Petra Hammesfahr - Die Schuldlosen

  • Buchdetails

    Titel: Die Schuldlosen


    Verlag: Rowohlt Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 448

    ISBN: 9783499258725

    Termin: November 2013

  • Bewertung

    4.3 von 5 Sternen bei 18 Bewertungen

    86,1% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Die Schuldlosen"

    Es braucht so wenig, um so viele Leben zu zerstören Am Ostersonntag verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer: Janice Heckler ist tot in der Greve gefunden worden, halbnackt und offensichtlich ertränkt. Auf den Täter einigt man sich in Garsdorf schnell: der Nachbar. Alex Junggeburt - als Kind noch von allen bedauert, als Jugendlicher gefürchtet, als Erwachsener verteufelt. Sechs Jahre später kommt Alex vorzeitig aus der Haft. Sein erster Weg führt ihn zurück an den Ort des Geschehens, in sein Elternhaus. Kaum jemand im Dorf ist darüber glücklich: Die einen fürchten seine Rache, die anderen weitere Gewalttaten. Alex kann es ihnen nicht verdenken. Er weiß ja selbst nicht, was damals geschah ... Niemand blickt tiefer in den menschlichen Abgrund als sie: Petra Hammesfahr.
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  • Klappentext:


    Es braucht so wenig, um so viele Leben zu zerstören. Am Ostersonntag verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer im Dorf: Janice Heckler ist tot in der Greve gefunden worden, halbnackt und offensichtlich ertränkt. Auf den Täter einigt man sich in Garsdorf schnell: der Nachbar. Alex Junggeburt - als Kind noch von allen bedauert, als Jugendlicher gefürchtet, als Erwachsener verteufelt. Sechs Jahre später kommt Alex frühzeitig aus der Haft frei. Sein erster Weg führt ihn zurück an den Ort des Geschehens - in sein Elternhaus. Kaum jemand im Dorf ist darüber glücklich: Die einen fürchten seine Rache, die anderen weitere Gewalttaten. Alex kann es ihnen nicht verdenken, weiß er doch selbst nicht, was damals geschah …




    Meine Meinung:


    Das Buch ist aufgeteilt in Prolog, 1. Teil: Schuldzuweisungen, 2. Teil: Kinder ohne Mütter, 3. Teil: Saskia, 4. Teil: Die Belastungszeugin, 5. Teil: Der Polizist aus dem Dorf und Epilog. Es lässt sich leicht und flüssig lesen. Etwas Konzentration braucht es allerdings bei den Namen. Ich musste hin und wieder überlegen wer die genannte Person war und wie sie in Beziehung zu den Anderen steht. Nach einer gewissen Zeit gibt sich das aber. Der Spannungsverlauf schlägt nicht richtig aus, hält aber konstant ein gutes Niveau. Und ganz am Ende musste ich dann doch kurz die Luft anhalten. Langeweile kommt also definitiv nicht auf.


    Petra Hammesfahr bleibt auch hier ihrem Motto treu: Nichts ist so wie es scheint.


    Mich hat das Buch so sehr begeistert, dass ich es in drei Tagen aussgelesen habe. Die Charaktere sind sehr menschlich beschrieben. Unterschwellig wird einem schon auch etwas vermittelt wer sympatisch ist und wer nicht. Dies geschieht aber nie zu offensichtlich. Die ganze Handlung erstreckt sich auf etwas mehr als ein halbes Jahrhundert. Das ist für mich mit ein Grund, warum die Geschichte so autentisch wirkt. Es wird einem nicht nur ein Ausschnitt geboten bei dem man sieht was passiert ist und dann später die knappe Aufklärung. Hier bedingt das eine das andere und das das nächste. Vorurteile, eingefahrenen Bilder/Meinungen und vorschnelle Schlüsse aus Bequemlichkeit spielen eine große Rolle. Diese Handlunsweisen haben mich jedoch nicht geärgert, weil diese einfach so gut zu den beschriebenen Persönlichkeiten gepasst haben. Ich will hier auch nicht mehr von der Handlung wiedergeben als der Klappentext verrät. Denn alles hängt mit einander zusammen. Das macht einen Großteil des Spaßes beim lesen aus. Das ich schon sehr früh wusste wer der Verantwortlich für gewisse Dinge ist, hat der Leselust nicht geschadet.


    Ich habe mit manchen Figuren mit gefiebert und gelitten. Alles in allem ein fesselndes Buch, das sehr durchdacht und bewegend ist.
    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    2017: 49/87; 2016: 43/92; 2015: 33/84; 2014: 36/56; 2013: 52/37; 2012: 52/39

  • Hat vorablesen die Bücher so schnell verschickt? Dann hat meine Freundin ihres auch schon und ich komme auch bald dran... :lechz:


    Ich finde es interessant, dass Du das Buch bei den Romanen einstellst. Eigentlich würde man bei Petra Hammesfahr doch eher an Krimis denken.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Ich finde es interessant, dass Du das Buch bei den Romanen einstellst. Eigentlich würde man bei Petra Hammesfahr doch eher an Krimis denken.

    Ja, ich habe lange überlegt, wo ich es einstellen soll. Ein Grund war, auf dem Buch selbst steht Roman. Krimi hat igendwie auch nicht so recht gepasst. Es ist zwar Spannend und es gibt einen Mord, dennoch geht es in dem Buch ja primär um die Person Alex, in dessen Leben der Mord eine große Rolle spielt.
    Irgendwie siedelt sich dieses Buch zwischen Krimi und Roman an.

    2017: 49/87; 2016: 43/92; 2015: 33/84; 2014: 36/56; 2013: 52/37; 2012: 52/39

  • In diesem Buch geht es hauptsächlich um Alex Junggeburt. Zu Beginn des Buches liest man, wie Alex vorzeitig aus dem Gefängnis freigelassen wird und in seinen Heimatort zurückkehrt. Dies ist den meisten anderen Bewohnern ein Dorn im Auge, da Alex wegen Mord im Gefängnis saß. Seine Eltern sind verstorben, als Alex in Haft saß und haben ihm das große Haus überlassen und seinem Bruder die eigene Brauerei. Sein Bruder Albert muss ihm daher monatlich Unterhalt zahlen, so dass Alex finanziell keine Sorgen hat. Das Verhältnis der beiden Brüder ist eher schlecht.


    Das Buch ist in 5 Kapitel aufgeteilt und beschreibt verschiedene Zeiten. Es beginnt im Jahr 1982 und beschreibt die Einwohner des Ortes mit ihren jeweiligen Geschichten. Alex hatte es schon als Kind nicht leicht. Nach dem tragischen Tod seiner Schwester Alexandra, weiß seine Mutter sich nicht anders zu helfen, als ihn in die Rolle seiner verstorbenen Schwester zu drängen. So muss Alex Mädchenkleider tragen, mit Puppen spielen, wird nur mit Alexa angesprochen und soll sich verhalten wie ein Mädchen. Dies führt vor allem in der Grundschule zu Hänseleien und Alex ist viel alleine. Er hat jedoch schon zu dieser Zeit einen sehr guten und für ihn wichtigen Freund in Lothar gefunden. Alex wurde von Anfang an sehr gut beschrieben und die Autorin hat es schon von der ersten Seite an geschafft, ihn mir sympathisch zu machen, obwohl er wegen dem Mord an Janice Heckler verurteilt wurde.


    Das Buch war von Beginn an spannend geschrieben. Etwas durcheinander kam ich zwar, da gerade anfangs sehr viele Personen genannt werden und man noch nicht zuordnen kann, in welcher Hinsicht sie mit der Geschichte zu tun haben und wie sie zueinander gehören, aber im Laufe der Geschichte konnte ich mir dann von allen ein gutes und genaues Bild machen und kam auch nicht mehr durcheinander. Die Autorin hat es gut verständlich umgesetzt, mit den Personen im Buch mitzufühlen und mitzuleiden.


    Alex bemüht sich sehr, Kontakt zu seiner Tochter Saskia aufzubauen. Diese wusste bisher nichts von ihrem Papa, freundet sich jedoch schnell mit ihm an und ist sehr froh darüber, endlich einen Papa zu haben, der sich Zeit für sie nimmt und sich mit ihr beschäftigt. Saskias Familie versucht jedoch mit allen Mitteln, den Kontakt zwischen Saskia und Alex zu verhindern.


    Zum Ende des Buches überschlagen sich die Ereignisse etwas. Alex steht plötzlich vor der Frage, ob er Janice damals wirklich umgebracht hat oder ob er unschuldig im Gefängnis saß. Er war an dem besagten Mordabend ziemlich betrunken und kann sich nur bruchstückhaft an alles erinnern. Als dann ein weiterer Mord geschieht, steht Alex sofort wieder unter Tatverdacht. Bricht sein Leben, dass er gerade erst wieder beginnt, hier schon wieder in sich zusammen?


    Ein gut geschriebener Kriminalroman mit vielen düsteren Hintergründen und Menschen, die alle ihr eigenes Päckchen mit sich zu tragen haben. Toll geschrieben und auch das Buchcover fand ich sehr ansprechend.Ich habe 4 Sterne vergeben.


  • Vor ein paar Tagen habe ich "Die Schuldlosen" beendet und bin mehr als begeistert! Auch wenn ich anfangs noch leichte Orientierungsschwierigkeiten hatte und nicht jeder Lebensgeschichte eine Bedeutung beimessen konnte, fand ich es umso spannender, wie sich alles miteinander verknüpfte. So ist Hammesfahr nicht nur ein spannender Krimi gelungen, der mich stellenweise so fesselte, dass ich das Buch gar nicht mehr weglegen konnte, sondern auch ein tolles Gesellschaftsportrait, dessen Soziogramm wohl auch heute noch auf viele kleine Dörfer zutrifft. Personen und Handlung haben mich schnell in ihren Bann gezogen und mich bis in die Nacht mit der Frage beschäftigt: War er es? War er es nicht?


    Für den flotten Schreibstil, den stets steigenden Spannungsbogen, die wunderbaren, lebendigen Charaktere und den hohen Unterhaltungswert inklusive nachhaltiger Denkanstöße kann ich nicht anders, als das Buch mit der vollen Punktzahl zu bewerten! :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    "Bücher lesen heisst wandern gehen in ferne Welten aus den Stuben über die Sterne." Jean Paul

  • Alex Junggeburt wird zum Missfallen der Dorfbewohner vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, nachdem er nur sechs von neun Jahren wegen des Mordes an Janice Heckler abgesessen hat. Er hatte die leichtlebige junge Frau, die den Ruf der "Dorfmatratze" hatte, eines Nachts in betrunkenem Zustand "wie eine rollige Katze"ertränkt - dieser Meinung war jedenfalls das Gericht. Alex selbst kann sich an diese Nacht nicht erinnern, hat aber keine Zweifel an der Richtigkeit dieser Darstellung, die auch durch die Aussage seines besten Freundes Lothar gestützt wurde.
    Im Dorf herrscht Alex gegenüber großes Misstrauen, besonders seine ehemalige Lebensgefährtin Heike fürchtet seine Rache, denn ihre Aussage führte damals letztlich zu seiner Verurteilung. Auch die Tatsache, dass sie nach Alex´Inhaftierung die gemeinsame Tochter Saskia zu ihren Verwandten abgeschoben hat, um ein Leben nach ihren Vorstellungen zu führen, erregt den Zorn von Alex, der immer ein liebevoller Vater war und sich stets mehr um das Kind gekümmert hatte als Heike.
    Seine Jugendliebe Silvie, die inzwischen mit Alex´ Freund Lothar verheiratet ist, glaubt als Einzige an die Möglichkeit seiner Unschuld. Sie will sich mit der offziellen Darstellung und den Vorurteilen der Dorfbewohner Alex gegenüber nicht abfinden und bohrt hartnäckig in der Vergangenheit herum, wodurch sie an einem weiteren Todesfall mitschuldig wird.
    Die in der Gegenwart (2010) angesiedelte Handlung wird immer wieder durch Rückblicke in die Fünfziger, Siebziger und Achtziger Jahre unterbrochen, in denen die gesamte komplizierte Familiengeschichte der Junggeburts und der Familie Jentsch, der Heike und Silvie angehören, seit der Großelterngeneration aufgerollt wird. Der Leser erfährt eine Menge über die Kindheit von Alex als Sohn eines lieblosen Vaters und einer psychisch gestörten Mutter, die den Tod seiner großen Schwester Alexa nicht verkraftet hat und ihn sozusagen als "Ersatzkind" in die Welt gesetzt hat. So sprach sie ihn als Alexa an und ließ ihn Mädchenkleidung und eine Mädchenfrisur tragen. Erst als er deswegen im Schulalter gemobbt wurde, schritten Außenstehende ein.
    Als junger Mann hatte Alex nichts Weibisches mehr an sich, sondern im Gegenteil sogar sehr viele Affären. Die von ihm fallengelassenen "Discoschnecken" sammelte dann sein Freund Lothar als Tröster auf.


    "Die Schuldlosen" ist ein sehr komplexer Roman mit einer großen Anzahl an Figuren und einer recht verwickelten Handlung, den man mit Konzentration lesen muss. Er thematisiert Familienkonstellationen, den Umgang von Eltern mit dem Verlust eines Kindes, die Lage von Kindern ohne engagierte Eltern und nicht zuletzt die Entstehung und Hinterfragung von Vorurteilen.
    Die Charaktere sind größtenteils gut ausgearbeitet, lediglich die Figur der Janice Heckler kam mir extrem überzeichnet und damit unglaubwürdig vor. Über Alex´weiteres Leben hätte ich im Epilog gern noch etwas mehr Informationen gehabt.


    Fazit: Obwohl die Handlung kaum Thriller-Elemente aufweist und der Leser schon früh den weiteren Verlauf erahnen kann, entwickelt das Buch von Anfang an einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Für Leser, die auch etwas komplizierter konstruierte Krimis, die nicht nur der leichten Unterhaltung dienen, zu schätzen wissen, vergebe ich eine Leseempfehlung. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

    Einmal editiert, zuletzt von €nigma ()

  • Alex Junggeburth wird vorzeitig aus der Haft entlassen. Vor sechs Jahren soll er eine junge Frau im Alkoholrausch umgebracht haben. Im Dorf ist man nicht begeistert von seiner Freilassung.


    Petra Hammesfahr erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der es nicht leicht hatte im Leben, mit mehreren Zeitsprüngen und aus verschiedenen Perspektiven. Es zeigt sich, dass das Leben mehrerer Menschen miteinander verzahnter ist, als zunächst gedacht, und dass nicht nur Alex Junggeburth Probleme hat(te). Fast alle Charaktere des Romans haben ein mehr oder weniger großes Päckchen zu tragen, und fast niemand ist ganz ohne Schuld. Am Ende hat sich das zu einer Tat zugespitzt, die das Leben mehrerer Menschen auf unterschiedliche Weise zerstört hat. Viele unglückliche Verwirrungen, viele Lügen, viel Unausgesprochenes – mir war das dann doch ein bisschen zu viel Drama.


    Leider konnte mich der Roman nur bedingt packen. Ich habe durchaus Mitleid für den ein oder anderen Charakter entwickeln können, auch gewisse Sympathien, aber mir war auch relativ schnell klar, wie alles zusammenhängen könnte. Der Autorin ist es nicht gelungen, mich zu überraschen und auch meine Emotionen blieben eher oberflächlich.


    So ist dieser Roman für mich ein allenfalls durchschnittlicher Roman, den man nicht unbedingt lesen muss. Von mir gibt es 2,5 Sterne.

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