John Niven - Kill Your Friends

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Kill Your Friends

3.2|10)

Verlag: Heyne Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 400

ISBN: 9783453676909

Termin: Februar 2016

  • Amazon Kurzbeschreibung:


    So wahr mir Mord helfe


    Erfolg um jeden Preis. Steven Stelfox ist A&R-Manager in einer großen Plattenfirma, immer auf der Suche nach dem nächsten Hit, immer am oberen Level. Doch als die Erfolge ausbleiben, greift er zu radikalen Mitteln. Plötzlich verwandeln sich die guten Freunde in Todfeinde. In einer Welt, in der sich die Protagonisten krampfhaft über Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll definieren, gerät sein Leben zunehmend außer Kontrolle. Die Folgen sind verheerend.


    • Der ultimative Roman zum Untergang der Musikindustrie
    • Der Autor war selbst jahrelang als A&R-Manager tätig
    • Endlich ein Kultroman, der das Prädikat verdient


    Eigene Inhaltsangabe:


    Der Protagonist von "Kill Your Friends" ist Steven Stelfox, ein A&R Manager bei einem großen Plattenlabel. A&Rs sind die Talentscouts der Plattenfirmen, welche Bands signen, um mit ihnen die große Kohle zu scheffeln. Aber Steven Stelfox geht es nur bedingt um seinen Job. Er lebt vielmehr primär sein Leben extrem aus. Dabei spielen vor allem Drogen, Frauen und Geld eine große Rolle. All dieses hat er genug, doch er möchte auch in der Firma vorankommen, um diese drei Grundpfeiler seines Lebens zu sichern. Dabei schreckt er weder vor Intrigen noch vor Gewalt zurück.


    Eigene Meinung:


    Steven Stelfox ist quasi die Definition eines Antihelden. Fast widert einen diese Person an, während man das Buch liest, jedoch macht es auf eine recht abartige Art Spaß, an seinem Leben teilzuhaben.


    Dieses läuft sehr oberflächlich ab und es kommt zu vielen Wiederholungen. John Niven versteht es aber insbesondere bei diesen 'Standardsituationen' sehr gut, sie nicht langweilig wirken zu lassen. "Kill Your Friends" ist zu jeder Zeit ein spannendes Buch, welches den Leser zu fesseln weiß.


    Neben Steven Stelfox gibt es natürlich noch andere Figuren, die von Bedeutung sind. Diese werden ausnahmslos aus der Sicht des Protagonisten beschrieben, wodurch es die Aufgabe des Lesers ist, sich ein eigenes Bild dieser Charaktere zu machen. Ein sehr spannender Umstand, denn so entwickelt man Sympathien für den einen oder anderen Nebendarsteller und leidet mit diesem durchaus mit.


    Der Schreibstil von John Niven ist absolut flüssig, jedoch werden viele Fachbegriffe aus dem Musikbusiness verwendet, die - sofern man diese nicht kennt - den Lesefluss stören können. Die sehr obszöne Sprache, die hauptsächlich verwendet wird, ist zudem gewöhnungsbedürftig.


    Insgesamt ist "Kill Your Friends" jedoch sehr lesenswert, und wenn man sich auf dieses Buch eingelassen hat, macht es eine Menge Spaß, weiterzulesen.



    (Diese Rezension wurde von mir selbst für das Webzine NecroWeb.de verfasst)

  • Mein erstes Buch von John Niven war "Gott bewahre" - ziemlich abgedreht aber schon irgendwie auch gut.
    Daher habe ich nicht lange überlegt, als ich auf einem Wühltisch "Kill your friends" liegen sah und es durfte bei mir einziehen.
    Jetzt bin ich hin und her gerissen, ob ich es mit einem weiteren Niven versuchen soll, denn durch was ich mich in den letzten Tagen über weite Phasen hindurchgequält habe, hat mich nicht überzeugt, eher abgeschreckt.


    Der Protagonist Steven Stelfox erzählt aus seinem bewegten Leben als A&R Manager (Talentscout) in der englischen Plattenindustrie. Die eigentliche Handlung des Buches könnte man in 3 - 4 Sätzen zusammenfassen, die restlichen knapp 360 Seiten darf muss man sich durch exessive und ausführliche Schilderungen von allerlei (Ab)Arten von Sex, Besäufnissen und Drogenkonsums lesen. Dabei wird es durch ständige Wiederholungen sehr schnell langweilig und die einzige Spannungen, die aufkommen sind: zieht er sich die nächste Linie alleine oder mit Kollegen, vom Spiegel oder vom CD Cover, zu Hause oder auf einer Toilette in einem Club. Genauso geht es mit den anderen Themen: wen und auf welche perverse Art vögelt er als nächstes, mit welchem Getränk bringt er sich erneut komplett um den Verstand etc.
    Selbstverständlich ist mir bewusst, dass Satire überzieht und Extreme noch extremer schildert. Außerdem ist mir auch klar, was der Autor mit seinen immer wiederkehrenden Schilderungen von Stelfox' Exzessen bezweckt: Er will die Abgestumpftheit, die Verdorbenheit und die Machenschaften der Musikindustrie anprangern, immerhin war er selbst eine zeitlang im Geschäft und durfte diese Luft schnuppern. Aber ich lese doch in erster Linie um mich zu unterhalten - in welcher Form auch immer - aber unterhalten hat mich der abartige Ego-Trip von Steven Stelfox nicht. Es war vielmehr ein ständiges Kopfschütteln über die immer wiederkehrenden Abgründe menschlicher Daseinsformen.


    Warum habe ich überhaupt zuende gelesen ? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Vielleicht weil ich wissen wollte, wie die Geschichte ausgeht, was uns der Autor sagen will, eventuell habe ich bis zur letzten Seite auf eine Botschaft jenseits von Sex, Koks und Saufen gehofft - stellenweise habe ich Seiten auch nur noch überflogen, wenn ich geahnt habe, jetzt kommen wieder Schilderungen von Dingen, die ich eigentlich gar nicht lesen will.
    Jedenfalls kann ich diesem Buch nicht mehr als :bewertung1von5::bewertungHalb: Sterne abgewinnen und überlege wirklich, ob ich mich nochmal auf John Niven einlassen möchte.

    "Die wahrhaft menschliche Qualität besteht nicht aus Intelligenz, sondern aus Phantasie." - Terry Pratchett


    :study:

    Das Feld - Robert Seethaler


    :bewertung1von5: 2018: 42 :bewertung1von5:

  • FSK 16 J.

    Wer nichts von derben Kraftausdrücken hält, bzw. nichts für Romane mit solchen übrig hat, sollte jetzt gehen, wer die entschärfte Rezension lesen möchte, der möge auf Amazon ausweichen...falls sie dort überhaupt freigegeben wird. Alle anderen .... Herzlich Willkommen zu meiner zweiten FSK 16 J. -Rezension.


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    Erfolg um jeden Preis. Steven Stelfox ist A&R-Manager in einer großen Plattenfirma, immer auf der Suche nach dem nächsten Hit, immer am oberen Level. Doch als die Erfolge ausbleiben, greift er zu radikalen Mitteln. Plötzlich verwandeln sich die guten Freunde in Todfeinde. In einer Welt, in der sich die Protagonisten krampfhaft über Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll definieren, gerät sein Leben zunehmend außer Kontrolle. Die Folgen sind verheerend...(Klappentext)


    Triggerwarnung für diesen Roman: Rassismus, Sexismus, physische und vor allem sexualisierte Gewalt


    "Das ist MEIN Job:
    Ich höre mir Musik an - Sänger, Bands, Songwriter - und entscheide, welche eine reelle Chance auf kommerziellen Erfolg haben.
    Dann kümmere ich mich darum, dass ihre Musik angemessen aufgenommen wird, und wir, die Plattenfirma,
    verkaufen sie schließlich an euch, die Öffentlichkeit.
    Klingt ganz einfach in deinen Ohren? Fick dich ins Knie - du würdest es keine zehn Minuten überleben."
    (S. 18)


    Steven Stelfox - 27 Jahre, erfolgreich, gut aussehend und ein aufgeblasenes Arschloch. Er ist arrogant, sexistisch, rassistisch und ein Egomane durch und durch. Steve Stelfox ist also alles andere als ein Sympathieträger und man kann ihn schon ab der ersten Seite nicht leiden.


    Durch diesen koksziehenden Vollidioten erhält man Einblick in seine Welt - in die Welt der Musikindustrie und die ist alles andere als ein Ponyhof. Diese besteht nämlich aus Intrigen, Machtgeilheit und noch mehr solcher Typen wie Steven. Eigenleben vor Fremdleben ist hier die Devise und Steven nimmt das nur allzu wörtlich. Muss er ja irgendwie, um seinen Lebensstandard weiterhin hoch zu halten - um sich weiterhin teure Klamotten, Koks und Nutten leisten zu können.

    Als sein Arsch auf Grundeis geht, genügt es nicht mehr anderen bloß ans Bein zu pissen und deren Karrieren zu zerstören, um weiters einer der Alpha-Gorillas im Musik-Business zu sein. Steven muss zu drastischeren Mitteln greifen, denn - Eigenleben vor Fremdleben.


    Man begleitet Steven ein Jahr lang und somit 12 Monate. Jedes Monat wird durch damalige News aus der Musikbranche eingeleitet und jedes Kapitel durch ein Zitat eines Produzenten oder Sänger, wie z.B.: Simon Cowell, Don Simpson, etc.

    Bis es zu einem Mord kommt, dauert es jedoch etwas. Bis dahin plaudert Steve über die Musikindustrie und wie sie wirklich ist, was sich jedoch alles andere als langweilig gestaltet.

    Man besucht mit ihm Events, Puffs und Geschäftsessen, ballert sich die Birne mit teuren Alkoholika, Koks und sonstigen Drogen und Pillen zu und lernt dabei all die anderen Loser und Arschlöcher kennen. Hierbei wird geflucht was das Zeug hält. Dann ,wie aus dem NIchts und völlig unerwartet, quasi aus einer Laune heraus, geschieht es - der erste Mord. Einfach so und nahezu emotionslos, als wäre dieses Geschehen eine Nebensächlichkeit. Dies ist wohl das schockierender, als die ganze sexistische und abwertende Flucherei. Hier erkennt man dann erst mit was für einem Typ Mensch man es wirklich zu tun hat. Er ist nämlich nicht nur ein Arschloch, sondern ein berechnendes und gefühlskaltes Oberarschloch.


    Ihr mögt nun womöglich das Gefühl haben ich würde diesen Typen abgrundtief hassen..nun ja..nein. Das zwischen mir und diesem abgewichsten Arsch,der auf alles schimpft und scheißt, ist es sowas wie eine Hass-Liebe. Vielleicht seid Ihr auch der Meinung, dass meine Wortwahl derb und proletarisch ist. Nun, dann braucht Ihr hier überhaupt nicht mehr weiterlesen oder auf andere Rezensionen umschwenken, denn dann ist dieser Roman definitiv nichts für Euch. Wenn dem also so sein sollte, dann - Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen. Für sensible Gemüter ist dieser Roman nämlich definitiv NICHTS.


    "Während [das] Atmen von einem lauten, mühsamen Schnorcheln zu einem rasselnden Wispern wird und schließlich ganz aufhört,
    sehe ich Clips der Cardigans, Radiohead, Texas und die neue Blur-Single.
    Zufrieden, dass er tot ist, hole ich meinen Schwanz raus und pisse ihn voll."
    (S. 113)


    Der Schreibstil ist flüssig und die Charaktere sind durchwegs gut gezeichnet, wenn man auch fast niemanden leiden kann, da ja auch Steve niemanden leiden kann.

    Hier richtet sich der Protagonist an den Leser und erzählt seine Geschichte, mit seinen Ansichten und das in einem ziemlich tiefen Jargon - rassistisch, sexistisch, derb...so wie Steven eben ist. Dagegen sind meine Worte nahezu als niedlich zu bezeichnen. Dabei wird der Leser auch direkt angesprochen und man hat das Gefühl Steven gegenüber zu sitzen - mit einem teuren Whisky in der Hand und vor einem eine Line Koks auf dem Tisch. Man ist hier mitten drin, statt nur dabei. Manchmal wurde aber selbst mir das Gefluche und Geschimpfe zu viel, bzw. begann es mich zeitweise zu langweilen, da ich immerzu darauf hoffte, dass Steve wieder mal durchdreht. Was er dann auch tut...wieder völlig unerwartet und wie aus dem Nichts.

    Die Atmosphäre der 90er wird gekonnt eingefangen und wiedergegeben, sei es durch diverse Sprüche, wie z.B. "Coolio", oder durch damals angesagte Bands und Songs. Das erhöht natürlich den Lesegenuß, vor allem wenn man in dieser Zeit selbst durch die Clubs zog, wie ich.


    "Sein Nachname enthält einen Bindestrich, scheiße,
    und trotzdem redet er immer wieder wie ein mit Schuhcreme geschwärzter Dick Van Dyke -
    die gedehnten Vokale, die verschluckten Konsonanten -,
    weil er irgendwann mit fünfzehn mal eine HipHop-Platte gehört und beschlossen hat, die Dachpappen wären cool."
    (S. 45)


    Eine Freundin sagte mir, dass die Story sehr an "American Psycho" von Bret Easton Ellis erinnert und dem muss ich zustimmen. Der Schreibstil von Niven mach das Buch dennoch speziell - ein Niven eben und daher "American Psycho" zwar ähnlich, aber trotzdem ganz anders.


    Fazit:

    Ich bin ein absoluter Fan von John Niven und dieses Buch zu lesen hat mir richtig Spaß gemacht.

    Es ist verstörend, abartig, morbid, ein durchaus obszöner Roman voller Gewalt. Gleichzeitig hat mich die Story gefesselt und ich musste an mehreren Passagen sogar lauthals lachen. Dieses Gefühl von heiß-kalt, dem Wechsel zwischen ekelhaft und zum Schreien komisch, muss ein Autor erstmal bringen.

    Irgendwie ist dies eine spezielle Art gewisser schottischer Autoren. Irvine Welsh gehört z.B. auch zu dieser äußerst seltenen Autoren-Spezies.

    Ich für meinen Teil freue mich jetzt schon, im Jänner wieder mit dem Wichser Steve abzuhängen. Da erscheint nämlich der 2. Teil "Kill 'em All". :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:


    © Pink Anemone