Originaltitel: The Calling
aus dem Amerikanischen übersetzt von Fred Kinzel
412 Seiten in 26 chronologischen Kapiteln vom 12. November bis 1. Januar
Inhalt (Klappentext - gekürzt):
Detective Inspector Hazel Micallef hat ihr ganzes Leben in der kleinen Stadt Port Dundas, Ontario, verbracht. Die 61jährige sieht mit Bangen ihrer bald bevorstehenden Pensionierung entgegen, denn nichts lenkt sie so sehr von ihren Rückenschmerzen und ihrer Scheidung ab wie ihre Arbeit - und wie die spöttischen Bemerkungen ihrer über 80 Jahre alten Mutter. Als eine schwer kranke Frau in Port Dundas ermordet wird, haben Hazel und ihr notorisch unterbesetztes und überarbeitetes Team plötzlich einen ungewöhnlichen Fall zu bearbeiten. Entsetzt entdecken sie ein todkrankes und doch ermordetes Opfer nach dem anderen - die Körper ausgeblutet, die Münder zu einem stillen Schrei verzogen. Zäh, listig und unnachgiebig startet Hazel eine Mörderjagd quer durch Kanada auf den blutigen Spuren eines Mannes, der das Leben ebenso schenkt wie er es raubt. Ein beinah unsichtbarer Killer, der die perfekten Morde plant - und dessen unstillbare Sucht zu töten einem Gebet gleicht.
Hazel ist Leiterin eines Kleinstadtreviers und normalerweise mit Einbrüchen, Schlägereien und Autodiebstahl geplagt. Eigentlich gehört Mord nicht zu ihrem Einsatzgebiet, aber ehe sich die übergeordneten Stellen einig sind, ob der Tod der kranken Frau Mord oder Selbstmord ist, hat sie schon ähnliche Todesfälle in ganz Kanada ausgemacht.
Der Täter inszeniert die Morde, die Leichen und das Ambiente seiner Taten. Doch ehe Hazel sein Muster entdeckt, schlägt er weiter zu. Immer einen Todkranken, und immer lässt er die Körper ausbluten.
Der Krimi wird aus der Perspektive eines unbeteiligten Beobachters erzählt, der sowohl die Ermittler begleitet als auch den Mörder. Dass man seinen Namen kennt, tut der Spannung keinen Abbruch. Die Fragen: Warum? und: Schafft er es, seinen Plan bis zum Ende durchzuführen? stehen im Mittelpunkt.
Hazel schickt ihre Leute quer durchs Land auf Spurensuche. Mal eben 3 Stunden zu einer Zeugenaussage fahren: Kein Problem; mal kurz einen Flug chartern, um jemanden zu beschatten: Selbstverständlich. Man bekommt eine ungefähre Vorstellung von der Weite und Größe des Landes; dennoch hätte ich passagenweise besser durchgeblickt, wenn mir die genaue Georgraphie Kanadas vertrauter wäre.
Was ich mich hier wie schon bei anderen Krimis gefragt habe: Warum wird so oft ein religiöses Hintergrundmotiv für Serienmorde verwendet, in diesem Buch eins, das nichts weiter als Kokolores ist? Die zweite Triebfeder für den Mörder ist eher in der Psychologie zuhause und hätte eigentlich gereicht. (Dann hätten die Taten aber nicht so blutig sein müssen.)
Bis zum letzten Drittel ist das Buch ein spannend zu lesender, gut aufgebauter Krimis, dann flacht er stark ab: Wenn eine Figur immer nach einem bestimmten Muster vorgeht und plötzlich Methode oder Intention ändert, steckt meistens die Absicht des Autors dahinter, seinem Buch eine andere Richtung - meist in die Länge - zu geben. Leider auch in diesem Fall, so dass ein Buch, das als Krimi einer anderen Art begann, zu guter Letzt doch noch stereotyp wird.


