Dan Simmons - Göttin des Todes

  • Kurzbeschreibung von Amazon.de:
    Der Publizist Robert Luczak wird nach Kalkutta geschickt, um ein seltenes Manuskript zu erwerben. Unversehens gerät er dabei in einen Albtraum: Denn das geheimnisvolle Manuskript enthält Beschwörungsformeln, mit deren Hilfe Kali, die Göttin des Todes, auf die Erde zurückgeholt wird. Luczak muss mit ansehen, wie das Böse von unserer Welt Besitz ergreift …

    Über den Autor (dem Buch entnommen):

    Dan Simmons wurde 1948 in Illinois geboren. Er schrieb bereits als Kind Erzählungen, die er seinen Mitschülern vorlas. Nach einigen Jahren als Englischlehrer machte er sich 1987 als freier Schriftsteller selbstständig. Sein zuletzt erschienener Roman "Terror" über die legendäre Polarexpedition John Franklins stand monatelang auf den amerikanischen Bestsellerlisten. Simmons lebt und arbeitet in Colorado, am Rande der Rocky Mountains.


    Handlung:
    Robert Luczak ist Schriftsteller und Journalist und nimmt den Auftrag an, nach Kalkutta zu reisen um dort ein verschollenes Manuskript wiederzufinden. Dessen Urheber, ein Dichter namens Dash, wurde vor Jahren für tot erklärt. Nun verdichten sich aber Gerüchte, dass der Tod nur vorgetäuscht war und er wohlauf sein soll. Die Reise tritt Robert Luczak zusammen mit seiner indischen Frau Amrita und seiner kleinen Tochter Victoria an. Dort angekommen macht Luczak schnell Bekanntschaft mit der nicht gerade einladenden Atmosphäre Kalkuttas. Sein dortiger Kontakt, der mysteriöse Krishna, macht ihn bekannt mit dem jungen Studenten Jayaprakesh. Dieser erzählt ihm die Geschichte, als er und ein Freund die Aufnahme bei den Kapalika anstrebten, einer sektenartigen Gemeinschaft, die die Todesgöttin Kali anbeten und dies durch Opfer und Totenbeschwörung unterstreichen. Luczak gerät in den dunklen Sog Kalkuttas und hat die Gefahren für sich und seine Familie unterschätzt.


    Meine Meinung:
    "Göttin des Todes" konnte mich leider nur in ganz wenigen Momenten fesseln. Dabei ist der Schreibstil von Dan Simmons durchaus anspruchsvoll und daran kann ich wirklich nichts aussetzen. Sehr oft hat er mich in seiner Schreibweise an Clive Barker erinnert und die Hauptpersonen und der Ablauf der Geschichte hätten ohne weiteres von Ian McEwan stammen können, auch wenn natürlich dessen Klasse nicht ganz erreicht wird. Zu oft verliert sich der Autor in Details, so dass die Handlung an sich außen vor bleibt. Am Ende frage ich mich sogar: Was war nun eigentlich genau die Handlung des Buches und was wollte mir der Autor damit sagen? Im Grunde passiert sehr wenig bis gar nichts, vor allem in den ersten beiden Dritteln.


    Als Robert mit seiner Familie in Kalkutta eintrifft wird diese Stadt als stinkender, ekelhafter, böser und kaputter Moloch dargestellt, was sich auch wie ein roter Faden durch das ganze Buch zog. Die unheilvolle Atmosphäre Kalkuttas kam auch wirklich gut rüber, so dass sich bei mir als Leser dauerhaft ein gewisses Unwohlsein eingestellt hat. Ganz am Anfang wird sogar wohlwollend erwähnt, dass es besser wäre wenn diese Stadt mit Atombomben der Garaus gemacht werden würde. Und so abfällig wie in diesem Buch von den Menschen, der Religion und dem Brauchtum in Indien gesprochen wird, musste ich schon das ein oder andere Mal schlucken.


    Größtenteils war das Buch einfach langatmig. Die Beschreibungen und Gespräche über indische Geschichte, Literatur, Gesellschaft und Politik wurden ziemlich gelangweilt rübergebracht und ich wäre fast geneigt gewesen, diese zu überfliegen. Wie schon erwähnt passiert auch recht wenig, z.B. halten wir uns lange Zeit im Hotelzimmer auf oder befinden uns auf gähnend langweiligen Besuch bei einem Mitglied der indischen Literaturvereinigung. Am Spannendsten war noch die "Geschichte in der Geschichte", als der Student Jayaprakesh von seinen Kontakten zu den Anbetern der Göttin Kali erzählt. Die Beschreibungen der Rituale und Beschwörungen waren ziemlich gruselig und auch irgendwie ekelerregend, wenn auch relativ unblutig.


    Einen richtigen Showdown gibt es nicht, aber am Ende wird relativ knapp ein Zeitraum von einigen Jahren in mehreren Zeitsprüngen nach dem Kalkutta-Besuch beschrieben, was das Buch für mich noch leicht gerettet hat, da ich so etwas immer recht gerne mag. Der Klappentext, besonders der Satz "er muss mit ansehen, wie das Böse von der Welt Besitz ergreift" gaukelt einen apokalyptischen Roman vor, was gar nicht der Fall ist. Also Vorsicht!


    Fazit: Ein langatmiges Buch mit wenig Handlung und Spannung, das mich leicht ratlos und schulterzuckend zurücklässt.


    Knappe :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb: .

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    :study: 2020 gelesen: 27 :study: SUB: 306