Sergei Dovlatov - Pushkin Hills

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  • (in der englischen Ausgabe)


    Original : Заповедник (Russisch, 1983)


    Deutsche Schreibung des Namens : Sergej Dowlatow


    ZUM INHALT :
    Boris ist per Bus aus Leningrad unterwegs nach Pskov. In der Puschkingedenkstätte der Umgebung (elterliches Gut von Alexander Puschkin, wo dieser zeitweise lebte, und wo später ein großes Museum entstand) bewirbt er sich ohne große Manieren als eventueller Führer durch die Anlage. Sein Bewerbungsgespräch verläuft trotz allem positiv und er, ohne große Ressourcen, findet Unterkunft in einer heruntergekommenen Behausung eines Säufers. Nach und nach macht er sich mit den Örtlichkeiten vertraut, hält dann nach einigen Tagen seine ersten, manchmal etwas sonderbaren, Führungen. Währenddessen überlegt seine Frau Tanja, ob sie endlich mit ihrem Kind emigrieren soll und kommt Boris irgendwann besuchen...


    BEMERKUNGEN :
    Trotz der Namensveränderung finden wir im Ich-Erzähler ohne Weiteres biographische Übereinstimmungen mit dem Autor Dowlatow. Viele seiner Bücher gehen von diesem selbst erlebten Material aus. Er verwandelt es aber wohl (aber wie sehr?) und erweist sich als wahrer Geschichtenerzähler ! Was sich oben in der Inhaltswiedergabe eher trocken liest kommt bei einer Lektüre keine Seite ohne Wortwitz und Pointe aus. Der Autor unterstreicht und überhöht noch die absurdesten Situationen. Das mag einigen zu weit gehen ? Vor allem der auch hier (wie in seinem Leben und dem vieler in die innere Emigration gegangenen Schriftsteller und Intellektuellen, als auch schlichtweg einem großen Teil der russichen/sowjetischen Bevölkerung) oft auftauchende Alkohol als auch die oft abwägenden Blicke auf das weibliche Geschlecht entsprechen nicht allen Geschmäckern...


    Natürlich geht es in einem Buch eines russischen Intellektuellen nicht ohne einige Querverweise ab ! Und noch selbstverständlicher wird ein Buch, in dem der Autor Führer durch die Puschkingedenkstätte von Pskov wird, nicht ohne einige Bmerkungen zu diesem genialen und größten russischen Dichter auskommen. Daneben finden wir auch einige herrliche kurze Charakterbeschreibungen. Man kann nur erahnen, wie sehr Dowlatow hier im Russischen sich als Wortkünstler und als Humorist eigener Art zeigt. Einige Beispiele :


    « Der Maler Lobanov feierte den Geburtstag seines Hamsters und... »


    « Am liebsten würde ich mich ganz dem Angeln widmen. Mein Leben am Ufer eines Fluses verbringen. Und vorzugsweise nie etwas fangen. »


    « Der einzigste ehrliche Weg ist der der Irrtümer, der Enttäuschungen und der Hoffnung. »


    Für mich eine interessante Lektüre, die zum Weitererforschen seines Werkes einlädt !



    Leider ist dieses Buch (noch?) nicht auf Deutsch übersetzt. Ich verlinke es in der englischen und unten, in der französischen Fassung, in der ich es las. Die Herausgabe anderer Bücher des Autoren auf Deutsch (siehe hier eine Rezi Sergej Dowlatow – Der Koffer zu einem Buch, das also 2010 auf Deutsch erschien) läßt hoffen, dass die Publikationsgeschichte von Dowlatow noch nicht abgeschlossen ist. Und man sollte ruhig nochmals unterstreichen, als wie wichtig dieser Autor für sehr viele russische Leser erscheint !


    ZUM AUTOR :
    Sergej Donatowitsch Dowlatow, geboren 1941 in Ufa, wohin seine Familie während des 2. Weltkrieges evakuiert worden war. Sein Vater war Jude, seine Mutter Armenierin. Nach 1945 lebte er mit seiner Familie in Leningrad. Dowlatow studierte Philologie an der Leningrader Universität, wurde aber nach zweieinhalb Jahren exmatrikuliert. Er diente in der Roten Armee in der Wache der strengen Gefängnislager in der Republik Komi.


    Er arbeitete nach einer anarchisch-wilden Jugend lange glücklos als Journalist. Zahlreiche Versuche, seine Prosa zu publizieren, blieben vergebens. So wurden die Druckstöcke seines ersten Buches auf Befehl des KGB vernichtet. Nach Veröffentlichungen in westlichen Zeitschriften wurde er aus dem Journalistenverband der UdSSR ausgeschlossen. 1978 emigrierte Dowlatow in die USA, wo er endlich Anerkennung als Autor fand und sein Werk in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Dowlatow starb am 24. August 1990 in New York City und wurde am Friedhof Mount Hebron beigesetzt.


    In seiner zwölfjährigen Zeit als Emigrant gab Sergei Dowlatow zwölf Bücher in den USA und in Europa heraus. In der Sowjetunion war er durch den Samizdat und Radio Swoboda bekannt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden zahlreiche Sammlungen seiner Kurzgeschichten auch in Russland veröffentlicht. (Quelle : wikipedia und Dumont)



    Paperback: 160 pages

  • Falls es jemand in der französischen Ausgabe lesen möchte (in der ich es also genossen habe):


    Sergueï Dovlatov - Le Domaine Pouchkine

  • Danke für das Aufstöbern und Vorstellen dieses interessanten Autors - interessant sowohl im Hinblick auf Schreibstil und Werke als auch auf die Biografie. Und wieder drei Bücher im SUB :( "Die Unsren", "Der Koffer", "Der Kompromiss" (für die fremdsprachigen bin ich einfach zu faul, sorry :loool: )
    Einen lieben Gruß von Kryptichon

  • Und hier noch eine Verlinkung einer russischen Ausgabe (Originalsprache) unter dem Titel "Заповедник":

    1. (Ø)

      Verlag: Azbuka-klassika


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