Spannend und verständlich für jeden, der nur ein Quentchen Interesse an Geschichte mitbringt für die Lektüre ist auch der zweite, nicht weniger monumentale Band von Heinrich August Winklers „Geschichte des Westens“, in dem er die Zeit der Weltkriege zwischen1914 und 1945 unter seine Historikerlupe nimmt. Ein Zeitraum, in der das „deutsche Kapitel“ in der Geschichte des Westens aufgeschlagen und erst nach immensen Zerstörungen materieller und auch immaterieller Art geschlossen wurde. Denn es war besonders diese Zeit, als der Westen, historisch betrachtet das lateinische Europa, seine Werte und seine Grundlagen und Regeln systematisch selbst verletzt und in Frage gestellt hat.
Winkler definiert den Westen als den Teil Europas, in dem die Geschichte der Gewaltenteilung beginnt, auch die Trennung von fürstlicher und ständischer Gewalt. Nur dort, nur in den Ländern und Gebieten, wo es diese Gewaltenteilung gab, konnte sich die Trennung in gesetzgebende, vollziehende und rechtsprechende Gewalt durchsetzen.
Ein Aspekt, den ich als Theologe wichtig fand, beschreibt Winkler so: „Ich habe die unmittelbare Kontinuität betont, die vom jüdischen und christlichen Monotheismus zum modernen Westen führt. Der Gedanke der Gleichheit aller Menschen vor Gott geht dem Gedanken der Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz voran. Und in der Gottebenbildlichkeit steckt schon die Menschenwürde. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist- in diesem Wort Jesu ist die Emanzipation und die Säkularisierung der Welt als Möglichkeit angelegt.“
Durch den neuen Westen in Gestalt Amerikas und vor allem der britischen Dominions haben die westlichen Werte den Zweiten Weltkrieg überlebt. Vielleicht auch deshalb, weil die Ursprünge der westlichen Ideen von Menschenwürde und Freiheit aus der jüdisch-christlichen Tradition dort nach wie vor stark gelebt werden.
Ich fürchte, dass die Vernachlässigung der jüdisch-christlichen Wurzeln des Westens ihn in der Zukunft weiter schwächen wird. Denn ohne diese Grundlage hat er den weltweiten Herausforderungen kaum etwas entgegenzusetzen und wird nicht mehr ernst genommen.
Winklers Buch ist trotz seines Umfangs eine lehrreiche und wichtige Lektüre.
Titel: Geschichte des Westens: Die Zeit der ...
Heinrich August Winkler (Autor)
Band 2 der Geschichte des Westens-Reihe
Verlag: C.H.Beck
Format: Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 1.350
ISBN: 9783406592362
Termin: Dezember 2016
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