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Liv Winterberg: Vom anderen Ende der Welt

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Vom anderen Ende der Welt

4.3|22)

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 448

ISBN: 9783423214513

Termin: Juni 2013

  • Klappentext:
    Eine mutige Frau.
    Eine außergewöhnliche Liebe.
    Eine Reise ans Ende der Welt.


    Madeiras Lorbeerwald, Feuerlands Felsenküste, Tahitis Blütenpracht. Im späten 18. Jahrhundert hofft die junge Mary Linley in Plymouth darauf, als Botanikerin fremde Länder zu erkunden. Sie muss einen hohen Preis zahlen, um ihren Lebenstraum zu verwirklichen und an Bord der Sailing Queen auf Expeditionsreise in den Pazifik aufzubrechen. Doch ihr Weltbild gerät ins Wanken, als sie ihre Liebe zu dem Botaniker Sir Carl Belham entdeckt...


    Über die Autorin (Verlagswebsite)
    Liv Winterberg, 1971 in Berlin geboren, studierte Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Sie arbeitet für Film und Fernsehen als Drehbuchautorin und Rechercheurin. Mit ihrer Familie lebt sie in Berlin. "Vom anderen Ende der Welt" ist ihr erster Roman.


    Aufbau:
    Der Roman ist in drei Teile gegliedert, die Mary Linleys Geschichte erzählen - ihren Aufbruch zu der Reise, die Reise selbst und ihre Rückkehr. Die Kapitel sind sehr unterschiedlich lang und meist begleitet der personale Erzähler Mary und ihr Erleben dieser Reise. Es gibt aber auch Kapitel aus der Perspektive anderer wichtiger Charaktere, und diese geben sehr gut Aufschluss über das, was andere über Mary und ihr Verhalten denken.
    Die Kapitel sind nicht nummeriert, sondern sie geben immer das Datum und den Ort der Handlung an. Das ist gerade im zweiten Teil, als Mary auf Reisen ist, sehr interessant.
    Der Roman hat 429 Seiten, an den sich 17 Seiten Anhang anschließen, die unter Anderem in einem Glossar einige Begriffe aus der Schifffahrt, der Botanik und vielen anderen Bereichen erklären. Auch genannte historische Persönlichkeiten werden dort kurz vorgestellt. Dies ist ziemlich hilfreich beim Lesen, um sich ein besseres Bild machen zu können.


    Inhalt:
    Mary Linleys Vater war ein bekannter Botaniker, der seine Tochter häufig an den Forschungen teilhaben ließ. Das Mädchen, das ohne Mutter aufwächst und deswegen viel Zeit mit dem Vater verbringt, lernt viel über die Forschung des Vaters und auch wenn ihr Wunsch für das 18. Jahrhundert unangemessen scheint - Mary möchte Botanikerin werden.
    Nach dem Tod ihres Vaters bricht für sie eine Welt zusammen. Die Tante, die Mary erziehen soll, will von dem Fotschungsdrang der Nichte nichts wissen. Mary soll heiraten und Kinder erziehen, ihr botanisches Wissen an ihre Söhne weitergeben, dazu sei es doch ganz gut. Aber das reicht Mary nicht und ein solches Leben kann sich die junge Frau für sich nicht vorstellen. Sie will die Welt sehen, sie will reisen, sie will forschen!
    Aber einer Frau gibt niemand eine Chance und so sieht Mary sich gezwungen, zu drastischeren Mitteln zu greifen. Sie schneidet sich kurzerhand die Haare ab, packt die Reisekleidung ihres Vaters zusammen und lässt alles stehen und liegen, um auf einem Schiff unter dem Namen Marc Middleton als Zeichner anzuheuern. Sie hat Glück, dass der Crew nicht mehr viel Zeit bis zur Abreise bleibt und man keine Zeit hat, ihre Zeugnisse zu überprüfen, die sie nicht hätte; die Arbeiten, die Mary mitbringt, genügen, und schon ist sie samt ihrer neuen Identität an Bord des Schiffes "Sailing Queen". Nun wird ihr Traum wahr werden - sie wird ans andere Ende der Welt reisen, wird fremdartige Tiere und Pflanzen sehen und fremde Kulturen kennenlernen, sie wird an der Stelle entlangsegeln, an der das Schiff ihres Vaters sank. Sie wird Abschied nehmen können und ihm gleichzeitig zeigen, dass sie es geschafft hat, ihren Traum wahrzumachen.
    Aber trotz der paradiesischen und überwältigenden Orte, die Mary auf ihrer Reise kennenlernt, ist die Fahrt auf dem Schiff bei weitem nicht nur angenehm. Der Umgangston ist oftmals rau, das Leben ist hart, und die Mannschaft geht auch mit dem zarten Marc Middleton nicht zimperlich um. Trotzdem findet Mary auch als Marc Freunde auf dem Schiff - zum Beispiel den kleinen Schiffsjungen Seth, der mit seinem Bruder Nat und seinem Vater auf dem Schiff ist, und den Marcs Arbeit sehr fasziniert. Aber auch Franklin, der dem Fotschungsteam angehört, und der Smutje Henry werden zu Marys Freunden. Und dann ist da natürlich auch noch Carl Belham, der Botaniker. Er ist immer freundlich und zuvorkommend zu allen - und Mary muss bald schon feststellen, dass sie für diesen Mann starke Gefühle entwickelt. Das darf nicht sein - wie soll sie ihre Rolle aufrecht erhalten, wenn ihre Gefühle verrückt spielen? Mary ahnt nicht, dass ihre Identität bald schon aus ganz anderen Gründen auffliegen wird...


    Meine Meinung:
    "Vom anderen Ende der Welt" hat mir sehr gut gefallen. Es erzählt die Geschichte einer wirklich beeindruckenden Frau, die sich allen Widerständen zum Trotz nicht unterkriegen lässt und sich einer Gesellschaft entgegenstellt, in der sie ihre Träume nicht leben darf. Mary Linley wird dabei von der Autorin aber nicht als eine Figur porträtiert, die alles kann und sich immer durchbeißt, weil sie so willensstark ist, nein, Mary hat oft Angst, ist traurig, macht sich Sorgen oder ist wütend. Sie zeigt viele Facetten ihres Charakters und Liv Winterberg hat mit ihr eine richtig tolle Protagonistin geschaffen, mit der man gern bis ans andere Ende der Welt und dann wieder zurück reist.
    Auch viele der anderen Charaktere wachsen einem schnell ans Herz - allen voran natürlich der kleine Seth, und für mich war auch noch William Middleton (na, welche Personen standen für diesen Namen Pate?) eine der Figuren, die mir schnell sehr sympathisch waren. Man kann aber schon sagen, dass alle Charaktere sehr glaubwürdig und interessant dargestellt werden, sodass das Kopfkino beim Lesen schnell Bilder zu all diesen Charakteren findet. Sicherlich kam der Autorin da auch ihre Arbeit beim Film zugute.
    Auch die Beschreibungen der Orte sind einfach nur schön - und das, obwohl Liv Winterberg gar nicht seitenweise Beschreibungen verfasst. Mit wenigen Sätzen versteht sie es, Schauplätze der Handlung so zu beschreiben, dass man als Leser sofort Bilder vor sich sieht und sich diese Orte genau vorstellen kann. Sie fängt die Atmosphäre der Orte ein - es ist schwer, das zu beschreiben, aber ich habe es beim Lesen so empfunden - und gibt sie unmittelbar an ihre Leser weiter. Genau diese Atmosphäre macht für mich einen riesigen Pluspunkt des Buches aus - mir hat das unheimlich gut gefallen.
    Was ist "Vom anderen Ende der Welt" für ein Genre? Es ist zum Einen ein großartig recherchierter historischer Roman, der sich für die Figur der Mary Linley die französische Botanikerin Jeanne Baret als Vorbild nimmt, die 1768 tatsächlich die Reise antrat, die Mary Linley in diesem Roman macht. Auch andere Ereignisse aus dem Leben der Französin hat Winterberg für ihre Protagonistin übernommen, und es ist spannend, dies im Nachwort mitzuverfolgen. "Vom anderen Ende der Welt" ist aber auch eine Liebesgeschichte, die wunderschön und vollkommen ohne Kitsch erzählt wird, es ist ein Abenteuerroman und ein Reiseroman - ein Buch, das mich überzeugt, mich gefesselt, mir von der ersten bis zur letzten Seite Spaß gemacht und mich auch manchmal mit Tränen in den Augen zurückgelassen hat.


    Ein spannendes und zugleich wunderschönes Buch, das ich unbedingt weiterempfehlen möchte!
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Nach Lektüre Deiner wirklich herausragenden Rezension :thumleft: muss ich meine Einstellung wohl nochmal überdenken.
    Die Leseprobe bei Vorablesen erweckte in mir den Eindruck, es handle sich um einen seichten (und kitschigen) historischen Hosenroman vom Kaliber "Wanderhure& Co", deshalb habe ich an der Verlosung nicht teilgenommen.
    Da Du ja auch mehr auf anspruchsvollere und authentische Historienromane stehst, sollte ich mich vielleicht doch mit diesem Buch beschäftigen. :wink:


    PS. Wenn Dir dieser Roman gefallen hat, wäre vielleicht auch "Der Schiffsjunge" von John Boyne etwas für Dich. Die Originalausgabe "Mutiny on the Bounty " gehörte für mich zu den Highlights 2010.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Nach Lektüre Deiner wirklich herausragenden Rezension muss ich meine Einstellung wohl nochmal überdenken.

    Oh, vielen Dank! :friends: Ich muss zugeben, dass ich ebenfalls überrascht war, wie gut mir das Buch gefallen hat. Ich fand wirklich, dass das Buch deutlich mehr zu bieten hatte als der durchschnittliche historische Roman. Danke auch für den Buchtipp, der sofort auf meine Wunschliste wandert. :thumleft:

  • 446 Seiten


    Meine Meinung:
    Mary Linley wurde von ihrem Vater als Botanikerin ausgebildet. Als dieser stirbt, will ihre Tante sie verheiraten, aber sie will sich unbedingt ihren Traum erfüllen und um die Welt reisen. Für eine Frau ist es natürlich unmöglich im 18. Jahrhundert auf einem Expeditionsschiff mitzufahren, daher sieht sie nur eine Möglichkeit, um mit der „Sailing Queen“ und mit dem Botaniker Sir Carl Belham auf Fahrt zu gehen, indem sie sich als Mann verkleidet.


    Eine wunderbare Geschichte, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Liebenswerte und sehr gut dargestellte Personen, vor allem die starke und sehr mutige Mary hat mir ausgesprochen gut gefallen. Aber auch die anderen Personen sind sehr gut und detailliert dargestellt. Da die Autorin Fiktives und Reales sehr gut miteinander verbunden hat, kommen auch einige Figuren zum Zug, die schon bei James Cooks Reisen dabei waren und auch sonst noch einige mehr.


    England im 18. Jahrhundert war kein Honigschlecken und Mary hat auf dem Schiff einiges zu bewältigen. Nicht nur, dass sie als Mann auftreten muss, sie muss sich auch mit der ziemlich derben Mannschaft auseinandersetzen, was als Frau nicht leicht ist. Aber sie kommt sehr gut mit Carl Belham aus und auch mit einigen anderen aus der Mannschaft, die sie in ihr Herz geschlossen hat.


    Eine wunderschöne Reiseroute, die ich auch bildlich miterlebt habe, so hervorragend ist alles beschrieben. So schön die diversen Inseln auch sind und sich für Mary ihr Traum erfüllt, so ist doch das Leben auf dem Schiff sehr hart und es bleibt auch nicht vor Krankheit und Tod verschont. Immerhin dauert die Reise ungefähr drei Jahre und diese wechselnden Lebensbedingungen, Freude und Trauer, haben mich das ganze Buch hindurch so gefesselt, dass ich es kaum noch aus der Hand legen konnte. Der Autorin ist hier ein hervorragendes Debüt gelungen, ergänzt durch ein wunderschönes Cover, welches das ganze Buch noch abrundet. Ich hoffe sehr, dass bald ein weiteres Buch dieser Autorin erscheint.

  • Inhalt (Verlagsinfo)
    England, spätes 18. Jahrhundert: Von ihrem Vater, einem Arzt und Wissenschaftler, zur Botanikerin ausgebildet, träumt die junge Mary Linley davon, die Welt zu bereisen. Doch als sie nach dem Tod des Vaters verheiratet werden soll, sieht sie nur eine Möglichkeit, ihrer Berufung zu folgen. Sie gibt sich als Mann aus, um an Bord der Sailing Queen im Stab des Botanikers Sir Carl Belham auf Expeditionsfahrt zu gehen. Die Lebensbedingungen auf See erschüttern sie, denn Entbehrungen, Krankheiten und Tod prägen den Alltag. Dennoch glaubt sie, ihr Ziel erreicht zu haben: Sie erkundet fremde, faszinierende Länder. Erst durch die Liebe zu Sir Carl Belham erkennt sie, dass sie sich für ihre Ideale selbst verleugnet.


    Autorin (Verlagsinfo)
    Liv Winterberg, 1971 in Berlin geboren, studierte Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Sie arbeitet für Film und Fernsehen als Drehbuchautorin und Rechercheurin. Mit ihrer Familie lebt sie in Berlin.



    Eigene Meinung
    Die Autorin ließ sich in ihrem Erstlingsroman inspirieren vom Leben der französischen Botanikerin Jeanne Baret. Im Anhang befindet sich ein kurzes Portrait über diese, bei uns unbekannte Wissenschafterin. Sie ist 1768 als Mann verkleidet in See gestochen, um als Botanikerin an einer Expedition in die Südsee teilzunehmen.
    Liv Wintergerg lässt ihre Protagonistin Mary Linley von Plymouth aus als Marc Middleton auf einem Expeditionsschiff im Team des angesehenen Botanikers Sir Carl Belham als wissenschaftliche Zeichnerin anheuern.


    Der größte Teil der Handlung des Romans beschreibt das Leben auf dem Schiff. Einerseits wird veranschaulicht, wie die Besatzung untergebracht und vom Smutje Henry mit möglichst gesundem und nahrhaftem Essen versorgt wird. Man erfährt ebenfalls eine ganze Menge über die medizinische Behandlung von Krankheiten und Verletzungen.
    Soweit ich das beurteilen kann, ist das alles realistisch beschrieben und gut recherchiert.


    Die Reise an Bord der Sailing Queen führt über verschiedene Stationen und endet für Mary und Sir Carl Belham auf der Insel Tahiti. Die Beschreibung der eingeborenen Bevölkerung mag aus heutiger Sicht etwas klischeehaft erscheinen. Ich finde aber, dass die Autorin die Sichtweise der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gut getroffen hat. Sie bringt dem Leser die „Edlen Wilden“ so näher wie Rousseau diese als Ideal beschrieben hat, die aber bereits konfrontiert worden sind mit diversen Mitbringseln aus der europäischen Welt und dadurch schon etwas von ihrer Unschuld verloren haben. Die Autorin lässt genügend Lücken, die man sich in der eigenen Fantasie ausfüllen kann, ohne dass sie den Menschen auf Tahiti Eigenschaften und Verhaltensweisen andichtet, die diese so womöglich nicht gehabt haben.


    Die Schiffspassagen, aber auch die Beschreibungen der Landexkursionen sind sehr anschaulich und stimmungsvoll gelungen. Man hört und riecht den Dschungel und spürt auch die Stille des Betrachters der Natur.


    Der gelungene Einsatz der Sprache hat mich ganz besonders beeindruckt. Die Ausdrucksweise hebt sich positiv von vielen Romanen neueren Datums ab. Die Autorin schreibt sehr sicher, souverän und schafft es, die Atmosphäre still und leise einzufangen ohne einen Überschwang an langatmigen Beschreibungen oder aufdringlichen Gefühlswallungen. Die erzählte Geschichte ist schlüssig, geradlinig und nicht überladen an Motiven und Themen.


    Im Anhang befindet sich ein Glossar, mit vielen Fachausdrücken aus der Schifffahrt, der Medizin und der Botanik. Das hat das Verständnis sehr erleichtert und ich konnte meinen eigenen Wortschatz sogar etwas ausbauen.


    Anfangs habe ich mich gefragt habe, warum die Autorin nicht gleich die Geschichte der Jeanne Baret erzählt, wenn sie sie schon als Inspiration bemüht. Inzwischen finde ich aber die Lösung, den Roman anhand einer fiktiven Figur zu erzählen sehr gut. Auf diese Weise kann die Autorin ihre schriftstellerische Freiheit wahren, ohne Gefahr zu laufen, zuviel in eine historische Persönlichkeit zu interpretieren, über die man noch nicht sehr viel weiß.



    Fazit:
    Dieses Erstlingswerk von Liv Winterberg hat mich sehr positiv überzeugt. Ich hatte erst meine Bedenken, dass es für meinen Geschmack zu klischeehaft und zu sehr Liebesroman sein könnte. Es lässt sich natürlich nicht von der Hand weisen, dass es sich um einen „Frau-in-Hose“-Roman handelt. Aber ich denke in diesem Fall ist das mehr als verziehen. Da sich die Autorin von einer historisch verbürgten Person inspirieren ließ, war das die einzige Möglichkeit.


    Dieses Buch hat für mich persönlich das gewisse Etwas, was ein sehr gutes Buch von einem guten Buch unterscheidet. Es hat einen gewissen Zauber, den ich nicht wirklich benennen kann, und ich hoffe sehr, dass die Autorin noch mehr so gute Romane schreiben wird.


    Für mich ist Liv Winterberg eine Entdeckung und ich vergebe meine ersten fünf Sterne in diesem Jahr.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte und siehe, die Pflicht ist Freude!
    Rabindranath Tagore (1861-1941)


    Lha gyal lo - Free Tibet!

    Wir sind grüüüüüün!!!!

  • Ende des 18. Jahrhundert, England: Mary Linley wurde von ihrem Vater in den Bereichen der Botanik und der Medizin ausgebildet. Aber da sie eine Frau ist traut ihr niemand zu in diesen Bereichen wirklich etwas zu können.
    Als das Forschungsschiff ihres Vaters verunglückt und ihre Tante sie um jeden Preis verheiraten will, sieht Mary nur einen einzigen Weg diesem Schicksal zu entgehen. Als Mann verkleidet und sich Marc Middelton nennend, heuert sie auf den Schiff „Sailing Queen“ als Zeichner an und beginnt ihre Reise in die Südsee.


    In diesem Buch steht nicht nur das Schicksal von Mary im Mittelpunkt, sondern auch das von Nat und Seth Bennetter, den Söhnen des Bootsmann Kyle Bennetter.


    Das Buch zeichnet keinen verklärten Blick einer Seereise, es wird keine romantische Traumreise beschrieben, sondern die harte Realität einer Seereise am Ende des 18. Jahrhunderts. Die Bedingungen sind oft widrig und auch unhygienisch. Realistisch wird dargestellt welche Gefahren und Unbilgen auf so einer Reise allgegenwärtig sind.


    Die Figuren sind, genau wie das ganze Umfeld, ebenfalls realistisch dargestellt und wirken lebendig. Jeder hat seinen eigenen Charakter.


    Die Geschichte des Buches wird nicht nur aus der Sicht der Besatzung und den Leuten, die Mary zurück lies, geschildert, sondern auch aus der Sicht der Tahitianer und wie ihr Leben, durch die angelandeten Seefahrer verändert wurde. Somit zeigt Liv Winterberg nicht nur das verklärte Bild des „Edlen Wilden“, wie er in Europa gesehen wird auf, sondern auch deren wirkliches Leben und den Einfluss der Zivilisation, der nicht immer als positiv gesehen werden kann, sondern auch negative Auswirkungen haben kann. Vor allem wenn die Zivilisation auf die Welt der so genannten Wilden trifft.


    Das Buch hat mir im Ganzen gut gefallen, auch gerade wegen dem realistischen Bild, dass es zeichnet. Darum bekommt es von mir :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: Sterne.

  • Liv Winterberg – Vom anderen Ende der Welt


    Kurzbeschreibung (amazon.de):


    England, spätes 18. Jahrhundert: Von ihrem Vater, einem Arzt und Wissenschaftler, zur Botanikerin ausgebildet, träumt die junge Mary Linley davon, die Welt zu bereisen. Doch als sie nach dem Tod des Vaters verheiratet werden soll, sieht sie nur eine Möglichkeit, ihrer Berufung zu folgen. Sie gibt sich als Mann aus, um an Bord der Sailing Queen im Stab des Botanikers Sir Carl Belham auf Expeditionsfahrt zu gehen. Die Lebensbedingungen auf See erschüttern sie, denn Entbehrungen, Krankheiten und Tod prägen den Alltag. Dennoch glaubt sie, ihr Ziel erreicht zu haben: Sie erkundet fremde, faszinierende Länder. Erst durch die Liebe zu Sir Carl Belham erkennt sie, dass sie sich für ihre Ideale selbst verleugnet...


    Autor:


    Liv Winterberg, 1971 in Berlin geboren, studierte Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Sie arbeitet für Film und Fernsehen als Drehbuchautorin und Rechercheurin. Mit ihrer Familie lebt sie in Berlin. (Quelle: vorablesen.de)


    Aufbau und Handlung:


    Das Buch ist Liv Winterbergs Erstlingswerk und hat einen einfachen und flüssigen Schreibstil und lässt sich somit gut lesen. Am Anfang werden einige Personen mit den dazugehörigen Orten beschrieben, welches hilfreich beim Lesen war. Die Kapitel sind nicht allzu lang und mit Orts- und Zeitangabe versehen, durch diese man einen schönen Überblick der Forschungsreise erhält. Die Geschichte ist gut recherchiert und macht diese durch die bildhafte Beschreibung sehr realistisch. Im Anhang findet man eine Landkarte, die die Reiseroute der Exkursion zeigt, ein Glossar mit Erklärungen verschiedener Begriffe der Schifffahrt, Botanik und Medizin. Desweiteren findet man eine kurze Zusammenfassung über Jeanne Barets Leben, welches als Hintergrund dieser Geschichte fungierte. Die Charaktere sind lebhaft und farbig beschrieben, dadurch kann man auch viele ihrer Gefühle und Gedanken gut nachvollziehen. Die Gestaltung des Buches ist sehr schön und mit liebevollen Details versehen.
    Mary Linley träumt davon auf Forschungsreise zu gehen, um das von ihrem Vater beigebrachte Wissen anzuwenden, doch sie ist eine Frau und zu jener Zeit kam dies nicht in Frage. Als nach dem Tod ihres Vater ihre Tante den Haushalt übernimmt und zudem Mary noch verheiraten will, sieht sie nur einen Weg ihren Traum in die Realität umzusetzen. Sie verkleidet sich als Mann und heuert auf dem Forschungsschiff „Sailing Queen“ an. Was zunächst als Abenteuer begann, weicht nach und nach der Wirklichkeit. Sie kämpft nicht nur mit dem harten Alltag auf einem Schiff, sondern muss auch den Verlust geliebter Menschen bewältigen und immer auf der Hut vor der Entdeckung sein. Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht, lest selbst.


    Meine Meinung:


    Die Geschichte ist spannend, informativ und sehr interessant und zieht einen in einen Bann, der es einfach verhindert das Buch aus der Hand zu legen. Ich habe dieses Buch gern gelesen und kann es jedem nur empfehlen. Eigentlich lese ich ja kaum historische Romane, aber dieser hat mich positiv überrascht. Somit vergebe ich gerne :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: Sterne.

  • So, dann möchte ich mal meine erste Rezension hier reinstellen. Ich hoffe sie entspricht halbwegs der Norm, bitte seid etwas nachsichtig :)



    Inhalt:
    Nach dem Tod ihres Vaters soll die junge Botanikerin Mary Linley verheiratet werden und ihren Platz in der englischen Gesellschaft einnehmen. Nicht genug, dass sie ihren Vater verloren hat, soll sie nun auch ihre Leidenschaft für die Wissenschaft (insb. Botanik) aufgeben! Das will sie auf gar keinen Fall und heuert somit als Mann verkleidet auf dem Expeditionsschiff Sailing Queen als Zeichner unter dem Botaniker Sir Carl Belham an. Trotz anfänglicher Zweifel ist sie bald ganz in ihrem Element. Sie bereist ferne Länder, lernt deren Flora und Fauna kennen und muss sich gleichzeitig dem harten Bordalltag stellen.


    Ausstattung:
    Die Aufmachung erscheint sehr hochwertig und ist überaus schön anzuschauen. Auch sonst ist der Roman gut ausgestattet. Auf den ersten Seiten findet sich eine Weltkarte mit der Reiseroute, sodass man die Orientierung nicht verliert. Am Ende befindet sich ein Glossar, in dem die wichtigsten Begriffe und Personen erläutert werden. Hier musste ich öfters mal nachschauen und ich habe viel über die Schifffahrt usw. gelernt! Außerdem befindet sich noch eine kurze Biografe von Jeanne Baret im Anhang, an deren Leben sich die Geschichte von Mary Linley anlehnt.


    Meine Meinung:
    Eine wirklich sehr beeindruckende Geschichte! Dadurch, dass die Geschichte an reale Begebenheiten angelehnt ist, ist sie sehr authentisch. Die wissenschaftlichen Aspekte des Romans haben mir sehr gut gefallen, da ich mich im Studium selbst sehr viel und gerne mit Botanik beschäftigen darf (aber auch Zoologie, Chemie, Biologie allgemein usw.). Bisher hatte ich mir keine großen Gedanken darüber gemacht, wenn ich eine neue Pflanze herbarisiert habe, auf Exkursionen war etc. pp. Durch diesen Roman weiß ich dieses Privileg erst richtig zu schätzen!
    Abgerundet wird die Handlung von dem wirklich sehr gelungenen Schreibstil: Der Roman ist zu jeder Zeit sehr flüssig zu lesen. Die Orte sind sehr bildlich beschrieben, man fühlt sich mitten in die Handlung versetzt. Die Entbehrung auf dem Schiff wechselt sich mit den exotischen Ländern ab, wodurch ein starker Kontrast entsteht. Die gesamte Handlung wirkt sehr gut recherchiert mit den detailliert beschriebenen Lebensweisen fremder Kulturen, Arbeitsweisen, Schiffsalltag etc.
    Auch die Personen sind sehr gut geschildert. Man fühlt sich in sie hinein versetzt und leidet bzw. freut sich mit ihnen. Dadurch das Mary zu Beginn noch Bedenken hat und sich nicht wirklich sicher ist, wirkt sie sehr glaubwürdig. Schön fand ich auch die beschriebenen Nebencharaktere. So lernen wir nicht nur die gehobene Gesellschaft in England kennen, sondern auch Matrosen und Tahitianer. Ein sehr angenehmer Kontrast.


    Fazit:
    An diesem Roman stimmt meiner Meinung nach alles: Die Aufmachung, die Geschichte und die sehr gelungene Umsetzung! Die Personen und Orte sind authentisch beschrieben, der Roman liest sich flüssig und ist äußerst gut recherchiert. Mir hätte noch gut gefallen, wenn noch ausführlicher auf die Botanik eingegangen wäre (auch nur deshalb, weil ich mich selber damit beschäftige ;-), aber dies ist wirklich ein Luxus-Makel. Ein Roman der das Fernweh und die Liebe zur Wissenschaft, der ein paar sehr schöne Lesestunden verspricht!


    Hier kann ich bedenkenlos :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: vergeben!


  • Nachsichtig, halbwegs der Norm? Die Rezension ist perfekt... :thumleft: :applause:

    Vielen Dank! :) War mir nicht sicher, weil es meine erste hier ist. Aber ich werde mich auch weiterhin bemühen.


    Das Buch hat es mir auch sehr leicht gemacht. Eine sehr schöne Geschichte, sehr schön zu lesen. Mit Sicherheit gehört es für mich zu den Highlights dieses Jahr! :thumleft:

  • Vom anderen Ende der Welt - Liv Winterberg



    England, ausgehendes 18. Jahrhundert


    Obwohl die neunzehnjährige Mary Linley in einer Meldung des Town Magazine gelesen hat, dass das Schiff, mit dem ihr Vater, der Arzt und Botaniker Francis Linley, unterwegs war, bei Kap Hoorn zerschellt ist, kann und will sie die Hoffnung auf eine gesunde Heimkehr des Vaters nicht aufgeben. Jeden Tag sucht sie den Hafen auf und hofft auf ein Wunder. Ihre Tante kümmert sich bereits um den Nachlass und möchte Mary so schnell wie möglich verheiraten. Doch Mary hat andere Interessen als sich um Ehemann, Haushalt oder Kinder zu kümmern. Da sie ihrem Vater stets bei seiner Arbeit zur Hand ging, ist sie in Botanik und Medizin sehr bewandert. Ihr größter Traum ist es, diese Kenntnisse in der Praxis einzusetzen und an einer Expeditionsreise teilzunehmen. Für eine Frau ist an ein solches Abenteuer natürlich nicht zu denken und deshalb verkleidet sie sich als Mann und geht als Marc Middleton an Bord der 'Sailing Queen'. So hat sie die Möglichkeit, als Zeichner im Stab des angesehenen Botanikers Carl Belham, um die halbe Welt zu segeln und Pflanzen und Tiere zu dokumentieren. Doch an Bord herrschen raue Sitten und es ist gar nicht so einfach, die Tarnung als Mann aufrechtzuerhalten. Als Mary entdeckt, dass sie sich zu Carl Belham hingezogen fühlt, fällt ihr das Versteckspiel noch viel schwerer....



    Meine Meinung



    Aufgrund der Inhaltsbeschreibung könnte der Eindruck entstehen, dass sich Liv Winterbergs Debütroman nicht sonderlich von anderen Genrevertretern unterscheidet und ein gern verwendetes Klischee, den Frau-in-Hosen-Roman, bedient. Doch im Nachwort stellt man fest, dass sich die Autorin von der Biografie der französichen Botanikerin Jeanne Baret inspirieren ließ und dass sich Mary Linleys Geschichte, obwohl sie ziemlich abenteuerlich wirkt, so realistisch wie möglich daran orientiert. Um sich die Spannung nicht zu verderben, sollte man sich das Nachwort allerdings, wie das Wort schon sagt, erst nach dem Lesen des Romans zu Gemüte führen.


    Liv Winterberg schafft es mühelos, der Geschichte Leben einzuhauchen. Durch ihre detaillierten, aber keinesfalls ausufernden, Beschreibungen, fühlt man sich an die entsprechenden Handlungsorte versetzt und hat das ächzende Schiff, mit seiner Geräusch- und Geruchskulisse genauso vor Augen, wie die Ziele der Expeditionsreise . Auch die agierenden Personen wirken sehr lebendig und authentisch. Man fühlt mit ihnen und fasst schon nach wenigen Seiten erste Sympathien oder auch spontane Abneigungen. Auf dem Schiff treffen die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander und deshalb wirkt auch die monatelange Schiffsreise nicht langweilig. Die damaligen Gepflogenheiten an Bord fließen in die Handlung ein und ganz nebenbei erfährt man so von den harten und gefährlichen Bedingungen einer so langen Seereise. Man hat beim Lesen das Gefühl, dass die Autorin sehr gut recherchiert hat und dass sie ihr Wissen gut vermitteln kann.


    Die Liebesgeschichte zwischen Mary und Carl wirkt glaubhaft und nicht zu hochromantisch. Sie drängt sich nicht zu sehr in den Vordergrund, sondern lässt genug Raum für weitere Handlungsstränge. Man hat keinen Moment das Gefühl einen reinen Liebesroman zu lesen, denn dieser historische Roman hat deutlich mehr zu bieten.


    Liv Winterbergs Debütroman hat mich positiv überrascht, da er sich wohltuend vom gängigen Klischee des Frau-in-Hosen-Romans abhebt, und mir einige interessante, abenteuerliche, herzergreifende, spannende und lehrreiche Lesestunden bereitet hat.




    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

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