Doris Lessing - Afrikanische Tragödie

  • Buchdetails

    Titel: Afrikanische Tragödie


    Verlag: FISCHER Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 256

    ISBN: 9783596257478

    Termin: Dezember 1982

  • Bewertung

    4.7 von 5 Sternen bei 7 Bewertungen

    94,3% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Afrikanische Tragödie"

    Nobelpreis für Literatur 2007 »Afrikanische Tragödie« ist Doris Lessings erster Roman. Die britische Kolonie Rhodesien (heutiges Simbabwe) in Südafrika, wo sie aufwuchs, ist Schauplatz des Buches. Erzählt wird die Geschichte der Farmersfrau Mary. Mary ist in ärmlichen Verhältnissen auf dem Land groß geworden. Kaum erwachsen, zieht sie in die Stadt. Um nicht als alte Jungfer zu enden, lässt sie sich auf eine Heirat mit dem Farmer Richard Turner ein und zieht zu ihm auf seine Farm. Bald merkt sie, dass ihr Mann und sie sich nichts zu sagen haben und dass sie mit der Farm kurz vor dem finanziellen Ruin stehen. Dann wird der enigmatische schwarze Farmarbeiter Moses als Diener ins Haus geholt… Die eindringliche Schilderung des schwierigen Verhältnisses zwischen Schwarzen und Weißen, Erfahrungen mit Kolonialherrschaft und Rassismus, bilden den Hintergrund für die mit feinem psychologischen Gespür erzählte Geschichte einer unglücklichen Ehe.
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  • Die weiße Farmersfrau Mary Turner wird von ihrem schwarzen Hausdiener Moses ermordet. Der Täter versucht nicht einmal zu flüchten und wartet geduldig auf die Polizei. Erst im Rückblick wird die ganze Tragik der Geschichte, die in den 1930iger und 1940iger Jahren in Rhodesien spielt, sichtbar. Mary, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, bekommt als Sekretärin eine gute Anstellung, hat viele Freunde und führt ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben. Mit etwa 30 Jahren glaubt sie, verunsichert durch die Bemerkungen einiger ihrer Freundinnen, unbedingt heiraten zu müssen und nimmt den erstbesten Interessenten, den Farmer Dick Turner, zum Ehemann. Doch folgt die Ernüchterung auf dem Fuße. Dick lebt in äußerst tristen häuslichen Verhältnissen, sein Land wirft kaum das Nötigste zum Leben ab, obwohl er fast Tag und Nacht arbeitet. Er experimentiert ständig mit verschiedenen unausgereiften Projekten und träumt vom großen Erfolg. Mary hat dagegen keine rechte Beschäftigung und kann vor allem mit ihren schwarzen Hausdienern nicht umgehen. Ihre eigene Unzufriedenheit läßt sie nörglerisch und ungerecht gegen die Eingeborenen werden, die ihr aus tiefstem Herzen zuwider sind. Mary leidet aber auch unter der unerträglichen Hitze im schlecht gebauten Wohnhaus, vor allem aber unter Dicks Unfähigkeit die Farm gewinnbringend zu führen. Während einer Erkrankung ihres Mannes wird Mary das ganze Ausmaß seiner Mißwirtschaft schlagartig bewußt. Ab diesem Zeitpunkt gibt sie jede Hoffnung auf Besserung ihrer Lage auf. Sie verfällt in eine schwere Depression und das Verhängnis nimmt seinen Lauf ...


    Mit ihrem 1950 erschienen Roman ist Doris Lessing meiner Meinung nach ein großer Wurf gelungen, der auch für den heutigen Leser nichts von seiner Faszination verloren hat. Mit unglaublichem psychologischem Einfühlungsvermögen beschreibt die Autorin den psychischen und physischen Verfall einer Frau, die ihr unabhängiges Leben aufgibt, um den gesellschaftlichen Konventionen Genüge zu leisten. Dass der Auserwählte nicht der starke Mann an ihrer Seite ist, den sie sich eigentlich gewünscht hat, bemerkt Mary erst, als es längst zu spät ist. Anfangs versucht sie zwar noch, wenigstens ihr häusliches Umfeld nach ihren Wünschen zu gestalten, doch je mehr Zeit verstreicht, desto weniger bringt Mary die Kraft auf, etwas an ihrer hoffnungslosen Lage zu ändern. Auch sprachlich paßt sich Doris Lessing perfekt der Tragik der von ihr erzählten Geschichte an. Als Leser spürt man aus jedem Satz die jeweilige Stimmung und Seelenlage der Protagonisten, Marys Verdrossenheit, resultierend aus Langeweile und Einsamkeit, Dicks Hilflosigkeit als Farmer und Geschäftsmann oder den Unwillen und die gleichzeitige Unterwürfigkeit der Eingeborenen. Das Verhältnis Marys zu ihrem Hausdiener Moses ist nicht ganz einfach zu durchschauen. Sie behandelt ihn genauso schlecht und herablassend wie alle anderen. Einerseits hat sie Angst vor ihm, andererseits fühlt sie sich aber unbewußt auch von seiner starken männlichen Ausstrahlung angezogen. Moses Verhalten hingegen ist als sehr geduldig, fast liebevoll zu beschreiben. Erst als er fühlt, dass sie sich vor ihm fürchtet, wird er dreister. Ein lange zurückliegender Peitschenhieb ist für mich allerdings als Auslöser für den Mord undenkbar. Vielmehr glaube ich, dass sich Moses als Marys Beschützer sieht. In einem jungen Mann, der die Farm während einer längeren Abwesenheit des Ehepaares verwalten soll, vermutet Moses wohl einen Konkurrenten und diese Tatsache läßt ihn vermutlich zum Mörder werden.

  • Vielen Dank für die schöne Rezi!
    Ich habe von Doris Lessing Mara und Dann gelesen und auch den Folgeband, das erste Buch war ein 700 Seiten Wälzer, aber es las sich aufgrund seiner Spannung ratz fatz weg. Ich habe auch noch mehrere Bücher von ihr zu stehen und werde das hier dann wohl auch anschaffen... ist ja mal etwas kürzer, wie ich gesehen habe...

    Du solltest die Sorte Frau sein, wo - wenn sie morgens aufsteht und einer ihrer Füße den Boden berührt - der Teufel sagt: "Scheiße, sie ist wach!"
    :study: Dieses Jahr rockt das Regal!

  • Karthause und Kaengeruine! Ich wäre wirklich sehr gespannt auf Eure Eindrücke, weil mich dieses Buch auch nach der Beendigung noch nicht losgelassen hat und es aller Voraussicht nach auch nicht so bald tun wird. Vor allem das Verhältnis zwischen Moses und Mary läßt sehr viele verschiedene Interpretationsmöglichkeiten zu, und mich würde natürlich die Meinung anderer Leser dazu interessieren.


    Außerdem muss ich noch erwähnen, dass es kein Roman jemals zuvor geschafft hat, in diesem Ausmaß auf meine Stimmung abzufärben. Es geht eine eigenartige Faszination von diesem Buch aus, wenn auch nicht immer im positiven Sinne und auf den letzten Seiten, das sei noch verraten, empfand ich die Anspannung fast schon als unerträglich. Für mich ist diese Einflußnahme auf die Gefühlswelt des Lesers jedenfalls ein Zeichen der Genialität dieser Autorin und ihr "Goldenes Notizbuch" kommt demnächst auf meine Wunschliste.