Michael Heinen-Anders - Neue Gedichte - und Prosa

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  • Zitat

    Literarische Texte (Lyrik und Prosa) aus dem 50. Lebensjahr des Autors.


    Als mir dieses Buch vom Autoren zur Rezension angeboten wurde, habe ich mich nicht lange bitten lassen müssen. Schon seine „Kindergedichte“ fand ich sehr poetisch und liebevoll geschrieben.
    Das Cover dieses Werkes ist schlicht gehalten. Ein graues Portrait ziert das Cover des Buches. Darauf blickt der Autor verträumt und nachdenklich. Farbig hervorgehoben wird der Titel und der Name des Autors. Schlicht und ansprechend.


    Die Lyrik, welche Michael Heinen-Anders verfasst, ist ansprechend und regt den Leser zum Nachdenken an. Verschiedene, wichtige Themen werden aufgegriffen und in den unterschiedlichsten Gedichtformen präsentiert. Der Grundtenor liegt in der Gedankenwelt eines 50jährigen Autors. Deutlich ist erkennbar mit welchen Dingen sich der Autor auseinandersetzt. Die Gedichte bereiten beim Lesen sehr viel Freude. Allerdings wirkt die Aufmachung sehr schlicht. Keine Fotos oder Zeichnungen untermalten diese lyrischen Werke. Im Grunde kommt es auf die Gedichte drauf an. Trotzdem finde ich es bei Lyrik sehr schön, wenn das Auge mit angesprochen wird. Der Vorteil dieses Aufbaus ist, dass die Leser sich voll in den Text vertiefen können und nicht von Schnörkeln abgelenkt werden. Hier muss aber jeder Leser selbst entscheiden, ob ihm dieser Aufmachung gefällt. Dadurch das die Gedichte links oben in der Ecke beginnen und nur bis zur Mitte der Seite verlaufen, wirkt die rechte Buchseite stets leer.


    Neben den schönen Gedichten beinhaltet dieses Band noch vier Geschichten. Die Geschichten sind sehr ernst gehalten. Sie regen zum Nachdenken an und konnten mich als Leser sogar teilweise sehr traurig stimmen. Da geht es zum Beispiel um ein türkisches Mädchen, welches in einen Deutschen verliebt ist, aber deren Liebe keine Chance hat, weil sie standesgemäß einen Türken heiraten soll. Dann geht es um einen Spanier der sein Geld für später hortet und am Ende leer ausgeht. Oder die traurige Geschichte zum Ende des zweiten Weltkrieges, als ein Burgherr erschossen wird, weil er den Rettern nicht antwortet, um seinen Besitz vor den Flammen zu retten. Realistisch und traurig wirken die Geschichten auf den ersten Blick. Im Grunde sind es Schicksale, die ans Herz gehen. Es sind Themen, die in dieser Form sicherlich selten aufgegriffen und eher verschwiegen werden. Auf der anderen Seite sind diese Geschichten voll Vorurteile. Viele türkische Familien auch in der dritten Generation mögen noch so denken und handeln. Es gibt aber auch viele moderne Familien, denen diese Kultur egal ist. Genauso mag es Alliierte gegeben habe, die geschossen hätten. Andere hätten bei diesem Anblick einfach nur verstanden und versucht zu helfen. Einige Leser könnten sich von solchen Geschichten also provoziert fühlen. Ich habe jedoch aus jeder Zeile herauslesen, dass sich der Autor genau mit diesen wichtigen Themen auseinandergesetzt hat und seine Meinung damit vertritt.


    Empfehlen kann ich das Buch jedem, der sich mit moderner Lyrik und interessanten Prosa-Texten befassen möchte. Allerdings sollte der provokative, nachdenklich Ansatz und die schlichte Aufmachung berücksichtigt werden. Dies ist sicherlich nichts für die Mehrheit der Lyrik-Leser.

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