Monique Truong, Bitter um Mund

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  • Das schon 2010 bei C.H. Beck in der HC-Ausgabe erschienene zweite Buch der 1968 in Saigon geborenen amerikanischen Schriftstellerin Monique Truong erinnert in seiner faszinierenden Thematik in vielem einem Buch des jüdischen Schriftstellers Benjamin Stein, das ebenfalls bei Beck nur kurze Zeit später unter dem Titel „Die Leinwand“ erschien. In beiden Büchern geht es um das Phänomen der Erinnerung, was sie für einen konkreten Menschen bedeutet und welche Bedeutung sie generell für unser Menschsein besitzt.
    Der Fischerverlag ediert das Buch nun in einer preiswerten Taschenbuchausgabe

    Monique Truong beschreibt die Geschichte von Linda Hammericks, so wie sie sich als Erwachsene, die nach langen Jahren in New York an die Orte ihrer Kindheit zurückkehrt, an sie erinnert. Mitte der siebziger Jahre wächst sie in einem kleinen Ort namens Boiling Springs im Staat North Carolina auf. Dort gehen die Uhren anders. Man fühlt sich Jahrzehnte früher.

    Seit langem hat Linda eine ganz besondere Gabe. Sie kann Wörter regelrecht schmecken. Es sind diese Geschmackswahrnehmungen, die sich mit konkreten Wörtern verbinden, die ihre Erinnerungen ausmachen, sie strukturieren und in ihnen eine Gestalt geben, einen sozusagen visuellen Hintergrund. Beim Lesen des Buches machen diese Wörter dem Leser an manchen Stellen die Lektüre holprig, aber das ist so gewollt.

    Nur ihre ganz frühe Kindheit entzieht sich ihrer bewussten Erinnerung. Da gibt es keine Wörter, keine Erinnerung, nur einen bitteren Geschmack im Mund. Den versucht sie als erwachsene Frau auf einer Reise in ihre Heimat loszuwerden, ihn durch etwas Konkretes zu ersetzen. Und sie beginnt damit sich zu erinnern. An ihre Jugendfreundin Kelly, die verschiedenen Mitglieder ihrer Familie und, über alles herausragend, ihren Großonkel Baby Harper, einen Mann, den sie so liebevoll, klug und sarkastisch zugleich zeichnet, dass man ihn gerne kennen gelernt hätte. Und sie kommt dem bitteren Geschmack immer mehr auf die Spur …


    Eine wunderbar erzählte und gleichzeitig spannend-geheimnisvolle Familiengeschichte.

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