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J.R.R. Tolkien - Die Kinder Húrins (ab 14.08.2011)

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  • Kapitel 14


    Verlassen wir nun Turin und wenden uns Morwen und Nienor zu, die in Doriath bei Thingol zu Gast sind. Als sich Nachrichten verbreiten
    dass Turin in der Schlacht um Nargothrond gefallen sein könnte oder unter dem Bann des Drachen gefangen sein könnte, entschließt
    Morwen sich nach ihrem Sohn zu suchen. Diese Ungewisshweit kann sie nicht ertragen.
    Thingol aber hält diese Ungewissheit für eine List Morgoth und rät ihr in Doriath zu bleiben. Da Morwen sich nicht überzeugen lässt, lässt
    Thingol sie gehen. Allerdings sendet er ihr mehrere Männer hinterher um aus der Entfernung Schutz zu gewähren. Aber Thingols Trupp
    bleibt nicht lange unerkannt. Am Ufer des Sirion treffen sie sich denn Morwen weiß keinen Weg über den Fluss.
    Noch einmal bittet man sie zurückzukommen, zumal Nienor sich heimlich der Gruppe um Mablung angeschlossen hat. Nun sind aber Morwen
    und Nienor genauso stolz und unnachgiebig wie ihr Sohn Turin. Mablungs Feststellung trifft die Wahrheit:

    Zitat

    Wahrlich, es ist der Mangel an Vorsicht und Überlegung, nicht an Mut, durch den Hurins Familie anderen so viel Kummer bereitet. Mit Turin
    ist es das Gleiche, wenn auch nicht mit seinen Vorvätern. Jetzt aber scheinen alle das Schicksal herauszufordern, und das gefällt mir nicht.

    So kommt es dann auch wie Mablung befürchtet. In Sichtweite Nargothrond muss er die Unüberlegtheit Morwens dadurch eindämmen, dass er sie
    auf einem Hügel in Gewahrsam nimmt. Mit einem kleinen Trupp will er vorab auskundschaften, ob in Nargothrond noch eine versteckte Gefahr droht.
    Längst aber hat Glaurung sie alle entdeckt und weiß auch, dass auf dem Hügel noch weitere Feinde versteckt sind. Er stürzt sich in die Fluten und
    treibt so Mablungs Krieger auseinander. Mablung selbst versteckt sich und geht tapfer weiter zu den Toren der Stadt um etwas über Turins Verbleib
    zu erfahren. Mablung gefällt mir sehr gut; er ist mutig, handelt aber gleichzeitig besonnen und überlegt.
    Glaurung gelingt es den Trupp auf dem Hügel zu versprengen und so herrscht eine große Panik, während alle versuchen dem Drachen zu entkommen.
    Auch Morwen und Nienor werden getrennt. Dann stellt der Drache Nienor und bald fällt sie unter seinen Bann.
    Tolkiens Beschreibung dieser Szene ist sehr intensiv und fesselnd:

    Zitat

    Dann zwang er sie in seine Augen zu blicken, und ihre Willenskraft schwand dahin. Und ihr war, als wäre die Sonne schwächer und ringsum
    alles düster; allmählich überkam sie ein großes Dunkel und in diesem Dunkel war Leere: Sie wusste nichts, hörte nichts und erinnerte
    sich an nichts mehr.

    Als der tapfere Mablung zurückkehrt findet er nur noch Nienor vor, die jedoch nur noch eine willenlose Hülle zu sein scheint. So kehrt er voller Selbstzweifel
    auf den Weg zurück nach Doriath. Ein paar seiner versprengten Kameraden finden ihn und Nienor und so zieht der kleine Trupp zurück.
    Kurz vor dem Ziel jedoch werden sie des nachts von Orks überfallen. Nienor flieht und mit ihr ist eine Verwandlung vorgegangen. Wie ein Geist erscheint
    sie und niemand kann ihr auf ihrer Flucht folgen so schnell läuft sie davon.
    Zurück in Doriath nimmt Mablung vor dem König alle Schuld auf sich, denn er glaubt versagt zu haben. Thingol jedoch weiß, dass Mablung gegen die
    Stärke des Drachen keine Chance hatte. Er tat wirklich sein Bestes und so ehrt ihn der König als tapferen Mann.


    Mablung selbst aber zieht mit einer kleinen Gruppe von Kriegern noch einmal aus um Morwen und Nienor zu suchen. Drei lange Jahre zieht er durch das
    Land doch von den Gesuchten findet er keine Spur.


    Ein sehr spannendes Kapitel, dass jedoch auch immer mehr von Niederlagen und tragischen Geschehnissen bestimmt wird. Turins Schatten scheint
    sich auszuweiten und immer mehr das Schicksal aller zu beeinflussen, die sich um ihn sorgen.
    In Tolkiens Herr der RInge hatten wir so etwas wie erholsame und schlichtweg schöne, hoffnungsvolle Passagen (z.b. Lothlorien, Elronds Hallen oder
    Bombadils Heim), hier aber scheint das Dunkel alles zu durchdringen und selbst der kleinste Silberstreif wird schnell wieder von Schatten bezwungen.


    Im nächsten Kapitel folgen wir dann Nienor und ich bin gespannt wie dieses Schicksal sich entwickelt.


    lg taliesin

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


    :study:John Burnside - I put a spell on you (MLR)

    :study:Norman Maclean - Aus der Mitte entspringt ein Fluss

  • In Tolkiens Herr der RInge hatten wir so etwas wie erholsame und schlichtweg schöne, hoffnungsvolle Passagen (z.b. Lothlorien, Elronds Hallen oder
    Bombadils Heim), hier aber scheint das Dunkel alles zu durchdringen und selbst der kleinste Silberstreif wird schnell wieder von Schatten bezwungen.

    Ja, da hast du Recht. Es ist eine sehr düstere Geschichte. An einer Stelle stand mal was von einem "strahlenden Frühjahr" oder so in der Art - das konnte ich mir irgendwie gar nicht vorstellen. In meinen Gedanken ist es dort immer grau und trüb. Geht euch das auch so?


    Mehr zu diesem Kapitel kann ich leider erst heute Abend schreiben. Sitze gerade im Büro :-, und hab meine Notizen nicht dabei.

    Gelesen in 2019: 20 - Gehört in 2019: 19 - SUB: 400


    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • In meinen Gedanken ist es dort immer grau und trüb. Geht euch das auch so?

    Allerdings. Das liegt glaube ich auch daran, dass der Schatten nicht nur über Turin sondern über allen Menschen und auch Elben dieser
    dunklen Geschichte aus dem älteren Zeitalter liegt. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind auch die Naturbeschreibungen oft aus schwer
    zugänglichen versteckten Gebieten in denen die wärmenden Strahlen der Sonne sich selten zeigen. Selbst in den Rückzugsorten der Elben
    herrschen Trübnis und wenig optimistische Gedanken und Gefühle. Dieses Zeitalter ist geprägt vom Vormarsch Morgoth der auch die
    gesamte Stimmung der Geschichte mit seinem Schatten beherrscht.


    Kapitel 15


    Nach ihrer langen Flucht durch die Wälder bricht Nienor zusammen und als sie wieder aufwacht ist ihr alles neu. Ihre Vergangenheit ist ausgelöscht.

    Zitat

    Am Morgen erwachte sie und begrüßte das Licht wie jemand, der zum ersten Mal ins Leben gerufen wird. Alle Dinge die sie sah erschienen ihr
    neu und fremd, und sie hatte keine Namen für sie. Denn hinter ihr lag nur eine dunkle Leere aus der keine Erinnerung an etwas drang, das sie
    gekannt hatte, und nicht das Echo eines einzigen Wortes.

    Dann bricht ein Sturm los und Nienor fühlt die Dunkelheit wieder aufziehen.
    Ihre Rettung (ich traue mich kaum dies so zu nennen) erfogt durch die Waldmenschen unter der Führung Turambars. Ausgerechnet auf den Grabhügel
    Finduilas finden sie Nienor und retten das Mädchen. Nun nimmt die Geschichte endgültig die Form einer griechischen Tragödie an, denn Nienor weiß
    weder ihren Namen noch von ihre Vergangenheit. Die List Morgoths der durch Glaurung diese Situation geschaffen hat geht wohl auf.
    Turin, der seine Schwester nicht erkennt, nennt sie Niniel, Tränenmädchen und dieser Name klingt wie ein böses Omen.
    Und so geschieht es, dass Turin und Niniel sich näher kommen, weil sie glauben vom gleichen dunklen Schicksal bedrängt nun aber erlöst zu sein scheinen.

    Zitat

    Ich bin viele Jahre lang geflohen. Und ich bin entkommen als du kamst. Denn vorher Niniel , war es dunkel, aber seitdem ist es immer licht
    gewesen. Und es scheint mir, dass das, was ich so lange vergeblich gesucht habe, endlich zu mir gekommen ist.

    Was er gesucht hat kommt nun tatsächlich zu ihm, allerdings in einer Form die nur Leid bringen kann.
    Nun erleben wir die so selten beschriebene Helligkeit des Lichtes im Frühjahr aber es kommt uns vor wir Hohn, denn Turin und Nienor treiben unwissentlich
    der Dunkelheit und dem Verderben entgegen.
    Brandir ist der einzige der versucht Niniel vor voreiligen Schritten zu warnen. Er hat die Dunkelheit um Turin erkannt und hinzu kommt, dass auch er das
    Mädchen liebt. So ganz uneigennützig ist sein Handeln also nicht.
    Aber alle Warnungen nutzen letztendlich nichts und so heiraten Niniel und Turin in der Hoffnung so die Schatten zu vertreiben. Für einen Sommer erfreuen
    sie sich an ihrem so trügerischen Glück. Wir wissen, dass schon sehr bald die Dunkelheit Morgoths wieder aufziehen wird. Das Unglück lässt sich nicht
    mehr aufhalten. :(


    lg taliesin :ergeben:

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


    :study:John Burnside - I put a spell on you (MLR)

    :study:Norman Maclean - Aus der Mitte entspringt ein Fluss

  • Turin, der seine Schwester nicht erkennt, nennt sie Niniel, Tränenmädchen und dieser Name klingt wie ein böses Omen.
    Und so geschieht es, dass Turin und Niniel sich näher kommen, weil sie glauben vom gleichen dunklen Schicksal bedrängt nun aber erlöst zu sein scheinen.


    Zitat
    Ich bin viele Jahre lang geflohen. Und ich bin entkommen als du kamst. Denn vorher Niniel , war es dunkel, aber seitdem ist es immer licht
    gewesen. Und es scheint mir, dass das, was ich so lange vergeblich gesucht habe, endlich zu mir gekommen ist.


    Was er gesucht hat kommt nun tatsächlich zu ihm, allerdings in einer Form die nur Leid bringen kann.

    Es ist schon tragisch. Túrin hat ja so recht mit seiner Aussage, aber erkennt die wahre Bedeutung nicht.


    Nun erleben wir die so selten beschriebene Helligkeit des Lichtes im Frühjahr aber es kommt uns vor wir Hohn, denn Turin und Nienor treiben unwissentlich
    der Dunkelheit und dem Verderben entgegen.

    Ja - dem Leser ist klar, dass irgendwann das in diesem Fall wirklich "böse" Erwachen kommen wird. So wie Glaurungs Fluch von Túrin abfiel, wird auch Nienor/Niniel sich eines Tages erinnern, wer sie wirklich ist. :(
    Und so kann ich dir nur zustimmen, taliesin:

    Wir wissen, dass schon sehr bald die Dunkelheit Morgoths wieder aufziehen wird. Das Unglück lässt sich nicht
    mehr aufhalten. :(

    Die Meisterschaft Tolkiens besteht für mich darin, dass er den Leser trotz allem Unglück immer "bei der Stange" hält. Einem weniger begabten Erzähler würde man so eine Geschichte vielleicht übel nehmen. Ganz nach dem Motto: Ach ja klar, das musste nun ja auch noch kommen... Dieses Gefühl habe ich hier nicht. Das eine oder andere Mal ahnt der Leser freilich schon, was geschehen wird, aber wie Tolkien dann dorthin führt und welche "Überraschungen" er dann doch noch bereit hält ist wahrhaft meisterlich. :pray:

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    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Längst aber hat Glaurung sie alle entdeckt und weiß auch, dass auf dem Hügel noch weitere Feinde versteckt sind. Er stürzt sich in die Fluten und treibt so Mablungs Krieger auseinander. Mablung selbst versteckt sich und geht tapfer weiter zu den Toren der Stadt um etwas über Turins Verbleib zu erfahren. Mablung gefällt mir sehr gut; er ist mutig, handelt aber gleichzeitig besonnen und überlegt. Glaurung gelingt es den Trupp auf dem Hügel zu versprengen und so herrscht eine große Panik, während alle versuchen dem Drachen zu entkommen. Auch Morwen und Nienor werden getrennt. Dann stellt der Drache Nienor und bald fällt sie unter seinen Bann.

    Es geschieht so viel... ich habe bei Tolkien immer das Gefühl, dass unheimlich viele Nebencharaktere auftreten, aber das hat glaub ich einfach nur mit seiner Art zu tun, wie er Nebencharaktere einführt. Auch diese erscheinen wichtig und ich habe immer das Gefühl, dass auch sie eine Biographie haben, die - wenn der Leser es auch nicht tut - Tolkien jedoch kennt. So ging es mir auch bei Mablung.
    Glaurung ist wirklich eine schreckliche Kreatur - und als das mit Nienor passiert ist, habe ich das als eine der schrecklichsten Szenen bislang empfunden. Man ahnt sofort, dass diese Szene schlimme Folgen haben wird.

    In Tolkiens Herr der RInge hatten wir so etwas wie erholsame und schlichtweg schöne, hoffnungsvolle Passagen (z.b. Lothlorien, Elronds Hallen oder Bombadils Heim), hier aber scheint das Dunkel alles zu durchdringen und selbst der kleinste Silberstreif wird schnell wieder von Schatten bezwungen.

    Ja, so empfinde ich es auch. Das ganze Buch ist von einer großen Traurigkeit durchzogen. Ich sehe es wie Hirilvorgul - wenn es nicht Tolkien wäre, könnte gerade diese Geschichte auch wirklich zu viel sein und unglaubwürdig wirken. Aber in Tolkiens Welt ist einfach alles möglich.

    An einer Stelle stand mal was von einem "strahlenden Frühjahr" oder so in der Art - das konnte ich mir irgendwie gar nicht vorstellen. In meinen Gedanken ist es dort immer grau und trüb. Geht euch das auch so?

    Ja, absolut. Für mich ist es immer irgendwie dämmerig, wenn mein Kopfkino angeht...

    Die List Morgoths der durch Glaurung diese Situation geschaffen hat geht wohl auf.
    Turin, der seine Schwester nicht erkennt, nennt sie Niniel, Tränenmädchen und dieser Name klingt wie ein böses Omen.

    Das ist wirklich schrecklich. Man wünscht sich, dass Nienor wirklich innehalten würde und sich die Ehe mit Túrin noch einmal überlegen würde - aber man ahnt ja eigentlich schon, dass genau das nicht geschehen wird - und dass wir auf ein Ende zusteuern, das der Traurigkeit dieses Romans gerecht wird. :cry:

  • Glaurung ist wirklich eine schreckliche Kreatur - und als das mit Nienor passiert ist, habe ich das als eine der schrecklichsten Szenen bislang empfunden. Man ahnt sofort, dass diese Szene schlimme Folgen haben wird.

    So ging es mir auch. Es ist ja wirklich schon viel Schlimmes geschehen, denn auch der Tod Belegs war ein schreckliches Ereignis. Aber dass Morgoths Schatten nun auch Nienor einholt, habe auch ich als besonders traurig empfunden. Aber diesem armen Mädchen, dass von seiner Mutter schon so einen traurigen Namen bekam (Trauer) und dennoch soviel Mut bewies, kann wohl kein gutes Schicksal beschieden sein. Und dann gibt auch Túrin ihr einen Namen, der alles andere als schön ist.


    Man wünscht sich, dass Nienor wirklich innehalten würde und sich die Ehe mit Túrin noch einmal überlegen würde - aber man ahnt ja eigentlich schon, dass genau das nicht geschehen wird - und dass wir auf ein Ende zusteuern, das der Traurigkeit dieses Romans gerecht wird. :cry:

    Diese Geschichte kann kein Happy End haben. Und denn noch ist sie einfach traurig-schön.

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    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Aber diesem armen Mädchen, dass von seiner Mutter schon so einen traurigen Namen bekam (Trauer) und dennoch soviel Mut bewies, kann wohl kein gutes Schicksal beschieden sein.

    Morwens Schicksal spiegelt sich auch in den Namen ihrer Töchter wieder. Die erste Tochter hieß noch "Lachen", die zweite heißt Trauer... man erfährt eigentlich wenig über Morwen, aber trotzdem geht mir auch ihre Geschichte sehr nahe...

  • Kapitel 16


    Glaurungs Macht wächst und nachdem er Nargothrond eingenommen hat beroht er nun auch Brethil. Die Orks stoßen immer weiter in
    die letzten freien Regionen ein. Die Waldmenschen werden geschlagen und Turambar, der bis jetzt dem Flehen Niniels nachgegeben
    hat, nimmt nun sein schwarzes Schwert und zieht mit seinen Kriegern gegen die Orks. Die Orks können noch einmal besiegt werden
    und bis zum kommenden Frühling herrscht Ruhe.
    Dann mehren sich die Nachrichten, dass Glaurung selbst gegen Brethil zieht. Turambar entwickelt einen Plan den Drachen zu besiegen.
    Auch Niniel, die ein Kind erwartet, kann Turambar jetzt nicht mehr zurückhalten. Er weiß, dass die Erfüllung seines Schicksals im Guten
    oder im Bösen nun bevorsteht. Auf einer Versammlung geschieht dann etwas sehr ungerechtes. Brandir, der sein Volk durch Vorsicht
    vor den Gefahren schützen wollte, wird von Dorlas als nutzlos verhöhnt. Auch Turin steht Brandir nicht wirklich zur Seite, sondern rät
    ihm bei seinem Volk zu bleiben, während er mit Dorlas und einem tapferen Krieger namens Hunthor dem Drachen eine Falle stellen will.
    Brandir lässt Hunthor ungern gehen, denn er ahnt, das die Begleitung Turambars nur Unglück bringen wird.
    So ziehen sie also fort um den Drachen zu töten, während Brandir versucht Niniel zur Vernunft zu bringen. Niniel hat entschieden, dass sie
    ihrem Mann entgegengehen will um ihm bei seiner Aufgabe nahe zu sein. Viele andere gehen nun mit ihr, denn sie sind sich der Gefahr
    nicht wirklich bewusst. War es nicht Mablung der sagte, dass die Sippe Hurins nicht durch fehlenden Mut sondern durch ihre Unbesonnenheit
    auszeichnet? Nienor bringt durch ihr unbesonnenes und unüberlegtes Verhalten nun nicht nur Turin in große Gefahr, sondern auch viele der
    Sippe Brandirs.
    Brandir selbst zieht die Konsequenzen und zerbricht seinen Herrschaftsstab. Er selbst eilt nun seiner geliebten Niniel hinterher, in der Hoffnung
    sie vor der lauernden Gefahr schützen zu können.
    Ein Kapitel, welches auch die vielleicht letzte Hoffnung auf einen versöhnlichen Ausgang der Geschichte zerstört. Hat nicht Turin selbst die folgenden
    phrophetischen Worte gesprochen:

    Zitat

    Ich werde nicht fliehen. Turambar will ich nunmehr bleiben, und durch meinen eigenen Willen und durch meinen Mut will ich mein
    Schicksal bezwingen - oder unterliegen. Aber ob ich siege oder verliere, Glaurung wenigstens will ich töten.

    Es ist wirklich genial wie Tolkien uns, obwohl wir den tragischen Ausgang der Geschichte schon voraussehen, immer weiter fesseln kann. Es geschieht auf
    diesen wenigen Seiten so vieles, dass der Leser immer weiter in Atem gehalten wird und dem tragischen Ausgang entgegenfiebert.


    lg taliesin :winken:

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


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    :study:Norman Maclean - Aus der Mitte entspringt ein Fluss

  • Turambar entwickelt einen Plan den Drachen zu besiegen.
    Auch Niniel, die ein Kind erwartet, kann Turambar jetzt nicht mehr zurückhalten. Er weiß, dass die Erfüllung seines Schicksals im Guten oder im Bösen nun bevorsteht. Auf einer Versammlung geschieht dann etwas sehr ungerechtes. Brandir, der sein Volk durch Vorsicht vor den Gefahren schützen wollte, wird von Dorlas als nutzlos verhöhnt. Auch Turin steht Brandir nicht wirklich zur Seite, sondern rät ihm bei seinem Volk zu bleiben, während er mit Dorlas und einem tapferen Krieger namens Hunthor dem Drachen eine Falle stellen will. Brandir lässt Hunthor ungern gehen, denn er ahnt, das die Begleitung Turambars nur Unglück bringen wird.

    Es ist wirklich spannend, wie die Handlung nun vorangetrieben wird. Túrins Willen, sein Schicksal zu erfüllen, konnte ich einerseits verstehen, andererseits hat man an der Stelle als Leser so dunkle Vorahnungen, dass man ihm am liebsten raten würde, sich irgendwo zu verkriechen und zu warten, statt in den Kampf zu ziehen. Dass Nienor inzwischen von ihrem Mann schwanger ist, fand ich schrecklich zu lesen - es macht deutlich, dass eine Katastrophe bevorsteht, denn es ist unmöglich, dass dieses Kind geboren wird und in Frieden aufwächst. Zumindest bei Tolkien. (Irving hätte es zur Welt kommen lassen, denke ich. :loool: )

    Es ist wirklich genial wie Tolkien uns, obwohl wir den tragischen Ausgang der Geschichte schon voraussehen, immer weiter fesseln kann.

    Finde ich auch. Obwohl an dieser Stelle schon vollkommen klar ist, dass wir hier nicht auf ein Happyend zusteuern, bleibt man als Leser einfach am Ball - weil alles passt und alles stimmig ist.

  • Zumindest bei Tolkien. (Irving hätte es zur Welt kommen lassen, denke ich. :loool: )


    Sehr schön, Strandläuferin: Irving hätte sich einen Spass daraus gemacht, es zur Welt kommen zu lassen. :mrgreen:

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


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  • Nun nähern wir uns also mit Macht dem ganz und gar tragischen Ende der Geschichte. Und mir fehlen irgendwie die Worte, um das ganze wiederzugeben. So viel Verzweiflung, Verbitterung und Trauer lassen sich nicht in Worte fassen - es sei denn man ist Tolkien. Und so will ich erstmal nur eine Szene herausgreifen, die ich besonders großartig fand. Und dann sollt ihr noch ergänzen, was euch an diesem tragischen Ausgang besonders beeindruckt hat. :wink:


    Es war ja eigentlich klar, dass Niniel irgendwann erkennen muss, wer sie ist und dass Turambar in Wahrheit ihr Bruder ist. Man hätte ja meinen können, dass mit Glaurungs Tod der Schleier von ihrer Erinnerung genommen wird, aber Tolkien lässt Glaurung diese schreckliche Enthüllung noch selbst verkünden. Mit seinem letzten Atem verkündet der Drache:

    Zitat

    "Sei gegrüßt Nienor, Húrins Tochter. So sehen wir uns wieder vor dem Ende. Dir gönn ich's, dass du endlich deinen Bruder gefunden hast. Und nun lerne ihn kennen: ein Meuchler im Dunkeln, ein hinterlistiger Feind, ein treuloser Freund und ein Fluch für seine Sippe - Túrin, Húrins Sohn! Die schlimmste aller Taten aber spüre du im eigenen Leibe!" [...] und ihre ganze Erinnerung lag klar vor ihr, von jedem einzelnen Tag, und sie hatte auch nichts von all dem vergessen, was geschehen war, seit sie auf dem Haudh-en-Elleth gelegen hatte. Ihr ganzer Körper schüttelte sich vor Entsetzen und Seelenqual. [...] "Lebwohl, du zweifach Geliebter! A Túrin Turambar turún' ambartanen: Meister des Schicksals, vom Schicksal gemeistert! O Glück, tot zu sein!"

    Wenn wir uns nun noch vor Augen führen, dass Húrin all das mit ansehen muss, ist seine Qual nicht vorstellbar. Welch grausames Schicksal hat Morgoth ihm beschert und in dieser Geschichte kann sich nichts mehr zum Guten wenden. :cry: Da ist es dann schon ein kleiner Trost, dass sich wenigstens Húrin und Morwen am Ende noch wieder finden - wenn auch nur für einen kurzen Moment.

    Gelesen in 2019: 20 - Gehört in 2019: 19 - SUB: 400


    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Hossa, bist du fleissig heute Abend. Wie heißt der Whisky den du gerade genießt? Will auch........ :drunken:


    Bin jetzt gerade in der Welt der kleinen Sofie, werde aber morgen zum bitteren Ende von Tolkiens dunkler Geschichte noch
    einen Beitrag schreiben. Irgendwie fehlt mir in dieser Erzählung ein zumindest kleiner Sonnenstrahl... 8-[


    Fällt mir gerade ein Song von Leonard Cohen ein, der folgende Zeilen beinhaltet:


    There is a crack in everything...
    and that is where the light gets in.


    Leider kann ich in dieser Geschichte diesen Riss nicht finden und trotzdem bin ich beeindruckt. Jedes andere Buch hätte ich wohl abgebrochen,
    aber Tolkiens Kunst liegt einfach in seiner unnachahmlichen Erzählweise und dem genialen Aufbau der Spannung. Man kann nicht aufhören auch
    wenn das bittere Ende vorgeschrieben ist.


    lg taliesin :winken:

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    William Shakespeare


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  • Hossa, bist du fleissig heute Abend. Wie heißt der Whisky den du gerade genießt? Will auch........ :drunken:

    Das mit dem Whisky war gestern schon :wink: Heute hab ich noch gar nicht so viel geschrieben, weil ich den vielleicht letzten Sommertag auf meiner Terasse verbracht hab. Ach ja: Jura Superstition :drunken:

    Jedes andere Buch hätte ich wohl abgebrochen,
    aber Tolkiens Kunst liegt einfach in seiner unnachahmlichen Erzählweise und dem genialen Aufbau der Spannung. Man kann nicht aufhören auch
    wenn das bittere Ende vorgeschrieben ist.

    Das ist wirklich so - soviel Traurigkeit ist fast unerträglich. Vor allem, da man weiß, dass es kein versöhnliches Ende geben kann. Und dennoch muss man einfach immer weiterlesen.
    Naja, vielleicht ist ja die Tatsache, dass Húrin am Ende frei ist, ein kleiner Trost.

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    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Ach ja: Jura Superstition


    Oh ja, auf dieser winzigen Insel gibt es erstaunlich viele hervorragende Single Malts.
    Bin allerdings ein Fan der Islay Malts, allen voran Lagavulin 16 Jahre. Träum........... :drunken: :anstossen:

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


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  • Lagavulin 16 Jahre


    Oh ja!!! ein Traum!

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    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Wenn der gute alte Professor wüsste, dass wir seine dunkle Geschichte gerade versuchen mit ein paar Single Malts aufzuhellen,
    hätte er bestimmt seinen Spass (oder würde sich zu uns gesellen). Also, auf den alten Herrn...Slainte!

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare


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  • Wenn der gute alte Professor wüsste, dass wir seine dunkle Geschichte gerade versuchen mit ein paar Single Malts aufzuhellen,
    hätte er bestimmt seinen Spass (oder würde sich zu uns gesellen). Also, auf den alten Herrn...Slainte!


    Wow - was für eine Vorstellung. Eine nette Runde mit dem Professor, uns drei und Single Malt. Slainte!

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