Kirsten Heisig - Das Ende der Geduld

  • Buchdetails

    Titel: Das Ende der Geduld: Konsequent gegen ju...


    Verlag: Verlag Herder

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 256

    ISBN: 9783451069123

    Termin: Oktober 2017

  • Bewertung

    4.5 von 5 Sternen bei 15 Bewertungen

    90% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Das Ende der Geduld: Konsequent gegen ju..."

    Jugendliche Gewalttäter – sie werden immer brutaler und jünger. Viele Menschen meiden mittlerweile bestimmte Straßen, Plätze und Stadtviertel sowie nächtliche Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln. Eltern und Lehrer fürchten die Gewalt in ihren Schulen, Polizei und Sozialarbeiter kommen an ihre Grenzen. Die unbequeme und mutige Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig war schon lange nicht mehr bereit, dies hinzunehmen: 'Wenn wir nicht rasch und konsequent handeln, wenn wir unsere Rechts- und Werteordnung nicht entschlossen durchsetzen, werden wir den Kampf gegen die Jugendgewalt verlieren.' In den letzten Jahren haben sich die von ihr zu Recht angeprangerten Zustände republikweit nicht verbessert, sondern verschärft. Der unkontrollierte Zustrom von unbegleiteten jungen Flüchtlingen in den letzten zwei Jahren wird die Situation weiterhin verschärfen. »Seit zwanzig Jahren arbeite ich in der Berliner Strafjustiz. Die längste Zeit war und bin ich als Jugendrichterin tätig. Meine Aufgabe besteht darin, Strafverfahren gegen junge Menschen zu bearbeiten. Ich übe meinen Beruf nach wie vor mit Überzeugung aus und möchte sinnvolle Entscheidungen treffen, die einerseits zur Reduzierung der Jugendkriminalität beitragen und andererseits dem Menschen, der sich vor Gericht zu verantworten hat, die Chance eröffnen, ein Leben ohne Straftaten zu führen. Seit längerer Zeit habe ich nicht mehr den Eindruck, beiden Zielen gerecht werden zu können.' (Kirsten Heisig) Das ebenso provokante wie sachkundige Buch von Kirsten Heisig erschien bereits im Jahr 2010 und war ein Bestseller. Doch ist es heute aktueller denn je. Ergänzt mit einem Vorwort von Oberstaatsanwalt Rudolf Hausmann.
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  • Klappentext:
    Die Gewalttäter werden jünger, brutaler, skrupelloser und die Gesellschaft mit diesem Problem hilfloser. Die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig war nicht bereit, das hinzunehmen. Sie wollte sie nicht akzeptieren, dass bei Jugendlichen zwischen Straftat und Gerichtsverhandlung viele Monate vergehen und entwickelte das Neuköllner Modell. Hier findet nach einfachen Delikten von Jugendlichen innerhalb von drei Wochen die Gerichtsverhandlung statt. Die schnellen Strafen haben damit einen größeren Wirkungseffekt bei Tätern und Opfern. In ihrem Buch »Das Ende der Geduld« erläutert sie das Modell und deren Durchsetzungsweg, beschreibt Lebensläufe jungendlicher Krimineller, schildert Straftaten und Verfahren, benennt die Situationen an Schulen, Jugendämtern und der Polizei. Heisig liefert Fakten und aber auch Lösungsvorschläge, wie z.B. die Vernetzung von Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendamt, Schulen, Behörden, Institutionen und Eltern funktionieren sollte. Dabei wirft sie auch einen vergleichenden Blick ins europäische Ausland. (von der Verlagsseite kopiert)


    Zur Autorin:
    Kirsten Heisig, geb. 1961, verstarb Ende Juni 2010 in Berlin. Sie war Jugendrichterin, das von ihr wesentlich initiierte sog. »Neuköllner Modell« zeichnet sich vor allem aus durch Prävention, Abschreckung, Konsequenz und Schnelligkeit. (von der Verlagsseite kopiert)


    Allgemeines:
    Erschienen 2010 bei Herder
    208 Seiten
    Analyse der Jugendkriminalität in Berlin, Fallbeispiele, Lösungsversuche pädagogischer und juristischer Organisationen, Blicke in andere europäische Städte, Änderungsmöglichkeiten im juristischen Bereich mit persönlichen Empfehlungen.


    Eigene Meinung / Beurteilung:
    Ein bemerkenswertes Buch, nicht nur wegen des Inhalts, sondern auch wegen der Autorin:
    Als Richterin stand Kirsten Heisig am Ende der Kette aus Unfähigkeit zur Erziehung, mangelnder Bereitschaft zur Integration, Kriminalität und Gewalt auf der einen, verfehlter Integrations- und Bildungspolitik auf der anderen Seite.


    Sie versucht, den Ursachen jugendlicher Kriminalität auf den Grund zu gehen, aber die Ursachen sind so vielfältig wie die Täter und ihr Umfeld. Vor allem lassen sich die Taten nicht auf eine bestimmte Ursache zurückführen, aber eine Tendenz lässt sich feststellen: Wer aus einer Hartz 4- oder Migranten-Familie kommt, schlägt statistisch gesehen eher eine kriminelle Laufbahn ein als das Kind einer Mittel- oder Oberschicht-Familie.
    In Einzelfällen leisten Streetworker oder Jugendtreffs hervorragende Arbeit, aber sie können die immer stärker werdende Gewaltbereitschaft oder das Bandenwesen nicht stoppen.


    Als großen Nachteil sieht Heisig die langen juristischen Verfahren. Bis eine Strafsache ihren weiten Gang durch die Ermittlungsbehörden bis zum Tisch eines Richters angetreten hat, liegt die Tat oft lange zurück. Dass eine Bestrafung nur dann Wirkung zeigt, wenn sie unmittelbar der Handlung folgt, weiß jeder, der Kinder hat.
    Als eine Verbesserung hat Heisig für ihren Bezirk in Berlin die Verfahren beschleunigt, damit die jugendlichen Straftäter nach den Taten prompter vor ihr sitzen und sie als Richterin schneller aktiv werden und zu verschiedenen Maßnahmen greifen kann.


    Davon ausgehend könnte man der Autorin Populismus nachsagen. Doch aus ihren Ausführungen spürt man die Sorge um die Jugendlichen und die Gesellschaft. Obendrein vermittelt sie, dass Gefängnisaufenthalte die Gewalt- und Bandenerfahrungen eher verstärken und den Drogenkonsum nicht eindämmen. Auch weiß sie, dass ihr Modell der Verfahrensbeschleunigung nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.


    Heisig überfrachtet ihr Buch mit Zahlen und Statistiken, z. B. „Wer mehr als fünf deliquente Freunde in seinem Umfeld hat, wird mit 21,3 Prozent um das 50-fache häufiger zum Gewalttäter als ein Jugendlicher, der keine Straftäter zu seinen Freunden zählt.“ (S. 138 )


    Kirsten Heisig starb im Juni 2010 unmittelbar vor Erscheinen ihres Buches durch Selbstmord – so die Ermittlung der Polizei.
    Ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien, doch in diesem Fall und nach der Lektüre des Buches bin ich geneigt, nicht an einen Selbstmord zu glauben. (Bei Google findet man unter „Heisig“, „Mord“ oder „Selbstmord“ einige Seiten mit für mich überzeugenden Argumenten.)


    Fazit:
    Ein hochinteressantes, aktuelles Buch, das den Leser bedrückt und hoffnungslos zurücklässt.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Ich habe vor längerer Zeit eine Dokumentation über Kirsten Heisig gesehen, ich glaube, er hieß Tod einer Richterin. Aber Fragen beantwortet diese Doku auch keine, eher das Gegenteil. Soweit ich mich erinnere, kamen auch "nur" ehemalige Kollegen zu Wort und der Film hinterließ dadurch einen recht einseitigen Eindruck.

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