David Anthony Durham - Macht und Verrat / The War With the Mein

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  • Beschreibung (von amazon):


    Es geschieht nicht oft, dass gefeierte Autoren von historischen Romanen gleich mit einer ganzen Trilogie ins Fantasyfach wechseln. David Anthony Durham allerdings gelingt der Genresprung vortrefflich, weil er neben Phantasie, profundes Geschichtswissen und ein ausgeprägtes Interesse an Machtpolitik und deren Auswirkungen mitbringt.


    Die Herrschaft der Akarans über die Bekannte Welt gründet sich auf einem furchtbaren Frevel. Das Wissen darum vermag der von hehren Idealen erfüllte König Leodan nur durch regelmäßigen Drogenkonsum zu ertragen. Kurz bevor er seine Kinder in das Geheimnis einweihen möchte, wird er von einem Attentäter der Mein ermordet. Die Mein aus dem Norden begehren gegen die Herrschaft der Akarans auf und überrennen das Reich mit List und Waffengewalt. Ihr Anführer Hanish gelangt auf den Thron, wo er bald dieselben Kompromisse eingehen muss wie die Akarans. Indes wachsen Leodans in alle Winde verstreuten Kinder heran, und es ist die Frage, ob sie einst den Traum ihres idealistischen Vaters verwirklichen können.


    Durham zeigt sich trotz etlicher Parallelen zu George R. R. Martins Das Lied von Eis und Feuer eigenständig und souverän. Deutlicher, aber auch differenzierter und erzählerisch überzeugender als in den meisten großen Fantasy-Epen geht es in Acacia um die Frage nach dem Umgang mit Macht. Leodans Idealbild von Herrschaft steht eine Realität gegenüber, in der Ungerechtigkeit und Korruption Teil eines empfindlichen Systems sind, das Wohlstand und Frieden für die Mehrheit der Untertanen garantiert.


    Daneben besticht Durham auf ganz eigene Weise durch seine ruhige und eindringliche Figurenzeichnung. Politische Intrigen, Fecht- und Schlachtszenen wechseln sich mit anrührenden Momenten hoher emotionaler Dichte ab, wie zum Beispiel die Reaktion der Kinder auf die Ermordung ihres Vaters Leodan. Acacia gehört eindeutig nicht zur eskapistischen Sorte Fantasy. Vielmehr ist es ein beeindruckender historischer Roman aus einer fiktiven Welt, der Fragen aufwirft, die ihre Relevanz auch in unserer Welt nicht verlieren. -- Simon Weinert



    Zum Inhalt:


    Seit vielen Generationen herrschen die Akarans von ihrem Reich Acacia aus über die Bekannte Welt, alle anderen Völker haben sie sich untertan gemacht. König Leodan trauert noch immer um den Tod seiner geliebten Frau, nur im Rausch des "Nebels", einer Droge, kann er ihr nahe sein. Aber wirklich glücklich scheint er nur zu sein, wenn er mit seinen vier Kindern zusammen ist. Leodan ist sich bewusst, dass auch unter seiner Herrschaft schreckliches Unrecht geschieht. An seinem einstigen Vorhaben, dies zu ändern, ist er gescheitert.
    Die einzigen Gegenspieler der Akarans sind die Mein, ein Volk, das mit einem Fluch belegt und aus seiner Heimat vertrieben wurde. Nach einer langen Zeit des Umherirrens sind die Mein schließlich im fernen, kalten, unwirtlichen Norden sesshaft geworden. Ihr Anführer Hanish hat es zu seiner Aufgabe gemacht, seine Vorfahren von dem schrecklichen Fluch, der auf ihnen lastet, zu befreien und die Herrschaft über die Bekannte Welt zu erlangen. Durch die Ermordung König Leodans durch einen Attentäter gelingt ihm das schließlich auch.
    König Leodans Kanzler, Thaddeus Clegg, sein Freund und zugleich der Mann, der den meisten Grund hat, ihn zu hassen, versucht nach dem Tod des Königs, sein Versprechen einzulösen, Leodans Kinder jeweils an einen Ort, den ihr Vater für sie ausgesucht hat, bringen zu lassen. Und so wachsen die Kinder getrennt voneinander auf. Jahre später lebt der Widerstand gegen die Herrschaft der Mein wieder auf und die Acacier versuchen gemeinsam mit anderen Völkern der Bekannten Welt die Macht zurückzuerlangen...


    Meine Meinung:


    "Acacia - Macht und Verrat" ist ein Buch, in dem es vor allem darum geht, wie Menschen mit der Macht umgehen. Obwohl es in einer Fantasy- Welt handelt, in der auch Götter eine Rolle spielen, gibt es viele Parallelen zur realen Welt. Wirkliche Sympathieträger gab es hier für mich jedoch nicht, denn sowohl die Akarans als auch die Mein scheinen ihr Volk für das beste zu halten, und beide halten sich für auserkoren, die Welt zu beherrschen. Und so war ich beim Lesen ständig hin- und hergerissen, auf wessen Seite ich mich schlagen soll.
    Die Acacier scheinen auf den ersten Blick ein hochzivilisiertes Volk zu sein, aber der Führungsanspruch, den sie besitzen und auch noch so manches Unrecht, das unter ihrer Herrschaft geschieht, machten sie mir nicht gerade sympathisch. Die Mein sind eher ein kriegerisches Volk und ihre Verbündeten, die Numrek sind wilde, fast schon menschenunähnliche Geschöpfe, die scheinbar große Freude dabei empfinden, andere zu töten.
    König Leodan hat erkannt, dass er daran gescheitert ist, seine Ideale zu verwirklichen und scheint resigniert zu haben. Und auch Hanish muss erkennen, dass es nicht so einfach ist, seine Ziele in die Tat umzusetzen, denn er ist hin- und hergerissen zwischen seiner Pflichterfüllung und der Liebe zu einer Frau, zwei Dinge, die unvereinbar scheinen.
    Auch König Leodans Kinder sind mir beim Lesen irgendwie fremd geblieben, denn - und das ist für mich ein großer Kritikpunkt an dem Buch - zwischen dem ersten und zweiten Teil des Buches gibt es einen Zeitsprung von mehreren Jahren. Es ist nicht so, dass man über die Zeit dazwischen gar nichts erfährt, aber ich persönlich empfand diesen Sprung irgendwie als einen Bruch in der Handlung. Eben hat man noch von den Kindern/Jugendlichen gelesen und im nächsten Kapitel sieht man sich erwachsenen Menschen gegenüber. Mir erschienen sie dadurch plötzlich so ganz anders und ich konnte auch keinen rechten Zugang mehr zu ihnen finden.


    Die Geschichte selbst fand ich trotz allem aber sehr spannend. Es werden Intrigen gesponnen, viele der Personen sind nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht, und wer heute noch ein Freund ist, kann schon morgen ein Feind sein - genau wie in der realen Welt. Vieles wurde bisher auch nur angedeutet, gerade was die Gegenden betrifft, die sich außerhalb der Bekannnten Welt befinden. Und so werde ich die Reihe sicher weiter lesen, denn ich bin doch gespannt, wie sich die Handlung weiter entwickelt.


    Fazit:


    "Acacia - Macht und Verrat" ist ein Fantasy-Buch, das sehr viele Bezüge zur realen Welt aufweist, gerade wegen der geschilderten politischen Umstände und der Frage des Umgangs mit der Macht. Dadurch wirkt die Geschichte selbst sehr spannend. Die Figuren blieben für mich jedoch etwas blass, aber dies ist ja eine eher subjektive Meinung, das empfindet sicher jeder Leser anders. Ich vergebe für dieses Buch :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb: und bin trotz allem gespannt, wie die Handlung sich in den nächsten Teilen weiter entwickeln wird.

    "Vergiss nie, was du bist, denn die Welt wird es ganz sicher nicht vergessen. Mach es zu deiner Stärke, dann kann es niemals deine Schwäche sein. Mach es zu deiner Rüstung, und man wird dich nie damit verletzen können."
    (Aus "Die Herren von Winterfell" von George R. R. Martin)


    :study: "Auris - Die Frequenz des Todes" von Vincent Kliesch

  • Hier ist noch die Original-Ausgabe:

    "Vergiss nie, was du bist, denn die Welt wird es ganz sicher nicht vergessen. Mach es zu deiner Stärke, dann kann es niemals deine Schwäche sein. Mach es zu deiner Rüstung, und man wird dich nie damit verletzen können."
    (Aus "Die Herren von Winterfell" von George R. R. Martin)


    :study: "Auris - Die Frequenz des Todes" von Vincent Kliesch

  • Mario

    Hat den Titel des Themas von „David Anthony Durham - Acacia . Macht und Verrat“ zu „David Anthony Durham - Macht und Verrat / The War With the Mein“ geändert.

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