Jörg Blech, Gene sind kein Schicksal


  • Die Genetik und die daran sich anschließenden Verwertungswissenschaft der Biotechnologien sind die Bereiche menschlichen Wissens und seiner Wissenschaften, die in den letzten beiden Jahrzehnten vielleicht am meisten gewachsen sind. Unzählige Hoffnungen, unter anderem auf die Heilung von bisher als unheilbar geltenden Krankheiten, haben sich diesen immer neuen Ergebnissen angeschlossen. Aber auch zum Teil gespenstische Visionen von den bald Wirklichkeit werdenden Möglichkeiten, sich gegen bestimmte Gendefekte und Krankheiten sozusagen gentechnisch impfen zu lassen und zudem die neu auf die Welt kommenden Menschenkinder entsprechend zu planen und quasi bei der Genbank zu bestellen, lassen für die Zukunft Zustände orwell`scher Qualität erwarten.


    Gleichzeitig hat sich, gerade auch durch die neue Disziplin der Epigenetik ( sie erforscht die Vererbbarkeit von Erfahrungen) so etwas wie ein neuzeitlicher, genetisch inspirierter Calvinismus breitgemacht, nach dem es dir eben vorbestimmt ist, wie dein Leben sich gestaltet durch deine Gene, an denen du nichts machen kannst. Schlechte Gene, schlechte Lebensaussichten.


    Das Ergebnis ist eine neue Haltung, die ich den Gendarwinismus nennen möchte, und die alles andere als begrüßenswert ist, wenn man seine Werte an christlichen Maßstäben versucht auszurichten.


    Jörg Blech, ein bekannter und erfolgreicher Autor bahnbrechender populärwissenschaftlicher Bücher ("Die Krankheitserfinder" und "Heillose Medizin") hat sich in dem vorliegenden Buch dieser neuen, durch die Gentechnik evozierten Phänomenen angenommen.


    Die Aufteilung seines Buches in die drei Hauptteile:


    I Die neue Lehre von den Genen
    II Die Seele
    III Der Körper


    zeigt schon die Richtung an, in die sein Denken geht.


    Nachdem er verständlich und nachvollziehbar dargestellt hat, was bei der "Vererbung" geschieht, geht er in den beiden folgenden Kapiteln den Fragen nach, wie während der Schwangerschaft und auch danach das Verhalten der Eltern und später unser eigenes Verhalten unser Wohlbefinden und auch unsere genetische Ausstattung prägt.


    Sein Fazit ist einfach, aber für die meisten Erwachsenen anspruchsvoll: wir sind nicht unseren Erbanlagen ausgeliefert, die "Gene sind kein Schicksal". Jeder Mensch kann durch entsprechendes Verhalten, durch entsprechendes Denken und die Gestaltung seines Umfeldes seine Erbanlagen und sein Leben steuern. Das heißt auch, er kann durch entsprechende Lebensführung durchaus positiv eingreifen in die Epigenetik seiner Nachfahren.


    Ein wichtiges Buch und ein notwendiger Zwischenruf in einer zunehmend unvernünftigen Debatte.