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Daniela Meisel - Gegen einsam

Gegen einsam

3.5 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

Verlag: Picus Verlag

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 215

ISBN: 9783854526797

Termin: Februar 2012

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  • Klappentext:
    Manuel ist durchschnittlich. Er ist durchschnittlich groß, durchschnittlich schwer und hat einen durchschnittlichen Beruf. Bloß in einem will er nicht durchschnittlich sein: Siebzehntausend Dinge besitzt ein Mensch im Durchschnitt, und Manuel hat sich zum Ziel gesetzt, vierunddreißigtausend Dinge zu besitzen. Das ist sein Versuch, sich gegen die Einsamkeit zu wehren. Maja ist ebenfalls einsam. Ihre Arbeit ist langweilig, ihre beste Freundin ist eine taubstumme ältere Dame, ihre Freizeit verbringt sie damit, WG-Zimmer zu besichtigen. Anders als Manuel, der Gegenstände sammelt, sammelt sie Begegnungen. Als die beiden aufeinandertreffen, wissen sie zunächst nichts miteinander anzufangen, so unterschiedlich sind ihre Lebensentwürfe. Doch bald schon spüren sie, was sie für einander sein können und versuchen, mehr unbewusst als bewusst, gegen das Einsamsein anzukämpfen. Die Folgen für beide sind nicht absehbar …


    Meine Meinung:
    Meine Meinung hat sich über die 216 Seiten des Buches gewandelt. Zuerst war ich wirklich nicht begeistert. Bis Kapitel 11 des ersten Abschnitts habe ich gebraucht um überhaupt auseinander zu halten wer da eigentlich gerade in der „Ich-Form“ von sich redet. Ich hatte keinen Plan. Ab Kapitel 12 hatte ich dann endlich den Dreh raus, dass ich wenigstens wusste von wem ich gerade etwas lese. Vielleicht wäre es besser gewesen statt Kapitelnummern immer den Namen desjenigen, der gerade in der „Ich-Form“ erzählt drüber zu schreiben. Wäre für den Leser einfacher gewesen. So richtig angetan war ich aber auch nicht.


    Manuel und Maja sind eigentlich total langweilige Typen. Also nicht nur eigentlich, sondern sie sind langweilig. Sie sind wie du und ich, ihnen passiert nichts wirklich spannendes. Leider sind sie vor meinem geistigen Auge auch blass geblieben. Ich hatte keinerlei Vorstellung von ihnen. Vielleicht ist das aber auch gut so, denn so bleiben sie eben Typen wie der Leser selber auch einer ist. Ich denke mal, dass Viele von uns ein ähnlich ereignisloses Leben führen. Das führte aber bei mir dazu, dass ich von dem Buch nicht gefangen genommen wurde. Ich will nichts lesen über Leute, die ein ebenso langweiliges Leben führen wie ich selber. In Büchern muss etwas passieren. Irgendetwas...


    Bei Maja war es dann aber so, dass sie mich nach und nach in ihren Bann zog. Sie führt nur oberflächlich betrachtet ein ereignisloses Leben. Eigentlich hat sie sehr viel, nämlich eine gute Freundin, Maria, und ein etwas ungewöhnliches, aber lustiges Hobby, bewerben für WG-Zimmer“. Außerdem hat sie ein gutes Herz.


    Manuel blieb mir das ganze Buch über unsympathisch. Er hat ein Hobby, das einfach nur strange ist und hat bis auf Maja keine Sozialkontakte. Er ist einfach ein komischer Typ, der mir nicht liegt. Maja liegt aber schon etwas an ihm und so bleibt man unweigerlich dabei, wie sie versucht ihm zu helfen ein besseres Leben zu führen. Mit allem, was sie tut wird sie sympathischer. Sie hat viele Facetten in sich, die sie liebenswert machen. Und sie ist stark. Sie beginnt ihr eigenes Leben zu verändern, als sie merkt, dass es sie nicht erfüllt.


    Das ganze Buch ist trotzdem irgendwie merkwürdig, aber gut merkwürdig. Es berichtet über das langweilige, völlig normale Leben zweier Menschen und dennoch entwickelt es über die Strecke Tiefe. Die Idee, wie Maja und Manuel dazu kommen sich näher kennen zu lernen geht ans Herz und auf Seite 91/92 musste ich ein paar Tränen vergießen, da mich Majas Ansprache so gerührt hat.


    Auch das Ende hat mich überzeugt. Ich habe mir etwa im letzten Viertel angefangen Gedanken zu machen, wie die Autorin die Geschichte wohl zu ende führt und hatte einen Verdacht, von dem ich dachte „bitte nicht!“. Zum „Glück“, wenn man hier von Glück sprechen darf, kam alles ganz anders. Und es wurde gut gelöst. Ein Ende, das dem Buch nicht das nimmt, was es ausmacht.


    Da dieses Buch relativ viel vor sich hin plätschert und von seinen Wendungen/ kleinen Höhepunkten lebt kann ich leider nicht wirklich in die Tiefe gehen. Man verrät sofort ziemlich viel von der Geschichte, wenn man versucht zu begründen warum einem das Buch trotz seiner ganzen Langweiligkeit gefällt. Ich kann euch nur empfehlen es zu lesen und euch selbst ein Urteil zu bilden.

    Gruß
    Yvonne

    Nicht die haben die Bücher recht lieb, welche sie unberührt in den Schränken aufheben, sondern, die sie Tag und Nacht in den Händen haben, und daher beschmutzet sind, welche Eselsohren darein machen, sie abnutzen und mit Anmerkungen bedecken.
    (Erasmus von Rotterdam)

  • Inhalt:


    Dies ist die Geschichte zweier einsamer Menschen. Manuel ist durchschnittlich. Alles, was er tut oder ist, liegt im Bereich der Mittelmäßigkeit. Dies führt dazu, dass er weder genügend Beachtung noch Freunde findet. Eines Tages, als er in einer Ausstellung auf einer Infotafel erfährt, dass ein Mensch durchschnittlich zirka 18 000 Dinge besitzt, beschließt er einmal seiner Durchschnittlichkeit zu entkommen, indem er 32 000 Dinge besitzt.


    Maja ist ebenfalls einsam. Einer tieferen Bindung zu einem Menschen unfähig, verbringt sie ihre Freizeit damit, WG-Zimmer zu besichtigen, um so unverbindlich mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Außerhalb dieses Hobbys gibt es wenig, was Maja Freude bereitet. Einziger Lichtblick ist für sie das alltägliche Treffen mit einer alten taubstummen Dame.


    So seltsam die beiden Lebensentwürfe sind, so seltsam ist auch ihre zufällige Begegnung. Zunächst wissen sie beide nichts miteinander anzufangen, eher unterbewusst bauen sie schrittweise eine freundschaftliche Beziehung zueinander auf, die alles andere als einen gewöhnlichen Verlauf nimmt …


    Bewertung:


    Dies ist ein ungewöhnlicher Roman, der kaum in Worte zu fassen ist, da er in mir die seltsamsten Gefühlsregungen hervorruft, die so widersprüchlich sind, wie die Protagonisten und ihre Lebenssituation. Der Ort der Begegnungen ist die wunderbare Stadt Wien, die allein dem Roman ein außergewöhnliches Flair verleiht, der perfekte Rahmen für eine derartige Geschichte.


    Beginnen wir mit Manuel, der sich für einen durchschnittlichen Menschen hält, der in seinem Leben nichts Außergewöhnliches erlebt, sich aber nichts Sehnlicheres wünscht, als einmal beachtet zu werden. So greift er in seiner Einsamkeit nach jedem Strohhalm. In seinem Fall ist es eine Sammlung einer großen Anzahl jedweder Gegenstände, die ihn bald kauf- und computersüchig werden lässt. Seiner Einsamkeit ausgeliefert, ist ihm sogar sein Tod gleichgültig. So findet er sich eines Tages im Krankenhaus wieder, nachdem er in seiner Wohnung ein Feuer entfacht hat.


    Ganz anders stellt sich die Situation für Maja dar. Sie ist süchtig nach flüchtigen Begegnungen. So fährt sie von einer WG-Besichtigung zur nächsten, nur um die Bestätigung einer Zusage zu erhalten. Von der Familie getrennt, ist ihre einzige Freundin, die ältere taubstumme Dame Maria, die eine Art philosophische Künstlerin ist. Bei ihr findet Maja Trost und Halt.


    Schließlich begegnen sich Maja und Manuel. Und wer glaubt, dass sie aufgrund ihrer Einsamkeit schnell zueinander finden, liegt falsch. Die Geschichte bleibt skurril, denn beide, in ihrer Einsamkeit gefangen, verhalten sich wie zwei Magnete, die einander abstoßen und anziehen, ohne sich jemals richtig zu berühren, körperlich als auch seelisch. Diese eigenartige Beziehung ist für den Leser oft beklemmend, merkt er doch, dass beide Protagonisten, die sich doch nichts weiter wünschen, als nicht mehr einsam zu sein, in ihrer Einsamkeit so sehr gefangen sind, dass sie auf den Gegenüber gar nicht mehr richtig eingehen können.


    Dabei vermag Daniela Meisel auf einfühlsame Weise die Beziehung zu beschreiben. Dies gelingt ihr durch eine leise, weiche Sprache, die sich nicht über die Geschichte erhebt, sondern sie trägt, sodass der Leser in die Welt von Manuel und Maja eintauchen kann. Man erlebt den stillen Kampf beider, wie sie sich über ihr Dasein hinwegheben wollen, wie sie sich dabei gegenseitig, wenn auch unterbewusst unterstützen, wie sie sich Schritt für Schritt aus ihrer Lethargie befreien versuchen. Das Ende ist dann so wie die ganze Geschichte: außergewöhnlich gewöhnlich.


    “Gegen einsam” kann in seiner Gesamtheit ein Stück weit als Gesellschaftskritik verstanden werden. Denn zwar spielt die Geschichte in Wien, könnte sich aber so auch in jeder anderen Metropole ereignen. Meisel sensibilisiert den Leser für die Probleme der modernen Gesellschaft, in der oft die Einsamkeit regiert, weil die Menschen keine Zeit mehr haben, sich mit ihren Mitmenschen zu beschäftigen, in der das Interesse für das Leben, die Gefühle und Gedanken anderer verschwindend gering ist. Und entgegen anderer Romane tut dies Daniela Meisel nich anklagend, sondern auf beeindruckend leise und gefühlvolle Weise.


    Fazit:


    Ein lesenswerter Roman über eine ungewöhnliche Verbindung zweier einsamer Menschen.


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