Fallada, Hans - Jeder stirbt für sich allein

  • Buchdetails

    Titel: Jeder stirbt für sich allein


    Verlag: Rowohlt Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 704

    ISBN: 9783499273759

    Termin: Neuerscheinung Januar 2018

  • Bewertung

    4.7 von 5 Sternen bei 41 Bewertungen

    94,4% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Jeder stirbt für sich allein"

    Dieser nach Gestapoakten geschriebene Roman des volkstümlichen deutschen Erzählers schildert das Schicksal des Berliner Arbeiterehepaars Quangel, das, vom Kriegstod des Sohnes aufgerüttelt, Widerstand auf eigenen Faust wagt. Die Maschinerie eines brutalen Totalitarismus zermalmt die alten Leute schließlich. Mit einem Nachwort zur Entstehungsgeschichte des Romans
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  • Eins meiner Highlights im Jahr 2011!


    Eine ganz einfache, fast stillose Sprache, ziert diesen Roman. Daran muss man sich zu Beginn gewöhnen. Dafür sind seine Figuren ebenso authentisch wie lebendig, die Schauplätze fast plastisch und der ganze Roman wird von einer sehr dichten Atmosphäre getragen.


    >>Die Vorübergehenden … vermieden es ängstlich, den im Dreck liegenden Unglücklichen anzusehen, denn sie wussten es ja, aus welchem gefährlichen Hause er hinausgeworfen war. Es war vielleicht schon ein Verbrechen, solchen Verunglückten mitleidig anzusehen, helfen durfte man ihm schon gar nicht.<<


    Als Auftragsroman für die „Neue Berliner Illustrierte“ ist dieser Roman entstanden. Ausgangspunkt ist das Ehepaar Hampel und dessen Geschichte, beide sind am 8.04.1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurden. Im Buch sind es dann die Quangels. Das Ehepaar verliert ihren einzigen Sohn an den Führer, und ein Standardschreiben unterrichtet sie – Ehre und Stolz für das Volk. Zorn und Wut bewegen das Paar zur Auflehnung gegen das Regime. Sie beschreiben Postkarten und legen diese in Treppenhäuser in ganz Berlin aus.


    >>Nieder mit der Hitler Regierung! Nieder mit dem Zwangselend Diktat in unser Deutschland. Eine Hitler Regierung dürfen wir nicht entlasten!!<<


    Einfache Leute aus der Arbeiterwelt lehnen sich gegen die „Schurkenbande“ auf. Fallada reißt damit ein Klischee aus den Angeln, denn die kollektiven Mitläufer werden zu Widerstandskämpfer.


    >>“Du wirst es nicht nur anhören, du wirst es auch aushalten müssen, Kluge, einen Tag, zwei, drei, fünf Tage – immer, Tag und Nacht, und dabei werden sie dich hungern lassen, dass dein Magen zusammenschrumpft wie eine Bohne, dass du vor Schmerzen innen und außen umzukommen meinst. Aber du wirst nicht umkommen; so leicht lassen die einen, den sie mal in ihren Fängen haben, nicht los.“<<


    Und heute bewegt dieser Aufstand gegen das Naziregime die ganze Welt, das Buch wird „zum internationalen Ereignis, zum Amazon-Toptitel und Spitzenreiter der einschlägigen Sellerlisten in zwanzig Ländern“.


    Die neue Ausgabe des Aufbau-Verlags erscheint nun in ungekürzter Länge. Warum vor 60 Jahren so viel aus dem Roman herausgestrichen wurde, kann heute nicht mehr eindeutig nachvollzogen werden. Fadenscheinige Ausflüchte wie „die objektive Kritik an Zeitromanen wurde überschritten“ oder „es sei ein Zuhälterroman mit politischen Aufputz“ werden angeführt.
    Fakt ist, dass der Aufbau-Verlag der bekannteste Verlag in der ehemaligen DDR war, und das nächste Regime wieder Grund zum kritisieren und zensieren hatte.


    >>Die aufgehobenen Streichungen verändern den Text nicht grundlegend, zeigen ihn aber rauher und authentischer, so wie Fallada ihn intendiert hatte.<<

    Meine Gedanken zur Lektüre: Die Menschen gleichen drei verschiedenen Marionetten-Typen, den Mitläufern, den Augen und Ohren-Zuhalter und den Sich-Wehrer, aber allesamt sind sie irgendwie am Faden aufgereiht, grau und düster, aber nicht wirklich lebendig, denn sie leben irgendwie unter einer Glasglocke. Das ist reine Authentizität, Fallada erzeugt ein wahres und getreues Bild. Die Angst ist überall präsent. Und dann gibt es diesen Funken Hoffnung …
    Oft wird Fallada als Trivialliterat bezeichnet, ich habe es in keinem Augenblick in diesem Werk so empfunden, sondern als echtes Zeitzeugnis aus einer ganz anderen Perspektive heraus. Das Buch hat mich tief bewegt hat – es ist mir ganz tief unter die Haut gegangen, und war so ein ganz besonderes Highlight in 2011!

  • Danke für die Vorstellung, Buchkrümel!


    Am jetzigen Jahresanfang haben mir schon mehrere von der Lektüre dieses Buches erzählt, und dabei handelte es sich teils um Nichtdeutsche. Sie meinten, dass es ihnen immens geholfen hätte, gewisse Facetten aus dieser Zeit zu verstehen.

    Elisa Shua Dusapin - Vladivostok Circus

    Jan Trefulka - Der verliebte Narr

    Trésor de la poèsie indienne - Des Védas au XXIème siècle (Schatzkiste der indischen Poesie - Von den Veden bis ins XXI.Jahrhundert)

    Constant Tonnelier - 15 days of prayer with Saint Therese de Lisieux


    (Un-)Gelesenes: https://www.buechertreff.de/user/2161-tom-leo/#library


    Bin bis zum 22.9. unterwegs! Ciao!

  • Vielen Dank für die Buchvorstellung! Ich bin neu im Forum und habe noch eine ganz traditionelle Lesegruppe. Alle paar Wochen treffen und über ein Buch reden. Als nächstes Buch wurde Hans Fallada vorgeschlagen. Ich konnte mir nichts unter dem Buch vorstellen. Aber nach dieser Buchvorstellung bin ich sehr gespannt und freue mich auf das Buch!

  • Auch für mich war die Lektüre von "Jeder stirbt für sich allein" ein echtes Lese-Highlight.
    Bewundernswert wie Fallada es immer wieder schafft die Charaktere seiner Protagonisten so genau herauszuarbeiten, wie er das jeweilige Profil in all seinen Facetten beleuchtet.
    Alles in allem ein außergewöhnliches Buch das ich gerne weiter empfehle.


    Hier noch die Links zu anderen Fallada-Rezensionen hier im Büchertreff:


    Ein Mann will nach oben


    Wolf unter Wölfen


    Kleiner Mann - was nun ?


    Der Trinker


    Damals bei uns daheim


    Geschichten aus der Murkelei


    Zu guter letzt hier noch der Link zu einer Super Fallada-Biographie die sich kein Fallada-Fan entgehen lassen sollte:


    Jenny Williams - Mehr als ein Leben - Hans Fallada - Eine Biographie