Stephen King - Der Talisman (ab 02.10.2011)

  • Gefallen haben mir dabei die Anspielungen auf Tolkiens Wälder! :love: Man würde Jack wirklich wünschen, dass er ein paar freundliche Ents treffen würde oder dass Tom Bombadil um die Ecke käme um ihn zu retten, aber statt dessen scheinen die Bäume nach seinem Leben zu trachten - und nur mit letzter Kraft rettet er sich in die wirkliche Welt.

    Vor allem, weil gerade an Fangorn denken musste, als die Bäume sich zu bewegen beginnen und schon kommt King selbst mit der Aussage über die bösen Ents daher. Sehr, sehr schön.


    Sehr düster hab ich auch die Szene empfunden, in der Farren und Jack zu dem umgestürzten Bierkarren kamen. Obwohl doch alle lachend (weil betrunken) durch die Gegend torkeln, konnte ich so gar nichts lustiges daran finden. Vielleicht liegt es daran, dass King beschreibt, wie die Leute das Bier vom Boden auflecken oder Tücher in die Pfützen tunken - auf jeden Fall hat King da eine sehr bedrückende Atmosphäre geschaffen.



    Es tut mir leid, dass ich grad immer nur Kommentare abgeb und so wenig selbst zum Inhalt schreibe. Aber meistens schreib ich gerade vom Büro aus und da hab ich das Buch halt nicht dabei und kann nur das wiedergeben, was mir besonders in Erinnerung geblieben ist. Mir macht die LR mit euch viel Spaß, weil sich alle so rege beteiligen. :friends: Bin lesetechnisch bis Ende Kapitel 7 gekommen und hoffe, dass ich am Samstag ein bisschen aufholen kann.

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    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Ich glaube schon, dass sich die Twinner begnegnen können, ist ja nicht eine Zeitreise Geschichte, wo man angeblich seinem jüngeren Ich nicht begegnen darf.
    Aber wenn man so drüber nachdenkt, scheint diese Sache mit den Twinnern eine komlizierte Angelegenheit zu sein.

    Blicke diesbezüglich nicht durch. Zu Anfang hatte doch Speedy Jacke sinngemäss erzählt "da Du keinen Twinner hast brauchst Du den Saft".


    Was doch bedeuten würde, dass es möglich ist mittels Twinner zu flippen. Wohin gehen dann die Seelen. Werde die ausgetauscht sind beide in einem Körper? Was hiesse das für den Körper? Würde dieser in eine Art kataonischen Zustand verfallen?

    Ich glaube schon, dass sich die Twinner begnegnen können, ist ja nicht eine Zeitreise Geschichte, wo man angeblich seinem jüngeren Ich nicht begegnen darf.

    Dieser Satz würde dann meine Theorie wieder zu Nichte machen, ausser beide Varianten wären möglich?

  • Zu Anfang hatte doch Speedy Jacke sinngemäss erzählt "da Du keinen Twinner hast brauchst Du den Saft".

    Wenn ich mich richtig erinnere, war das nicht wegen dem fehlenden Twinner, sondern weil Jack sich schon seit langer Zeit von seinen "Tagträumen" abgewandt hat und deshalb nicht so einfach wandern kann. Meiner Meinung nach existieren die Twinner nebeneinander, ohne eine direkte (körperliche) Verbindung zu haben. Dass ihre Schicksale nicht unabhängig voneinander sind, sehen wir ja am Beispiel von Jacks Mutter und der Königin.

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    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Obwohl doch alle lachend (weil betrunken) durch die Gegend torkeln, konnte ich so gar nichts lustiges daran finden. Vielleicht liegt es daran, dass King beschreibt, wie die Leute das Bier vom Boden auflecken oder Tücher in die Pfützen tunken - auf jeden Fall hat King da eine sehr bedrückende Atmosphäre geschaffen.

    King gelingt es auch gerade mit solchen Sachen, mich zu gruseln. Erst stellt man sich die Situation ganz lustig vor, dann kommt aber wieder irgendwas und eine vermeintlich harmlose Situation wird unheimlich. Dank King gruselt's mich ja schließlich auch vor Clowns! :wink:

    Mir macht die LR mit euch viel Spaß, weil sich alle so rege beteiligen.

    Geht mir auch so. Wie ich nächste Woche posten kann, weiß ich noch nicht, weil ich auf Klassenfahrt bin. Weiterlesen werde ich aber auf jeden Fall. :) Und Freitag steige ich dann einfach wieder ein, die LR wird ja noch eine Weile gehen.

    Meiner Meinung nach existieren die Twinner nebeneinander, ohne eine direkte (körperliche) Verbindung zu haben.

    So hatte ich mir das bisher auch erklärt und auch aus denselben Gründen, die du angeführt hast. Aber ich glaube, darüber, wie das mit den Twinnern genau funktioniert, werden wir noch Einiges erfahren. Wir sind ja noch im ersten Fünftel! :wink:

  • Wollte gerne einen Eintrag löschen, ist mir nicht gelungen. :evil:

    2 Mal editiert, zuletzt von Hechizar ()

  • Dass ihre Schicksale nicht unabhängig voneinander sind, sehen wir ja am Beispiel von Jacks Mutter und der Königin.

    Ja, das habe ich auch so verstanden aber was mir jetzt bei Deinem Zitat erneut durch den Kopf gegangen ist, dass es Möglich wäre das viele per Tagträume flippen so wie bei Jack jedoch unbewusst. Sein Vater jedoch der erste gewesen sein könnte, der erfasst hat das es eine andere Realität ist und bewusst hin und her wandern konnte. Und der zweite Gedanke war wenn die Schicksale nicht unabhängig voneinander sind und das Kind der Königin der Twinner von Jack war, welche Bedeutung hat das für unseren Helden?


    So hatte ich mir das bisher auch erklärt und auch aus denselben Gründen, die du angeführt hast. Aber ich glaube, darüber, wie das mit den Twinnern genau funktioniert, werden wir noch Einiges erfahren. Wir sind ja noch im ersten Fünftel!

    :D Du hast Recht wir haben noch Zeit und sicher werden noch Fragen beantwortet doch ich finde das Rätseln an sich spannend. :-k

  • Kapitel 8


    Sechs Tage ist es nun her das Jack aus den Territorien geflüchtet ist. Er fühlt sich gut und der Schrecken löst sich nach und nach von ihm.
    Jack bewegt sich fast schon optimistisch durch den realen Teil Amerikas. Nach einem Job als Tellerwäscher hat er nun auch ein paar Dollar
    in der Tasche und er malt sich aus, dass seine Aufgabe eigentlich gar nicht mehr so unerreichbar ist. Würden wir King nicht kennen, könnte
    nun auch bei uns Lesern so etwas wie Aufatmen stattfinden. Aber irgendwie habe ich so eine Ahnung das Jack dieses gute Gefühl nicht sehr
    lange genießen kann.
    Auf seiner Karte hat Jack ein Kaff namens Oatley als sein nächstes Ziel ausgemacht. Er wird von einem sehr freundlichen Vertreter mitgenommen,
    der ihn ziemlich unverblümt vor seinem Ziel warnt.

    Zitat

    Es ist ein Loch. Eines von den Nestern wo die Leute essen, was sie auf der Straße überfahren. Sie trinken das Bier und dann fressen sie das Glas.

    Aber Jack ist entschlossen seinen Weg fortzusetzen. Bevor er jedoch nach Oatley kommen kann, muss er durch einen unbeleuchteten Tunnel.
    Mitten im Tunnel hört Jack seltsame Geräusche und ein heiseres Kichern. Dannn glaubt er die Pfoten eines Hundes zu hören. Er riecht so etwas wie
    Zoogeruch und einmal erscheint ihm so etwas wie ein glühendes Gesicht in der Dunkelheit. Kaum aus dem Tunnel heraus rast ein Auto an ihm vorbei.
    Die Augen die er gesehen hatte waren wohl doch nur die Scheinwerfer des Autos. Oder....?


    Dann erreicht Jack Oatley und die Beschreibung dieses gottverlassenen Ortes die King hier abliefert, hätte mich an Jacks Stelle schreiend weglaufen lassen.
    In diesem Ort kann nichts Gutes passieren. Aber Jack ist müde, hungrig und er sucht Arbeit. Zum nächsten Ort zu gehen kommt nicht in Frage.
    Und so entdeckt er eine Gastwirtschaft mit einem Schild >Aushilfe gesucht<. Für Jack öffnen sich die Türen von >Updikes Oatley Tap<.
    Eigentlich hätte ihm sein flüchtiger Gedanke bevor er eintritt eine Warnung sein sollen. Ich habe da kein gutes Gefühl:

    Zitat

    Nur einen Augenblick, als er aus dem matten Sonnenlicht in die Dunkelheit der Gastwirtschaft trat, dachte er daran, wie er durch den dichten
    Efeuvorhang in den Mill Road Tunnel eingetreten war.

    ............. :cry: :study:


    lg taliesin :winken:

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


    :study:John Burnside - I put a spell on you (MLR)

    :study:William Makepeace Thackeray - Vanity Fair

    :study:Charles Dickens - Our Mutual Friend

    :study:Thomas Raab - Still: Chronik eines Mörders

  • Und wieder einmal ist es ein Kind, dass bei King so schlimme Dinge erfahren muss und Taten vollbringen, zu denen viele Erwachsene nicht fähig wären. Dennoch schafft es King, diese Kinder immer glaubwürdig erscheinen zu lassen. Sie haben Angst und Zweifel und wachsen in Momenten höchster Not über sich hinaus, um dann vielleicht weinend im Eck zu sitzen. Da ist keine "Coolnes" zu spüren, sondern oftmals wirklich der Mut der Verzweiflung. Große Erzählkunst

    Das hast du gut ausgedrückt, Hiri, und ich sehe es genau so! Die Charaktere sind bei King immer sehr authentisch und das gilt auch für die jungen Helden! Besonders am Ende des 7. Kapitels merkt man Jack seine Verzweiflung und seine Angst an, aber ich bin froh, dass er endlich die Chance hat, bittere Tränen zu weinen, die oft so wichtig sind und bei denen es einem oft besser geht, nur weil man sie endlich losgeworden ist. Und Auslöser dafür ist eine harmlose Zahnbürste. Aber King hat schon recht mit dem, was er über die Bedeutung einer Zahnbürste schreibt. Da kann man schon mal sentimental werden.


    Eine Kleinigkeit muss ich noch erwähnen, weil ich es immer wieder schön finde, wie King Details seiner Geschichten in verschiedene Bücher einfließen lässt. Der Gruß, den Farren Osmond entbietet (geballte Faust an die Stirn und das Knie gebeugt) entspricht Rolands rituellem Revolvermann-Gruß

    Das ist mir gar nicht aufgefallen - danke für den Hinweis! Find ich ebenfalls schön, dass sich solche kleinen Details bei King wiederfinden.


    Unheimlich ist die Vision, die Jack hat, als er hört, dass das Kind der Königin der Territorien als Baby starb. Auch Jack wäre als Baby fast gestorben - und in einer Vision sieht er geradezu vor sich, wie Morgan versucht hat, ihn zu töten und wie er dann versuchte, Phil von den Wiederbelebungsversuchen an seinem Sohn fernzuhalten. Lily hat Jack einen Teil dieser Geschichte oft erzählt und man kann sich sicher fragen, ob sie das nur gemacht hat, weil sie so erleichtert war, dass Jack überlebte, oder ob sie dadurch indirekt schon versucht hat, ihn vor Morgan zu warnen. Warum sonst hätte sie ihrem Sohn erzählt, dass Morgan gar nicht dafür war, dass Jack wiederbelebt wurde?


    Diese Erkenntnis am Anfang des 7. Kapitels hat mich auch sehr erschreckt und erschüttert! Was ist dieser Sloat nur für ein Mensch?! Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass diese Geschichte für Jack eine Warnung sein soll. Denn wie ich schon mal geschrieben habe, glaube ich, dass Lily mehr weiß, als sie erkennen lässt.


    Ist euch eigentlich auch das Zitat aufgefallen "Come on, for Jason's sake!" - Wer ist Jason? Dazu sagt Farren nichts. Aber Jack und Jason - die beiden Namen klingen doch sehr ähnlich. Vielleicht ist Jason der Sohn der Königin? Er ist zwar gestorben, aber vielleicht wird er trotzdem geehrt / verehrt? :-k


    Die Begegnung mit Osmond fand ich ebenfalls sehr unheimlich. Er ist so brutal und scheint wirklich total verrückt zu sein. :lechz: Hoffentlich verkraftet Jack die Verletzungen mit der Peitsche schnell. Was er aber wahrscheinlich nicht so schnell verkraften wird, ist die Tatsache, dass Osmond einer der Männer ist, der vor einigen Jahren versucht hat, ihn zu entführen. Glaubt ihr, dass Osmond Jack erkannt hat? Denn er glaubt Farren die Geschichte nicht und sieht irgendetwas an Jack, das ihm komisch vorkommt. Ob er erkennt, dass Jack nicht in diese Welt gehört?


    Morgan scheint Jack ja auch zu riechen, oder zumindest zu spüren. Ich vermute mal, die Twinner merken einfach, wenn jemand aus der anderen Welt in der Nähe ist. Vielleicht bringt Jack auch den Gestank seiner Welt mit in die Territorien, was bei der klaren Luft sofort auffällt.

    "Hab Vertrauen in den, der dich wirft, denn er liebt dich und wird vollkommen unerwartet auch der Fänger sein."
    Hape Kerkeling


    "Jemanden zu lieben bedeutet, ihn freizulassen. Denn wer liebt, kehrt zurück."
    Bettina Belitz - Scherbenmond

  • Sehr düster hab ich auch die Szene empfunden, in der Farren und Jack zu dem umgestürzten Bierkarren kamen. Obwohl doch alle lachend (weil betrunken) durch die Gegend torkeln, konnte ich so gar nichts lustiges daran finden. Vielleicht liegt es daran, dass King beschreibt, wie die Leute das Bier vom Boden auflecken oder Tücher in die Pfützen tunken - auf jeden Fall hat King da eine sehr bedrückende Atmosphäre geschaffen.

    Ich kann betrunkenen Menschen sowieso nichts abgewinnen, deswegen war diese Szene für mich auch eher unheimlich.

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    Hape Kerkeling


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  • Ich kann betrunkenen Menschen sowieso nichts abgewinnen, deswegen war diese Szene für mich auch eher unheimlich.


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  • @ taliesin:


    :lechz: Jetzt machst du mich aber doch neugierig! :study:

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  • Glaubt ihr, dass Osmond Jack erkannt hat? Denn er glaubt Farren die Geschichte nicht und sieht irgendetwas an Jack, das ihm komisch vorkommt. Ob er erkennt, dass Jack nicht in diese Welt gehört?


    Ich bin mir sicher, dass Osmond etwas in Jack erkennt welches ihn an den Jack Sawyer aus der realen Welt erinnert. Zum Glück für Jack ist er sich
    wohl nicht ganz sicher, sonst hätte er ihn bestimmt getötet oder auch Morgan ausgeliefert.
    Das Schlimme ist, dass Jack sich in keiner der beiden Welten sicher fühlen kann, da die Twinner ihn in jeder Welt jagen.


    lg taliesin :winken:

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  • Glaubt ihr, dass Osmond Jack erkannt hat? Denn er glaubt Farren die Geschichte nicht und sieht irgendetwas an Jack, das ihm komisch vorkommt. Ob er erkennt, dass Jack nicht in diese Welt gehört?

    Ja, Osmond hat irgendwie bemerkt das Jack jemand anderer ist wie er vorgibt. Er scheint aber unsicher, misstrauisch ist er ja allemal.

    Morgan scheint Jack ja auch zu riechen, oder zumindest zu spüren. Ich vermute mal, die Twinner merken einfach, wenn jemand aus der anderen Welt in der Nähe ist. Vielleicht bringt Jack auch den Gestank seiner Welt mit in die Territorien, was bei der klaren Luft sofort auffällt.

    Auf die Idee, dass der Junge seinen Geschmack quasi den Geruch der andere Welt mit hinübernehmen könnte ist interessant. Der Gedanke ist mir nicht gekommen. Das mit den Twinnern ist schon sehr spannend, ich bin neugierig was wir diesbezüglich noch erfahren werden. :lechz:

  • Ich bin jetzt mitten in Kapitel 9.
    Mir ist auch aufgefallen, dass King Dinge erwähnt, die mir selbst durch den Kopf schießen. Zum Beispiel Ents, als die Bäume lebendig wurden oder als Farren mit Jack die "ich schimpfe mit meinem missratenden Sohn-Nummer" abzieht. Da dachte ich, Mensch, langsam wird es unglaubwürdig.

    Zitat

    "Ich will es nie wieder tun!" schluchzte Jack (dem diese Szene mittlerweile ein wenig verbraucht vorkam). (S. 119)


    Gefällt mir gut, dass King so praktisch die Gedanken seiner Leser vorausahnt und einem so mit einer (flapsigen) Bemerkung bewusst macht, dass er sehr wohl weiß, dass er sich wiederholt oder worauf er anspielt oder dass ihm genau die gleichen Assoziationen durch den Kopf gegangen sind.


    Oje dann Osmond. Schlimm!

    Zitat

    Der Kutscher hörte Osmond kommen und begann zu schreien. (S. 126)


    Zitat

    Er wußte, dass Osmond lachte. (S. 127)


    Furchtbar, auch wenn Jack über die Ablenkung durch den Kutscher froh sein kann.


    Kapitel acht:
    Die Episode mit dem Tunnel finde ich wirklich gruselig.

    Zitat

    Jack erstarrte wieder, denn jetzt hörte er ein kleines Geräusch, eine Art heiseres Kichern, das aus der Dunkelheit vor ihm kam. (S. 149)


    Zitat

    Er glaubte, tiefer im Tunnel etwas flüstern zu hören. (S. 149)


    Jack versucht sich damit zu beruhigen, dass er ja in seiner Welt ist und nicht in der Region. Doch eigentlich sollte er wissen, dass das kein Garant für Sicherheit ist, denn die Entführer damals kamen auch aus den Territorien.


    Kapitel neun:
    Hier finde ich sehr bezeichnend, dass das Kapitel "DIe Kannenpflanze" heißt. Vergleicht King doch immer wieder das Oatley Tap mit einer fleischfressenden Pflanze. Rein kommt man leicht, aber herauskommen ist fast unmöglich.
    Allein der Satz am Ende von Kapitel acht ist verheißungsvoll.

    Zitat

    Nur einen Augenblick, als er aus dem matten Sonnenlicht in die Dunkelheit der Gastwirtschaft trat, dachte er daran, wie er durch den Efeuvorhang in den Mill Road Tunnel eingetreten war.

    Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.
    (Jorge Luis Borges)

  • Hier finde ich sehr bezeichnend, dass das Kapitel "DIe Kannenpflanze" heißt. Vergleicht King doch immer wieder das Oatley Tap mit einer fleischfressenden Pflanze. Rein kommt man leicht, aber herauskommen ist fast unmöglich.


    Oh ja, mit dem Eintritt in die Falle Oatley Tap (könnte auch Oatley Trap heißen) öffnen sich für Jack die Tore zu einem Albtraum. Hier trifft er dann
    auch bald auf ein paar wirklich grausame Gestalten die denen in den Territorien in nichts nachstehen. Ein atemberaubendes Kapitel.
    Dazu aber erst etwas später. Bin noch nicht ganz durch.......... :study:


    lg taliesin :winken:

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  • Was mir gerade noch eingefallen ist: Ich wollte unbedingt noch etwas zu der Szene in der Scheune sagen. (Kapitel 7, S. 143)
    Ich fand das sehr rührend, dass Jack da die Nerven verloren hat und von Einsamkeit, Verzweiflung und Heimweh übermannt wurde.
    Da hat er mir schon sehr leid getan, gleichzeitig fand ich aber auch gut, dass er halt nicht der unbezwingbare junge Held ist, der oft in anderen Fantasybücher beschrieben wird. Er tut, was er tun muss, manchmal packt ihn der Mut über den er dann selbst erstaunt ist, aber manchmal ist er auch nur ein kleiner Junge, der Angst hat und seine Mutter vermisst.
    Und das gerade so ein Alltagsgegenstand wie eine Zahnbürste dieses Heimweh und die Verzweiflung auslösen, fand ich schön und rührend und sehr treffend beschrieben.

    Zitat

    Eine Zahnbürste war etwas, das in ein gut beleuchtetes Badezimmer gehörte, etwas, das man mit einem Baumwollpyjama am Leibe und warmen Slippern an den Füßen benutzte. Nicht etwas, das vom Grunde eines Rucksacks auftauchte, in einem kalten, dunklen Werkzeugschuppen am Rand einer Kiesgrube in der Nähe eines verlassenen Dorfes, dessen Namen man nicht einmal kannte. (S. 143)

    Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.
    (Jorge Luis Borges)

  • Oh mein Gott - dieser Junge hat wirklich Mumm! Ich glaube ja schon, dass da erst etwas anderes war, das sich Jack genähert hatte. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob es irgendetwas aus den Territorien war oder etwas grausiges aus unserer Welt. Das Auto bringt ein klein wenig aufatmen - denn auch wenn der Fahrer nicht freundlich ist und Jack fast überfahren wird, ist es eben ein ganz normales Auto, dass da aus dem Tunnel kommt. Aber auch die ganz "normalen" Dinge unserer "normalen" Welt können sehr furchteinflößend sein.


    Dann erreicht Jack Oatley und die Beschreibung dieses gottverlassenen Ortes die King hier abliefert, hätte mich an Jacks Stelle schreiend weglaufen lassen.
    In diesem Ort kann nichts Gutes passieren. Aber Jack ist müde, hungrig und er sucht Arbeit. Zum nächsten Ort zu gehen kommt nicht in Frage.

    Es ist wirklich erstaunlich, wie King mit wenigen Worten ein Bild der Trostlosigkeit malt. Ich würde auch keinen Moment an diesem Ort verweilen, aber wenn man so wie Jack hungrig und müde ist und der Weg zum nächsten Ort durch den grusligen Tunnel führt, bleibt einem wohl keine andere Wahl. :-?

    Gefällt mir gut, dass King so praktisch die Gedanken seiner Leser vorausahnt und einem so mit einer (flapsigen) Bemerkung bewusst macht, dass er sehr wohl weiß, dass er sich wiederholt oder worauf er anspielt oder dass ihm genau die gleichen Assoziationen durch den Kopf gegangen sind.

    Das stimmt - er schreibt die Geschichte so, dass der Leser irgendwie oftmals ahnt, was als nächstes passieren könnte oder dass King die Gedanken des Lesers aufzugreifen scheint. Großartig!


    Jack versucht sich damit zu beruhigen, dass er ja in seiner Welt ist und nicht in der Region. Doch eigentlich sollte er wissen, dass das kein Garant für Sicherheit ist, denn die Entführer damals kamen auch aus den Territorien.

    Oh ja, mit dem Eintritt in die Falle Oatley Tap (könnte auch Oatley Trap heißen) öffnen sich für Jack die Tore zu einem Albtraum.

    Das mit "Oatley Trap" ging mir auch durch den Kopf.
    Beginne gleich mit Kapitel 9... :lechz:

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    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Und das gerade so ein Alltagsgegenstand wie eine Zahnbürste dieses Heimweh und die Verzweiflung auslösen, fand ich schön und rührend und sehr treffend beschrieben.


    Ja, das ist eine wunderbar anrührende Szene in der King beweist, dass es oft die kleinen Dinge des Alltags sind die uns in scheinbar ausweglosen Situationen
    bewusst werden. Die Verzweiflung Jacks wird auch im letzten Abschnitt dieses Kapitels noch einmal deutlich.

    Zitat

    Er weinte, weil Sicherheit und Vernunft aus der Welt verschwunden zu sein schienen. Die Einsamkeit war da, sie war eine Gewissheit;
    doch in seiner Lage lag auch der Wahnsinn im Bereich des Möglichen.

    lg taliesin :winken:

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  • Beginne gleich mit Kapitel 9... :lechz:


    Na dann..........viel Spass :mrgreen: :vampire:

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


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  • Das stimmt - er schreibt die Geschichte so, dass der Leser irgendwie oftmals ahnt, was als nächstes passieren könnte oder dass King die Gedanken des Lesers aufzugreifen scheint. Großartig!


    Hmm, ganz so meinte ich dasnicht. Ich finde nicht, dass man in der Geschichte Dinge vorausahnen kann. Es ging mir eher um die Assoziationen, die man zieht. Wenn man von lebendig werdenden, sich bewegenden Bäumen spricht, hat fast jeder gleich die Ents vor Augen. Und das weiß King auch und greift es auf und erwähnt die Verbindung selber, so dass er einem gleich den Wind aus den Segeln nimmt und keine Angriffsfläche bietet. Ebenso mit der Wiederholung des "ausgeschimpfter Sohn" Schauspiels. Als ich denke, jetzt wird es aber zu viel, auffällig, unglaubwürdig, schreibt King kurze Zeit später genau das.

    Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.
    (Jorge Luis Borges)