Andreas Eschbach - Herr aller Dinge

  • Buchdetails

    Titel: Herr aller Dinge


    Verlag: Bastei-Lübbe

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 688

    ISBN: 9783404177943

    Termin: Neuerscheinung Januar 2019

  • Bewertung

    4.1 von 5 Sternen bei 57 Bewertungen

    83% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Herr aller Dinge"

    Als Kinder begegnen sie sich zum ersten Mal: Charlotte, die Tochter des französischen Botschafters, und Hiroshi, der Sohn einer Hausangestellten. Von Anfang an steht der soziale Unterschied spürbar zwischen ihnen. Doch Hiroshi hat eine Idee. Eine Idee, wie er den Unterschied zwischen Arm und Reich aus der Welt schaffen könnte. Um Charlottes Liebe zu gewinnen, tritt er an, seine Idee in die Tat umzusetzen - und die Welt für immer zu verändern. Was mit einer bahnbrechenden Erfindung beginnt, führt ihn allerdings bald auf die Spur eines uralten Geheimnisses - und des schrecklichsten aller Verbrechen ...
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  • Klappentext:

    Als Kinder begegnen sie sich zum ersten Mal: Charlotte, die Tochter des französischen Botschafters, und Hiroshi, der Sohn einer Hausangestellten. Von Anfang an steht der soziale Unterschied spürbar zwischen ihnen. Doch Hiroshi hat eine Idee. Eine Idee, wie er den Unterschied zwischen Arm und Reich aus der Welt schaffen könnte. Um Charlottes Liebe zu gewinnen, tritt er an, seine Idee in die Tat umzusetzen - und die Welt damit in einem nie gekannten Ausmaß zu verändern.


    Was mit einer bahnbrechenden Erfindung beginnt, führt ihn allerdings bald auf die Spur eines uralten Geheimnisses - und des schrecklichsten aller Verbrechen ...


    Eigene Beurteilung:


    Ein thematisch sehr großer Entwurf, der gleich drei sehr umfangreiche Themen der Menschheit - Nanotechnologie, untergegangene Zivilisationen und Raumfahrt - in sich vereint und dabei auch noch eine Menge kleinere am Wegesrand zumindest streift. Herrn Eschbach gelingt es hervorragend die verschiedenen wissenschaftlichen Schwerpunktthemen auch laiengerecht darzustellen und diese Darstellung weitestgehend in die Handlung einzubauen, so dass beim Lesen von Erläuterungen selten leserische Längen entstehen. Die Hauptfiguren sind überzeugend gestaltet, wenn sie auch nicht unbedingt zu Herzen gehen – dafür sind sie meist zu rational in ihren Vorgehensweisen – und die Geschichte in sich ist schlüssig und spannend erzählt mit einer ordentliche Portion Witz dabei. Auf jeden Fall zu empfehlen. :study: :thumleft:

  • Andreas Eschbach gilt längst als Garant für anspruchsvolle Unterhaltung und Spannung. Sein neuer Roman 'Herr aller Dinge' hat meine Erwartungen vollends erfüllt. Er führt uns auch diesmal wieder auf eine atemberaubende Lesereise. Ungehauen hat mich gleich der Prolog. Hiroshis kindlicher Wunsch: 'Wenn ich groß bin mach ich, dass alle Leute reich sind. Das jeder alles hat, was er will. Und soviel er will.' Wow! Was für ein genialer Starter!


    Der Roman erzählt die Geschichte des zehnjährigen Hiroshi Kato und der gleichaltrigen Charlotte Malroux, die sich trotz gesellschaftlicher Unterschiede, mit einander befreunden. Charlotte ist die Tochter des französischen Botschafters in Tokio und Hiroshi, der Sohn einer japanischen Wäscherin. Hiroshi ist ein pfiffiger Junge, der sich in seiner Freizeit fast ausschließlich mit Technik und Robotern beschäftigt. Aber auch Charlotte ist ein ungewöhnliches Kind. Sie besitzt ein beneidenswertes Sprachtalent, von dem ihre Mutter sagt: 'Charlotte lernt keine Sprachen ' nein, sie atmet sie.' Außerdem hütet Charlotte ein Geheimnis, von dem nur Hiroshi weiß. Charlotte kann Dinge anfassen und weiß, was mit ihnen passiert ist, sie weiß wie alt sie sind und wem sie gehörten. Sie kann die Geschichten dahinter "sehen'.


    Hiroshi ist sich der sozialen Kluft, die zwischen ihm und Charlotte steht, schmerzlich bewusst. Er überlegt, wie man es anstellen könnte, dass alle Menschen reich sind. Und schließlich kommt er auf die Lösung. Aber er behält seine Idee für sich, denn ihm ist klar, dass er sie selbst verwirklichen muss.


    Als der Botschafter überraschend abberufen wird, verlieren sich Charlotte und Hiroshi aus den Augen. Jahre später, beide studieren in den USA, begegnen sie sich erneut. Zufall oder Schicksal? Hiroshi glaubt an eine schicksalhafte Fügung, und er ist sich sicher, dass Charlotte dies eines Tages erkennen wird. Aber noch sieht es nicht danach aus. Denn wieder trennen sich ihre Wege abrupt.


    Und plötzlich erinnert sich Hiroshi wieder ist an seine Idee aus der Kinderzeit. Er setzt nun alles daran, diese zu realisieren. Das Roboter dabei eine Rolle spielen, war vorauszusehen.


    Im Laufe der Geschichte kreuzen sich Hiroshis und Charlottes Wege immer wieder an verschiedensten Schauplätzen rund um den Erdball und gerade dann nimmt der Handlungsverlauf rasant an Tempo zu.


    Doch während Hiroshi sich auf seine Idee konzentriert, sich in Arbeit vergräbt, kriegt Charlotte beruflich wie privat nichts auf die Reihe. Sie weiß ' trotz ihrer außergewöhnlichen Gabe und ihres Sprachtalents nichts mit ihrem Leben anzufangen, bleibt das ewige verwöhnte Kind reicher Eltern. Macht hier mal was und da mal was, aber alles nur halbherzig und die meiste Zeit tut sie eigentlich 'nichts'. Sie lässt sich treiben, verhält sich passiv. Manchmal hätte ich Charlotte am liebsten schütteln wollen und gesagt: 'Wach endlich auf, Mädchen.' Ich fragte mich die ganze Zeit: Wo ist die kleine Rebellin aus der Kinderzeit geblieben?


    Als Sympathieträger gehen beide Hauptprotagonisten für mich nicht durch. Hiroshi ist mir zu sehr der Typ 'Genie und Wahnsinn'. Er geht an seine Grenzen, kennt kein Tabu. Er braucht weder andere Menschen noch Dinge um sich. Rigoros eliminiert alles aus seinem Leben, was ihn an der Umsetzung seiner Idee hindert. Er lebt nur für diese eine Idee, daneben gibt es für ihn ' eigentlich wie bei Charlotte ' 'nichts'.


    Positiv an Charlotte fand ich allerdings, dass sie dieser revolutionären Erfindung Hiroshis keine himmelhochjauchzende Begeisterung entgegenbrachte. Im Gegenteil, sie hatte erhebliche Bedenken, sie erahnte die Gefahren, die Bedrohung, die davon ausgehen konnte, und das Gefühl konnte ich ihr unbedingt nachempfinden, denn auch bei mir löste diese Erfindung, trotz zugegebener Genialität, Beklemmung aus und dafür hat sich Charlotte bei mir ein paar dicke Pluspunkte verdient.


    Aber egal, ob ich die Hauptprotagonisten nun mochte oder nicht, es waren auf jeden Fall authentische Figuren, die es verstanden haben mich als Leser zu fesseln. Ich habe mit ihnen mitgefiebert und gelitten und ihre Geschichte begeistert verschlungen.


    Herr Eschbach stößt im 'Herr aller Dinge' verschiedenen kritische Themen an, die mich nachdenklich stimmten. Auch technische bzw. wissenschaftliche Details verstand er interessant zu verpacken, so dass auch Laien seinen Ausführungen folgen können. Es gab überraschende Wendungen. Der Schluss hat mich unheimlich berührt und mich letztendlich mit Hiroshi versöhnt.


    Fazit: Ein wunderbares Buch, in das man eintaucht und man am Ende traurig ist, dass es schon vorbei ist. Ich hab mich keine Sekunde lang gelangweilt, fühlte mich nicht nur stets aufs Beste unterhalten, sondern auch geistig gefordert. Kein Roman zum einfach nur Weglesen. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Danke für die ausführliche Rezi. Das Buch wurde erst vor ein paar Tagen schon mal vorgestellt. Schau mal hier

    Gelesen in 2020: 7 - Gehört in 2020: 9 - SUB: 437


    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • "Herr aller Dinge" war ein absolut überwältigendes Buch, das zu den besten gehört, die ich dieses Jahr gelesen habe. Ich habe selten fast 700 so unterhaltsame, abwechslungsreiche und interessante Seiten in der Hand gehabt. Vor allem fand ich es klasse, dass die Handlung immer wieder in eine andere Richtung gegangen ist und man nie so recht wusste, was als nächstes kommt: Es beginnt fast wie ein Jugendbuch als die unschuldige Freundschaft der zwei so unterschiedlichen Kinder beschrieben wird. Manchmal wirkte es wie eine fiktive Biografie, dann wieder wie eine schicksalsträchtige und dramatische Erzählung, ein Wissenschaftsthriller und natürlich eine Science-fiction-Geschichte.

    Herrn Eschbach gelingt es hervorragend die verschiedenen wissenschaftlichen Schwerpunktthemen auch laiengerecht darzustellen und diese Darstellung weitestgehend in die Handlung einzubauen, so dass beim Lesen von Erläuterungen selten leserische Längen entstehen.

    Das fand ich auch. Der Autor erklärt die Nanotechnologie, die ab der Mitte des Buches verstärkt auftritt, wirklich einleuchtend und hat es super geschafft, höchst komplizierte Vorgänge schon fast kindgerecht darzustellen.

    Die Hauptfiguren sind überzeugend gestaltet, wenn sie auch nicht unbedingt zu Herzen gehen – dafür sind sie meist zu rational in ihren Vorgehensweisen

    Das fand ich wiederum nicht. Ich mochte sowohl Hiroshi als auch Charlotte sehr, sehr gern und die Geschichte der beiden ist mir sehr zu Herzen gegangen. Vor allem Hiroshi, der einem manchmal charakterlich wie der Computer- oder Star-Trek-Nerd von nebanan vorkommt mit seiner oft naiv wirkenden Art kam trotz seiner selbst gewählten Einsamkeit, seiner Sachlichkeit, und seinem nüchternen Auftreten absolut sympathisch für mich rüber. Auch Charlotte fand ich richtig toll: Sie hatte Ecken und Kanten, hat viele Fehler und zu wenig aus ihrem Leben gemacht und ist trotzdem immer sie selbst geblieben.

    Der Schluss hat mich unheimlich berührt

    Mich auch, es war sehr bewegend. Ich konnte es zwar schon ein wenig ahnen, was Hiroshi am Ende tun würde, aber dass er


    Fazit: Ein gigantisches Buch, episch und fesselnd. Ein großes Highlight für das es nur :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: geben kann und ich weiß, dass bei mir jetzt noch viele Eschbach-Werke folgen werden.

    :study: Joe R. Lansdale - Ein feiner dunkler Riss

    :study: 2020 gelesen: 29 :study: SUB: 304

  • Andreas Eschbach ist übrigens mit diesem Buch gerade auf Lesereise. Die Termine findet ihr hier und natürlich in unserem Kalender :wink:

    Gelesen in 2020: 7 - Gehört in 2020: 9 - SUB: 437


    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Zum Inhalt:
    Die Geschichte beginnt im Japan der 90er Jahre, als sich die Tochter des französischen Botschafters und der Sohn einer japanischen Angestellten begegnen. Charlotte und Hiroshi werden trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft Freunde, allerdings halten weder ihre Eltern noch seine Mutter viel davon. Zu groß sei der Unterschied zwischen Reichen und Armen. Diese Äußerungen bringen Hiroshi dazu, darüber nachzudenken, warum es überhaupt reiche und arme Menschen gibt und wie man diesen Unterschied beseitigen kann. Dem 10jährigen Jungen kommt eine Idee, die an und für sich ganz einfach ist. Ob sich diese Idee allerdings in die Praxis umsetzen lässt? Zumindest zieht sie sich durch das ganze Buch, in dem sich Charlotte und Hiroshi immer wieder begegnen werden.

    Meine Meinung:
    Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich mit diesem Buch einlasse. Rezensionen hatte ich vorher nicht gelesen, genauso wenig den Klappentext. Völlig unbefangen bin ich also an die Geschichte herangegangen. Über einen langen Zeitraum begleitet der Leser Hiroshi und Charlotte auf ihren unterschiedlichen Wegen, die sich immer wieder begegnen. Besonders Hiroshi fand ich als Charakter extrem spannend, während Charlotte als verwöhnte Diplomatentochter meine Sympathie nicht wirklich gewinnen konnte. Aber es geht nicht nur um eine schicksalshafte Liebesgeschichte. Bei weitem nicht. Die Charaktere bekommen ausreichend Zeit, sich darzustellen, aber im Hintergrund passiert immer noch viel mehr, denn es geht ja um die Vision, die Hiroshi hat: eine Welt ohne Armut. Erst nach gut 300 Seiten wird die eigentliche Idee erklärt und gezeigt. Ein durchaus spannender Ansatz. Durch Hiroshis Erklärungen für Charlotte konnte auch ich als laienhafter Leser alles wunderbar nachvollziehen. Anschließend gibt es eine Art Bruch in der Geschichte und nach dem ersten Schreck konnte ich das Buch dann eigentlich gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Handlung, die vorher zwar nie uninteressant war, aber eher gemächlich vor sich hin lief, nimmt auf einmal ein Tempo und eine Richtung auf, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Auch wenn ich an und für sich kein Leser von Science-Fiction bin, war ich total gefesselt bis hin zum unvermeidbaren, aber nicht vorhersehbaren Schluss.
    Ein großartiges Buch!

  • Ich habe "Herr aller Dinge" als Hörbuch gehört, möchte aber gern hier meine Anmerkungen hinterlassen. Nachdem ich die Länge gesehen habe, hab ich erstmal nachgeschaut, wieviele Seiten das Buch hat und war überrascht, dass es nur um die 700 Seiten sind. Da handelt es sich wahrlich um eine ungekürzte Fassung. :thumleft:

    Über einen langen Zeitraum begleitet der Leser Hiroshi und Charlotte auf ihren unterschiedlichen Wegen, die sich immer wieder begegnen. Besonders Hiroshi fand ich als Charakter extrem spannend, während Charlotte als verwöhnte Diplomatentochter meine Sympathie nicht wirklich gewinnen konnte. Aber es geht nicht nur um eine schicksalshafte Liebesgeschichte. Bei weitem nicht. Die Charaktere bekommen ausreichend Zeit, sich darzustellen,

    Das ist das Problem, das ich oft mit Eschbach habe: er braucht irgendwie so lange, bis er zur Sache kommt. Die erste Hälfte des Buches handelte von ganz viel unerfüllter (Jugend)Liebe - ich habe immer drauf gewartet, dass nun die tolle Geschichte anfängt, die in euren Rezis versprochen wurde. Das tat sie dann ab "Hiroshis Insel" und von dem Zeitpunkt ab konnte ich mich nicht mehr losreißen. Was Eschbach dann an Ideen einbringt und auch die technischen Dinge für Laien recht verständlich erklärt, ist großartig.


    Das Ende ist irgendwie schon vorhersehbar, aber auch hier findet Eschbach noch eine interessante Wendung. Kapo: Für mich ist es allerdings völlig logisch:


    Ein Buch, das mich nach einigen Anfangsschwierigkeiten dann doch gefesselt und noch begeistert hat. Von daher gibt es von mir :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: , weil die Spannung und die wahrlich phantastischen Ideen Eschbachs die Zähigkeit des Anfangs überwogen.

    Gelesen in 2020: 7 - Gehört in 2020: 9 - SUB: 437


    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Das ist das Problem, das ich oft mit Eschbach habe: er braucht irgendwie so lange, bis er zur Sache kommt.

    Genau das ist es, was mir bei ihm immer so gefällt. Die Charaktere bekommen sehr viel Zeit um sich zu entfalten. Man lernt sie gut kennen, wodurch ich dann noch viel besser mit ihnen mitleiden und mitfiebern kann. :)

    :study: Joe R. Lansdale - Ein feiner dunkler Riss

    :study: 2020 gelesen: 29 :study: SUB: 304

  • Genau das ist es, was mir bei ihm immer so gefällt. Die Charaktere bekommen sehr viel Zeit um sich zu entfalten. Man lernt sie gut kennen, wodurch ich dann noch viel besser mit ihnen mitleiden und mitfiebern kann. :)

    Ja, das stimmt auch wieder. Hätte ich das Buch vor der Nase gehabt, hätte ich wahrscheinlich angefangen quer zu lesen und so doch das eine oder andere verpasst. So gesehen war es gut, dass ich mich für die Hörvariante entschieden habe. :wink:

    Gelesen in 2020: 7 - Gehört in 2020: 9 - SUB: 437


    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Eigentlich war ich der Meinung, zu dem Roman auf meine Meinung geäußert zu haben, war aber wohl nur geträumt. :-k Dann hole ich das jetzt nach.



    Der Roman beginnt mit der Kindheitsgeschichte von Hiroshi und Charlotte. Die Handlung plätscherte gemächlich dahin, gut zu lesen, ein Roman eben, der recht unterhaltsam ist. Andreas Eschbach ließ dem Leser viel Zeit, sich in der Welt seiner Protagonisten zurechtzufinden und ihnen zu nähern. Die Figuren und das Leben, dass sie führen, erscheinen realistisch und leicht nachzuvollziehen. Die Charaktere sind vielfältig, nicht unbedingte Sympathieträger oder Gutmenschen. Sie haben erkennbare Vorzüge und Schwächen. Hiroshi ist ein Einzelgänger und Charlotte findet ihren Platz im Leben nicht. Hiroshi wächst heran, beginnt dann irgendwann sein Studium und die ganze Geschichte erschien mir eigenartig einfach, ohne den Eschbach eigenen, besonderen Kick. Aber nach gut 300 Seiten kommt deutlich mehr Spannung in das Geschehen, spürbar verlagert der Autor den Schwerpunkt auf die Vision Hiroshis, die Armut zu besiegen. Damit führt er eine Vielzahl von Themen ein, die zu besprechen einerseits zu weit gehen würde und andererseits zu viel vorweg nehmen würde. Gleichzeitig löst sich Eschbach auf diese Weise vom Stil seiner bisherigen Bücher. Als Leser wird man in dem Sog der Handlung mitgerissen. Man erlebt die Helden als real agierende Wesen in Situationen und Umgebungen, die so kühn erdacht und beschrieben sind, dass sie schon wieder erschreckend deutlich vorstellbar werden. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Roman der schon offensichtlich zukunftsweisend ausgerichtet und mit so vielen wissenschaftlich-technischen Details behaftet ist, je so fesseln würde. „Herr aller Dinge“ ist ein sehr komplexes Werk, bei dem mich besonders die gut durchdachte Themenvielfalt begeistert hat. Keines der Themen stand abstrakt für sich, alle waren miteinander logisch verbunden und wurden schlüssig abgearbeitet. Auch die actionlastigen Szenen passten gut in das Gesamtkonzept des Buches. Vor allem konnte ich endlich von Andreas Eschbach einen Roman lesen, dessen Ende mich wirklich überzeugte, für mich wäre ein anderes undenkbar, allerdings kam das dann auch wieder ein wenig schnell, bedenkt man die vielen Seiten, die der Autor für die Einführung seiner Personen und Ideen nutzte.


    Was wie ein Jugendbuch beginnt, entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einem rasanten, anspruchsvollen, genreübergreifenden Roman, wie ich ihn bisher noch nicht gelesen habe. Es ist kein Buch für zwischendurch. Man muss bereit sein, sich auf diesen Roman einzulassen. Für mich war es ein Leseerlebnis der besonderen Art. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

  • Originaltitel: Herr aller Dinge


    Zum Autor:
    Andreas Eschbach (* 15. September 1959 in Ulm) ist ein deutscher Schriftsteller und Bestsellerautor.
    Eschbach studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik, schloss dieses Studium jedoch nicht ab, sondern arbeitete als Softwareentwickler und Unternehmer, bis sein Erfolg als Schriftsteller es ihm erlaubte, sich auf das Schreiben zu konzentrieren.
    Seit 2003 lebt er mit seiner zweiten Frau Marianne Eschbach in der Bretagne. Eschbach wurde für seine Werke mehrfach ausgezeichnet und ist einer der bedeutendsten europäischen Science-Fiction-Autoren; einige seiner Werke wurden ins Englische (Die Haarteppichknüpfer/The Carpet Makers, Herr aller Dinge/Lord Of All Things), Französische (Der Letzte seiner Art/Le Dernier de son espèce), Italienische (Die Haarteppichknüpfer/Miliardi di tappeti di capelli), Russische, Polnische, Türkische und Japanische übersetzt.


    Der erste Satz:
    "Ich weiß jetzt, wie man es machen muss, damit alle Menschen reich sind", sagte Hiroshi.


    Inhalt:
    Die Geschichte beinhaltet mehrere Themen auf einmal: Technologie, Liebe und "Aliens" (Die "" sind extra!)
    Der japanische Junge Hiroshi Kato lernt Charlotte Malroux. Sie freunden sich insgeheim an, obwohl die Eltern beider Kinder dies nicht möchten, weil der soziale Unterschied zu groß ist, denn Hiroshis Mutter ist eine Wäscherin bei den Malroux'. Hiroshi hat dann eine Idee: Er möchte alle Menschen reich machen. Charlotte zieht bald daraufhin weg, weil ihr Vater nach Russland versetzt wird, und Hiroshi setzt sich daran, seine Idee in die Taten umzusetzen.
    Ein paar Jahre später zieht Hiroshi in die USA und besucht das MIT. Er ist ein Überflieger, macht die ein oder andere Erfindung und will seine Kindheitsidee in die Tat umsetzen. Bei einer Party trifft er zufällig Charlotte, die inzwischen Paläoanthropologie in Harvard studiert, und kurz vor ihrer Verlobung mit dem Milliadärssohn James Michael Bennett III. steht.

    Weitere Jahre später hat Hiroshi sein Studium abgebrochen und arbeitet für Larry Gu, einen chinesischen Geschäftsmann, der Hiroshis Idee unterstützt. Er hat einen Roboter erschaffen, der die Grundlage seiner Idee darstellt: Die Maschine kann sich selbst reproduzieren mit dem Material, welche sie in der Umgebung findet. Doch dieses Experiment geht schief. Hiroshi bricht daraufhin alles ab.

    Der nächste Sprung ist wieder Jahre später. Hiroshi wohnt in den USA, Charlotte ist Paläoanthropologin. Sie fährt mit einer Gruppe Wissenschaftler auf eine Expedition auf eine russischer Insel in der Arktis. Dort entdecken sie eine Maschine, die ihr Leben bedroht und die Weltgeschichte verändern soll...


    Meine Meinung:
    Die Story ist vor allem am Anfang langatmig. Es dauert gefühlt die Hälfte des Buches, bis die Spannung ansteigt.
    Am Anfang lernen sich Charlotte und Hiroshi kennen und freunden sich an. Die Kindheit der beiden ist interessant, denn hier treffen wirklich Welten aufeinander. Danach kommt erst mal ein ziemlich langatmiges Stück Story. Der Werdegang Hiroshis ist echt schön beschrieben, doch es gibt halt die ein oder andere Stelle, die schon ziemlich langatmig ist. Hiroshis Aufstieg und Scheitern wird schön und anschaulich beschrieben. Man kann gut mit Hiroshi mitfühlen. Auch Charlottes Handeln kann man, zumindest teilweise, gut nachvollziehen. Charlottes Leben ist ein reines Auf und Ab, doch im Laufe der Geschichte findet sie doch noch ihren Weg.
    Die Liebesgeschichte, soweit man das überhaupt sagen kann, ist eine Nebenstory, die die eigentliche Geschichte auflockert. Es ist nichts wirklich ernstes, aber auch nichts wirklich spielerisches. Dieser Teil wird auch nie großartig beleuchtet, sondern immer nur zwischendurch mal angeklungen.


    Die beschriebenen Personen in diesem Buch sind bunt zusammengewürfelt:
    Hiroshi Kato, ein japanische Junge mit einem amerikanischen Vater, ist ein Technik-Freak und die eigentliche Hauptperson des Buches. Er lebt sehr zurückgezogen, ist schüchtern und sein größtes Hobby war, Dinge zu reparieren. Trotz der gesellschaftlichen Unterschiede verliebt er sich in Charlotte und diese Liebe wird immer wieder neu entfacht, sobald die beiden wieder aufeinandertreffen. Hiroshi gilt, nachdem er am MIT angefangen hat zu studieren, als Genie. Ihm fliegt alles zu, er kann sich tagelang in seine Arbeit vertiefen und erfindet schon während seiner Studienzeit Dinge, die allgemeinen Anklang finden. Dann will er seine Kindheitsidee, alle Menschen reich zu machen, umsetzen und bricht sein Studium ab, um sich ganz dieser Aufgabe zu widmen. Er schafft es, seine Idee zumindest in den Grundzügen umzusetzen, doch dann scheitert es. Er fällt quasi in ein tiefes Loch nach dem Scheitern und grübelt nur noch darüber nach, wie man das entsprechende Problem beheben könnte. Hiroshi ist ziemlich kühl, nur interessiert an der Technologie und kein Mensch, der großartige Gefühle zeigt. Es passt gut zu ihm, doch das macht diese Geschichte auch stellenweise langweilig, weil an diesen Stellen eigentlich große Gefühle angebracht gewesen wären, die dann aber nicht kommen. Weiterhin ist er sympathisch, weil er trotz allem Erfolges auf dem Boden geblieben ist und seinen Wurzeln treu bleibt. Er macht sich mit seinem Verhalten zwar keine direkten Feinde, aber mit seiner Begabung. Das wird im Laufe der Geschichte sehr deutlich.
    Charlotte Malroux ist die Tochter des französischen Botschafters. Sie hat ihre Kindheit in Frankreich, Argentinien, Indien, Japan und Russland verbracht. Als Kind wurde sie von ihrer Mutter immer "versteckt", weil ihre Mutter Angst hatte, dass ihr was passiert, weil sie ja die Tochter des Botschafters ist. Charlotte hat eine besondere Fähigkeit: Sie kann die Geschichte hinter Gegenständen erspüren, indem sie diese berührt. Diese Fähigkeit hat sie auch dazu veranlasst, Paläoanthropologie zu studieren, weil sie durch einen alten Dolche zu der Überzeugung gekommen ist, dass es eine hochentwickelte Menschheit vor unserer Menschheit gab. Charlotte war die Fast-Verlobte von James Michael Bennett III., doch vor der Verlobung trennt sie sich von ihm, weil sie ihre Liebe zu Hiroshi entdeckt hat und die Seitensprünge von Bennett nicht mehr ertragen kann. Sie bricht ihr Studium ab, reist zurück nach Frankreich und versucht ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Charlotte hat im Laufe der Zeit den ein oder anderen Freund, zieht mit einem sogar nach Schottland. Von dort aus läd Hiroshi sie auf eine Insel ein, wo er dort sein Forschungslabor hat, und Charlotte ist von diesem begeistert. Als sie zurück nach Schottland kommt, entdeckt sie, dass ihr Freund eine andere hat. Dieses Ereignis veranlasst sie wieder dazu, ihr Studium fortzusetzen. Charlotte ist eher so der Mädchen-von-nebenan-Typ. Sie ist lieb, sieht in allen Menschen das Gute und geht teilweise naiv an bestimmte Situationen. Auf der anderen Seite ist sie ziemlich abgebrüht und hält an ihren Träumen fest, auch wenn sie vom Weg abgekommen ist.
    Ansonsten gibt es noch die ein oder andere Person, die zwar auch in die Geschichte eingreift, jedoch nur eine Randfigur ist, darunter Brenda, Charlottes beste Freundin, und James Michael Bennett III. Sie haben zwar etwas mit dem Lauf der Geschichte zu tun, setzt bestimmte Dinge in Gang, sind in bestimmte Handlungen verwickelt, doch in erster Linie geht es um Hiroshi und Charlotte.


    Eschenbachs Schreibstil ist einfach, gut verständlich, aber sehr anschaulich. Er kann die Persönlichkeiten der Personen gut wiedergeben, hat eine klare Idee der Geschichte und verfolgt diese auch akribisch. Selbst die technischen Details sind gut und verständlich beschrieben. Das könnte aber auch daran liegen, dass ich beruflich mit Chemie und Technik zu tun habe und mir daher schon bekannt war, was Hiroshi da erzählt hat. Und daher kann ich auch ein bisschen beurteilen: Was so chemisch-technisch dahinter steckt, ist nicht unverkehrt und für jemanden, der damit zu tun hat (aus Interesse oder beruflich) sehr einsichtig. Für jemanden, der damit nicht zu tun hat, jedoch einfach als "Ist so" hingenommen werden müssen.


    Die Geschichte in sich ist schon schlüssig, nur es gibt eine Sache: Das Ende fand ich irgendwie... komisch. Es ist sehr spannungsreich, ich wollte echt wissen, wie es weitergeht. Doch das kommt so extrem spät, dass ich zwischendurch schon das Verlangen hatte, das Buch abzubrechen. Es gab wirklich Stellen, da musste ich mich echt überreden, weiterzulesen. Deswegen hat es auch verhältnismäßig lange Zeit gedauert, bis ich es abschließen konnte.
    Das Ende kommt jetzt doch schon irgendwie plötzlich. Ich hatte da das Gefühl, dass der Autor irgendwie froh war, sein Buch abzuschließen und das Projekt nur noch schnell zur Seite zu schieben. Das Ende ist leicht abgehakt, wie ich finde, es wird ziemlich kurz gehalten und schnell abgeschlossen. Es kommt auf einmal wirklich alles auf einmal, als ob jemand den "Start"-Knopf gedrückt hat und einem alles auf einmal um die Ohren fliegt.


    Ein paar Kritikpunkte haben die Bewertung also etwas gedrückt. Auf der einen Seite die Langatmigkeit, die manche Stellen aufweisen, und die geringe Spannung, vor allem am Anfang. Wenn ich bedenke, dass die wirkliche Spannung erst ab der Mitte des Buches anfängt, ist das doch schon ziemlich spät. Es ist ziemlich technischlastig, was den ein oder anderen schon abhalten könnte, das Buch anzufangen, zumal bestimmte Hintergründe nicht immer unbedingt klar sind für den Leser. Das Ende ist abgehakt, schnell, aber sehr spannungsreich.
    Insgesamt ist es nur ein mittelmäßiges Buch, daher gibt es auch nur 3 Sterne. Es lohnt sich, es zu lesen, doch muss man schon bestimmte Interessenbereiche haben oder zumindest bereit ist, sich so ein bisschen durch den Themenbereich zu kämpfen.


    Bewertung:
    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    LG Drami


    *~* Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. (Friedrich Nietzsche) *~*


    :study: Thomas Harris - Hannibal Lecter 01: Hannibal Rising

    :study: Ursula Neumann - Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel: Ein Elternbuch


    Gelesen 2020: 12 (1): 4829 Seiten (349 + 235)


    Punktechallenge 2020: 98,47 Punkte

  • Zwei Dinge immerhin muss man dem Buch zugute halten: Eschbach hat, soweit für mich nachvollziehbar, gründlich recherchiert. Und seine Geschichte regt zum Nachdenken an. Weiterdenken muss der Leser auch, denn Eschbach selbst kratzt nur an der Oberfläche. Es ist wie so häufig bei diesem Autor: Die Idee klingt gut, es scheitert an der Umsetzung.
    Eschbach ist nun ein eher mittelmäßiger Erzähler; er versteht es, technisch und technologisch komplexe Sachverhalte verständlich darzustellen, das ist seine Stärke. Ansonsten weiß er nicht viel mit Sprache anzufangen, daher liest sich das Buch belanglos und einfach hintereinander weg. Die Irritationsmomente sind inhaltlicher Natur – und das keineswegs positiv: Hiroshi bekommt von seiner Mutter ein sehr undifferenziertes, unterkomplexes Bild von Arm und Reich vermittelt. Sein Ziel ist es daraufhin, alle Menschen gleich reich werden zu lassen. Seine Idee soll eine Gesellschaft ermöglichen, in der jeder alles hat und nur noch das tun muss, wozu er Lust hat. Dass eine derartige Gesellschaft nicht besonders glücklich wäre, übersieht er. Eschbach selbst übersieht das vermutlich nicht, mit Charlotte gibt es ja die Protagonistin, die alles hat und alles machen kann, aber nichts mit sich anzufangen weiß. Die sozioökonomischen Auswirkungen von Hiroshis Idee behandelt Eschbach jedoch nur am Rande; die Argumente, die er Hiroshis Gegnern in den Mund legt, sind dumm und kindisch und es ist absolut unglaubwürdig, dass gebildeten, erfahrenen Unternehmern, Ökonomen, Computerexperten nicht mehr dazu einfällt.
    Eschbach baut die Geschichte in der zweiten Hälfte lieber zu einem Spannungsroman um, der sich eher albern als aufregend liest, bis hin zum unsagbar kitschigen Ende. Er lässt übersinnlich begabte Mädchen ( :roll: ) auftreten*, schwadroniert über


    und gleitet zu oft ins Metaphysische und in naive Schicksalsgläubigkeit ab.
    Ich habe nichts, überhaupt nichts gegen eine wissenschaftlich fundierte oder philosophisch tiefgehende Auseinandersetzung mit o.g. Aspekten. Die Themenfülle allerdings verhindert es, einen dieser Aspekte in Gänze zu betrachten, der Roman verharrt in Oberflächlichkeiten. Die Geschichte bleibt zudem klischeebeladen, wenig originell - und ist über weite Strecken nicht einmal unterhaltsam. Das vielleicht Ärgerlichste: Der Roman folgt einem Weltbild, das so beschränkt ist wie die Ansichten von Hiroshis Mutter. Es gibt nur Schwarz oder Weiß, richtig oder falsch, arm oder reich. Für Zwischentöne ist kein Platz, auf immerhin fast 700 Seiten.

    Gemeinhin lese ich im Sommer wirklich gerne anspruchslose Thriller. Wenn aber jemand mehr Bedeutungsschwere und Spannung ankündigt, als er abzuliefern in der Lage ist – dann reagiere ich leicht ungehalten [-(


    Fazit
    Sprachlich belangloser Roman, dem es weder gelingt, die gesellschaftlichen Implikationen seiner durchaus interessanten Grundidee glaubwürdig herauszustellen, noch diese unterhaltsam zu vermitteln. Für die Idee, die gründliche Recherche und für die gelungene Beschreibung technologischer Sachverhalte gebe ich dennoch 3 Sterne.


    *Das klärt sich dann nicht auf, ist vielmehr Grundlage für alles Weitere. Ich habe das Buch trotzdem nicht wie angekündigt aus dem Fenster geworfen, dazu bin ich doch zu gutmütig. Irgendjemand mag's vielleicht noch lesen.

  • Zum Inhalt


    Das Buch beginnt recht ruhig mit dem Leben von Hiroshi in Tokio, der zusammen mit seiner Mutter in einer beengten Wohnung gegenüber der französischen Botschaft aufwächst. Als er zufällig die Tochter des französischen Botschafters, Charlotte, kennenlernt, ist er grade mal 10 Jahre alt, doch obwohl die beiden getrennte Wege gehen, scheint das Schicksal andere Pläne mit ihnen zu haben. Auf seinem Lebensweg begegnen Hiroshi ständig die Unterschiede, Hürden und Dogmen, die die Gesellschaft sich durch das Geld geschaffen hat.
    Durch seine Mutter hat er schon als Kind lernen müssen, welch großen Unterschied es macht, ob Menschen viel oder wenig Geld haben. Seine Gedanken kreisen um dieses Thema, denn im Laufe seines Lebens wird er immer wieder mit den Spannungen der Gesellschaft konfrontiert, die alleine aufgrund des Geldes entstehen.
    Doch er hat einen Plan und setzt als Erwachsener alles daran, dieses Ungleichgewicht aufzuheben: er hat eine Idee, wie alle Menschen gleich reich sein können ...


    "Es ging, was Reichtum anbelangte, in Wirklichkeit gar nicht um Geld, wie alle immer dachten.
    Es ging darum, wer die Arbeit tat!" S. 76


    Meine Meinung


    Ich habe in einigen anderen Rezensionen gelesen, dass das Buch viel zu lang ist und man sich einiges hätte sparen können. Der Meinung kann ich mich nicht anschließen, denn ich fand das Buch von der ersten bis zur letzten Seite einfach nur fesselnd!


    Zuerst habe ich natürlich auch ganz neugierig darauf gewartet, was denn nun dieser Plan ist, wie Hiroshi Kato die Menschheit von der Last der Macht des Geldes befreien will - aber Andreas Eschbach hat mich so geschickt mit der Geschichte der beiden Protagonisten in den Bann gezogen, dass das gar nicht mehr so wichtig war.
    Dabei erzählt er aus der auktorialen Sichtweise und wechselt die Perspektiven meistens zwischen Hiroshi und Charlotte.


    Die beiden haben keinen einfachen Start ins Leben, jeder von ihnen trägt eine andere Art von Last. Gerade Hiroshi, in armen Verhältnissen aufgewachsen, spürt sehr oft, wie sehr der Besitz von Geld, oder dessen Fehlen, den Menschen beeinflusst, während Charlotte niemals finanziellen Mangel leidet, es ihr dafür aber an Gefühlen fehlt.
    Von ihrer Kindheit an erhält man einen Querschnitt ihres Lebens und wie das Schicksal zwischen ihnen die Fäden spinnt. Beide sind extrem eigenwillig und scheinen etwas gemeinsam zu haben; dabei kamen sie mir meistens vor wie Feuer und Wasser.
    Obwohl ich mit keinem von beiden wirklich wahre Freundschaft schließen könnte, habe ich mit ihnen mitgefiebert und mitgelitten. Eschbach hat es hier wunderbar verstanden, echte Gefühle und Gedanken zu transportieren, die manchmal unangebracht scheinen, aber gerade darum nur allzu menschlich sind. Hiroshi hält hartnäckig an seinen Zielen fest, wirkt aber immer einsam, ohne wirklich Ruhe zu finden. Getrieben von seiner Idee und dem eisernen Willen, seinen Plan in die Tat umzusetzen, muss er viele Brücken hinter sich abreißen.
    Charlotte ist ebenfalls einsam, aber auf ganz andere Art und Weise. Auch sie wirkt getrieben, doch hat sie kein Ziel vor Augen, auf das sie zusteuern könnte. Als würde sie nicht zu sich finden und eher unbedacht vor sich hin leben.


    Zur Thematik gibt es wieder eine wahre Flut an Gedankengängen und Handlungssträngen, bei denen man die Hintergründe gar nicht vermutet und trotzdem läuft es doch immer wieder auf das leidige Thema Geld und Macht hinaus. Egal, ob es um die Lebensgewohnheiten der Japaner geht, die frühe (die sehr frühe) Menschheitsgeschichte, eine Polarexpedition oder die Nanotechnologie - der Autor baut alles so geschickt in die Geschichte ein und ich bewundere immer wieder das ganze Wissen, das er mit einfachen Worten so beeindruckend vermitteln kann!
    Es klingt bunt zusammengewürfelt, aber es kommt im Laufe der Seiten immer mehr der Sinn dahinter hervor. Alles ist logisch aufeinander aufgebaut und obwohl ich nicht immer sofort wusste, wohin die nächste Entwicklung führen wird, war alles bis ins Detail konsequent und schlüssig durchdacht!
    Die erste Hälfte des Buches wächst langsam heran, was sich aber nicht unnötig in die Länge gezogen hat, sondern nötig war, um den Effekt zu erhöhen. Denn die Geschichte entwickelt dann plötzlich eine Eigendynamik, die die Spannung extrem erhöht! Von einem Moment auf den anderen passiert auf einmal etwas völlig unerwartetes und ich bin nur noch fassungslos und fasziniert durch die Seiten geflogen! Gegen Ende hab ich sogar tatsächlich in einer Szene Gänsehaut gekriegt und einige Tränen sind geflossen. Wieder mal ein sehr beeindruckendes Buch von Herrn Eschbach :)


    Manche Puzzleteile wurden etwas konstruiert auf den besten Platz gesetzt, aber das hat mich nicht wirklich gestört.


    Fazit


    Trotz der ruhigen Atmosphäre und dem langsamen Aufbau der Geschichte war ich von Anfang an fasziniert. Wie Andreas Eschbach hier mit der Idee spielt und so viele abwechslungsreiche Facetten zeigt und dennoch beim Thema bleibt war ein genialer Zug. Der Überraschungseffekt mit einem eiskalten Guß ist ihm auf jeden Fall gelungen! Eine wunderbare Geschichte, die einen zum Nachdenken bringt.


    © Aleshanee
    Weltenwanderer

  • Ein Eschbach mit einem für mich voll akzeptablen Ende! Ich habe schon einige von Eschbachs Werken gelesen und er ist einer meiner Lieblingsautoren. Als seine Schwäche erachte ich den langsamen Start seiner Geschichten, der unduldsamen Lesern viel abverlangt und oft wenig zufriedenstellende Enden der Geschichte.
    Die Themen dieses Buches sind äußerst interessant und für mich ist die Geschichte absolut glaubwürdig entwickelt. Ich habe in diesem noch nicht sehr fortgeschrittenen Jahr schon einige Eschbach-Titel glesen/gehört; Herr aller Dinge hat Potenzial zu meinem Jahreshighlight.

    Die Erfindung des Buchdruckes ist das größte Ereignis der Weltgeschichte (Victor Hugo).

  • Herr aller Dinge hat Potenzial zu meinem Jahreshighlight.

    Ja, das Buch hab ich damals auch verschlungen. :thumleft: Ich hatte eigentlich noch nie einen Eschbach (hab allerdings bisher auch nur 3 gelesn, Das Jesusvideo, Der Todesengel und dieses hier) was mir nicht gefallen hatte,

    "Des Menschen größtes Verdienst bleibt wohl wenn er die Umstände so viel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen läßt."

    (Johann Wolfgang von Goethe in "Wilhelm Meisters Lehrjahre")

  • Ein großer Künstler wird Eschbach nie werden. Aber, wie er hier wieder einmal gezeigt hat, kann er sehr gute Bücher schreiben. Bücher, die spannend sind, teilweise echt pageturner, die gut recherchiertes Wissen vermitteln und die bei aller Science fiction wirklichkeitsnah rüberkommen. Und all das zeigt er bei diesem Buch wieder ganz hervorragend. Das ist Unterhaltungslektüre auf höchstem Niveau und durch die wissenschaftliche Seite eben auch kein purer Eskapismus.
    Ein sehr schönes Buch. Ich hoffe, dass Eschbach zu dieser Art von Literatur zurückfindet und sich nicht in den Welten verliert, die er mit seiner Racheengelgeschichte betreten hat.

  • Geniale Ideen beinhalten eben solche Risiken


    Charlotte und Hiroshi kennen sich seit Kindertagen. Sie ist die Tochter des Botschafters und er der Sohn der Wäscherin.
    Hiroshi merkt bald, dass ihre unterschiedlichen finanziellen Verhältnisse einer Freundschaft auf Dauer im Wege stehen. Um dieses Problem zu lösen hat er eine Idee, wie man diese Unterschiede auf der Welt abzuschaffen könnte.
    Natürlich lässt sich diese Idee nicht ganz so einfach umsetzten, wie er es sich als kleiner Junge vorgestellt hat. Doch durch die Vermarktung einer genialen Erfindung erhält er finanzielle Unabhängigkeit. Jetzt hat er die Zeit und die Mittel um seine Idee zu verwirklichen.
    Die Lebenswege von Charlotte und Hiroshi kreuzen sich immer wieder. Dadurch hat Charlotte auch einmal einen entscheidenden Wissensvorsprung.
    Am Ende wird Hiroshi merken, dass alles immer zwei Seiten hat und seine Idee auch die Welt vernichten könnte…..

    Nach einem ziemlich guten Anfang, war der Mittelteil leider etwas verworren. Zu technisch und teilweise auch nicht ganz logisch nachvollziehbar. Der Schluss war dann wieder sehr gut.
    Während der Anfang noch klar in der Gegenwart spielt, geht es im Laufe der Geschichte immer mehr Richtung Science-Fiction. Da ich auch dieses Genre mag hat mir das Buch insgesamt gut gefallen. Wegen der Schwächen im Mittelteil vergebe ich :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: