Michael Lentz, Offene Unruh. 100 Liebesgedichte

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  • Seit den 1979 erschienenen "Liebesgedichten" von Erich Fried, die sich in den Folgejahren 150.000 mal verkauften, hat ein Band mit Liebesgedichten nicht mehr einen solchen Erfolg gehabt wie das vorliegende kleine, in jede Handtasche passende Büchlein von Michael Lentz "Offene Unruh".


    In zehn Zyklen ("du bleibst" und "gar kein gestern mehr" sind die ersten beiden überschrieben) hat der fünfundvierzigjährige Lentz hundert Gedichte zusammengefasst, von denen eines schöner ist als das andere. Viele lesen sich auf den ersten Blick wie Gelegenheitsverse und zeigen doch bei näherem Hinschauen eine ausgeklügelte Struktur. Andere wiederum betonen die formale Strenge und erschließen ihren emotionalen Gehalt erst spät.


    Das Gedicht, das mich persönlich am meisten angesprochen hat, sei hier zitiert auch als ein Beispiel für die Lyrik von Michael Lentz, von der man auch in einigen Jahren noch sprechen wird:


    "ich bin trunken
    von klarem wasser
    und das wasser macht mich trunken
    wie dein klares wort


    und dein wort
    macht mich rasen und ich rase
    auf der stelle gegen mich


    ich bin nur ein bisschen
    und es wird dir ein leichtes
    mich ganz zu schlucken
    so dicht hänge ich neben dir


    ich dörre ich falte ich fetze
    ich versenge nach dir


    und du quälst mich
    du weißt es besser


    ich bin trunken
    und du hältst mich hin
    und du hältst mich


    ich bin es
    dein freund happen


    der nichts verrät"


    Eine wahre Schatzkiste wunderbarer Liebes-Lyrik.

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