Monika Bittl - Die Expedition

  • Buchdetails

    Titel: Die Expedition


    Verlag: Droemer TB

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 304

    ISBN: 9783426305027

    Termin: November 2015

  • Bewertung

    4.7 von 5 Sternen bei 8 Bewertungen

    93,8% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Die Expedition"

    München 1903. Ludmilla Walter, Ehefrau eines angesehenen Geschäfsmannes, wagt sich aus einer Laune heraus in eine Schwabinger Künstlerkneipe. Dort berichtet sie nach einigen Gläsern Likör einer jungen Frau von einem vollkommen verrückten Traum: einer Alpenüberquerung, im Winter ... Henny, die junge Frau, ist begeistert von der Idee und überredet schließlich neben Ludmilla noch drei weitere Frauen zu einer Unternehmung, deren Tragweite keine der fünf wirklich einschätzen kann. 'Das Buch ist Geschichte hautnah und unglaublich gut erzählt. Anrührend und aufrüttelnd.' WDR4
    Weiterlesen
  • Bestellen

  • Aktion

Anzeige

  • Ein Buchgeschenk, über das ich mich am Jahresende außerordentlich gefreut hatte – und ich wurde nicht enttäuscht, ganz und gar nicht.


    Inhalt (Klappentext):


    Alles beginnt mit einem Traum im Jahr 1903
    Was keinem Mann bisher gelang, wagen im Jahr 1903 fünf höchst unterschiedliche Frauen: eine Alpenüberquerung im Winter mit Schlittenhunden. Sie sind felsenfest davon überzeugt, dass das Abenteuer nicht nur erfolgreich sein, sondern auch ihr Leben verändern wird. Doch die Expedition wird zu einem Kampf gegen die inneren Abgründe und die Unbilden der Natur, ein Kampf auf Leben und Tod.



    Über die Autorin (übernommen von amazon.de):


    Monika Bittl, 1963 in einem kleinen Dorf im Altmühltal geboren und dort aufgewachsen, hat Germanistik und Psychologie studiert und lange als Journalistin gearbeitet. Seit 1992 ist sie freie Autorin und schreibt u.a. mit großem Erfolg Drehbücher. Für "Sau sticht" erhielt sie 1996 den Bayerischen Fernsehpreis. Monika Bittl lebt mit ihrer Familie in München. Ihr erster Roman Irrwetter ist 2006 bei Droemer erschienen; 2008 folgte Bergwehen, 2010 Die Expedition.




    Meine persönliche Meinung:


    Um es vorwegzunehmen: Die Expedition basiert auf einer tatsächlichen Begebenheit. Ich möchte nicht mehr zu den einzelnen Frauen und ihren Charakter im Buch verraten, denn das würde sicherlich einen Teil des Lesevergnügens mindern. Doch sei erwähnt, dass ich während der Lektüre mit gerunzelter Stirn denken musste, dass Monika Bittl wirklich extrem unterschiedliche Frauencharaktere in ihrer Erzählung eingesetzt hat. Umso erstaunter war ich, am Ende des Buches lesen zu müssen, dass die Autorin über Informationen zu den einzelnen Frauen aus historischen Dokumenten verfügt, wonach die Unterschiedlichkeit in deren Charakter gar nicht so aus der Luft gegriffen scheint.


    Geschrieben sind die einzelnen Kapitel aus der Sicht der einzelnen Teilnehmerinnen an der Expedition, doch nur Rosa, ein Dienstmädchen, erzählt in der ersten Person, für die Darstellung der jeweiligen Situation der vier anderen Frauen hat die Autorin die Erzählung in der dritten Person gewählt.
    Der Einstieg in den Roman erfolgt nicht direkt mit dem Beginn der Expedition, sondern er beschäftigt sich einen beträchtlichen Teil des Buches mit der gesellschaftlichen Situation der einzelnen Frauen; dieser Teil liest sich jedoch, genau wie der Rest des Buches, keineswegs langweilig; im Gegenteil, ich habe von Anfang an lebhaftes Interesse an jeder einzelnen der Protagonistinnen genommen. Die Autorin fügt die einzelnen Frauen dann zügig in einer Gruppe zusammen, die sich den Fragen der Planung und der Überwindung auftretender Hindernisse zuwendet, bevor sie im letzten Teil des Buches die eigentliche Expedition angehen.


    Was ich wohl auch verraten kann, ist der Unterton der, wenn auch fast unabsichtlich anklingenden, weiblichen Emanzipationsbewegung in diesem Buch. Dies dürfte bei einer Expedition über die Alpen im Jahre 1903, die von einer aus Frauen bestehenden Gruppe geplant und realisiert wird, nicht überraschen. Doch das Bemerkenswerte dabei erscheint mir das Verhalten der fünf Protagonistinnen, das meiner Meinung nach von der Autorin mit Logik und Feingefühl in die damalige Zeit eingebettet wurde und sich dadurch einer gewissen Sympathie bei den Leserinnen (und vielleicht auch bei einigen männlichen Lesern?) sicher sein kann. Außerdem rechne ich es Monika Bittl hoch an, dass sie keinen unnötigen Männerhass schürt, obwohl Frauen vom beginnenden 20. Jahrhundert keineswegs als gleichberechtigt begrüßt wurden; die Ungleichheit wird als positive und persönliche Chance für die Frauen herausgearbeitet und nicht als geschlechterspezifische, verbissen-verkniffene Streitaxt verwendet.


    Ein kleiner Negativpunkt aus meiner persönlichen Sicht: eine der Frauen leidet im Buch unter einer psychologischen Labilität/Störung, deren Behandlungsform durch eine der anderen Frauen aus der Gruppe mir etwas seltsam vorkommt; doch da ich keinerlei Kenntnisse auf diesem Gebiet besitze, kann ich nicht behaupten, dass die Darstellungsweise der Autorin nicht korrekt sei; es mag sein, dass dieser Aspekt historisch stimmt. Andererseits kann ich verstehen, dass die Autorin dieser Protagonistin trotz der etwas komplexeren Psyche keine detailliertere Ausarbeitung eingeräumt hat, denn zum einen hätte Monika Bittl so das Gleichgewicht in der Erzählung durcheinander gebracht, und zum anderen empfinde ich gerade den dichten Erzählstil als wunderbar angenehm zu lesen.


    Ich glaube, Die Expedition von Monika Bittl ist als eine sehr schöne Lektüre für all die Frauen zu werten, denen ihre Geschlechtsgenossinnen vom Typ Verena Pooth, Heidi Klum, Daniela Katzenberger und dergleichen ein bisschen auf die Nerven gehen - also mehr etwas für die „normale“ Frau, wie ich sie gerne bezeichnen würde, die eventuell sogar eine mehr oder weniger versteckte Tendenz zur „Soft-Emanze“ in sich birgt.


    Die Lektüre empfand ich insgesamt als ausgesprochenen Genuss, leicht und unterhaltend zu lesen, ohne trivial und abgeklatscht zu wirken, und ohne Frauen als oberflächliche und nur an Äußerlichkeiten orientierte „Dämlichkeiten“ mit schwach ausgeprägter Intelligenz darzustellen.

    » Unexpected intrusions of beauty. This is what life is. «


    Saul Bellow, (1915-2005 ), U.S. author,
    in Herzog

  • Danke für diese Buchvorstellung, das Buch wäre mir im Laden jetzt sicher nicht mehr unter die Augen gekommen, da es schon vor einer Weile erschien, deshalb bin ich froh, doch noch darauf gestoßen zu sein. Ich denke, das könnte etwas für mich sein!

Anzeige