Philip Jolowicz: Kartell des Schweigens

  • Philip Jolowicz: Kartell des Schweigens


    Inhalt:
    Fin Border, ein junger englischer Anwalt im New Yorker Büro einer britischen Anwaltskanzlei, hat sein Leben auf seine zukünftige Karriere ausgerichtet: praktisch kein gesellschaftliches Leben, noch weniger Freunde, nur die Arbeit. Und gerade derjenige, den er als seinen einzigen Freund betrachtet, ein äußerst erfolgreicher Investment-Banker bei einem der größten Kunden von Borders Anwaltskanzlei, stürzt sich vor Fins Augen mit einem eine Million Dollar teuren Auto in den Selbstmord, wobei er noch fünfzehn Unschuldige mit sich in den Tod zieht. Von einem Tag auf den nächsten verwandelt sich Fins Leben in eine ausweglose Hölle – sein Freund hatte das Auto für seinen Selbstmord mit gefälschten Dokumenten auf Fins Namen angemeldet und auch durch einen Kredit zu Lasten Fins finanziert. Die Familie seines toten Freundes, die Angehörigen der fünfzehn Unfallopfer, die gesamte Öffentlichkeit, nicht zuletzt die New Yorker Polizei, machen Fin für das Unglück verantwortlich. Gleichzeitig vertieft sich die geschäftliche Beziehung, die er zu Carol, einer Anwältin und Kollegin seines eben verstorbenen Freundes aus der Investmentbank, unterhalten hat, in eine Liebesbeziehung. Während Fins Anwaltskanzlei versucht, sich aufgrund der Implikation in die Tragödie seines Freundes soweit wie möglich von ihrem jungen Anwalt zu distanzieren, will Carol ihn unbedingt unterstützen. Sie schafft es, dass gerade Fin Border als Anwalt für einen größeren Geschäftsabschluss ihrer Investmentbank mit einem Broker in Bombay angefordert wird. Sie hat jedoch keine Ahnung, dass Fins Vater vor vielen Jahren in Bombay unter sehr tragischen Umständen ums Leben gekommen ist. Seine Anwaltskanzlei zwingt Fin jedoch, nach Bombay zu reisen, um zusammen mit Carol den Abschluss mit dem indischen Unternehmen vor Ort vorzubereiten. In Bombay stolpert Fin, getrieben von dem Ansporn, sein Können als Anwalt und seine Gewissenhaftigkeit unter Beweis zu stellen, bei seinen Überprüfungen der indischen Brokerfirma in ein gewaltiges Netz von Intrigen, Korruption und organisiertem Verbrechen hinein, das sich auch auf Vorstandsmitglieder in seiner Anwaltskanzlei sowie in Carols Investmentbank erstreckt. Auch der Tod seines Vaters scheint hierin verwickelt. Ein Rückzug für Fin ist jetzt unmöglich geworden, er muss herausfinden, was genau hier dahintersteckt, egal was das am Ende für ihn und sein Leben bedeutet…
    Über den Autor (aus dem Klappentext entnommen):
    Philip Jolowicz, geboren 1959, war fast zwei Jahrzehnte lang als Investment-Banker und Wirtschaftsjurist in London, New York und Hongkong tätig, unter anderem in der Abwicklung der Schulden von Drittweltländern. Zuletzt war er Leiter der Rechtsabteilung in der Londoner Zentrale von Merrill Lynch International – eine der führenden juristischen Positionen in der europäischen Finanzindustrie. Diese Stellung gab er auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.


    Ein Thriller mit 540 Seiten voller Spannung. Obwohl ich mir beim „Kartell des Schweigens“ eher eine etwas gemäßigte Gangart in Sachen Spannung erwartet hatte (schließlich kann man schon dem Klappentext entnehmen, dass es sich um Anwälte und Banker handelt – gähn), habe ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen können. Sicherlich ist dieser Thriller, wie die meisten anderen seiner Gattung, nicht als literarisch wertvoll zu bezeichnen, aber der Unterhaltungswert ist für mich hundertprozentig präsent. Meiner Meinung nach hilft beim Lesen die saubere Strukturierung der Handlung und die sehr einfach verständliche verbale Umsetzung der Teile des Geschehens, die sich um „Bänkerei“ und „Juristerei“ drehen. Auch der Teil der Handlung, der sich in Bombay abspielt, erscheint mir mit angemessener Feinfühligkeit und dem nötigen Respekt vor der indischen Kultur behandelt, nicht mit europäisch-polternder Besserwisserei, mit der man als Leser in einigen Büchern unglücklicherweise konfrontiert wird.
    Schwachstelle: Der Charakter der Anwältin Carol wirkt auf mich geflickschustert; dasselbe gilt für Konrad Karlstein, aber Philip Jolowicz beseitigt diese Figur nach kurzer Zeit wieder aus dem Plot, im Gegensatz zu Carol, die leider bis zum bitteren Ende durchhält. Bei der regelmäßigen wiederkehrenden Dosis von gepackter Action in der Handlung weiß ich nicht so recht, wie ich dazu stehen soll: für meinen persönlichen Geschmack ein bisschen zu dick aufgetragen; andererseits erkenne ich durchaus an, dass ein spannungsgeladener Thriller unter anderem auf solchen Szenen aufbaut.
    Und wenn man in Betracht zieht, dass der Autor selbst so lange als Investment-Banker und Wirtschaftsjurist tätig war, bleibt noch die abschießende Frage zu stellen: Inwieweit musste Philip Jolowicz seine Phantasie bemühen, um solch „schurkige“ Charaktere in seinem Thriller zu schaffen, oder inwieweit konnte er auf Erfahrungen aus seinem Arbeitsleben zurückgreifen?

    » Unexpected intrusions of beauty. This is what life is. «


    Saul Bellow, (1915-2005 ), U.S. author,
    in Herzog

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