Michael Römling - Schattenspieler

  • Kurzbeschreibung:
    April 1945: Berlin liegt in Schutt und Asche, und die Rote Armee steht bereits vor den Toren der Hauptstadt. In den Wirren der letzten Kriegstage kreuzen sich die Wege von Friedrich und dem jüdischen Jungen Leo, der die Nazizeit in dunklen Kellern überleben konnte. Beide sind auf der Jagd nach einem großen Geheimnis: Irgendwo in Berlin liegt ein unsagbar wertvoller Schatz verborgen, den ein hochrangiger SS-Offizier vor Kriegsende noch schnell beiseiteschaffen will. Bald stoßen die Freunde auf eine heiße Spur. Doch die Zeit wird knapp, denn Friedrich und Leo sitzt ein mächtiger Gegner im Nacken, der vor nichts zurückschreckt.


    Zum Autor:
    Dr. Michael Römling, geboren 1973 in Soest, studierte Geschichte in Göttingen (wo er inzwischen wieder lebt), Besançon und Rom. Nach einem Stipendium am dortigen Deutschen Historischen Institut promovierte er mit einer Arbeit über spanische Soldaten in Italien im 16. Jahrhundert. Er schreibt und verlegt Stadtgeschichten, Bildbände und Stadtführer im von ihm mitgegründeten Tertulla-Verlag. Nach Signum - Die verratenen Adler (2009) ist Schattenspieler sein zweiter historischer Roman.


    Rezension:
    In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 in Berlin: Ein Mann versucht, 28 Kisten mit einem legendären Schatz, die er sich in den Kriegswirren angeeignet hat, in Sicherheit zu bringen und zu verstecken. Bei seinem illegalen Vorhaben und dem Mord an zwei Mithelfern wird er von dem 16-jährigen jüdischen Jungen Leo beobachtet, der den Krieg in verschiedenen Verstecken überlebt hat.


    Zusammen mit dem gleichaltrigen Friedrich, den Leo zufällig kennenlernt und bei dem er zusammen mit dessen Mutter und seiner blinden Schwester Marlene wohnen darf, macht sich Leo auf, um das Geheimnis des mysteriösen Mannes und der 28 Kisten zu lüften. Auch die Russen und Briten sind plötzlich auf der Suche nach dem legendären Schatz. Wem können Friedrich und Leo sich anvertrauen, wo doch alle Beteiligten etwas im Schilde zu führen scheinen?


    Mit Schattenspieler ist Michael Römling ein wirklich abenteuerlicher und spannender Jugendroman gelungen, der auch für Erwachsene interessant sein dürfte. Das Setting, das Berlin im Jahre 1945 ein paar Tage nach Kriegsende, schildert der Autor sehr intensiv, bildhaft und detailreich und lässt auch viele historische Fakten miteinfließen, die diesen Roman noch ein wenig authentischer erscheinen lassen.


    Die Geschichte um Leo und Friedrich ist von Beginn an spannend und fesselnd und dieser Spannungsbogen kann sich bis zum Ende hin durchweg halten. Der Schreibstil von Michael Römling lässt keine Wünsche offen. Er ist bildhaft, leicht zu lesen und lässt den Leser zusammen mit Leo und Friedrich das zertrümmerte Berlin erkunden.


    Die beiden jugendlichen Protagonisten sind auf Anhieb sympathisch. Leo ist trotz seiner traumatischen Vergangenheit ein äußerst liebenswerter und freundlicher Junge, Friedrich eher der draufgängerische Gegenpart, sehr neugierig und versucht gerade wegen der Vergangenheit seines Vaters, die er erfahren muss, das Geheimnis um die 28 mysteriösen verschollenen Kisten zusammen mit Leo aufzudecken.


    Ich kann Schattenspieler nur wärmstens an Leser empfehlen, die gerne einen Abenteuerroman gepaart mit etwas Historie lesen möchten. Der Roman konnte mich von vorne bis hinten begeistern und bietet am Ende zusätzlich noch ein ausführliches Glossar über Positionen, Instanzen und Personen während des Dritten Reiches und der Kapitulation Deutschlands. Auch ein interessantes Nachwort des Autors fehlt nicht. Michael Römling sollte man sich definitiv merken!


    Fazit: Mit Schattenspieler legt Michael Römling ein abenteuerliches und spannendes Jugendbuch vor, dass das Thema Zweiter Weltkrieg und die Wirren in Berlin kurz nach der Kapitulation anschaulich darstellt. Sehr empfehlenswert!

  • Das Buch klingt echt ganz interessant - vielen Dank für deine Rezi! Ich setze es mal auf die Wunschliste. :wink:

    "Hab Vertrauen in den, der dich wirft, denn er liebt dich und wird vollkommen unerwartet auch der Fänger sein."
    Hape Kerkeling


    "Jemanden zu lieben bedeutet, ihn freizulassen. Denn wer liebt, kehrt zurück."
    Bettina Belitz - Scherbenmond


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  • April 1945: Berlin liegt in Schutt und Asche, und die Rote Armee steht bereits vor den Toren der Hauptstadt. In den Wirren der letzten Kriegstage kreuzen sich die Wege von Friedrich und dem jüdischen Jungen Leo, der die Nazizeit in dunklen Kellern überleben konnte. Beide sind auf der Jagd nach einem großen Geheimnis: Irgendwo in Berlin liegt ein unsagbar wertvoller Schatz verborgen, den ein hochrangiger SS-Offizier vor Kriegsende noch schnell beiseiteschaffen will. Bald finden die Freunde eine heiße Spur. Doch die Zeit wird knapp, denn Friedrich und Leo sitzt ein mächtiger Gegner im Nacken, der vor nichts zurückschreckt.



    "Schattenspieler" hat mich positiv überrascht, denn es ist kein Buch über das Dritte Reich, das die allseits bekannten Fakten erneut aufwärmt, sondern eine fiktive Geschichte, die lediglich in dieser Zeit spielt.
    Michael Römling hat eine spannende Geschichte geschaffen, die zwar die Zeit um 1945 anschaulich wiedergibt, den Fokus aber nicht spezifisch dort anlegt. Wichtige Fakten werden in die Handlung mit eingefügt, um so eine eigenständige Geschichte zu schaffen, die in die Richtung Verschwörungstheorie und Abenteuerroman geht.
    Der Autor hat die erwähnten historisch belegten Fakten gut recherchiert und dabei eigene Ideen zu bestimmten Themen mit einfließen lassen. Dies hat er miteinander verknüpft und so eine Handlung geschaffen, die tatsächlich so geschehen sein könnte, denn lediglich die Handlung ist fiktiv, das Umfeld hingegen ist um die Zeit von 1945 genau so passiert.
    Viel Authentizität begleitet dieses Roman, ohne dabei zu stark auf die Kriegswehen einzugehen oder Dinge zu verharmlosen.
    Die leicht detektivisch angehauchte Handlung wird durch viele überraschende Wendungen konstant spannend gehalten und beschert Kurzweil.
    Das Nachwort, sowie das Glossar am Ende bieten noch einen intensiveren Einblick in Begrifflichkeiten, Personen und Schauplätze der damaligen Zeit und sind interessant und anschaulich zu lesen.



    Die Protagonisten sind auf Anhieb sympathisch. Trotz der harten Jahre haben sie sich ihre kindliche Neugier bewahrt ohne dabei an Authentizität zu verlieren. Es macht viel Freude ihre "Ermittlungen" zu begleiten. Die vielen, größtenteils fiktiven, Nebencharaktere runden das Gesamtbild ab und schaffen ein authentisches Bild der Zeit vor und nach Hitlers Tod.



    Michael Römling schreibt sehr bildhaft und fesselnd. Er schafft es, historische Fakten im richtigen Maß in eine fiktive Geschichte einfließen zu lassen, ohne dabei die Kernelemente zu vernachlässigen.



    Nicht nur das Cover sei hier positiv erwähnt, denn der Schutzumschlag ist leicht durchsichtig und gibt den Blick auf den darunterliegenden Einband frei. Dieser Einband ist eine alte Berliner Straßenkarte und eine wirklich tolle Idee. Auch Fotos an den Innenseiten des Einbands runden die Optik ab. Man bekommt einen tollen Einblick in das Berlin des Dritten Reiches.

  • Michael Römling wagt sich in seinem neuen Jugendbuch in die dunkelste Zeit Deutschlands, den zweiten Weltkrieg. Er erzählt in diesem fiktiven Roman die Geschichte zweier Jungen: die Leos, dem jüdischen Jungen, der seit Jahren versteckt vor den Nazis als sogenanntes U-Boot lebt und die des deutschen Jungen Friedrich, dessen von der Mutter getrennt lebender Vater zwar in den letzten Tagen des Krieges fällt, der ansonsten aber vom Krieg nicht sonderlich betroffen war. Diese beiden Jungen haben kaum etwas gemeinsam, der eine ist vom Krieg gebeutelt und durch die Hölle gegangen, der andere hatte kaum darunter zu leiden. Mit Friedrich kann man sich als Mensch, der nie die Schrecken eines Krieges miterleben musste und nur eine ganz wage Vorstellung davon hat, wie die Juden unter den Grausamkeiten des Naziregimes zu leiden hatten, gut identifizieren. Für Leo, der in meinen Augen für die unendlich vielen verfolgten Juden steht, bleibt „nur“ Mitgefühl und ein Stück weit Bewunderung.


    Ein Buch über den zweiten Weltkrieg zu schreiben, der stattfand, als man selbst noch gar nicht lebte, ist immer ein Wagnis. Michael Römling hat es getan und mit Bravour gemeistert. Seine Recherche scheint sehr umfangreich gewesen zu sein, denn was er schreibt, liest sich, als sei der Autor wahrhaftig dabei gewesen. Die Fakten, die er über Angriffe, die Machtübernahme der Russen und Briten und das Leben unter der Besatzung liefert, decken sich mit dem, was man in Berichten von Zeitzeugen lesen kann. Römling beschönigt nichts, die Feigheit vieler Deutschen angesichts des verlorenen Krieges findet genau so Erwähnung wie die Vergewaltigung vieler deutscher Frauen durch Soldaten der Besatzungsmächte. Doch trotz all der schrecklichen Dinge, die damals geschahen, ist der Grundton dieses Romans ein eher fröhlicher. Das liegt zum einen daran, dass Leo nicht mit seinem Schicksal und der Vergangenheit hadert, sondern sich freut, den Krieg überlebt zu haben und hoffnungsvoll in die Zukunft blickt. Zum anderen liegt es daran, dass die Suche nach dem Kriegsschatz und das damit verbundene Abenteuer der beiden Jungen im Mittelpunkt der Geschichte stehen. Zwar bleibt einem der Krieg die ganze Zeit im Hinterkopf, aber rückt nur sehr selten in den Vordergrund und zieht einen deswegen nicht so runter wie andere Bücher über den zweiten Weltkrieg es manchmal tun.


    Die Erzählperspektive wechselt von Kapitel zu Kapitel, mal wird die Geschichte aus Leos Sicht erzählt, dann aus der Friedrichs, der eines russischen Offiziers oder aber der eines hochrangigen Nazi- Offiziers, so dass der Leser zu jeder Zeit über alle Geschehnisse informiert ist. Trotzdem ist „Schattenspieler“ sehr spannend, denn wie die einzelnen Handlungsfäden miteinander in Zusammenhang stehen, erschließt sich erst nach und nach. Man beginnt selbst zu überlegen, rätselt mit und lässt sich von Leos und Friedrichs Abenteuerlust anstecken. Aus diesem Grund dürfte das Buch eine große Bandbreite an Lesern ansprechen, denn es ist ein historischer Roman, ein Abenteuerroman und ein tiefgründiges Jugendbuch zugleich.
    Bücher über die Zeit der Judenverfolgung zu lesen, ist in den meisten Fällen alles andere als leicht. Die Geschichten wühlen auf, machen betroffen und wütend und ziehen in ein tiefes Loch, aus dem man sich nicht einfach so wieder befreien kann. Michael Römlings „Schattenspieler“ verspricht trotz der negativ behafteten Thematik Lesespaß für jung und alt und bringt dem Leser die Nazizeit näher ohne zu sehr auf das Gemüt zu schlagen.

  • Gegen das Vergessen


    Lesen gehört zu meinen größten Leidenschaften. Durch das Eintauchen in Geschichten, die nichts mit meinem Alltag zu tun haben, finde ich Entspannung und schöpfe Kraft zum Weitermachen. In meiner Familie und im Freundeskreis gibt es erfreulicherweise auch Kinder und Jugendliche, die ebenfalls gern und viel lesen. Um das zu Fördern und um mich mit Ihnen austauschen zu können, greife ich auch immer wieder gern bei den Jugendbüchern zu.


    Als ich "Schattenspieler" bei Amazon Vine entdeckte und die Kurzbeschreibung las, war ich sehr interessiert, da die Geschichte kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs spielt. Das Ende einer Ära mit schlimmen Verbrechen und menschenverachtenden Ideologien, die sich nicht wiederholen darf. Viel zu oft höre ich von meinem jüngeren Sohn, dass es seine direkten Umfeld (Berufsschulklasse) junge Menschen gibt, die doch tatsächlich behaupten, dass es den Holocaust nie gegeben hätte und die noch ganz viel ähnlichen Schwachsinn von sich geben.


    In den Wirren der letzte Kriegstage


    Im April 1945 ist der Zweite Weltkrieg fast zu Ende. Leo, ein jüdischer Junge, der sich durch Helfer vor den Nazis seit Jahren versteckt halten konnte, muss nach einem Bombenangriff aus seinem bisherigen Unterschlupf fliehen. Friedrich, ein junger Kriegsdienstverweigerer, hielt sich ebenfalls vor den Nazis versteckt.


    Als sie sich kennenlernen, haben sie trotz ihrer komplett unterschiedlichen Herkunft sofort einen Draht zueinander. Gemeinsam kommen sie einem Nazi auf die Spur, der einen Schatz in Berlin versteckt hat. Neugierig begeben sich die beiden auf die nicht ungefährliche Suche…

    Schattenspieler


    Der 1973 in Soest geborene Autor und promovierte Historiker Dr. Michael Römling hat mit "Schattenspieler" ein gutes und meiner Meinung nach geschichtlich korrektes Jugendbuch mit sympathischen Hauptprotgonisten auf den Markt gebracht. Der einfache und flüssige Schreibstil und die angenehme Sprache sorgten von Anfang an für einen angenehmen Lesefluss. Bereits auf den ersten Seiten konnten mich einige Dialoge richtig begeistern.


    Obwohl die Schrecken des zweiten Weltkrieges in der Geschichte nicht vordergründiges Thema sind, spürt man sie mehr als deutlich. Der Holocaust wird anhand Leos Schicksal zwar nur angerissen, die schlimmen Bilder sind aber sofort im Kopf. Auch die Bilder des durch Bomben zerstörten Berlins und die zahlreichen Gefahren für die Protagonisten standen deutlich vor meinen Augen.


    Im weiteren Verlauf der Handlung fand ich die Darstellung der Geschehnisse sehr gelungen. Keine Schwarz-Weiß-Malerei, so wie sie mir z. B. noch in der Schule beigebracht wurde. Ich stamme ja aus den neuen Bundesländern und als wir das Thema 2. Weltkrieg hatten, war alles was die russische Armee getan hat, gut und richtig. Sie waren die Befreier. Dass es auch dort Soldaten gab, die Frauen vergewaltigten oder weil sie durchdrehten sehr schnell am Erschießen waren, wurde totgeschwiegen.


    Allerdings kann ich die Gedankengänge der im Buch in diesem Zusammenhang erwähnten Figuren durchaus auch nachvollziehen und könnte nicht dafür garantieren, dass ich in ähnlicher Situation anders/richtig reagieren würde. Es regt in jedem Fall zum Nachdenken an. Wenn Gewalt immer Gegengewalt erzeugt… Daher hat mir sehr gut gefallen, dass Friedrichs Familie nicht in Sippenhaft genommen wurde und dass der russische Kommandant auch als kulturell interessierter Mensch dargestellt wurde.


    Die Schatzsuche an sich hätte meiner Meinung nach gern noch etwas mehr Spannung beinhalten können. Sie ging mir ein bisschen zu plätschernd los. Allerdings war es wiederum auch wieder hochinteressant zu lesen, wie geschickt der Gegenspieler alles eingefädelt hatte. Dass es viele gab, die sich versuchten in ähnlicher Manier aus der Affäre zu ziehen, ist ja hinlänglich bekannt.


    Der Showdown war aber richtig packend und um was es sich bei dem Schatz dann tatsächlich handelte, das hat mich wirklich überrascht.

    Resümee


    Alles in allem hat mir "Schattenspieler" sehr gefallen. Und da hier vorwiegend männliche Protagonisten agieren, halte ich es auch als Lektüre für Jungen sehr geeignet. Durch die meiner Meinung nach sehr realistische Darstellung von historischen Ereignissen wie sie gewesen sind, getragen durch eine fiktive Geschichte und fiktive Protagonisten zur Verdeutlichung, wird auch ein großer Lerneffekt erzielt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung.

  • Der zweite Weltkrieg nähert sich seinem Ende. Berlin ist stellenweise total ausgebombt und die verbliebenen Einwohner warten auf den Einmarsch der Alliierten. Auch Wilhelm und Leo leben hier in einem teilweise zerstörten Haus, seitdem Wilhelm Leo vor den Nationalsozialisten gerettet hat. Leos Eltern sind tot und als Jude ist es für ihn lebensgefährlich, entdeckt zu werden. Wilhelm geht hier ein großes Risiko auch für seine eigene Sicherheit ein.
    Bei einem erneuten Luftangriff wird das Haus erneut beschädigt. Als Leo nach einer kurzen Bewusstlosigkeit wieder erwacht, sucht er Wilhelm jedoch vergebens. Von ihm ist keine Spur zu finden. Im Keller wird Leo von zwei Soldaten überrascht und Hals über Kopf flüchtet er durch die benachbarten Keller aus dem Haus. Mühevoll schlägt er sich bis außerhalb von Berlin durch und wird auf einem abgelegenen Hof heimlich Zeuge eines Doppelmords durch einen gewissen Sommerbier. Erneut rennt Leo davon und wird nach einem erschöpften Schlaf in einer Feuerwache von russischen Soldaten aufgegriffen. Den Tod schon vor Augen wird der Junge jedoch durch die erkennbaren Überreste seines entfernten Davidsterns gerettet und mutiert zum Maskottchen der Einheit, das sie zurück in die Stadt führen soll. Wird Leo überleben und wird er Wilhelm jemals wiedersehen?


    Parallel dazu lebt Friedrich relativ behütet mit seiner Mutter und seiner blinden Schwester in einer Villa in einem noch relativ gut erhaltenen Stadtteil Berlins. Die Vortäuschung von Taubheit hat ihn bis jetzt davor bewahrt in die Fänge des Miitärs zu geraten. Doch dann erreicht ihn die Nachricht, dass sein Vater, der sich bereits vor Jahren von seiner Familie abgewendet hat, gefallen ist. Dabei erfährt er, dass sein Vater irgendetwas für seine Familie in einer Grabstätte versteckt hat. In der Nacht macht er sich heimlich auf den Weg, das Geheimnis zu ergründen. Er wird fündig und bringt den Gegenstand seines Suchens zurück nach Hause. Hier entdeckt er gemeinsam mit seiner Mutter, um was es sich bei dem vermeintlichen "Schatz" handelt.


    Währenddessen Sommerbier, ein aktiver Nationalsozialist, Armeemitglied und von Seiten der Allierten gesuchter Verbrecher, sich ebenfalls auf dem Weg nach Berlin befindet. Mit dabei hat er 28 geheimnisvolle Kisten, die er verstecken will, um von deren Inhalt später zu profitieren. Hierbei macht er vor nichts und niemanden halt und verfolgt skrupellos seinen Weg. Was befindet sich wohl in den Kisten?


    War es zum Anfang hin noch ein wenig schwer, den diversen Handlungssträngen zu folgen und die einzelnen Charaktere auseinanderzuhalten, schlug dies beim weiteren Lesen in Begeisterung um, wie wunderbar und kunstvoll Michael Römling genau diese Handlungsstränge immer wieder miteinander verbunden hat. Dabei ist das zentrale Ziel aller Beteiligten die Suche nach den 28 Kisten. Wer wird sie zuerst entdecken?


    Die Auswirkungen des Krieges auf Land und Leute fand ich wirklich gut beschrieben. Die Zerstörungen von Berlin, die Übergriffe der einziehenden Soldaten gegenüber den deutschen Frauen und die teilweise vorherrschende Wertlosigkeit eines einzelnen Menschen wurden vom Autor sehr schön erklärt. Die Bilder sind zum Teil direkt vor meinem geistigen Auge entstanden und haben mich auch lange danach nicht wieder losgelassen. Immer wieder hat Michael Römling Stücke der deutschen Geschichte gekonnt mit einfließen lassen und verdeutlicht dabei, wie schlimm das Leben zu der damaligen Zeit war. Und doch gab es auch damals immer wieder Menschen, die sich in dieser furchtbaren Zeit ihre Menschlichkeit bewahrt haben und zum Teil auch kleine oder große Helden waren. Und obwohl manche Sequenzen des Buches heftige Momente der Vergangenheit widerspiegeln, sind die Beschreibungen so gehalten, dass nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche sie noch lesen können, mit dem Blick, auf das, was war und hoffentlich nie wieder sein wird, ohne dass die Beschreibungen sie in Angst versetzen. Das finde ich wirklich gelungen.


    Die Charaktere der Geschichte sind, meiner Meinung nach, jeder für sich etwas Besonderes. Angefangen mit dem tapferen Leo, der trotz aller Geschehnisse, seinen Mut und Lebenswillen nicht verloren hat, über die blinde Marlene, die die Welt auf ihre eigene Art wahrnimmt und dabei soviel mehr als andere sieht, bis zum russischen Oberst Sirinow, der sich trotz der Kriegsschrecken eine zeitweilige Feinfühligkeit und Anteilnahme bewahrt hat. Mit diesen Aufzählungen könnte ich noch lange weitermachen, denn jeder Charakter des Buches zeichnet sich durch irgendetwas aus, selbst der verachtenswerte Sommerbier, der die Kriegswirren dreist und gewitzt für sich ausnutzt.
    Und nicht nur die Personen der Geschichte sind so beachtenswert, sondern auch viele kleine Momente der Handlung, die man nicht gedankenlos an sich vorbeiziehen lassen sollte. An einer Stelle zum Beispiel bekommt der Davidsstern, der üblicherweise als Zeichen der Wertlosigkeit der Juden und deren drohenden Untergangs gilt, eine völlig neue und rettende Bedeutung. Bei einer anderen erweist sich die blinde Marlene als einzig Sehende.


    "Schattenspieler" ist einer spannender Jugendabenteuerroman, der mich durchgehend gefesselt und mich auch später nicht mehr losgelassen hat. Ich kann ihn nur jedem empfehlen und würde dabei dem Leser nahelegen, sich ausreichnend Zeit für diesen wahren Lesegenuss zu nehmen, damit all die schönen Momente, die ich angesprochen habe und von denen es noch viel mehr gibt, nicht unbeachtet an einem vorbeiziehen, sondern ausreichend beachtet werden.


    Das Cover des Buches ist ebenfalls etwas Besonderes. Während das eigentliche Buchcover eine Straßenkarte des alten Berlins ist, wird es von einer leicht durchsichtigen Schutzhülle umgeben, die wunderschön gestaltet ist und nun ein absoluter Hingucker in meinem Bücherregal ist.
    Erwähnenswert ist auch das dem Buch angehängte Glossar, das all jenen, die keine tiefergehenden Kenntnisse aus der damaligen Zeit besitzen, die gängigen Begriffe erklärt.


    Ich für meinen Teil war begeistert von "Schattenspieler" und ich bin mir ganz sicher, dass dies nicht der letzte Roman war, den ich von Michael Römling lesen werde.

    "Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt." Arabisches Sprichwort :study::flower: