Cover zum Buch Replay

Titel: Replay

3,8 von 5 Sternen bei 4 Bewertungen

Verlag: C.H.Beck

Format: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 176

ISBN: 9783406630057

Termin: Januar 2012

Aktion

  • „Pan schweigt“ sollte das Buch nach den ersten Plänen von Benjamin Stein heißen, dessen Entstehungsgeschichte er bis etwa zur Hälfte des Buches fast täglich auf seinem literarischen Weblog „Turmsegler“ dokumentierte. Das hängt mit dem Beginn des Buches zusammen, das mit seinem Ende eine Klammer bildet, zwischen der sich der Protagonist des Buches erinnert an wichtige Jahre seines Lebens.

    Ed Rosen ist über viele Jahre ein gefragter und überaus talentierter IT-Fachmann. Eines Morgens wacht er auf, will wie üblich mit seinen Zehen wackeln. Da entdeckt er am Fußende des Bettes einen herausragenden Huf. Gehört dieser Huf, so wie der Hirtengott Pan welche hat, zu ihm? Was ist eigentlich passiert?

    Und er beginnt sich in der kurzen Phase des Wachwerdens zu erinnern an sein Leben und vor allen Dingen die vergangenen Jahre, in denen er als Softwareexperte ein sogenanntes UniCom mitentwickelt hat und auch dessen erster Träger war, ein Implantat, das die Sinneswahrnehmungen seines Besitzers protokolliert. Eine geniale, die Welt verändernde Erfindung, die alles das, was wir Realität nennen in sogenannten „Replays“ ( das wurde dann der eigentliche Titel des Buches) unendlich wiederholbar und auch veränderbar macht. Auch im Bereich der Erotik eine faszinierende Verlockung, der Ed Rosen auch über weite Teile des Buches nicht widerstehen kann und die Benjamin Stein ohne Plattitüden mit einer sensiblen und dennoch kräftigen erotischen Sprache beschreibt.

    Seit seiner Geburt ist Ed Rosen behindert: „Die Muskeln, die mein rechtes Auge bewegen sollen, verweigern seit meiner Geburt den Dienst, du so steht dieses Auge unbeweglich im äußersten rechten Augenwinkel und starrt nahezu blind ins Leere. Ein Kainsmal…“

    Als Ed Rosen mit Professor Matana in Kontakt kommt, der ihn für sein Projekt offenbar genau ausgesucht hat, ist die Zeit des fehlenden Auges bald vorbei. Ed Rosen ist ausersehen, der erste Träger eines Implantats zu sein, das in der digitalen Welt eine weitere Revolution bedeutet, es ist die Entwicklung einer Zwei-Wege-Kommunikation des Auges, die später von Matana expandierender und weltweit erfolgreicher und mächtig werdender Firma (die „Corporation“) noch weiterentwickelt wird. Zuvor muss er aber mit einer persönlichen Trainerin namens Katelyn ein mehrere Monate dauerndes Fitnessprogramm absolvieren. Diese Katelyn hat Rosen schon vorher kennen und lieben gelernt, und es wird nie ganz klar, ob auch diese später sehr erotische und für Ed Rosen sexuell erfüllende Freundschaft nicht von vornherein von Matana angebahnt wurde.

    Die Darstellung des Professor Matana, der auch im Buch aus Chile stammt und irgendwann unter mysteriösen Umständen dorthin wieder zurückkehrt, hat mich erinnert an Humberto Maturana, einen 1928 geborenen bedeutenden Wissenschaftler uns Konstruktivisten, von dem hier nur ein Satz zitiert sei:
    „Als lebende Systeme existieren wir in vollständiger Einsamkeit innerhalb der Grenzen unserer individuellen Autopoiëse. Nur dadurch, dass wir mit anderen durch konsensuelle Bereiche Welten schaffen, schaffen wir uns eine Existenz, die diese unsere fundamentale Einsamkeit übersteigt, ohne sie jedoch aufheben zu können. [...] Wir können uns nicht sehen, wenn wir uns nicht in unseren Interaktionen mit anderen sehen lernen und dadurch, dass wir die anderen als Spiegelungen unserer selbst sehen, auch uns selbst als Spiegelung des anderen sehen.“

    Nach dem erfolgreichen Versuch des Implantats an Ed Rosen, wollen im Laufe der Jahre immer mehr Menschen dieses Gerät eingepflanzt haben und die Firma tritt einen weltweiten Siegeszug an. Hier versucht Benjamin Stein in einer fiktiven Geschichte sich vorzustellen, wie es mit der Digitalisierung unserer Welt und Lebenswelt weitergehen könnte. Doch bei allen die Menschen beglückenden Veränderungen, es gibt auch anhaltenden Widerstand. So hat sich etwa Julian Assange mit Gesinnungsgenossen zum Ziel gesetzt, diese Entwicklung in ein „digitales Arkadien“ zu stoppen.

    Und da ist die Sache mit dem Huf, der eines Morgens aus dem Bett von Ed Rosen herausschaut. Nur wer zu Beginn des Buches genau gelesen hat über die Jugendzeit des Ed Rosen, die er wie das ganze Buch in der Ich-Form erzählt, und seine Vorbereitung für seine Bar-Mizwa, die er als Sohn säkularer Juden auf jeden Fall feiern soll, kann den Zusammenhang mit dem Folgenden herstellen. Im Rahmen dieser Vorbereitung erzählte ihm sein Lehrer von Sheol, jenem Gebiet, in dem sich die Menschen auf dem Weg in die künftige Welt aufhalten müssten und in dem keine Lügen helfen. Jedes Detail aus dem Leben sei dort offenbar: „Wir würden zwar unseren irdischen Körper abgelegt haben, dafür aber in einer Art Geistkörper wandeln, und an jenen Körperteilen, mit denen wir in der hiesigen Welt gesündigt hätten, würden wir dort als untrügliche Zeichen tragen, die unser vergehen offenbarten: Verkrüppelungen oder Verkümmerungen.“

    Am Ende des Buches, nachdem Ed Rosen seine Geschichte erzählt und den Leser in eine neue Welt mit beängstigenden Folgen geführt hat, liegt er immer noch im Bett und betrachtet seinen Huf. Benjamin Stein kommt selbst nicht mehr auf die Geschichte von Sheol zurück. Ob er das dem Leser überlassen will?


  • @ Winfried Stanzick,
    Du hast heute eine Anzahl interessanter Rezensionen eingestellt, die mir gut gefallen. Noch besser würden sie mir gefallen, wenn Du eine kleinere Schrift wählen würdest. Man könnte die Sinnzusammenhänge der Abschnitte auf einen Blick besser erfassen und brauchte nicht ständig hoch- oder runter zu scrollen.

    Ohne Bücher auf der Welt wäre ich längst verzweifelt. (Arthur Schopenhauer)

  • wenn Du eine kleinere Schrift wählen würdest.


    Nur das nicht! Das wäre dann nichts für altersweitsichtige alte Schabracken. 8-[

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Du hast heute eine Anzahl interessanter Rezensionen eingestellt, die mir gut gefallen. Noch besser würden sie mir gefallen, wenn Du eine kleinere Schrift wählen würdest. Man könnte die Sinnzusammenhänge der Abschnitte auf einen Blick besser erfassen und brauchte nicht ständig hoch- oder runter zu scrollen.


    Und endlich auf Brigittes Bitten hören würdest, ich bewundere ihre Geduld mit der sie deine Phantasietitel ausbessert unter diesen würde niemand das Buch finden und der Name des Autors sollte doch eine Selbstverständlichkeit sein. Du kannst ja deinen Phantasietitel als Anfang deiner Rezi plazieren.
    Liebe Grüsse Mara

    :study: Ich bin alt genug, um zu tun, was ich will und jung genug, um daran Spaß zu haben. :totlach: na ja schön langsam nicht mehr :puker:

  • Aber die hier müsste auch einer altersweitsichtigen Schabracke reichen. :ergeben:

    Diese Größe ist bei einer langen Rezi ohne Absätze auch schon anstrengend. Am besten ist die Größe, die automatisch erscheint, wenn man nicht an den Einstellungen rumspielt. :wink:

    Der Bitte um Autorennamen und Buchtitel in der Überschrift möchte ich mich anschließen. Sonst findet man das Buch nicht im Rezensionsindex und es kommt dann wieder zu unerwünschten Doppelthreads.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • „Ich war immer davon überzeugt, dass eine transparente Gesellschaft auch eine totalitäre Gesellschaft ist." - Francois Baroin

    Ed Rosen, von Geburt an gehandicapt, sein rechtes Auge kann er nicht bewegen und damit nicht räumlich sehen, ist Wissenschaftler mit Leib und Seele. So verwundert es auch nicht, dass er sich als erster Mensch bereit erklärt, sich anstelle seines kranken Auges ein Implantat (Unicom) einsetzen zu lassen und das ständig um neue Features zu erweitern.

    Es fiel mir etwas schwer mich in dieses Buch einzulesen. Es wirkte etwas befremdlich auf mich. Aber je weiter ich las, desto mehr gewöhnte ich mich an Sprache und Stil und meine Neugier wurde geweckt.
    Der Roman ist in vier Abschnitte untergliedert, zu Beginn eines jeden wacht Ed Rosen auf, um sich sofort wieder in der Vergangenheit zu verlieren. Die Handlung des Buches lebt förmlich von diesen Rückblenden. Nach und nach setzen sich die Puzzleteile zusammen und als Leser bekommt man ein Bild von einer Gesellschaft, in der Transparenz mehr als nur Programm ist, sie wird gelebt in voller Bandbreite, der gläserne Mensch ist Realität und der Überwachung kann man auch in intimsten Momenten sicher sein. Bezugnahmen auf die gegenwärtig bekannten social Networks erhöhen die Authentizität Buches. Durch den gesamten Roman ziehen sich Anlehnungen an Philosophie und Mythologie. „Replay“ ist sehr sachlich geschrieben, Empathie wird dem Leser überlassen. Ich habe interessiert über das Dasein, die Entwicklung und das Umfeld des Ed Rosen gelesen, konnte mit ihm aber nicht unbedingt warm werden. Ungeachtet dessen, fand ich den Roman unterhaltsam. Er regt zum Nachdenken und zum Nachlesen der angeschnitten Themen an. Ob man wirklich alles möchte, was technisch umsetzbar wäre und die Nutzung dessen wirklich ein größeres Glücksgefühl zu Folge hat, muss jeder einzelne für sich entscheiden. Für mich ist dieser Roman keine Utopie, zu vieles von dem, was der Autor thematisiert, wird in absehbarer Zukunft möglich sein bzw. ist es schon jetzt.
    Auf dieses Buch muss man sich einlassen können. Ich werde mich im Nachhinein noch etwas mit dem von Benjamin Stein in den Roman gebrachten Konstruktivismus befassen, vielleicht genehmige ich mir danach noch einen re-read von „Replay“ und muss meine aktuelle Bewertung von 3,5 Sternen noch einmal korrigieren.

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