Alois Hotschnig - Ludwigs Zimmer

Anzeige

  • Kurt Weber erbt von seinem Großonkel Georg bzw. seiner Großtante Anna ein altes Haus in Landskron. Die Familie war sehr groß und gab es unzählige Familientreffen, an die er sich aber nicht sehr gerne erinnert. Er versuchte – wie so oft in seinem Leben – dies allem zu entkommen. Als er nun dieses Haus bezieht, wird er schief angesehen von den alt eingesessenen Nachbarn. Viel zu wenig hätte er sich gekümmert um seine Verwandtschaft, jeder seiner Schritte wird bemängelt, kommentiert und begutachtet. Viele Bäume stehen rund ums Haus, Kurt beginnt sie zu fällen. Jeder dieser Bäume steht für einen Verwandten. Kurt erinnert sich an lange Spaziergänge mit Georg, der ihm die Familiengeschichte erzählt. Mit der Erkundung der Räume und der hinterlassenen Habseligkeiten werden diese Erinnerungen wieder wach, Kurt dringt immer tiefer in die Familiengeschichte ein, verstörende Abgründe werden bloß gelegt, mysteriöse Todesfälle, und eine sehr belastete Vergangenheit, die bis in die NS-Zeit zurückreicht ranken sich um „Ludwigs Zimmer“.


    Das Buch ist fast durchgehend als innerer Monolog eines deprimierten, einsamen, hoffnungslosen, sich vom Leben nichts erwartenden Protagonisten geschrieben und liest sich demgemäß unbehaglich. Das Aufstöbern alter Erinnerungen geht einher mit einer Reise in die Vergangenheit seiner Vorfahren, mit jeder Seite dringt Kurt tiefer vor, verwebt sich immer mehr, blickt hinter das Schweigen, das seine Kindheit so geprägt hat.
    Mir war das Buch dann doch etwas zu pessimistisch und lastet der Mantel des Schweigens, der Unbehaglichkeit und der Verstörung zu schwer auf diesem Buch und ich kann es deshalb, obwohl literarisch sehr ausgefeilt, nur eingeschränkt weiterempfehlen.

    Herzliche Grüße
    Rosalita


    :study:
    Wenn das Schlachten vorbei ist - T.C. Boyle


    *Life is what happens to you while you are busy making other plans* (Henry Miller)

  • Alois Hotschnig – Ludwigs Zimmer


    Original : Deutsch, 2000


    INHALT :

    Von seinem Großonkel erbt Kurt Weber ein Haus an einem See in Kärnten und mit diesem Haus zugleich auch die Spuren der Vergangenheit, die sich darin eingeschrieben haben. Kurts Erkundungsgänge durch die Räume der alten Villa werden ihm zu einer Reise, die ihn nicht nur in die verdrängte Geschichte seiner Familie führt, sondern auch tief hinein in sich selbst.

    Alois Hotschnig erzählt in Ludwigs Zimmer ein Kammerspiel von ungeheurer Intensität, das sich als Familiendrama und Geschichtsroman ebenso lesen lässt wie als düster-schöne Schilderung einer Selbstfindung und Selbstzerstörung, ein Requiem für einen Ort, für eine Zeit, ein Requiem für das Leben. (Jürgen Deppe, NDR)

    (Quelle : amaz.)


    BEMERKUNGEN :

    Der Name Hotschnigs war mir schon öfter begegenet, und dann fand ich sehr günstig dieses Buch, griff zu. Erst später sah ich (erneut) die zurückhaltende Bewertung Rosalitas.


    Ja, es ist durchaus zutreffend, dass das Buch eher dunkel und pessimistisch ist. Doch… es ist sehr gut geschrieben, finde ich. Es beschreibt nicht nur die sehr abweisende und bewertende Aufnahme Karls vonseiten vieler Nachbarn und möglicher Gäste, sondern auch sein eigener Hang zur Abschottung, Einsamkeit. Das wird in immer noch neuen Spiralen und Beschreibungen dargestellt. Das hat etwas (Alb)Traumhaftes, oder – wie Rosalita sagte – etwas Verstörendes und Unbehagliches. Doch genau das kommt gut zur Geltung. Und wie in einer Tragödie meint man schon anfangs herauszulesen, dass dieses Buch nicht gut ausgehen kann…, oder doch ?


    Aber das Dunkle war – vielleicht gerade am Beginn dieser dunkleren Jahreszeit und der inneren Suche nach etwas Licht – etwas zu viel, und ich legte das Buch nach einem guten Drittel beiseite.


    AUTOR :

    Alois Hotschnig (* 3. Oktober 1959 in Berg/Drautal, Kärnten) ist ein österreichischer Schriftsteller. Hotschnig studierte Medizin (ohne Abschluss), Germanistik und Anglistik (ohne Abschluss) an der Universität Innsbruck. Seit 1989 lebt er als freier Schriftsteller in Innsbruck. Er ist Verfasser von erzählender Prosa, Gedichten, Theaterstücken und Hörspielen. Zahlreiche Preise, so den Anna-Seghers und den Italo-Svevo-Preis. Hotschnig ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung und der IG Autorinnen Autoren.

Anzeige