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Jean-Luc Bannalec - Bretonische Verhältnisse

Bretonische Verhältnisse

3.6 von 5 Sternen bei 67 Bewertungen

Band 1 der

Verlag: KiWi-Paperback

Bindung: Broschiert

Seitenzahl: 304

ISBN: 9783462044065

Termin: März 2012

Klappentext / Inhaltsangabe: Ein unwiderstehlich guter Krimi aus der hochsommerlichen Bretagne! Im malerischen Künstlerdorf Pont Aven wird an einem heißen Julimorgen der Besitzer des berühmtesten Hotels am Platz brutal erstochen aufgefunden. Kommissar Dupin, eingefleischter Pariser und zwangsversetzt ans Ende der Welt, übernimmt den Fall und stößt in der bretonischen Sommeridylle auf ungeahnte Abgründe! Ein fesselnder Kriminalroman, durchzogen von hintergründigem Humor und so wunderbar stimmungsvoll, dass man sofort selbst durch die engen Gassen des Dorfes flanieren und die salzige Atlantikluft riechen möchte. Eine Krimisternstunde - nicht nur für Frankreichfans!
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  • Klappentext:
    Der erste Fall für Kommissar Dupin, eigensinniger Pinguinliebhaber und koffeinabhängig, gebürtiger Pariser und zwangsversetzt ans Ende der Welt. An einem heißen Julimorgen kurz vor der Hochsaison geschieht im pittoresken Künstlerdorf Pont Aven ein mysteriöser Mord: Pierre-Louis Pennec, der hochbetagte Inhaber des legendären Hotels Central, das schon Gauguin und andere große Künstler beherbergte, wird brutal erstochen. Wer ermordet einen 91-Jährigen und warum? Was ist in den letzten Tagen des Hotelbesitzers vorgefallen? Als kurz darauf eine zweite Leiche an der bretonischen Küste aufgefunden wird, realisiert Georges Dupin, dass er es mit einem Fall ungeahnten Ausmaßes zu tun hat. Während sich der Druck von Seiten der Öffentlichkeit verschärft und die kapriziösen Dorfbewohner beharrlich schweigen, begibt sich Dupin auf die Suche nach dem Mordmotiv – und kommt im Dickicht der bretonischen Verhältnisse einem spektakulären Geheimnis auf die Spur. (von der Verlagsseite kopiert)


    Zum Autor:
    Jean-Luc Bannalec wurde 1967 in Brest geboren; sein Vater ist Bretone, seine Mutter Rheinländerin. Er arbeitet in Deutschland und Frankreich und lebt mit seiner Familie in beiden Ländern. »Bretonische Verhältnisse« ist sein erstes Buch; weitere Fälle von Kommissar Dupin folgen. (von der Verlagsseite kopiert)


    Allgemeines:
    302 Seiten, in vier Kapiteln gemäß den vier Ermittlungstagen vom ersten Mord bis zur Entlarvung des Täters aufgebaut. Jedes Kapitel ist in lesefreundliche Abschnitte von ca. 1-4 Seiten unterteilt. Erzählt wird aus der persönlichen Perspektive Dupins, so dass der Leser auf Augenhöhe an seinen Erkenntnissen teilhat und an seiner Seite die Ermittlungen miterlebt.


    Inhalt:
    Wer tötet einen 91jährigen Mann, Besitzer eines gut gehenden Hotels und Restaurants? Und warum? Sohn, Schwiegertochter, Angestellte und Freunde sind fassungslos und können sich kein Motiv vorstellen. Die Ermittler auch nicht. Eine zweite Leiche und eine zerschlagene Scheibe der Hotelbar geben weitere Rätsel auf. Erst als Dupin zum wiederholten Mal den Tatort aufsucht, wobei ihm auffällt, dass etwas nicht stimmt, kommt Licht in das merkwürdige Verbrechen.


    Eigene Meinung / Beurteilung:
    „Bretonische Verhältnisse“ – sicher kein Titel, der einen Krimi erwarten lässt.
    Wie etliche seiner Kollegen, die eine Krimihandlung in einem geliebten, vertrauten Landstrich ansiedeln, muss man auch Bannalec fragen: Will er seinen Leser mit einer spannenden Geschichte unterhalten? Oder als Tourist locken?


    Wie der Autor das Mordmotiv mit der Historie des Ortes Pont Aven verwebt, gefällt, ist schlüssig und interessant aufgebaut, ansonsten liefert das Buch wenig, das man nicht schon anderswo x-mal und besser gelesen hätte – die üblichen fünf Verdächtigen mit den üblichen Motiven, Habgier, Neid, Rache, Eifersucht – den vor der Obrigkeit katzbuckelnden Polizeichef, die patente Alleskönner-Sekretärin.


    Kommissare, die Alleingänge der Teamarbeit vorziehen, kennt man, wenn auch keinen so extremen Fall wie Dupin. Einen wie ihn wünscht man sich nicht zum Chef, nicht als Kollegen, nicht als Untergebenen. Er lässt Kollegen im Ungewissen, Mitarbeiter auflaufen, folgt selbstbezogen seinen Gedanken, scheut persönlichen Kontakt und jagt seine Truppe per Handy Spuren hinterher, die ihn später nicht mehr interessieren.


    Obendrein hat man als Leser den Eindruck, eine Vorgeschichte verpasst zu haben, weniger um zu erfahren, warum Dupin strafversetzt wurde, sondern um die 3, 4 bezuglosen Frauennamen einzuordnen. Denn Dupin ist ein Kommissar ohne Privatleben, ohne persönliches Umfeld (und auf den im Klappentext versprochenen Pinguin wartet man vergeblich).


    Die meisten Figuren, darunter auch Dupins Mitarbeiter, bleiben konturenlos und ohne eigenes Profil; andere erhalten zwar eine Funktion, treten aber nicht als Personen, sondern nur als Telefongesprächspartner auf.
    Das Schönste an diesem Buch ist die Gegend, in der er spielt.


    Fazit:
    Ein trotz interessanter Fallgeschichte flacher, belangloser Krimi.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Vielen Dank für diese aufschlussreiche Rezi Marie. Ich habe das Buch bereits ins Auge gefasst, aber nun werde ich darauf verzichten, das ist mir dann doch zu langweilig. :winken:

    Liebe Grüße
    Helga :winken:


    :study: [b]???


    Lesen ist ernten, was andere gesät haben (unbekannt)

  • @ Helga,
    es freut mich natürlich, dass Du meiner Bewertung einfach so glaubst, denn bei vorablesen findet man Rezensionen, die sich vor Begeisterung überschlagen.
    (Weil ich aber Deinen Geschmack inzwischen ganz gut kenne, vermute ich, dass wir hier einer Meinung wären.)

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  • Meine Meinung:
    Ich mag im großen und ganzen Krimis, die in bestimmten Regionen spielen. Zum einen auch deswegen, weil man die Gegend zusammen mit dem Kommissar bzw. den anderen Protagonisten erkunden kann, kennenlernt. Wenn dann noch interessante Persönlichkeiten dazu kommen und eine spannende Story obenauf gesetzt wird, was will man mehr? Doch leider wurden hier meine Erwartungen leider nicht erfüllt. Zum einen ist da Dupin, der Kommissar der zwangsversetzt wurde und zu dem ich keine Beziehung aufbauen konnte. Er blieb in meinen Augen die ganze Zeit über sehr blass, er entwickelte keine Tiefe und irgendwie hatte man auch immer das Gefühl etwas verpasst zu haben. Warum ist er zwangsversetzt worden? Was war der Grund? Und was für eine Rolle spielen die beiden Frauen, die mal kurz angesprochen werden? Fragen, die das ganze Buch über nicht beantwortet werden. Die Krimihandlung brachte in mir keine großartige Spannung auf. Sie kam mir zu konstruiert vor, zu sehr gewollt. Einzig die Auflösung war dann doch eine kleine Überraschung – aber nur eine kleine weil sehr schnell klar war, das es auf ein Familiendrama hinaus läuft. Dazu die Sprache – ich weiß nicht ob es an der Übersetzung liegt oder ob die französische Sprache grundsätzlich so gestelzt ist. Die Sprache, die Schreibweise machte es mir sehr schwer wirklich in die Geschichte hineinzukommen. Einzig die Beschreibung von Land und Leuten konnten mich etwas aussöhnen. Gelernt habe ich, das französische Autoren wahrscheinlich nicht so mein Fall sind.


    Meine Wertung: :bewertung1von5::bewertung1von5:

    "Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele"

  • Am Ende der Welt, wie der aus Paris versetzte Kommissar Dupin die Bretagne bezeichnet, muss der Mord an einem 91-jährigen Hotelbesitzer aufgeklärt werden. Kommissar Dupin begibt sich in Pont Aven, einem kleinen malerischen Touristenstädtchen, in dem die Kunst allgegenwärtig zu sein scheint, auf Spurensuche und stösst in seinen Ermittlungen auf interessante Machenschaften und Verstrickungen.


    „Bretonische Verhältnisse“ von Jean-Luc Bannalec ist ein konventioneller Krimi, in dem der Leser die schöne Bretagne sowie die Mentalität und Lebensart ihrer Bewohner in anschaulichen Beschreibungen kennen lernt. Der Roman steht und fällt mit der Figur des Kommissars Dupin, dessen Eigenarten, Macken und Alleingänge man mögen oder nicht mögen kann. Mir war Dupin sofort sympathisch. Er verkörpert eine Mischung aus Columbo, Maigret und Kluftinger, ohne nervendes Privatleben und scheinbar ohne persönliche Probleme.
    Im Gegensatz zu Dupin bleiben seine Teamkollegen, seine Helfer und die möglichen Verdächtigen, von denen es eine Menge gibt, zum großen Teil Randfiguren und hätten in meinen Augen mehr Beachtung verdient gehabt.
    Die Handlung verläuft eher gemächlich und unspektakulär. Auf Blutvergießen, Brutalität und übertriebene Actionszenen wird verzichtet, was mir gut gefallen hat. Allerdings werden im Handlungsaufbau kaum Abwechslungen geboten, so dass bei mir nach kurzer Zeit etwas Langeweile aufkam und sich folglich die Spannung in Grenzen hielt. Trotzdem ist es dem Autor gelungen, mich am Ende, was den Täter betrifft, doch noch zu überraschen, auch wenn er dabei auf ein altbewährtes Motiv gesetzt hat.


    „Bretonische Verhältnisse“ ist meiner Meinung nach ein solider Krimiauftakt zu einer vermutlich geplanten Reihe um einen starrköpfigen, aber durchaus liebenswerten Kommissar, der vor beeindruckender Kulisse Kriminalfälle auf seine besondere Art und Weise zu lösen vermag.

  • Dazu die Sprache – ich weiß nicht ob es an der Übersetzung liegt oder ob die französische Sprache grundsätzlich so gestelzt ist.


    Das Buch ist keine Übersetzung. Der Autor, ein Deutsch-Franzose, der sicher zweisprachig ist, schrieb das Buch in Deutsch.
    Was mir aufgefallen ist: Einige Wendungen hat er vermutlich (vielleicht war ihm das treffende deutsche Wort gerade nicht eingefallen) aus dem Französischen 1:1 rückübersetzt, und das funktioniert mitunter nicht. Leider kann ich kein Beispiel geben, weil ich das Buch ausgeliehen und wieder zurück gebracht habe.

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  • Meine Meinung


    In Pont Aven wird der 91 jähriger Hotelier Pierre-Louis Pennec ermordet aufgefunden. Kommissar Dupin, strafversetzt aus Paris in die Bretagne, wird gerufen. Mühselig gestalten sich die Recherchen in dem kleinen Künstlerdorf. Alle scheinen Geheimnisse zu haben.
    Warum wird jemand ermordet, der 91 Jahre alt ist und laut Hausarzt nicht mehr lange zu leben hat?
    Und war warum wird nach kurzer Zeit dann auch noch dessen Sohn tot aufgefunden?
    Es gibt viele Verdächtige und viele Motive. Und dann überschlagen sich die Ereignisse. Kommissar Dupin lüftet ein Geheimnis, das jeder zu kennen scheint. Und somit wieder jeder verdächtig ist.


    Mir persönlich hat der Krimi sehr gut gefallen. Das Thema aus dem künstlerischen Bereich fand ich sehr ansprechend, obwohl ich dort nicht unbedingt zu Hause bin.
    Der Schreibstil war sehr flüssig zu lesen. Störend war zu Beginn die ganzen französischen Namen. Ich hätte mir gewünscht, dass es im Anhang eine „Sprachhilfe“ für Nichtfranzosen gegeben hätte.
    Der Autor konnte ganz toll das Flair der Bretagne vermitteln: die Landschaft, die Stimmung am Meer, die Gemütlichkeit in Restaurants und Cafés. Da fühlt ich mich richtiggehend hineinversetzt, mitten im Krimi. Das Kopfkino hat gut geklappt.
    Kommissar Dupin war ein wenig eigenbrötlerisch. So einen Chef würde ich ungern im realem Leben haben wollen. Doch hier im Buch musste ich schon ab und an schmunzeln.
    Ich finde es sehr angenehm, dass hier kein Blut aus dem Buch fließt, es ist nicht brutal. Leider gab es aber keine Hochspannung. Es war zwar in einer gewissen Weise spannend, aber eher auf die beschaulichere Art.

    Fazit: Alles in allem vergebe ich für die gute Unterhaltung vier von fünf Sternen.

  • Kommissar Dupin wird aus Paris "zwangsversetzt" nach Concarneau, der Blauen Stadt am bretonischen Atlantik. Doch bald wird er in das kleine malerische Touristenstädtchen Pont Aven gerufen: Der Hotelbesitzer des berühmtesten Hotels am Platz, das Central liegt erstochen in seinem eigenen Restaurant, und das in der beginnenden Hochsaison. Der etwas ungewöhnlich wirkende Eigenbrötler Dupin sieht sich bald ungeahnten Abgründe gegenüber stehen.


    Vorerst mutet der Kriminalroman, der erste im Übrigen von Jean-Luc Bannalec, etwas schwerfällig und mühsam an. Doch man findet sich schnell in die Geschehenisse ein. Verwirrend sind nur die vielen Personen gleich zu Anfang, denn man hat das Gefühl, mitschreiben zu müssen, wer tut was, ist für welche Aufgaben zuständig. Schade ist auch, dass der Charakter Dupins extrem in den Vordergrund gestellt wird, um als Kultfigur zu dienen. Er sollte wachsen können und nicht getrieben werden. Die Nebenfiguren erblassen, und das ist gerade in einem solch umfangreichen Umfeld wie in Bretonische Verhältnisse störend.


    Was mir sehr gefallen hat, Bannalec beschreibt eine wunderschöne, anmutige Bretagne, die auch Nicht-Kenner Frankreichs in Urlaubsstimmung versetzen. Gespickt mit hintergründigem Humor und viel Wissenswertes über Land und Leute macht es Spaß, in dieser gut geschriebenen Urlaubslektüre zu lesen.


    Fazit: Gut gemacht, doch es geht noch besser! Beim zweiten Fall bin ich, glaube ich, wieder dabei! :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Sommer in der Bretagne. Kommissar Georges Dupin aus Concarneau will gerade seinen Morgenkaffee einnehmen, als ihn ein dringender Anruf erreicht. Im Nachbarort Pont Aven wurde ein alter Hotelbesitzer ermordet. Da der zuständige Commissaire gerade im Urlaub weilt, muss Dupin übernehmen. Er steht vor einem Rätsel, denn wer bringt denn schon einen 91 Jahre alten Mann um? Was für ein Motiv könnte es für diese Tat geben? Dupin fängt an zu ermitteln. Immer wieder wird er auf die künstlerische Vergangenheit des Ortes und auch des Hotels des Verstorbenen hingewiesen. Ende des 19. Jahrhunderts haben hier Maler um Paul Gauguin die „Schule von Pont Aven“ gegründet und die Entwicklung der Malerei entscheidend geprägt. Doch hat diese Vergangenheit etwas mit der Tat zu tun?


    Dupin ist ein recht eigenwilliger Ermittler. Aus Paris in die Bretagne strafversetzt, hat er sich hier dennoch gut eingelebt und kommt mit den Eigenheiten der bretonischen Einwohner inzwischen recht gut zurecht. Er ist eher ein Einzelgänger, seine Mitarbeiter haben es nicht immer leicht mit ihm, denn das Teilen seiner Gedanken liegt ihm gar nicht und so ist er die meiste Zeit der Einzige, bei dem die Fäden zusammenlaufen und weitergesponnen werden.


    Der Autor lässt der Umgebung viel Raum neben dem eigentlichen Fall. Neben den geschichtlichen Einzelheiten um Gauguin und seine Kollegen erfährt der Leser auch viel über die Bretagne. Teilweise liest sich das Buch wie ein Reiseführer, die Landschaft, die Leute und insbesondere die kulinarischen Spezialitäten der Region werden wirklich ausreichend gewürdigt. Am liebsten möchte man direkt Urlaub in der Bretagne buchen. Der Kriminalfall ist schön in diese Zusatzinformationen eingebettet, verläuft aber in eher ruhigen Bahnen. Wer einen reißerischen Thriller sucht, ist hier gänzlich falsch, wer einen beschaulichen, aber unterhaltsamen Krimi mit französischem Flair möchte, sollte dagegen unbedingt zugreifen!


    Weitere Fälle mit Kommissar Dupin kann ich mir gut vorstellen und ich bin gespannt, wann und wie der deutsch-französische Autor ihn weiterermitteln lässt!


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:


  • Eine neue literarische Stimme macht sich erfolgreich auf dem hart umkämpften deutschen Krimimarkt bemerkbar. Während viele jahrelang erfolgreiche Serien wie etwa Donna Leons Romane um den Commissario Brunetti aus Venedig schon seit langem an Langeweile und immer mehr von dem Gleichen nicht zu überbieten sind, hat der in Deutschland und in Frankreich lebende Bretone Jean Luc Bannalec sich mit seinem ersten Roman, seinen ersten Fall für Kommissar Dupin mit einem sogar von der etablierten Literaturkritik beachteten Paukenschlag zu Wort gemeldet.

    „Bretonische Verhältnisse“ ist ein Kriminalroman, der uns nicht nur einen kantigen, menschlich authentischen Kommissar mit einer eigenen, kritischen Meinung präsentiert, sondern auch eine überaus spannende und anspruchsvolle Handlung.

    Jahrelang hat er in Paris gelebt und gearbeitet, als er drei Jahre, bevor die Handlung des hier vorliegenden Romans beginnt, in den äußersten Zipfel der Bretagne strafversetzt wird. Wir wissen nicht genau, was der Grund war, aber es wird angedeutet, dass er gegen seine dortigen Vorgesetzten unbotmäßig war.

    Kommissar Dupin hat sich in Concarneu an der malerischen Südküste gut eingelebt, fühlt sich schon recht gut integriert in die dortige Gesellschaft , als eines Tages in dem Künstlerdorf Pont Aven ein Mensch ermordet wird. Der über 90 Jahre alte Pierre-Louis Pennec, Eigentümer und Betreiber des legendären Hotels Central, wird, übel zugerichtet, erstochen aufgefunden. Seit Generationen ist dieses Hotel in Familienbesitz. Es war Zufluchtsort nicht nur für den später berühmten Künstler Gauguin, sondern auch für eine ganze Schule von Malern, die es ihm nachmachten und sich dort ansiedelten.

    Und natürlich geht es in diesem ersten Band der neuen Reihe (Bannalec arbeitet bereits am nächsten) viel um Kunst, um Gauguin und seine Bilder, aber es geht auch um eine konfliktbeladene Vater-Sohn-Beziehung, um Familiengeheimnisse und wie so oft in Krimis um enttäuschte Liebe und um Habgier.

    Dupin hat eine an Maigret erinnernde Art zu ermitteln, die seine Mitarbeiter fast zur Verzweiflung bringt, und seine Vorgesetzten erst recht. Jean-Luc Bannalec nimmt mit dieser Figur jeden Leser sofort gefangen. Er überzeugt in der Charakterologie seiner Personen ebenso wie in der Kunst, einen langen Spannungsbogen zu halten, der den Leser auf zahlreiche Spuren führt, bevor endlich das Geheimnis gelüftet wird.

    Das Buch ist der Anfang einer geplanten Reihe. Man wird sehen, wie sie sich entwickelt. Während Donna Leon schon lange nichts mehr Neues schreibt, und auch Martin Walker nach vier Bänden seines Chef de police Bruno etwas schwächelt, macht Andrea Camilleri mit seinem Montalbano vor, wie man über fast zwei Jahrzehnte ein immer hohes Niveau halten kann.

    Die nächsten Bände von Bannalec werden uns darüber Aufschluss geben, ob er zu den einen oder den anderen gehört.

  • Angeregt durch die Erkenntnisse in diesem Thread habe ich ein wenig gestöbert und die Theorie gefunden, dass auch bei diesem Buch nicht alles mit rechten Dingen zuging.
    Und entdeckt hats wieder der Richard Kämmerlings. Hier.

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  • Ich habe das Buch bisher zur Hälfte gelesen und bin bis jetzt doch sehr angetan.
    An den kurzen, knappen Stil musste ich mich erst gewöhnen, doch stelle ich fest, dass mir die fehlenden Erklärungen/Ausschmückungen von Personen und der Geschichte sehr gut gefallen und mich neugierig auf mehr machen!
    Da ich sowieso frankophil veranlagt bin und die Bretagne liebe, konnte bei mir mit diesem Buch einfach nichts schief gehen.
    Klar, es gibt Bessere - aber ich habe Spaß an dem Buch und es unterhält mich, was will ich mehr?! :D


    Meine Bewertung: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

    Isenhart musste grinsen, ihre Blicke begegneten sich. "Du hast nur tausend Mal", wisperte er.
    Konrads müdes Schmunzeln wuchs sich zu einem breiten Grinsen aus. "Ich verrat dir was", flüsterte er zurück, "das ist Mumpitz."


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  • Kommissar Georges Dupin wurde in die Bretagne strafversetzt und hat sich dort eher widerwillig eingelebt, inzwischen gefällt es ihm dort allerdings ganz gut, wobei er mit den eigensinnigen Bretonen immer noch so seine Probleme hat und natürlich als Pariser dort nur langsam akzeptiert worden ist. Der Arbeitsalltag ist in aller Regel auch nicht furchtbar aufregend, doch eines Tages bekommt er es mit einem rätselhaften Mordfall zu tun. Im Malerstädtchen Pont-Aven, einem der großen Touristenmagneten der Region, wurde der Besitzer eines altehrwürdigen Hotels, in dem zu Beginn des 20. Jahrhunderts Gauguin und seine Künstlerfreunde ein und aus gegangen sind, erstochen im Speisesaal aufgefunden.

    Die Lokalpresse stürzt sich natürlich wie die Geier auf die Bluttat, und auf Dupin lastet ein ziemlicher Erwartungsdruck, den Fall schnell aufzuklären, doch ganz so einfach ist das natürlich nicht.

    Dieser erste Fall für den etwas knurrigen Kommissar Dupin (irgendwie hatte ich immer Jean Reno vorm geistigen Auge) liest sich spannend weg und spielt geschickt mit einem bunten Reigen diverser Verdächtiger und einigen falschen Fährten.

    Die Beschreibung von Land und Leuten ist Bannalec - hinter dessen Pseudonym sich ein deutscher Autor verbirgt - ziemlich gut gelungen. Noch besser hätte mir gefallen, wenn er sich dabei mehr seiner eigenen Formulierungen und weniger dem Reiseführervokabular hingegeben hätte, da ist durchaus noch Luft nach oben. Trotzdem bringt er den Charme schöner alter Städtchen und spektakulärer Küstenlandschaften gut rüber, was mir als Bretagneliebhaberin natürlich sehr viel Spaß gemacht hat.

    Bei den Charakteren fallen gewisse Stereotypen auf - der übereifrige junge Polizeibeamte, der ewig übellaunige Kollege, die toughe, kompetente Assistentin und der doofe Chef - aber schlimmer als in vielen gängigen TV-Krimis fand ich das nun auch nicht und habe mich trotzdem gut unterhalten.

    Alles in allem solide Krimikost in schöner Kulisse. Mal sehen, ob sich der zweite Fall noch steigern kann.

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

  • Ich fand den Krimi ganz angenehm zu lesen, kurzweilig aber unspektakulär. Handlung und Charaktere kamen mir sehr altmodisch vor. Der Fall hätte genauso gut (abgesehen von Handys und der Erwähnung von Google Maps) auch einst Miss Marple beschäftigt haben können. Auch die Charaktere in ihren Rollen sind altbekannt und recht vorhersehbar. Der eigensinnige Kommissar, die alles könnende Sekretärin, der nur am Image interessierte Chef und die üblichen Verdächtigen, mit den klassischen Motiven Geldgier, Neid und Rache.
    Auch der Kommissar konnte in mir keine Sympathien wecken und diesen unspektakulären Fall aufwerten. Mir ging die übertriebene Sturheit, alles alleine machen zu wollen und die Kollegen von den Ermittlungen auszuschließen eher auf die Nerven.

    Alles in allem, nicht schlecht, aber nichts Neues. Einer solcher Fall wurde schon viele Male mit mehr Raffinesse erzählt.

  • Das verschwundene Bild


    Der Autor (Quelle: Bücher.de)


    Jean-Luc Bannalec wurde 1967 in Brest geboren; sein Vater ist Bretone, seine Mutter Rhein länderin. Er arbeitet in Deutschland und Frankreich und lebt mit seiner Familie in beiden Ländern. "Bretonische Verhältnisse" ist sein erstes Buch; weitere Fälle von Kommissar Dupin folgen.


    • Produktdetails
    • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
    • 29. Aufl.
    • Seitenzahl: 304
    • 2012
    • Ausstattung/Bilder: 304 S.
    • Deutsch
    • Abmessung: 217mm x 136mm x 29mm
    • Gewicht: 414g
    • ISBN-13: 9783462044065
    • ISBN-10: 3462044060
    • Best.Nr.: 34519801


    Über das Buch


    Kommissar Dupin wird an einen Tatort gerufen. Der Besitzer des berühmtesten Hotels in Pont Aven war brutal erstochen aufgefunden worden. Und Kommissar Dupin trifft Auf Personen, die dem Hotelier nicht grün waren. Heimlich natürlich .


    Da ist zunächst mal der Sohn, der den Vater auf irgendeine Weise enttäuscht hat… Und natürlich seine Frau, die Schwiegertochter des Toten….


    Dann gibt es eine Mitarbeiterin des Hotels, der heimlich eine Affäre mit dem Toten nachgesagt wird, die sie jedoch bestreitet…


    Den Leiter eines kleinen Kulturmuseums am Ort…


    Den Arzt, den der Tote ein paar Tage zuvor aufgesucht hat…


    Seinen Halbbruder, mit dem er keinen Kontakt pflegt….


    Einen Freund, mit dem er sehr viel besprochen hat…


    Eine Notarin, mit der er einen Termin vereinbart hatte….


    Und den Museumsdirektor eines größeren Ortes, dem der Verstorbene eine Schenkung versprochen hatte…


    Und dann noch ein verschwundenes Bild…


    Wer hatte einen Grund den Hotelier zu ermorden? Warum war der alte Pennec beim Arzt gewesen? Und was hatte dieser ihm gesagt? Was wollte er bei der Notarin? Wieso hatte der Sohn, und wohl auch die Schwiegertochter den Vater enttäuscht? Hatte die Frau wirklich keine Affäre mit dem Toten? Was chatte er mit dem Leiter des kleinen zu tun? Und was war das mit der Schenkung? Wo war das Bild? Alle diese Fragen werden in diesem Buch beantwortet.


    Das Buch ließ sich leicht und flüssig lesen. Der Schreibstil ist unkompliziert, keine Fragen, was der Autor mit diesem oder jenem Wort/Satz gerade meint. Auch war ein gewisses Maß an Spannung vorhanden, jedoch vermochte es der Autor nicht mich übermäßig zu fesseln. Der Kommissar wirkte oft fahrig, so als müsste er erst mal lange überlegen, was als nächstes zu tun sei. Trotzdem hat es mir Spaß gemacht es zu lesen. Es war halt nur ein schönes Buch für Zwischendurch. Wer so etwas ab und zu mal lesen will, für den ist es geeignet.

    Liebe Grüße
    Lerchie



    _______________________
    nur wer aufgibt, hat schon verloren

  • Zitat

    "Bei Mordfällen gibt es keine Regeln. Für gar nichts." // Seite 85

    Der Einstieg in "Bretonische Verhältnisse" ist mir sehr schwer gefallen. Der Fall war ganz gut aufgebaut, aber nichts außergewöhnliches und das Buch konnte mich nicht wirklich packen, was vor allem an dem Schreibstil lag. Ich kann es nicht richtig beschreiben, aber ich hatte Probleme, in einen Lesefluss zu kommen, wodurch ich auch nur langsam voran kam. Das hat sich erst nach ungefähr 150 Seiten geändert, als ich mich an den Schreibstil gewöhnen konnte und als auch die Geschichte eine Wendung nahm, die ich sehr interessant fand.


    Es geht in "Bretonische Verhältnisse" um den Tod eines Hoteliers, der bereits 91 Jahre alt war. Das genaue Motiv ist hierbei lange Zeit unklar, auch wenn nicht schwer ist zu erraten, in welche Richtung es geht. Insgesamt ist es eigentlich ein sehr gewöhnlicher und unspektakulärer Fall... bis das "Geheimnis" auftritt, das in der Inhaltsangabe erwähnt wurde. Von diesem Zeitpunkt an war ich wirklich an der Geschichte und den Hintergründen dieser Entdeckung interessiert und die Ermittlungen wurden ebenfalls interessanter. Der Kreis der Verdächtigen und die verschiedenen Motive sind gut ausgearbeitet und auch wenn die Auflösung nicht besonders originell ist, so ist sie doch sehr passend und die ganze Handlung wirkt realistisch.
    Mit den Ermittlern kann ich noch nicht viel anfangen, aber man hat schon ein ganz gutes Bild von ihnen bekommen und ich bin gespannt, ob man sie in Band 2 besser kennen lernen wird.


    Das Buch bekommt von mir letztlich :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb: , da es mir nach einem schwierigen Einstieg in der zweiten Hälfte doch ganz gut gefallen hat. Luft nach oben ist aber auf jeden Fall da.

    Carpe Diem.
    :study: Bianca Iosivoni - Falling Fast

    2020 gelesen: 4 Bücher mit 1412 Seiten

  • Kommissar Dupin, die Erste


    Mir hat dieser eher beschauliche Krimi sehr gefallen – auch und gerade deshalb, weil man hier „zweimal hinlesen“ muss, um all die Feinheiten zu bemerken. Weder der Krimi noch der Kommissar kommen laut, polternd und effektheischend daher – viele reizvolle Details liegen eher im Hintergrund.


    Erstens hat mich gefreut, dass das Buch nicht nach Kapiteln, sondern nach Tagen eingeteilt ist. Die Ermittlung dauert genau vier Tage – und an diesen vier Tagen begleiten wir Kommissar Georges Dupin von morgens bis abends. Ich empfand das als wohltuend; nicht so gehetzt wie in vielen Krimis, die nach amerikanischem Schnittmuster mit kurzen Kapiteln gemacht sind.


    Zweitens liebte ich den Humor! Sehr oft habe ich geschmunzelt, wenn der Kommissar wieder einmal jemanden abwimmeln musste, aber innerlich „gekocht“ hat. Chapeau! Denn er ist ja gerade deshalb von Paris in die Bretagne strafversetzt worden, weil er respektlos und aufbrausend war. Das hatte so manches Mal Züge eines Filmes mit Louis de Funès – ganz dezent wurde so manche Art von Obrigkeit veralbert. Wichtigtuer innerhalb der Kommunalverwaltung, aber auch innerhalb der Polizei.


    Es muss auch nicht jedes Mal ein Ermittler sein, der konstruiert wirkt, und nur so vor privaten Problemen strotzt. Im ersten Drittel des Buches sagt es Georges Dupin ja selbst, dass er mit großartigen Problemen, Süchten etc. nicht aufwarten kann. Nun ja, bis auf seine Abhängigkeit vom „café“ vielleicht. Und seinem Hang zu gutem Essen. Darin gleicht er übrigens dem Commissario Montalbano des Autors Andrea Camilleri…


    Ich empfand die Mischung aus Kriminalhandlung und Lokalkolorit als sehr ausgewogen. Beides wurde auch geschickt miteinander verbunden – wenn Dupin zum Beispiel deshalb im Stau steht, weil Touristen wegen eines Festivals die Straßen verstopfen. Oder wenn der sture Charakter der Bretonen auf das Wetter und die Umgebung zurückgeführt wird. Oder…!


    Das ganze Grundmotiv dieses Erstlings fand ich gut gewählt. Denn dieses Tatmotiv hat es so nur in der Bretagne geben können! Es geht um Kunst, um ein Gemälde von Gauguin, der ja in der Bretagne gelebt und gearbeitet hat. Und es geht um Familienbande, die zu Fesseln werden. Um Tradition, die erstarrt ist. Um Seilschaften, Vereine und gegenseitige Abhängigkeiten zwischen Honoratioren. Vielleicht keine großartige Gesellschaftskritik – aber doch eine hintersinnige Darstellung einer Region, in der eben nicht alles Friede, Freude und Eierkuchen ist.


    Nein, dieses Buch kommt eben nicht plakativ daher. Und am Ende wird – gerade im Privatleben – genug offen gelassen, um sich auf weitere Bände zu freuen. Ich vergebe mit sehr gutem Gewissen vier Sterne – wobei ich denke, dass da durchaus noch „Luft nach oben“ ist.

    "Ein Mensch, der Ideale hat/
    Der hüte sich, sie zu erreichen!/
    Sonst wird er eines Tags anstatt/
    Sich selber andern Menschen gleichen."
    (Erich Kästner) :):)