Stephen King - Der Talisman (ab 02.10.2011)

  • zu Kapitel 6


    Ist es euch auch aufgefallen, dass Jack die Gerüche in den Territorien desöfteren erwähnt und hier besonders den Geruch von Fleisch der überall
    zu sein scheint? Der erste Mensch dem er in den Territorien begegnet fährt einen Karren der auf der Ladefläche kiloweise Fleisch transportiert.
    Auch in der Burg der Königin riecht es sehr stark nach Fleisch. Irgendwie kommt mir das sehr seltsam vor, zumal es so oft wiederholt wird.


    Kapitel 6 ist sehr spannend und der Gang mit Farren durch den Pavillion vermittelt sehr stark den Eindruck von überall lauernder Gefahr.
    Vor allem die kostbar gekleideten Männer die ihnen argwöhnisch hinterherschauen lassen dem Leser die Haare zu Berge stehen. Das sind mit
    Sicherheit Sloats Leute und Hirilvorgul erwähnte ja schon die Worte Farrens.
    Was meint er wohl mit: Wie wohl das Leben aussehen wird wenn.....


    Jetzt aber zum siebten Kapitel....... :study:


    lg taliesin :winken:

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


    :study:Joyce Carol Oates - The Accursed / MLR

    :study:Alfred Lord Tennyson - The Works

  • "Speedy" könnte auch ein sprechender Name sein, vielleicht, weil er schnell zwischen den Welten wechseln kann?

    Ich vermute, dass das vielleicht früher der Fall gewesen ist, denn mittlerweile benötigt Speedy ja seinen Zaubertrank, um zwischen den Welten wechseln zu können. Als er noch jünger war, ging es vielleicht auch ohne Zaubertrank. Wie alt ist Speedy eigentlich?

    Es scheint, als wisse Lily von den Territorien, sei aber noch nie dort gewesen. Oder doch? Wenn die Königin der Territorien ihr Twinner ist - und so scheint es ja - müsste doch auch sie eigentlich reisen können?

    Das finde ich sehr interessant und auch logisch! Hoffentlich erfahren wir dazu noch etwas!

    Lily bestellt Jack schon gleich ein "Drei Sterne Frühstück" und weist die Kellnerin darauf hin, wie groß ihr Sohn wird und wie schnell er wächst. Ahnt sie schon, dass er gerade wirklich sehr erwachsen handeln muss?

    Diese Schlussfolgerung finde ich sehr schön. Ich habe sowieso den Eindruck, dass Lily mehr weiß, als sie zugibt. Von daher könnte diese Bemerkung durchaus so gemeint sein, wie du es vermutest, Strandläuferin.

    Wie Jack dann versucht, seine Mutter zu finden und diese sehr merkwürdige Begegnung mit dem Portier in der Hotelhalle hat, fand ich interessant. Ich meine, der Mann ist wirklich sehr merkwürdig. Hat er einen Grund, sich Jack gegenüber so unmöglich zu verhalten? Irgendwie finde ich das ziemlich merkwürdig.

    Das konnte ich auch nicht verstehen! Dieser Mensch muss von grundauf böse sein, um Jack solche Kommentare an den Kopf zu werfen. [-(

    Jacks Suche nach seiner Mutter im Hotel hat mich zunächst ganz schön erschreckt, ich war mir sicher, dass Sloat sie schon in seiner Gewalt hatte - irgendwie ist ihm ja alles zuzutrauen.

    Jaaa, hier habe ich auch mitgefiebert und war auch fest davon überzeugt, dass Lily entführt wurde. Zum Glück hat sich das nicht bestätigt, aber sie scheint dennoch nicht in Sicherheit zu sein, denn wie sich aus dem Zwischenspiel herausliest, ist Sloat auf dem Weg zu ihr. :shock:

    "Hab Vertrauen in den, der dich wirft, denn er liebt dich und wird vollkommen unerwartet auch der Fänger sein."
    Hape Kerkeling


    "Jemanden zu lieben bedeutet, ihn freizulassen. Denn wer liebt, kehrt zurück."
    Bettina Belitz - Scherbenmond


    http://www.lektorat-sprachgefuehl.de

  • Hier erfahren wir nun einiges über die Machenschaften des Morgan Sloat und seine dunklen Zukunftspläne. Es wird deutlich, dass Sloat nicht nur für Phils Tod verantwortlich war sondern auch Onkel Tommy töten ließ. Offensichtlich hat er Tom von Komplicen aus den Territorien töten lassen weil Phil ihn als Vormund für seinen Sohn Jack einsetzen wollte

    Sloat ist grässlich. Was mich an ihm am meisten abstößt, ist die Tatsache, wie er sich entwickelt hat. Er versuchte schon als junger Mann immer dazuzugehören - er tat mir fast leid, als davon die Rede war, wie er mit all den Sprösslingen aus gutem Hause zusammen war und so gern einer von ihnen sein wollte. Aber je mehr Macht er erlangt - und alleine hätte er das doch wohl nie geschafft, so erfolgreich zu werden - desto mehr schlimmer wird es mit ihm und er benimmt sich herablassend und grausam. Dass er sogar einen so guten Menschen wie Phil umbringt und auch den gemeinsamen Freund Tommy, ist grausig.

    Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, waren Jack und Richard doch befreundet, oder? Vielleicht wird diese Freundschaft noch eine Rolle spielen?

    Das könnte schon sein. Gerade weil sie zwischen den Welten wechseln können, sind sie bestimmt auf ganz besondere Weise miteinander verbunden...

    Schön finde ich, dass Phils Twinner die Königin der Territorien geheiratet hat, wie Phil Lily geheiratet hat. Ich frage mich, wie die Schicksale der Twinner wohl miteinander verbunden sind.

    In jedem Fall scheint Jack ja etwas Besonderes zu sein, weil er einer dieser Verbindungen entstammt. Er hat keinen Twinner - was ja bedeuten könnte, dass Phils und Lilys Twinner einfach keinen Nachwuchs hatten. Ob es dafür einen Grund gibt? Denn eigentlich scheinen sich die Leben der Erwachsenen parallel zueinander zu entwickeln, zumindest fast. Vielleicht kommt das Besondere an Jack daher? Irgendwie habe ich jedenfalls das Gefühl, dass das mit der ganzen Sache etwas zu tun hat und kein Zufall ist.

    Wie alt ist Speedy eigentlich?

    Ich stelle ihn mit immer Anfang sechzig oder so vor, aber ich glaube, wirklich gesagt wurde es noch nicht. Da ich aber immer noch irgendwie denke, dass Speedy eigentlich nicht in die wirkliche Welt gehört, ist sein Alter eventuell auch gar nicht so festgelegt oder greifbar?
    Speedy ist für mich bislang der faszinierendste Charakter dieses Romans und ich bin total gespannt, wie es weitergeht! :)

  • Mit dem Flippen in die Territorien ändert sich Jacks Kleidung, denn die Welt der Territorien ist eine mittelalterliche Welt. Das gefällt mir sehr gut! Eine moderne Welt wie unsere würde nicht zu den Territorien passen. Auch das Plektron, dass Jack in seiner Tasche hatte, hat sich verwandelt. Und nun wissen wir auch, dass es tatsächlich als eine Art Schlüssel fungiert, denn damit konnte Jack den Hauptmann überzeugen, ihn zur Königin zu führen.


    Der geht es ja gar nicht gut, ich frage mich, warum sie so krank geworden ist und inwieweit ihre Krankheit mit der von Lily in Zusammenhang steht.


    Speedy hat also auch einen Twinner, der in den Territorien Parkus heißt. Ich bin gespannt, ob wir ihm noch begegnen. Er wäre Jack sicherlich eine gute Hilfe bei seinem Auftrag.


    Alle zittern vor der Ankunft von Morgan. Und ich auch! Ich hoffe, Jack gelingt es schnell genug, zu verschwinden. Was ich mich nur frage: Weiß Morgan denn, wer Jack ist? Einfach deshalb, weil sein Twinner Sloat weiß, wer Jack ist. Oder müsste Sloat in die Territorien wechseln und seinen Twinner auf Jack ansetzen? Können sich die Twinner treffen oder gerät dann alles aus den Fugen? :-k

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  • Ist es euch auch aufgefallen, dass Jack die Gerüche in den Territorien desöfteren erwähnt und hier besonders den Geruch von Fleisch der überall
    zu sein scheint?

    Nicht so bewusst, aber jetzt wo du es erwähnst, fällt mir auch oft, dass das sehr oft erwähnt und äußerst intensiv beschrieben wurde.

    Er hat keinen Twinner - was ja bedeuten könnte, dass Phils und Lilys Twinner einfach keinen Nachwuchs hatten. Ob es dafür einen Grund gibt? Denn eigentlich scheinen sich die Leben der Erwachsenen parallel zueinander zu entwickeln, zumindest fast. Vielleicht kommt das Besondere an Jack daher?

    Das denke ich auch. Es gibt scheinbar Menschen, die eine besondere Rolle zu spielen haben und somit einmalig sind und keinen Twinner haben. Einer davon ist Speedy, ein anderer Jack. Anfangs dachte ich, dass alle die twinnerlos sind, die zwischen den Welten wandern können, aber das ist ja wohl nicht so, denn Jacks Vater hat ja einen Twinner. Wie es wohl ist, wenn man sich selbst begegnet?

    Zitat von »gaensebluemche«
    Wie alt ist Speedy eigentlich?


    Ich stelle ihn mit immer Anfang sechzig oder so vor, aber ich glaube, wirklich gesagt wurde es noch nicht. Da ich aber immer noch irgendwie denke, dass Speedy eigentlich nicht in die wirkliche Welt gehört, ist sein Alter eventuell auch gar nicht so festgelegt oder greifbar?

    Ja - so stelle ich ihn mir auch vor, da er ja grauhaarig ist. Ich hab's ja schon mal gesagt: ich hab immer Morgan Freeman vor Augen :wink: auch wenn der inzwischen ein bisschen älter ist.

    Gelesen in 2020: 7 - Gehört in 2020: 9 - SUB: 437


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  • Stand schon irgendwo, dass die Twinner auch gleich aussehen? Ich habe mich das nämlich schon gefragt, ob Jack dann quasi einem Ebenbild seiner Mutter gegenüberstehen würde...


    Im Kapitel 6 bekommst du davon einen ersten Eindruck.
    Was ich mich (wie Hirlvorgul) allerdings auch frage ist, können die Twinner sich selbst begegnen und wenn, was passiert dann?
    Da Morgan selbst ja jetzt wohl in den Territorien erwartet wird, müsste er ja seinem Twinner begegnen, oder wie seht ihr das?


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  • Da Morgan selbst ja jetzt wohl in den Territorien erwartet wird, müsste er ja seinem Twinner begegnen, oder wie seht ihr das?

    Ich vermute eher, dass "Morgan" der Twinner von Sloat ist, wie er in den Territorien genannt wird, und Sloat ist eben Sloat in unserer Welt. Also Morgan und Sloat sind Twinner und Original. :-k Ich glaube nicht, dass es so offensichtlich für die Bewohner der Territorien ist, dass sie regelmäßig Besuch aus einer anderen Welt bekommen. Sie erkennen die "normalen" Menschen ja auch nicht, da sich ja deren Kleidung ändert (siehe Jack). Hoffentlich erfahren wir dazu noch mehr, denn es sind so viele Fragen offen!

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  • Ich vermute eher, dass "Morgan" der Twinner von Sloat ist, wie er in den Territorien genannt wird, und Sloat ist eben Sloat in unserer Welt. Also Morgan und Sloat sind Twinner und Original.


    Das ist es! Auf die Idee bin ich nicht gekommen. Genau so wird es sein. #-o Einer der Gründe warum ich so gerne in MLRs lese ist,
    dass man manchmal über seine eigene Begriffsstutzigkeit aufgeklärt wird.


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  • So, ihr lieben, ich habe aufgeholt. :)

    Es ist eine mittelalterliche Welt und Jack macht sich zum ersten Mal Gedanken, ob hier überhaupt Englisch gesprochen wird und er hat Angst, dass ihm alle gleich ansehen, dass er "anders" ist.

    Genau wie gaensebluemche fand ich es total spannend, dass sich Jacks Kleidung veränderte, als er in die Territorien wechselte. Ist das bei seinem ersten Besuch dort nicht geschehen? Oder ist es Jack (oder mir?) nur nicht aufgefallen? Jedenfalls ist diese Welt seltsam anders, ja, offenbar mittelalterlich, zumindest in einem gewissen Sinne. Irgendwie eher märchenhaft fremd - ich bleibe dabei :wink: - eine genaue Epoche würde ich gar nicht festmachen können an dem, was geschieht. Auf jeden Fall ist das Ganze sehr abenteuerlich und man ahnt schon, dass Jacks Reise hier nicht einfach werden wird.
    Die Begegnung mit dem Hauptmann hat mir sehr gut gefallen. Hier musste Jack sich bereits einmal beweisen und dadurch hat er einen Freund und Verbündeten gewonnen. Das ist schon mal vielversprechend. :)

    Nun muss Jack also seinen Weg und die Flucht vor Morgan antreten.

    Spannend! Dadurch gewinnt diese Reise zusätzlich an Gefahr, denn nicht nur muss Jack das Heilmittel finden und seine Mutter und die Königin retten, er muss sich dabei auch noch gegen Sloat behaupten. Es wird richtig spannend und ich bin echt sehr gespannt zu erfahren, wie denn Ereignisse in der wirklichen Welt mit denen in den Territorien zusammenhängen! Denn auch in der Wirklichkeit ist Morgan ja hinter Lily und Jack her!

    Ist es euch auch aufgefallen, dass Jack die Gerüche in den Territorien desöfteren erwähnt und hier besonders den Geruch von Fleisch der überall zu sein scheint?

    Dass es dauernd nach Fleisch riecht, war mir so nicht aufgefallen, aber immerhin, dass es durchaus offenbar sehr intensiv riecht. Jetzt werde ich aber noch mehr darauf achten. :)

    Alle zittern vor der Ankunft von Morgan. Und ich auch! Ich hoffe, Jack gelingt es schnell genug, zu verschwinden. Was ich mich nur frage: Weiß Morgan denn, wer Jack ist? Einfach deshalb, weil sein Twinner Sloat weiß, wer Jack ist. Oder müsste Sloat in die Territorien wechseln und seinen Twinner auf Jack ansetzen? Können sich die Twinner treffen oder gerät dann alles aus den Fugen?

    Diese Zusammenhänge... keine Ahnung. :wink: Aber ich denke, wir werden es schneller erfahren, als es uns lieb ist. Könnte mir auch vorstellen, dass Morgans Twinner Jack nachjagt, während Morgan sich in der wirklichen Welt auf die Jagd nach Lily macht. :-k Bin jedenfalls schon sehr gespannt darauf.


    Und ja, nun ist meine Frage nach der Ähnlichkeit beantwortet. :wink: Das muss für Jack wirklich ein erschreckender Moment gewesen sein, als er seine Mutter in diesem Zustand zu sehen glaubte.
    Wird man wohl noch erfahren, was Lily erlebt, während Jack unterwegs ist? Ich frage mich nämlich auch, wie es mit ihr weitergeht.

  • Könnte mir auch vorstellen, dass Morgans Twinner Jack nachjagt, während Morgan sich in der wirklichen Welt auf die Jagd nach Lily macht.


    Das kann ich mir so auch gut vorstellen. Ganz am Anfang von Kapiteln 7 (welches übrigens haarsträubend spannend ist) erinnert sich Jack an
    eine Warnung von Speedy.

    Zitat

    Hüte dich vor dem alten Sloat. Sei auf der Hut vor ihm und seinem Twinner...er ist hinter dir her wie der Fuchs hinter der Gans.

    Da Jack ja in beiden Welten reist, wird er auch in beiden Welten von den >Sloats< gejagt. Keine beruhigenden Aussichten..... :cry:

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  • offenbar mittelalterlich, zumindest in einem gewissen Sinne. Irgendwie eher märchenhaft fremd - ich bleibe dabei :wink: - eine genaue Epoche würde ich gar nicht festmachen können an dem, was geschieht.

    Ja- du hast die treffendere Beschreibung gefunden :wink:

    Wird man wohl noch erfahren, was Lily erlebt, während Jack unterwegs ist? Ich frage mich nämlich auch, wie es mit ihr weitergeht.

    Das hoffe ich doch, dass King auch diesen Faden weiterspinnt!


    Ich kann leider erst heute Abend Kapitel 7 weiterlesen. Bin schon sehr gespannt...

    Gelesen in 2020: 7 - Gehört in 2020: 9 - SUB: 437


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  • Da das siebte Kapitel ziemlich lang ist, habe ich jetzt mal für mich beschlossen, dass ich jetzt erstmal zur ersten Hälfte poste und mich dann an die zweite mache.


    Es scheint wider Erwarten nicht so zu sein, dass Twinner einander immer ähnlich sehen - oder Morgan und Sloat sind keine Twinner? Denn als Jack Onkel Morgan nachmacht um den Hauptmann zu fragen, ob das dem Morgan entspricht, den er kennt, sagt dieser ihm, dass Morgan ganz anders aussähe (oder liegt das nur daran, dass Morgan jünger und schlanker ist als Sloat?). In jedem Fall scheint Farren aber jemanden in Jacks Pantomime wiederzuerkennen und das macht offensichtlich beiden große Angst. Morgan ist also schon in den Territorien gewesen und Farren hat ihn gesehen. Eine beunruhigende Vorstellung.
    Unheimlich ist die Vision, die Jack hat, als er hört, dass das Kind der Königin der Territorien als Baby starb. Auch Jack wäre als Baby fast gestorben - und in einer Vision sieht er geradezu vor sich, wie Morgan versucht hat, ihn zu töten und wie er dann versuchte, Phil von den Wiederbelebungsversuchen an seinem Sohn fernzuhalten. Lily hat Jack einen Teil dieser Geschichte oft erzählt und man kann sich sicher fragen, ob sie das nur gemacht hat, weil sie so erleichtert war, dass Jack überlebte, oder ob sie dadurch indirekt schon versucht hat, ihn vor Morgan zu warnen. Warum sonst hätte sie ihrem Sohn erzählt, dass Morgan gar nicht dafür war, dass Jack wiederbelebt wurde?
    Es ist schon sehr unheimlich, wie sich in Jacks Erinnerungen immer wieder Ereignisse mischen, an die er sich nicht erinnern können kann. Also, rein theoretisch.


    Und dann erleben wir Osmond mit, in dem Jack einen der Männer wiedererkennt, die ihn entführen wollten. Osmond ist grausam und Jack hat sofort das Gefühl, dass dieser Mann einfach vollkommen verrückt ist. Selbst der Hauptmann, der sich in der Begegnung mit dem Küchenchef zum Beispiel ganz und gar nicht sanftmütig gezeigt hat, fürchtet sich - zumal die Scharade, die er mit Jack gespielt hat, aufzufliegen droht. In letzter Sekunde scheint Jack die Stimme seiner Mutter zu hören - in typisch Kingscher Erzählweise - und das gibt ihm die Kraft, Osmond zu widerstehen:

    Zitat

    Und einen Augenblick lang bebte alles auf seinen Lippen [...]. dann hörte er die Stimme seiner Mutter, zäh und fast höhnisch: Du willst diesem Kerl gegenüber auspacken, Jacko? DIESEM Kerl gegenüber? Er riecht wie ein Notverkauf am Parfümeriestand für Herren, und er sieht aus wie eine mittelalterliche Version von Charles Manson... aber gut, ganz wie du willst. Du kannst ihn täuschen, wenn du es drauf anlegst - aber ganz wie du willst. (S. 161)

    Man kann von Glück sagen, dass Osmonds Aufmerksamkeit abgelenkt wird und dass der Hauptmann und Jack davonkommen. Kein Wunder, dass Jack von dem, was Osmond mit dem Kutscher macht, Alpträume bekommt - selbst mir läuft ein Schauer den Rücken hinunter...

  • Ich denke, dass derjenige, der in die Region überwechselt auch er selbst bleibt. Warum beschrieben wird, dass Sloat so anders aussieht weiß ich auch nicht. Vielleicht ist es ja wirklich nicht Morgan Sloat sondern sein Twinner. Die Twinner sehen sich ja ähnlich, unterscheiden sich aber doch etwas. In Kapitel sechs wird das beschrieben. Ich glaube allerdings, dass es sich um Morgan Sloat handelt. Ich glaube schon, dass sich die Twinner begnegnen können, ist ja nicht eine Zeitreise Geschichte, wo man angeblich seinem jüngeren Ich nicht begegnen darf.
    Aber wenn man so drüber nachdenkt, scheint diese Sache mit den Twinnern eine komlizierte Angelegenheit zu sein.
    Ich kann mich auch gar nicht mehr genau daran erinnern, ob das irgendwo beschrieben oder näher erklärt wurde. :-k
    Ich erinnere mich ganz vage, dass (und ich hoffe, ich schaffe es jetzt in diesem Spoiler nicht zu viel zu verraten ist)


    Warum Jack keinen Twinner hat wird in Kapitel Sieben erklärt.

    Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.
    (Jorge Luis Borges)

  • zu Kapitel 7 1 - 4

    Und dann erleben wir Osmond mit, in dem Jack einen der Männer wiedererkennt, die ihn entführen wollten. Osmond ist grausam und Jack hat sofort das Gefühl, dass dieser Mann einfach vollkommen verrückt ist.

    Hier gelingt King eine wirklich furchterregende Beschreibung eines Psychopathen. Vor allem die Szene in der Osmond beinahe zu tänzeln scheint bevor
    er seine Peitsche benutzt ist angsteinflößend.


    Aber wenn man so drüber nachdenkt, scheint diese Sache mit den Twinnern eine komlizierte Angelegenheit zu sein.

    Ich hoffe doch, dass wir hierzu noch eine Erklärung bekommen. So ganz kann ich den vielen Möglichkeiten und Unwägbarkeiten der Existenz der Twinner
    noch nicht folgen. Ich denke aber, dass wir noch von der Ankunft des Morgan Sloat in der Region lesen werden und damit auch weitere Hinweise erhalten.


    Beeindruckt hat mich eine Passage die Jacks Gefühle beschreibt nachdem er die sterbende Königin gesehen hat und natürlich an seine sterbende Mutter denkt:

    Zitat

    Plötzlich kamen ihm die Tränen in einer heißen und brennenden Flut - nicht vorgetäuschte, sondern echte Tränen; er weinte nicht nur um seine Mutter,
    sondern um diese beiden verlorenen Frauen, die durch Welten voneinander getrennt im Sterben lagen, durch irgendeine unsichtbare Schnur verbunden,
    die verrotten mochte, aber nie reißen würde - zumindest so lange nicht, bis sie beide tot waren.

    Dieser Junge muss jetzt schon Dinge ertragen die selbst für einen Erwachsenen schwer zu fassen sind. Wie er leidet ist in dieser Passage sehr eindringlich
    dargestellt.


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  • Da das siebte Kapitel ziemlich lang ist, habe ich jetzt mal für mich beschlossen, dass ich jetzt erstmal zur ersten Hälfte poste und mich dann an die zweite mache.

    Das ist eine sehr gute Idee - da schließe ich mich direkt mal an.

    Unheimlich ist die Vision, die Jack hat, als er hört, dass das Kind der Königin der Territorien als Baby starb. Auch Jack wäre als Baby fast gestorben - und in einer Vision sieht er geradezu vor sich, wie Morgan versucht hat, ihn zu töten und wie er dann versuchte, Phil von den Wiederbelebungsversuchen an seinem Sohn fernzuhalten. Lily hat Jack einen Teil dieser Geschichte oft erzählt und man kann sich sicher fragen, ob sie das nur gemacht hat, weil sie so erleichtert war, dass Jack überlebte, oder ob sie dadurch indirekt schon versucht hat, ihn vor Morgan zu warnen. Warum sonst hätte sie ihrem Sohn erzählt, dass Morgan gar nicht dafür war, dass Jack wiederbelebt wurde?

    Vielleicht ist das die ganz "einfache" Erklärung dafür, dass Jack keinen Twinner hat. Der ist tatsächlich gestorben, während Jack wiederbelebt wurde. Vielleicht ist dieses Wiederbeleben in den Territorien gar nicht bekannt? (Ich denke da grad an "Isenhart" wo die Wiederbelebung eines Säuglings auch als Teufelswerk verschrien wurde) Und das macht Jack eben so besonders, weil er sich anders entwickelt hat, als sein Twinner. Ob Lilly ihrem Sohn die Geschichte erzählt hat, um ihn zu warnen oder einfach nur, weil sie so glücklich und stolz auf ihren Mann ist, der sich von Morgan nicht reinreden ließ - wer weiß... aber auf jeden Fall weiß Jack nun mittlerweile recht gut, woran er mit Sloat ist.


    Osmond ist grausam und Jack hat sofort das Gefühl, dass dieser Mann einfach vollkommen verrückt ist. Selbst der Hauptmann, der sich in der Begegnung mit dem Küchenchef zum Beispiel ganz und gar nicht sanftmütig gezeigt hat, fürchtet sich - zumal die Scharade, die er mit Jack gespielt hat, aufzufliegen droht. In letzter Sekunde scheint Jack die Stimme seiner Mutter zu hören - in typisch Kingscher Erzählweise - und das gibt ihm die Kraft, Osmond zu widerstehen:

    Eine tolle Szene! Jack ist schon fast dabei, sich vor Angst in die Hose zu machen, aber dann hört er eben diese Stimme, die ihm Kraft gibt. Und welche Kraft! Ich glaube nicht, dass ich in einer solchen Situation diese Nerven gehabt hätte, Osmond so anzuschreien!
    Eine Kleinigkeit muss ich noch erwähnen, weil ich es immer wieder schön finde, wie King Details seiner Geschichten in verschiedene Bücher einfließen lässt. Der Gruß, den Farren Osmond entbietet (geballte Faust an die Stirn und das Knie gebeugt) entspricht Rolands rituellem Revolvermann-Gruß :D

    Aber wenn man so drüber nachdenkt, scheint diese Sache mit den Twinnern eine komlizierte Angelegenheit zu sein.

    Ja - das ist so. Aber wir sind ja auch noch ziemlich am Anfang und Aufklärung wird sicherlich folgen.

    Und wieder einmal ist es ein Kind, dass bei King so schlimme Dinge erfahren muss und Taten vollbringen, zu denen viele Erwachsene nicht fähig wären. Dennoch schafft es King, diese Kinder immer glaubwürdig erscheinen zu lassen. Sie haben Angst und Zweifel und wachsen in Momenten höchster Not über sich hinaus, um dann vielleicht weinend im Eck zu sitzen. Da ist keine "Coolnes" zu spüren, sondern oftmals wirklich der Mut der Verzweiflung. Große Erzählkunst :pray:

    Gelesen in 2020: 7 - Gehört in 2020: 9 - SUB: 437


    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Und wieder einmal ist es ein Kind, dass bei King so schlimme Dinge erfahren muss und Taten vollbringen, zu denen viele Erwachsene nicht fähig wären. Dennoch schafft es King, diese Kinder immer glaubwürdig erscheinen zu lassen. Sie haben Angst und Zweifel und wachsen in Momenten höchster Not über sich hinaus, um dann vielleicht weinend im Eck zu sitzen. Da ist keine "Coolnes" zu spüren, sondern oftmals wirklich der Mut der Verzweiflung. Große Erzählkunst

    Schöner kann man das nicht sagen. :) Kinderprotagonisten wirken oft komisch, aber bei King ist das wirklich nie so.

  • Jack hat einen neuen Gegenstand erhalten - eine Münze mit dem Antlitz der Königin. Der Hauptmann sagt, Speedy hätte gewollt, dass er ihm die Münze gibt. Ich bin gespannt, ob Jack sie irgendwo auch als Zeichen abgeben wird oder ob er damit einfach irgendwann etwas kauft. Ein bisschen ist es wie bei "Hans im Glück", Jack bekommt einen Gegenstand und tauscht - wenn auch nicht direkt - einen anderen dafür ein.
    Nun kommt endlich mal ein Moment, in dem Jack schwach wird. Er fühlt sich schrecklich allein und er hat plötzlich unglaubliche Angst vor Morgan. In der wirklichen Welt hatte er diese noch nicht, aber nun, auch nach der Vision, in der Morgan versucht hatte, ihn zu töten, gerät er bei dem Gedanken an ihn in Panik.

    Zitat

    Angst und Einsamkeit verband sich zur spürbarsten, entmutigendsten Woge von Elend, die ihn je überspült hatte. Speedy, ich schaffe es nicht! Ich schaffe es wirklich nicht! Ich bin doch nur ein Kind! (S. 176)

    Trotzdem macht er sich auf den Weg und die klare Luft sorgt dann auch tatsächlich dafür, dass er vor Morgan gewarnt wird. Jacks Angst und seine Orientierungslosigkeit sind in diesem Kapitel sehr deutlich spürbar - und die Ahnungen, die man als Leser hat und in denen man schon dachte, dass der Wald kein schöner Ort sein würde, bestätigen sich auf grausame Art und Weise.
    Gefallen haben mir dabei die Anspielungen auf Tolkiens Wälder! :love: Man würde Jack wirklich wünschen, dass er ein paar freundliche Ents treffen würde oder dass Tom Bombadil um die Ecke käme um ihn zu retten, aber statt dessen scheinen die Bäume nach seinem Leben zu trachten - und nur mit letzter Kraft rettet er sich in die wirkliche Welt.


    Natürlich ist Jack auch hier verloren. Er weiß nicht, wo er ist, und er ist ausgehungert und müde, trotzdem kann ich verstehen, dass er sich - wo auch immer er ist - sicherer fühlt als in den Territorien. Immerhin ist er nun wieder in einer Welt, in der er sich irgendwie auskennt. Doch nun ist plötzlich auch das Sterben seiner Mutter präsent und es wird noch mal deutlich, wie groß die Aufgabe ist, die der Junge vor sich hat.

  • Und wieder einmal ist es ein Kind, dass bei King so schlimme Dinge erfahren muss und Taten vollbringen, zu denen viele Erwachsene nicht fähig wären. Dennoch schafft es King, diese Kinder immer glaubwürdig erscheinen zu lassen. Sie haben Angst und Zweifel und wachsen in Momenten höchster Not über sich hinaus, um dann vielleicht weinend im Eck zu sitzen. Da ist keine "Coolnes" zu spüren, sondern oftmals wirklich der Mut der Verzweiflung. Große Erzählkunst :pray:


    Das habe ich gestern auch gedacht und es gefällt mir sehr gut.
    Ich habe gestern Abend bis Kapitel acht gelesen und werde heute Abend etwas dazu schreiben. Jetzt muss ich erst mal zur Arbeit... :winken:

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    (Jorge Luis Borges)