Yan Lianke: Dem Volke dienen

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  • Das Buch


    Zur Zeit der Kulturrevolution unter Mao Zedong wird der brave Soldat Wu Dawang als Haushalthilfe in das Heim seines Divisionskommandeurs abberufen. Als Vorbereitung unterzieht man ihn einer gründlichen Gehirnwäsche, und so folgt er dann auch diensteifrig den eingetrichterten Anweisungen. Während einer längeren Abwesenheit des Kommandeurs macht sich nun dessen hübsche Frau Liu Lian an den ahnungslosen Wu heran. "Zieh dich aus, um dem Volke zu dienen", befiehlt sie ihm, und er gehorcht! Eine amour fou entfacht zwischen den beiden, vergessen sind Volk und Partei. Erst als im Schlafzimmer eine Skulptur des Grossen Vorsitzenden zerbricht, scheint ihr lustvolles Treiben jäh beendet - auf solch einen konterrevolutionären Akt steht die Todesstrafe. Wer aber denkt, hier ist Schluss, der irrt und kennt weder die Phantasie der Lust noch die erotische Ausstrahlung einer kaputten Mao-Ikone.
    Yan Liankes wilder, verrückter und anrührender Roman über die Freiheit der Liebe und die Liebe zur Freiheit wurde wegen sexueller Zügellosigkeit und Beleidigung Mao Zedongs in China offiziell mit einem Veröffentlichungsverbot versehen, nachdem eine Zeitschrift einen Auszug vorab gedruckt hatte. Dem Volke dienen gilt seither weltweit als Kultroman.


    Beim lesen konnte ich den Osmanthus riechen! Eine unglaublich witzige und sprühende Liebesgeschichte!

  • Danke das du das Buch hier vorgestellt hast.
    Ich hab vorher noch nie von diesem Buch gehört, aber jetzt kommt es sofort auf meine Wunschliste.
    :thumright:

    Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war
    -Bertholt Brecht-


    Gelesene Bücher 2012:2
    Gelesene Seiten: 798
    SUB-Stand: 328
    :pale:
    :study:
    Birgit Fiolka - Blutschwestern. Die Legende von Engil
    :study: Nina Blazon - Zweilicht

  • Kein Schelmen-, eher ein schelmischer Roman.


    Yan Lianke lässt hier seinen "Helden" Wu Dawang, einfacher Soldat auf einem uninteressanten Militärstützpunkt, so unpolitisch-unbedarft wie ein Spiegelbild des chinesischen Otto-Normalverbrauchers daherkommen, den die Geschichte mit- und fortspült, ohne viel eigenes Zutun, ohne Drang, sich darin hervorzutun. Er hat schon was vom Schweijk, der Wu Dawang, weil man nicht recht sicher sein kann, ob er tatsächlich so bläuäigig naiv ist, oder gegängelt von endlosen Parolen und "politischer Erziehung" sich zwar so seine Gedanken macht, aber besser einfach nur den Kopf unten hält. Nicht unten halten kann er aber sein Geschlechtsteil, was heiter zu lesen und natürlich politisch und gesellschaftlich völlig unkorrekt ist. Nennen wir es mal "Wehrkraftzersetzung" - und damit eckt man natürlich heftig in China an. Aber sicher nicht nur dort... O:-)


    *** zai jian ***

    Es gibt keine grössere Einsamkeit als die des Samurai. Es sei denn die des Tigers im Dschungel

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