beging, allerdings ist
    Hinde seitdem im Gefängnis. Gibt es einen Nachahmungstäter? Als sich
    herausstellt, dass alle Frauen intimen Kontakt mit Sebastian Bergman hatten,
    einem Psychologen und Profiler, der zwei Bücher über Hinde veröffentlicht hat,
    rückt Letzterer wieder in den Mittelpunkt der Ermittlungen.


    Sebastian Bergman und die Ermittler dieses Bandes kennt man
    schon aus „Der Mann, der kein Mörder war“. Ich allerdings nicht, denn ich habe
    den Vorgängerband (bisher) nicht gelesen. So waren mir die Charaktere hier auch
    alle zunächst fremd. Sie gefallen mir aber ausnehmend gut – auch wenn mir nicht
    alle sympathisch sind – sie haben alle ein Privatleben, das auch ausführlich im
    Roman behandelt wird. Das schadet dem Buch aber nicht, im Gegenteil, dadurch
    erhalten die Charaktere einen sehr persönlich Touch und kommen einem emotional sehr
    nahe. Das Privatleben hat auch durchaus Auswirkungen auf die Ermittlungsarbeiten,
    dadurch wirken die Charaktere auch sehr authentisch. Wichtig ist dabei
    natürlich, dass die Ermittlungen nicht aus den Augen verloren werden und das
    ist hier nicht der Fall.


    Der Roman hat mir sehr gut gefallen – und er ist ungeheuer
    spannend. Trotz der über 700 Seiten hat das Buch keine Längen. Schön fand ich
    die Einteilung in viele kleine Abschnitte, die aus der Sicht verschiedener
    Personen geschrieben waren, sei es aus Sicht der Ermittler, des Täters,
    möglicher oder tatsächlicher Opfer usw. Auch der Abschluss des Romans hat mit
    sehr gut gefallen, so dass es für mich eine rundum gelungene Lektüre war. Allen
    Freunden (nicht nur) schwedischer Krimis kann ich das Buch uneingeschränkt
    empfehlen.


    Von mir volle Punktzahl

  • Der zweite Teil der Reihe konnte mich wie schon der Vorgänger überzeugen. Was mich am meißten an diesen Büchern fasziniert, ist die Stimmigkeit. Die Charaktere sind nicht fehlerlos, stark und schön, sondern wie im echten Leben auch einfach mal unsympatisch. Mir ist Sebastian Bergan trotz (oder vielleicht gerade wegen) seiner Eigenheiten irgendwie ans Herz gewachsen. Auch die Abläufe in der Geschichte erscheinen mir als realistisch.
    Insgesamt macht das Buch auf mich einen sehr stimmigen Eindruck. Das hat mir auch wärend des Lesens sehr viel Spaß gemacht. Die Spannung war durchgängig vorhanden und konnte sich zum Finale noch steigern. Jetzt hoffe ich, dass mir der dritte Teil genauso viel Spaß bereiten wird!
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    2018: gelesen/SUB --> 47/91
    2017: 49/87;
    2016: 43/92; 2015: 33/84; 2014: 36/56; 2013: 52/37; 2012: 52/39

  • Ich würde für Hjorth & Rosenfeldt ja irgendwie wirklich gerne die Höchtswertung vergeben, denn es sind auf jeden Fall überaus unterhaltsame Krimis, die das Autorenduo da abliefert. Aber ich kann mich trotz allem Lesespaß irgendwie nicht dazu durchringen und das liegt an ein paar Ungereimtheiten, die für mich einfach Ärgernisse sind. Zum einen ist da nach wie vor Sebastian Bergman als der Abschlepper vom Dienst, der nur auf eine Veranstaltung gehen muss und immer eine Mitvierzigerin findet, die am ersten Abend die Beine für ihn breit macht. Ansonsten habe ich aber meinen Frieden mit ihm gemacht (die Karte des obersten Unsympathen hat nun Ursula gezogen), im ersten Teil war er mir noch sehr unsympathisch. Mittlerweile kommt hinter seiner Fassade ein klein wenig der Mensch hervor und vor allem seine Schwächen sind kaum mehr zu übersehen, was ihn ein wenig greifbarer macht. Zum anderen sind da noch einige Punkte, die für mich einfach zu unrealistisch sind: Niemals würde ein unfähiger Typ wie Haraldsson an den Posten eines Gefängnisdirektors kommen, in dessen Gebäude auch noch Serienmörder in Hochsicherheitsverwahrung sind. Auch eine Frau wie Vanja, die ja zu den besten Polizisten des Landes gehören soll, hätte sich vermutlich besser im Griff und würde, selbst auf Menschen, die ihr vollkommen zuwider sind, professioneller reagieren und nicht wie eine beleidigte Teenagergöre. Zudem war der ganze Serienmörder-Fall schon sehr, sehr amerikanisch und das schwedische Flair ging ein klein wenig verloren. Es hätte sich genauso an jedem Platz der Erde abspielen können. Aber mehr lästern will ich nicht mehr, denn wie schon erwähnt hat "Die Frauen, die er kannte" großen Spaß gemacht, war immer spannend und selbst über die große Anzahl von über 700 Seiten gab es keinerlei Längen.
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study: Ulrike Herwig - Schiefer die Socken nie hingen

    :study: 2020 gelesen: 46 :study: SUB: 301

  • 4,5 Sterne


    Klappentext


    Wieder wurde in Stockholm eine Frau ermordet, sie ist bereits das dritte Opfer. Die Handschrift der Taten deutet auf einen berüchtigten Serienmörder: Edward Hinde, manipulativ, grausam, hochintelligent. Doch Hinde sitzt seit Jahren im Hochsicherheitstrakt.


    Daher holt Kommissar Höglund jenen Mann ins Team, der Hinde einst hinter Gitter brachte – Kriminalpsychologe Sebastian Bergman. Für den Kommissar und sein Team ist der arrogante Einzelgänger eine Zumutung, für Bergman der Fall ein Albtraum: Denn der Name des vierten Opfers ist ihm nicht unbekannt.


    Meine Meinung


    Der erste Band hat mir ja schon sehr gut gefallen und da ich den zweiten schon auf dem SuB hatte, musste ich gleich weiterlesen. Zum Glück, denn der zweite toppt den ersten sogar noch. Trotzdem musste ich einen halben Stern abziehen, weil sich der Anfang hier etwas hingezogen hat. Was aber danach kam, war einfach nur genial!


    Es geht einige Monate nach dem ersten Fall in Väseras weiter - und man sollte die Bände wirklich der Reihenfolge nach lesen, denn auch wenn die Mordfälle in sich abgeschlossen sind, stehen hier auch vor allem die Protagonisten, ihre Gefühlswelt und Beziehungen zueinander im Vordergrund. Es gibt natürlich kleine Rückblicke und Hinweise, was im ersten Teil vorgefallen ist, aber das ganze ist so ineinander aufgebaut, dass man es nicht so gut nachvollziehen kann, wenn man die vorherigen Umstände nicht kennt.


    Während im ersten Band der Fokus auf Sebastian Bergman, Vanja Lithner und Torkel Höglund lag, erfährt man hier auch mehr über die beiden anderen im Ermittlerteam: Ursula und Billy. Aber auch Thomas Haraldsson ist wieder mit von der Partie, der im vorigen Fall eine etwas unglückliche Rolle gespielt hat und der auch hier wieder eine etwas unglückliche und ungewollt komische Figur abgibt. Er macht irgendwie immer alles verkehrt, egal, was er anpackt.
    Sebastian Bergmans Verhalten wird immer abstruser, aber immer noch glaubwürdig. Sein Leben ist so völlig aus dem Ruder gelaufen und ich hab mit Staunen und Bestürzung verfolgt, auf welche grotesken Ideen er kommt!
    Vanja ist sich ihrer Linie treu und dieses Mal wird ihr freundschaftliches Verhältnis mit Billy mehr unter die Lupe genommen. Billy ist ja bei den Ermittlungen immer etwas im Hintergrund, aber seine neue Freundin My gibt ihm den Auftrieb, sich zu profilieren und seinen Stand im Team mehr herauszufordern.
    Ursula war für mich im ersten Band noch eher eine Randfigur und je mehr sie jetzt in den Vordergrund tritt, desto weniger kann ich sie einschätzen. Einerseits hat sie sich mit einigen Ansichten meine Sympathie verwirkt, andererseits kamen aber auch Hintergründe ans Licht, die mich ihr wieder näher gebracht haben.


    Der Fall an sich ist noch komplexer aufgebaut und hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem ersten - die Autoren haben hier kein Muster, nach dem sie vorgehen, es ist überraschend und nach dem etwas trägen Anfang nur fesselnd! Abgründe der menschlichen Psyche tun sich hier auf und wieder spielt die Vergangenheit eine große Rolle. Es wird sehr gekonnt dargestellt, welche Päckchen jeder Mensch aus seiner eigenen Geschichte mit sich trägt und wie jeder anders darauf reagiert und damit umgeht. Eine Charakterstudie der ganz besonderen Art.
    Die kleinen Cliffhanger am Ende der Kapitel haben mich einfach nur weitergetrieben, die Perspektiven haben auch hier wieder oft gewechselt - ein Stil, der mich immer mehr begeistert! Überhaupt ist die Schreibweise sehr mitreißend, geradlinig und nur an sehr wenigen Stellen, eben am Anfang, etwas ausschweifend.
    Am Ende gibt es wieder eine böse Überraschung, eine Entwicklung, auf die ich jetzt schon so gespannt bin, dass ich sicher bald den dritten Band lesen werde.


    Fazit


    Trotz des etwas langgezogenen Anfangs ein Highlight, denn der Fall und die persönlichen Verwicklungen sind einfach genial durchdacht und so fesselnd geschrieben, dass es mich einfach nicht losgelassen hat! Bisher kann ich die Reihe für jeden Krimifan empfehlen!


    © Aleshanee
    Weltenwanderer



    Sebastian Bergman Reihe


    1 - Der Mann, der kein Mörder war
    2 - Die Frauen, die er kannte
    3 - Die Toten, die niemand vermisst
    4 - Das Mädchen, das verstummte

  • Leider hat auch mir dieser Band nicht so gut gefallen wie der erste, obwohl ich ihn in anderthalb Tagen weggelesen habe.


    Die Entwicklung, die Sebastian macht, ist nicht ganz glaubwürdig, vor allem nicht,

    - glaub ich ihm nicht.


    Auch Gefängnisdirektor Haraldsson, bereits im ersten Band die am meisten überzeichnete Figur, ist jetzt noch übertriebener dargestellt. Ein solcher Mann auf einem solchen Posten, das ist einfach nicht nachvollziehbar. Die Autoren haben sich und ihrem Buch keinen Gefallen getan, diese Figur so stark und so strunzdumm in den Vordergrund zu stellen.


    Und dann Hinde, ein "Hannibal für Arme". Na gut, er hat nicht gerade Stücke aus seinen Opfer gebissen, aber ansonsten gab es einfach zu viele Parallelen, als dass es nicht auffallen würde. Dass diese Serienmörder generell intelligent, ihrem Gegenüber bis kurz vor Ende überlegen und absolut gefühllos sind --- kann nicht irgendein Autor mal eine andere Sorte erfinden?


    Spannend war das Buch auf alle Fälle, und der nächste Band ist in der Bücherei vorbestellt.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Hm, was du über Sebastian Bergman schreibst kann ich schon nachvollziehen, da er ja komplett in diese neue Situation reinmanövriert wurde und er jetzt einfach zu bequem ist, um daran etwas zu ändern. Fand ich jetzt nicht so schlimm ...


    Und Leute wie Haraldsson auf solchen Posten? Ich glaube, die gibts leider zur Genüge *lach* Parallelen hab ich keine gesehen, weil ich einfach viel zu gefangen von dem ganzen Thema war. Klar sind die Charakter überzogen, aber das stört mich gar nicht, weil die Verwicklungen einfach so krass sind, dass es das "Das ist so schlimm und obwohl ich wegschauen will muss ich einfach hinschauen" Gen bei mir auslöst (Was ich eigentlich gar nicht habe aber dafür kann ichs in Büchern ausleben! :D)

  • Und Leute wie Haraldsson auf solchen Posten?


    Ja leider. Aber über etwas, das mich in der Realität ärgert, will ich mich nicht auch in Büchern ärgern. Davon abgesehen: Personen, die nicht passen, beeinflussen die Qualität eines Buches.


    weil die Verwicklungen einfach so krass sind


    So krass fand ich sie gar nicht.


    Für mich gehört die Bergmann-Reihe zu den hochspannenden, temporeichen, schnell gelesenen, aber ebenso schnell vergessenen Krimis. Gute Unterhaltung, doch kein längerer Nachhall.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Im Vergleich zum 1. Teil geht es actionreicher zu, fast wie in einem Hollywood-Blockbuster. Einige Passagen erinnern sehr stark an Das Schweigen der Lämmer.
    Die handelnden Figuren entwickeln sich ( weiter oder zurück sei mal nicht weiter ausgeführt, dass kann jeder selbst entscheiden ). Wieder ist es eine gute Mischung aus Ermittlungsarbeit und Einblick in das jeweilige Privatleben. Ich fühlte mich gut unterhalten. Diesmal ist die Fährtenauslegung auf ein Minimum reduziert, was ich in diesem Fall aber logisch finde.
    Was mich jedoch gestört hat:
    Beim ersten Teil habe ich sehr zu meiner Zufriedenheit festgestellt, dass auf effekthaschende, detaillierte Beschreibung von Gewaltanwendung wurde. In diesem Fall wird für mich im Vergleich sehr darauf eingegangen. Vielleicht bin ich zu empfindlich, gerade wenn Kinder und/oder Tiere darin eine Rolle spielen, halte ich das kaum bzw. gar nicht aus. Dasselbe gilt für wiederholte, nahezu identische Schilderung von Gräueltaten, die bereits detailliert beschrieben wurden. Ich brauche es nicht so detailliert und Wiederholungen genauso wenig.


    Fazit:
    Guter Krimi mit (zu vielen) amerikanischen Anleihen :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Der zweite Fall gefiel mir richtig gut! Mit den Personen werde ich langsam warm, wobei sie aber teilweise noch blass bleiben. Ursula mochte ich hier lieber als im vorherigen Buch. Keine kindischen Aktionen mehr.


    Dafür ist Vanja nun die größte Nervensäge der Reihe. Für mich sogar unter den nervigsten fiktiven Personen aller Zeiten. Man kann nicht glauben, dass man in diesem Alter so kindisch ist. Schlimmer als jeder bockige Teenie. :roll:


    Ich hoffe, dass ihr Verhalten in Teil 3 besser wird. Ansonsten mag ich die Reihe wirklich sehr und ich lese auch gleich die anderen Bücher hinterher.

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