Hallgrimur Helgason - Eine Frau bei 1000°: Aus den Memoiren der Herbjörg Maria Björnsson

  • Buchdetails

    Titel: Eine Frau bei 1000°: Aus den Memoiren de...


    Verlag: dtv

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 400

    ISBN: 9783423214490

    Termin: Juni 2013

  • Bewertung

    3.7 von 5 Sternen bei 5 Bewertungen

    74% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Eine Frau bei 1000°: Aus den Memoiren de..."

    Ein heißes Leben Herbjörg ist achtzig Jahre alt und bester Dinge. Angesichts ihres nahen Todes hat sie nicht nur ihre eigene Einäscherung organisiert, sondern auch ihre Memoiren niedergeschrieben: Neun Männer, drei Söhne – keine schlechte Bilanz. Sie hat die Welt bereist, jetzt kommt die Welt zu ihr auf den Bildschirm. In ihrer gemütlichen Garage surft sie auf den Spuren ihres bewegten Lebens und begleicht letzte Rechnungen ...
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  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
    Genre: Roman

    Kurzbeschreibung (Amazon.de)
    Der neue Roman des isländischen Kultautors Hallgrímur Helgason Drei Söhne von neun Männern, das ist genug. In ihrer Garage surft die 80-jährige Herbjörg durchs Internet und begleicht letzte Rechnungen, während der Ofen für ihre Einäscherung heißläuft. Hallgrímur Helgasons neuer Roman ist ein Parforceritt durch die Geschichte des 20.Jahrhunderts: anrührend und voll isländischer Skurrilität.


    Klappentext
    »Ich lebe hier allein in einer Garage, zusammen mit einem Laptop und einer alten Handgranate. Es ist wahnsinnig gemütlich.« »Ich möchte einen Termin für eine Einäscherung buchen.« »Einen Termin buchen?« »Genau.« »Aha. Ja ... wie war noch mal der Name?« »Herbjörg María Björnsson.« »Hallo? Ich kann den Namen in der Liste nicht finden. Haben Sie den Antrag auf Einäscherung schon eingereicht?« »Nein, nein. Ich möchte einen Termin für mich buchen. Für mich selbst.« »Naja, wir bearbeiten ihn nicht, bevor ... na, Sie wissen schon ... also bevor, äh ..., bevor die Leute tot sind, okay?« »Gut. Wenn es so weit ist, werde ich tot sein. Darauf können Sie sich verlassen. Also, wenn's eng wird, komme ich einfach vorbei, und ihr schiebt mich lebend in den Ofen.«


    Meine Meinung :study:
    Was für eine skurrile Geschichte um eine 80jährige, die im Sterben liegt und sich an ihre Kindheit und Jugend vor, während und nach dem 2. Weltkrieg erinnert. Die Ich-Erzählerin (gewöhnungsbedürftig geschrieben) liegt in ihrer Garage im Bett, ist enttäuscht von ihren Verwandten und so zieht sie sich zurück in ihre Jugend. Die meiste Zeit spielt die Geschichte die Jahre zwischen 1940 - 1945 ... die junge Herra gerät in die Wirren des Krieges, landet in Deutschland und Polen, wird vielfach vergewaltigt und bleibt dabei die ganze Zeit stoisch und wie betäubt.
    Ich habe etwas gebraucht, um mich an den Schreibstil und die vielen Zeitsprünge zwischen 2009, 1929 - 1945, 1974, 1980 zu verkraften und mich an die ruppige Sprache zu gewöhnen. Das Buch hat mir gefallen, war mir aber teilweise etwas zu deftig ... wie sie sich an ihrer bösen Schwiegertochter rächt, hat mich zum Lachen gebracht. Wie sie vom Krieg erzählt und was dort ihr, ihrem Vater und ihrer Mutter passierte, hat mich erschreckt.
    Respekt, dass ein Mann über das Gefühlsleben einer Frau schreiben kann ... aber ich hätte mir gewünscht, dass Herra auch mal weint ... etwas zu tough, die alte Dame ... oder? Manchmal glaubt man, wirklich die Memoiren dieser Frau zu lesen und vergisst, dass es ein Roman ist 8)


    Von mir gibt es eine Empfehlung für Leser, die Skurriles mögen mit :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

  • Guten Morgen, Steffi!


    Danke für deine Rezension. Ich hatte den Roman schon ein paar Mal in der Hand und habe ihn angelesen, da er mich sehr reizt. Deine Rezension bestärkt mich in dem Gefühl, dass das Buch das Richtige für mich ist.


    Viele Grüße
    Buchfresser

  • Von diesem Hallgrímur Helgason bin ich ziemlich enttäuscht - schade, sehr schade.
    Nach Rokland war ich diesem isländischen Autor sehr zugetan, und auch der Anfang von Eine Frau bei 1000° wäre mir eine 5-Sterne-Bewertung wert. Etwa ein Drittel bis die Hälfte des Buches ist für mich lesenswert, der Autor scheint etwas zu sagen zu haben zum Thema Sprache, Nationalbewusstsein, Familientreue etc., und schreibt erfrischend ruppig-zynisch, lakonisch und respektlos, in einer für mich sehr guten sprachlichen Form.
    Aber dann :roll: ... kommt der Rest des Buches: für mich beinahe unerträglich - ich hatte den Eindruck, dass ich das alles schon fünzig Mal gelesen hatte. Was um Himmels willen treibt jeden dritten Autor dazu, sich über die Schrecknisse im Zweiten Weltkrieg auslassen zu müssen? #-o Ich kann's echt nicht mehr hören lesen. :puker: Schade um Helgasons Sprache - der Mann benutzt keine abgedroschenen Wendungen, keine Plattitüden, er hat einen ganz eigenen Stil, wie ich finde. Aber wieder Hunger, wieder Kinder, die von ihren Eltern im Krieg getrennt werden, die von Erwachsenen schikaniert werden, wieder vergewaltigte Frauen, wieder Frost und Tote und Blut und zermatschte Gliedmaßen? ?( Ich persönlich habe diesen Aspekt am Kapitel Zweiter Weltkrieg einfach satt.
    Bei Helgason finde ich es doppelt schade, dass er meint, mit solcher Art verbal bereits zigfach abgegraster Kriegsschrecknisse brillieren zu müssen, denn er hat viel gesunde und erfrischende Kritik zur aktuellen Weltwirtschaftslage und zu nationaler und internationaler Politik vorzubringen.


    Hätte ich nicht den ersten Teil von Eine Frau bei 1000° so toll gefunden, hätte ich es mit maximal 2 Sternchen bewertet, aber der tolle Anfang lässt mich dann doch, wenn auch mit knirschenden Zähnen, :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: vergeben.

    » Unexpected intrusions of beauty. This is what life is. «


    Saul Bellow, (1915-2005 ), U.S. author,
    in Herzog

    Einmal editiert, zuletzt von Hypocritia ()

  • Ich habe das Buch noch auf dem SUB liegen, bin aber inzwischen auch skeptisch, ob es mir wirklich gefallen wird. Allerdings aus dem Grund, dass für den deutschen Markt wohl in der Eile (es sollte pünktlich zur Buchmesse erscheinen) ein unfertiges Buch übersetzt worden sein soll. Man hatte dem Verlag wohl ursprünglich vorgeworfen, für den deutschen Markt die Kriegsschilderungen gekürzt zu haben. Leider kann ich den Artikel nicht mehr finden, aber meine Vorfreude auf das Buch ist seither etwas gedämpft.

    "Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler" (Philippe Dijan)


    Tauschgnom

  • Man hatte dem Verlag wohl ursprünglich vorgeworfen, für den deutschen Markt die Kriegsschilderungen gekürzt zu haben. Leider kann ich den Artikel nicht mehr finden, aber meine Vorfreude auf das Buch ist seither etwas gedämpft.


    Auch ich habe heute im Netz nach dieser Information gesucht und leider nichts dazu gefunden. Dass der Roman hastig und unter Zeitdruck zu Ende gebracht wurde, könnte vom Gefühl her beim Lesen passen, allerdings hatte ich das Gefühl, dass der Teil mit dem 2. Weltkrieg viel zu lang geraten ist. Dafür wird die Spanne der Jahre von 1945 (oder 1948?) bis in die 90er Jahre hinein praktisch nur überflogen. Ich glaube mich daran zu erinnern, dass die Protagonistin am Anfang des Buches noch meint, dass sie sich die meisten Jahre, die sie im Ausland verbracht hatte, in Argentinien aufgehalten hatte. Meine Güte, da segelt der Autor aber ganz fix durch, und ein traumatisches Ereignis in Argentinien wird gerade mal grob in ein paar Absätzen abgehandelt, dagegen reicht jede Episode im 2. Weltkrieg über mehrere Seiten und ganz viele Details.
    Im Nachhinein habe ich jedenfalls nicht das Gefühl, eine runde und stimmige Lektüre gelesen zu haben, die Darstellung der Protagonistin Herbjörg María Björnsson erschien mir insgesamt löchrig.

    » Unexpected intrusions of beauty. This is what life is. «


    Saul Bellow, (1915-2005 ), U.S. author,
    in Herzog

  • Herbjörg, 1929 geboren, todkrank mit einem Laptop und einer Handgranate in einer Garage in Islands Hauptstadt lebend, lässt ihr Leben noch einmal Revue passieren. Während zu Beginn ihre Erinnerungen noch gewöhnungsbedürftig schnell zwischen verschiedenen Jahren und der Gegenwart hin und her springen, liegt der Schwerpunkt nach dem ersten Viertel des Buches auf ihrer Zeit als Jugendliche im II. Weltkrieg. Von ihrer Mutter als Zwölfjährige auf Amrum aus Sicherheitsgründen allein gelassen, schlägt sie sich bis zum Kriegsende alleine durch das kämpfende Europa. Es ist eine grauenvolle Zeit. Und auch danach wird es für Herbjörg kaum leichter.
    Obwohl ihr Leben mehr von Entsetzlichkeiten als von schönen Dingen geprägt ist, lässt einen die besondere Sprache Helgasons immer wieder lächeln, aber auch erschreckt innehalten. Er arbeitet viel mit Bildern, die ebenso eingängig wie auch gewöhnungsbedürftig sind. Beispielsweise der Exkurs über die Sprachen der Völker (Deutsch ist ungekünstelt, es wird benutzt wie ein Hammer um Häuser für das Denken zu zimmern. Italienisch macht jeden zu einem Imperator usw.) oder der Vergleich Herbjörgs Krankheit mit dem Vorstoss der deutschen Wehrmacht. Helgason bzw. Herbjörg nimmt kein Blatt vor den Mund und da ihr Leben häufig von brutalem Sex geprägt wurde, fällt auch ihre Sprache öfters entsprechend aus.
    Vier Sterne gibt es deshalb, da ich mich mit den zu Beginn vielen Zeitenwechseln schwer tat. Die Kapitel sind meist recht kurz, vielfach sogar nur ein bis zwei Seiten lang - für mich zu wenig um richtig in das Buch 'reinzukommen', was nach dem ersten Viertel jedoch deutlich besser wurde.

    :study: Das Eis von Laline Paul

    :study: Der Zauberberg von Thomas Mann
    :musik: QUALITYLAND von Marc-Uwe Kling

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