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Melancholie - positive Kraft?

Melancholie: Die traurige Leichtigkeit d...

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Verlag: Lehmann, Peter

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 216

ISBN: 9783925931451

Termin: September 2014

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  • Vorgestern bin ich zum ersten Mal hier im Forum gelandet und hab mich sehr gfreut als ich hier auch einen Bereich über Gedichte, im speziellen selbst geschriebene Gedichte, gefunden habe.
    Ich habe selbst schon sehr viele Gedichte geschrieben und deshalb eure mit viel Aufmerksamkeit gelesen.


    Es ist immer wieder interessant, das unglaublich viele Gedichte aus einer tiefen Traurigkeit, aus einem tiefen Schmerz oder einfach durch ein melancholisches Begreifen einer Gefühlsregung entstehen. Ich frage mich manchmal wieviel Prozent der geschriebenen Gedichte diese Melancholie oder diesen Schmerz in oder zwischen den Zeilen mitschwingen lassen. Der Prozentsatz ist sicher ziemlich hoch!


    Ich habe das am eigenen Leibe erfahren. Mit 17, also vor neun Jahren, habe ich begonnen Gedichte zu schreiben und insbesondere in den Jahren in denen mir das Herz am schwersten war, habe ich unglaublich viel geschrieben. Geht es mir gut, so wie jetzt, schreibe ich kaum oder gar nicht. Diese offenbare Zufriedenheit bring oft auch eine Zerstreung und Routine mit sich. Wenn ich darüber nachdenke finde ich es fast ein wenig schade.


    Ich möchte hier auf ein Buch verweisen:


    Melancholie - Die traurige Leichtigkeit des Seins
    von Josef Zehentbauer


    Das Buch hat mich unheimlich berührt als ich es gelesen habe. Ich weiß gar nicht in welche Sparte dieses Buch gehört, vielleicht in den Bereich Sachbücher, weil es von der Melancholie handelt und ja keine konkrete Geschichte oder aber je nach Empfindung viele Geschichten birgt, so aber auch Gedichte.


    Im Einband steht ein Wort von Aristoteles:


    "Warum erweisen sich alle außergewöhnlichen Menschen in Philosophie oder Politik, in Dichtung oder in den Künsten als Melancholiker?"


    Wei diese Menschen Melancholie nicht als Krankheit verstehen, sondern weil Melancholie als unerschöpflichen Fundus für menschliche Kreativität entdecken und nutzen.


    Das Buch steht für ein Plädoyer für die Melancholie als positive Kraft.


    Wer kennt von euch dieses Buch, findet ihr dieses Thema interessant und könnt ihr selbst der Melancholie diese positive Kraft abgewinnen?


    Ich finde dieses Buch herausragend, denn es spiegelt viele vertraute Empfindungen wieder!!!


    Liebe Grüße
    Meggie.sue


    P.S.:
    Hier mein erstes Gedicht (nun ja es war eben das Erste):


    Gefangen im Labyrinth der Einsamkeit
    Eine weiße kalte Wand
    völlig leer
    immer wieder dagegen gerannt.
    Zu viel geträumt
    in der Weite gesucht
    die Wahrheit versäumt.
    Und es tut weh, immernoch,
    noch nicht vorbei,
    noch nicht beruhigt.
    Sturm im Wasserglas,
    Schneesturm im Herzen.
    Stiche wie von Feuer
    brennen ungeheuer
    und das Hoffnungslicht der Kerzen
    verlicht im Sturm der Schmerzen.
    Die Dunkelheit dringt ein,
    bin allein,
    will bei dir sein.
    Stumme Schreie in der Nacht,
    nicht gehört,
    zu laut gelacht.

  • Ich kenne das Buch zu meinem Leidwesen nicht, aber ich würde es wirklich gern lesen. Ich stimme mit dir überein, dass die Melancholie einem große Kraft für bestimmte Dinge gibt, wie beispielsweise das Schreiben von Gedichten oder generell. Wer traurig-verträumt gestimmt ist, der sieht viele Dinge aus einem anderen Blickwinkel als freudestrahlende Honigkuchenpferde. Nur wird es schwierig, denke ich, wenn man für sehr lange Zeit, sagen wir 10 Jahre diesem Schwank mitzieht. Man gewöhnt sich an das Gefühl und vergisst die anderen Sichtweisen. So, das ist meine Meinung, sicherkich etwas kindisch. Aber was erwartet man schon. Dein Geidcht ist übrigens wirklich sehr ausdrucksstark, es gefällt mir^^

    ~Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind~ Friedrich Nietzsche

  • Hallo Shizuky!


    Leider stammt der Eintrag von vor zwei Jahren und die letzte Aktivität vom Meggie.sue auch. So wird sie eventuell nicht Deine Reaktion sehen.


    Doch ich bin Dir dankbar, denn so bin ich auf diesen sehr schönen Eintrag von Meggie gestossen, den ich vorher echt noch nicht gesehen hatte. Er ist m.E. gut beobachtet und in weiten Teilen wohl wahr!


    Es ist seltsam, dass der Mensch oft (auch) durch diese Stimmungen hindurch zu Schöpferischem finden kann...

  • Hallo Tom,


    O, das habe ich gar nicht bemerkt.
    Vielen Dank, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast.
    Ich bin erst seit ein paar Tagen angemeldet (wie man unschwer an meinen Beiträgen erkennen kann)


    Ja ziemlich eigenartig, wie manche Gefühle und Stimmungen uns bei unseren Arbeiten weiterhelfen können. Oder auch nicht. Nehmen wir einmal an, man würde sich furchtbar aufregen und vor Wut platzen. Würde man etwas Ordentliches zu Stande bekommen (Gedicht, Geschichte..) ? Einerseits bestimmt etwas später, da man ja durchs Schreiben Gefühle wunderbar verarbeiten kann, aber zu aller erst..? Es gibt ja auch ein Sprichwort, dass besagt; "Vor Wut rot sehen"
    Oder wie siehst du das?


    Lg

    ~Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind~ Friedrich Nietzsche

  • Hallo!


    Irgendwie gehe ich davon aus, dass (also, ich gehe ja auch von mir aus) Zorn genauso als treibende Kraft fungieren kann, wie Melancholie. Der Unterschied besteht lediglich in dem Ausdruck, der entsteht.


    Wenn man sich Gedichte ansieht, die in einer Phase von großer Melancholie geschrieben wurden, so wird man höchstens traurig gestimmt, mitfühlend, vielleicht auch romantisiert und man wird mitgezogen von der Stimmtung, vorrausgesetzt, es ist gut.


    Bei Wut entsteht, egal, ob man den Autor kennt oder nicht, ein sehr bedrücktes Gefühl in der Magengegend. Man spürt die Aggression, zumindest geht es mir so. Und nicht nur, wenn ich fremde Werke lese, auch wenn ich eigene Sachen lese, kann ich sofort sagen, in welcher Stimmung ich war.


    Melancholie ist befriedender, Zorn ist aggressiv, aber aus beiden Gefühlen kann man schöpfen.


    Liebe Grüße
    Tink

  • Hallo Shizuky!


    Ich glaube wie Tink, dass man also aus verschiedenen Antrieben schöpfen kann, auch aus Wut. Ohne eine gewisse "Aggressivität" (wenn das Deine Hauptfrage war?!) kann man sich nicht behaupten; ein Mindestmaß an Energie ist notwendig. Dafür gibt es klügere Beitr¨ge als der Meinige und Philosophen und Pädagogen haben sich damit auseinander gesetzt. Ich denke mal, dass in sich ganz wenige Antribe zu hundert Prozent, absolut und immer "negativ" sind und zu nichts führen können. Die Hoffnung ist in mir da, dass man mit all seinen inneren Befindlichkeiten auch kreativ(er) werden kann, wenn ich sie umzusetzen, einzusetzen weiß/lerne.

  • Ja, da habt ihr tatsächlich Recht.
    Melancholie als besänftigensdes Mittel des Schreibens und die Wut als Antreibung zu nutzen ist bestimmt schon vielen zu Gunsten gekommen. Ich habe nur überlegt, ob, wenn man große Wut empfindet, ein "vom Dichter bzw. Autor geplantes Werk"
    fortsetzen kann, wenn es dann nicht durch die Wut beeinflusst, aufreibend werden soll :-k


    Nun ja, Stimmungen sind also sehr wichtig um ein gutes Werk zu schaffen.
    Darin sind wir uns alle einig, stimmts :wink:

    ~Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind~ Friedrich Nietzsche

  • Zitat

    Original von Shizuky
    Ich habe nur überlegt, ob, wenn man große Wut empfindet, ein "vom Dichter bzw. Autor geplantes Werk"
    fortsetzen kann, wenn es dann nicht durch die Wut beeinflusst, aufreibend werden soll :-k


    Genauso schlimm stelle ich mir vor, wenn man, sollte die Wut verebbt sein, die Gefühle weiter transportieren will, und es einfach nicht kann...


    Liebe Grüße
    Tink

  • Ja, das ist dann sicherlich genauso schwer.


    Gruß
    Shizuky

    ~Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind~ Friedrich Nietzsche

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