Sabine Weiß: Die Buchdruckerin

  • Buchdetails

    Titel: Die Buchdruckerin


    Verlag: List Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 512

    ISBN: 9783548610764

    Termin: Dezember 2011

  • Bewertung

    4.2 von 5 Sternen bei 11 Bewertungen

    83,6% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Die Buchdruckerin"

    Straßburg um 1520. Margarethe Prüß hat gegen den Willen der Zunft eine Druckerei geerbt. Als die Reformation die Stadt erreicht, heiratet sie den ehemaligen Mönche Johannes. Doch ihr Mann sieht den Platz einer Frau im Haus. Allen Widerständen zum Trotz kämpft Margarethe für ihr großes Ziel: Jeder soll Bücher lesen dürfen.
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  • Kurzbeschreibung bei amazon


    Straßburg um 1520. Margarethe Prüß hat gegen den Willen der Zunft eine
    Druckerei geerbt. Als die Reformation die Stadt erreicht, heiratet sie
    den ehemaligen Mönch Johannes. Doch ihr Mann sieht den Platz einer Frau
    im Haus. Allen Widerständen zum Trotz kämpft Margarethe für ihr großes
    Ziel: Jeder soll Bücher lesen dürfen.




    Autoreninfo (Klappentext)


    Sabine Weiß studierte in Hamburg Geschichte. Heute lebt sie mit ihrer Familie in der Nordheide. Ihre beiden Romane über Madame Tussaud waren große Erfolge.



    Eigene Beurteilung


    Die Kurzbeschreibung bei amazon ist äußerst dürftig und wird dem Roman in keiner Weise gerecht. Die Handlung erstreckt sich über die Jahre 1510 bis 1542 und erzählt, literarisch ausgeschmückt, aus dem Leben der Margarethe Prüß, die zu Beginn des 16.Jahrhunderts als Tochter des Buchdruckers Johannes Prüß d.Ä. in Straßburg aufwächst.
    Die "Schwarze Kunst" ist erst ca ein halbes Jahrhundert alt, hat sich aber bereits weit verbreitet. Margarethe ist von klein auf mit den Arbeitsprozessen in der väterlichen Druckerei vertraut und hilft gern mit. Beim Tod ihres Vaters erben sie und ihr leichtsiniger und arbeitsscheuer Bruder die Druckerei zu gleichen Teilen, wobei es allerdings ständig Querelen gibt, da die Zunft eine Frau als selbstständige Druckerin nicht akzeptieren will. Die Heirat mit dem Altgesellen ihres Vaters erlaubt ihr, weiterhin in der Druckerei tätig zu sein. Die Ehe ist glücklich und bringt fünf Kinder hervor, leider gerät Margarethe durch den Tod ihres Mannes in die gleiche Zwangslage wie ein Jahrzehnt zuvor: sie muss wiederum einen Drucker heiraten, um die Druckerei für ihre Söhne erhalten zu können. Bei ihrer zweiten Ehe hat sie weniger Glück. Sie heiratet einen entlaufenen Mönch, der sich als fanatischer Reformator entpuppt und sehr traditionelle Ansichten über die Rolle einer protestantischen Ehefrau hat. Schwere häusliche Konflikte sind vorprogrammiert. In einer dritten Ehe findet Margarethe dann noch einmal persönliche und berufliche Erfüllung...
    Dieser Roman ist jedoch weder eine Liebesgeschichte noch ein seichter "Die ...in"-Roman, sondern ein gut recherchierter, faktengetreuer Roman über den Buchdruck und seine Gefahren in den Zeiten der Reformation. Die noch junge Erfindung des Buchdrucks ermöglicht es, neue Ideen in kurzer Zeit einer großen Anzahl von Menschen zugänglich zu machen. Zunächst ist es Martin Luther, dessen bahnbrechendes Gedankengut auf diesem Weg verbreitet wird, doch schon nach kurzer Zeit entwickeln andere Geistliche eigene reformatorische Ideen , wobei erbittert um diverse religiöse Fragen gerungen wird: Ist Christus beim Abendmahl physisch anwesend oder wird nur seiner gedacht? Ist die Taufe im Kindesalter sinnvoll oder sollte nur ein erwachsener Mensch sich aktiv für das Christentum entscheiden können ? Für zusätzlichen Sprengstoff sorgt die Bewegung der Wiedertäufer , die sich im zunächst ziemlich liberalen Straßburg verbreitet, jedoch schnell bekämpft wird.
    Die Vertreter aller dieser Strömungen wenden sich an die Druckerei Prüß, um ihre Schriften auf den Markt bringen zu lassen und auch überregional zur Kenntnis zu bringen. Schon im 16.Jahrhundert werden alljährlich Bücher nach Frankfurt zur Messe verschifft. Religiöse Schriften, die nicht von der Zensurbehörde zugelassen sind, werden anonym gedruckt. Auch die Druckerei Prüß bringt solche Schriften heraus. Wenn die Büttel bei Durchsuchungen verdächtiges Material finden, werden die "schuldigen" Drucker eingekerkert und es bedarf schon besonderer Fürsprache durch einflussreiche Vertreter der Zunft, eine Freilassung zu erwirken.
    Die Darstellung der Entwicklung der reformatorischen Bewegungen in Straßburg liest sich wie ein Who is who der Reformation, der Leser begegnet u.a. Reformatoren wie Martin Bucer und Matthäus Zell, dem Vertreter des mystischen Spiritualismus Sebastian Franck und dem Wiedertäufer Melchior Hoffman. Hier hätte ich mir neben dem informativen Nachwort der Autorin ein Personenverzeichnis der Reformatoren gewünscht, da es nicht immer einfach ist, die jeweiligen religiösen Strömungen und ihre Vertreter im Überblick zu behalten.
    Von diesem Kritikpunkt abgesehen, möchte ich "Die Buchdruckerin" allen Lesern mit Interesse an religionsgeschichtlichen Fragestellungen und mit genügend Muße, sich für die Lektüre Zeit zu nehmen, empfehlen. Neben der religiösen Komponente ist das Buch auch wegen seiner faszinierenden Darstellung der Arbeitsabläufe in einer frühneuzeitlichen Druckerei lesenswert.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

    2 Mal editiert, zuletzt von €nigma ()

  • Ich habe "Die Buchdruckerin" gerade beendet.

    Dieser Roman ist jedoch weder eine Liebesgeschichte noch ein seichter "Die ...in"-Roman, sondern ein gut recherchierter, faktengetreuer Roman über den Buchdruck und seine Gefahren in den Zeiten der Reformation.

    Das trifft es ganz genau. :thumright: Ausnahmsweise steht die Protagonistin wenigstens auch in ihrer Eigenschaft als Druckerin im Mittelpunkt, und das hat mir sehr gut gefallen. Es war total interessant, etwas über den Buchdruck zu erfahren, und die Autorin hat es geschafft, wirklich viele Fakten interessant in den Roman zu integrieren, sodass man sich wirklich ein Bild davon machen konnte, wie das Druckwesen damals war. Mir persönlich gefällt es auch sehr gut, dass es Margarethe Prüß auch tatsächlich gab und dass die Autorin all das, was sie über diese Frau herausfinden konnte, auch in dem Roman verarbeitet hat. :thumright:

    Die Darstellung der Entwicklung der reformatorischen Bewegungen in Straßburg liest sich wie ein Who is who der Reformation, der Leser begegnet u.a. Reformatoren wie Martin Bucer und Matthäus Zell, dem Vertreter des mystischen Spiritualismus Sebastian Franck und dem Wiedertäufer Melchior Hoffman. Hier hätte ich mir neben dem informativen Nachwort der Autorin ein Personenverzeichnis der Reformatoren gewünscht, da es nicht immer einfach ist, die jeweiligen religiösen Strömungen und ihre Vertreter im Überblick zu behalten.

    Zum Glück hatte ich deine Rezension schon vorher gelesen und wusste deswegen, dass mir viele historische Persönlichkeiten begegnen würden. Sonst hätte ich das bei manch einem nicht unbedingt erwartet. Gerade deswegen hätte ich auch ein Personenregister nicht schlecht gefunden.
    Mir hat das Buch insgesamt auch wirklich sehr gut gefallen und die anderen Romane von Sabine Weiß werden auf meine Wunschliste wandern. :thumright:
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Als absolute Leseratte habe ich mich gerade über diesen Roman ganz besonders gefreut. Ein Buch über Bücher ist dann natürlich ein absolutes "must have". Schon das Cover ist optisch hübsch gestaltet. Eine junge Frau, die am Tisch sitzt und in einem Buch liest. Vor ihr liegen noch ein paar Bücher und man kann ein Tintenfass und ein Geldsäckchen erkennen. Im Hintergrund sieht man die Kathedrale einer Stadt. Bezogen auf die Geschichte passt das Cover schon recht gut. Auf der Innenseite der Buchdeckel befinden sich zwei wunderschöne gezeichnete Karten von Straßburg in Farbe. Der Roman besteht aus 18 Kapiteln, die sich zusammen mit dem Epilog auf 508 Seiten verteilen. Es sind also recht lange Kapitel. Das Buch beginnt im Jahre 1510 und endet im Jahre 1542.


    Durch diese Zeit hinweg begleitet der Leser die Protagonistin Margarethe Prüß. Diese erbt zusammen mit ihrem Bruder nach dem Tod ihres Vaters die Druckerei. Zu der damaligen Zeit war es für eine Frau natürlich noch unmöglich, alleine einen Beruf auszuüben. Um das Erbe nicht zu gefährden, muss sie also heiraten. Da Margarethe mit einer eigenen Druckerei eine gute Partie ist, gibt es natürlich einige heiratswillige Kadidaten in der Zunft. Als Margarethe sich für Reinhard Beck, den Gesellen ihres Vaters, den sie schon länger liebt, entscheidet, macht sie sich einige Feinde.


    Das Glück ist jedoch nicht von langer Dauer. Als sie ihren Mann verliert, muss Margarethe erneut heiraten, um die Druckerei halten zu können und ihre fünf Kinder zu ernähren. Doch sie gerät an einen Mann, der der festen Überzeugung ist, dass eine Frau an den Herd gehört und nicht in die Druckerei. Für die selbständige Margarethe eine Rolle, in die sie sich gar nicht einfügen kann. Der Ärger ist vorprogrammiert, zumal ihr Mann ein überzeugter Reformator ist. Obwohl für Margarethe durch die letzte komplizierte Entbindung Lebensgefahr besteht, geht aus dieser Ehe auch noch ein Kind hervor. Kurz darauf kommt ihr Ehemann bei einem Brand ums Leben.


    Mit ihrem dritten Ehemann bekommt Margarethe endlich die Unterstützung, die sie braucht und sie blüht auf. Doch die Zeiten sind schlecht, denn selbst Drucke, die durch die Zensur gekommen sind, können am nächsten Tag schon verboten sein und bei Beschlagnahme droht der Aufenthalt im Kerker ...


    Sabine Weiss hat einen flüssigen und lebhaften Schreibstil, so dass ich ständig mitgefiebert habe. Das Leben der Frauen war damals schon nicht leicht. Aber in der Zunft der Drucker war es alleine schon riskant durch das, was gedruckt wurde. Gerade zu Zeiten der Reformation. Neben der fiktiven Geschichte gibt es auch reale Personen, die zu der Zeit gelebt und gewirkt haben. Die Autorin hat sehr gut recherchiert und das betrifft vor allen Dingen das Drucken von Büchern. Der Leser erfährt sehr viel über die damaligen Techniken.


    Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, das Leben der Margarethe Prüß zu begleiten. Durch die Vielzahl der Figuren, die in dem Roman auftauchen hätte ich mir allerdings ein Personenverzeichnis gewünscht. Gerade bei den Reformatoren bin ich manches Mal ins Straucheln geraten. Trotzdem bekommt "Die Buchdruckerin" von mir die volle Punkzahl. Die lebendige Erzählweise und die Ausarbeitung der einzelnen Figuren sind beispielhaft und haben mich überzeugt.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    "Wirklich reich ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann!"


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  • Vielen Dank für die sehr ausführlichen und detaillierten Rezensionen.
    Das Buch klingt - sowohl von der Handlung als auch von den Hintergründen her - sehr interessant und landet jetzt auf meiner Wunschliste.

    „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.”
    Heinrich Heine
    "Nichts ist unmöglich, allein unserem beschränkten Geist erscheinen manche Dinge unbegreiflich."
    Marc Levy


    :study: in 2015: 18 Bücher, 6868 Seiten
    :study: in 2014: 2 Bücher, 771 Seiten 8-[
    :study: in 2013: 13 Bücher, 5079 Seiten
    :study: in 2012: 39 Bücher, 14318 Seiten
    :study: in 2011: 25 Bücher, 9255 Seiten

  • Straßburg um 1520


    Margarethe Prüß ist die Tochter eines angesehenen Buchdruckers. Die Druckerei der Familie ist der Ort, an dem sie sich am liebsten aufhält. Von Kindesbeinen an hat sie dem Vater bei seiner Arbeit über die Schulter gesehen und versteht deshalb viel vom Buchdruck. Da sie ausserdem lesen und schreiben kann, darf sie die Bücher Korrektur lesen, beim Verkauf der gedruckten Werke helfen und dem Vater auch sonst zur Hand gehen. Margarethes Bruder Hans dagegen lässt sich in der Druckerei nur selten sehen und verbringt seine Tage lieber mit Freunden im Wirtshaus.


    Als der Vater überraschend stirbt, gibt Hans das Geld mit vollen Händen aus und vernachlässigt die Druckerei. Doch in seinem Testament hat der Vater die Hälfte der Druckerei Magarethe übertragen. Ein erbitterter Streit um das Familienerbe entbrennt. Da es nicht üblich ist, dass Frauen eine Druckerei führen, erteilt die Handwerkszunft Magarethe Auflagen um ihr Erbe anzutreten. Sie muss innerhalb einer bestimmten Frist einen Drucker heiraten, der die Geschäfte für sie übernimmt. Doch das Glück scheint auf Magarethes Seite zu stehen, denn schon bald findet sie einen geeigneten Partner, dem ebenfalls sehr viel an der Druckerei und der jungen Buchdruckerin liegt. Das Schicksal lässt Margarethe allerdings nicht zur Ruhe kommen, denn es hält noch einige Wendungen bereit. Die Reformation belebt das Handwerk des Buchdrucks, da viele Schriften unter das Volk gebracht werden müssen. Doch auf die Drucker lauern dabei einige Gefahren, denn selbst Schriften, die an einem Tag durch die Zensur freigegeben werden, können am nächsten Tag als ketzerisch gelten und den Drucker in den Kerker bringen.


    Meine Meinung


    Im Nachwort erfährt man, dass die Buchdruckerin Margarethe Prüß tatsächlich im damaligen Straßburg gelebt hat und im Bürgerbuch der Stadt erwähnt wird. Die Hauptprotagonistin zählt zu den wichtigsten Druckern der Wiedertäufer in Straßburg. Es handelt sich um eine Romanerzählung bei der zwar einiges erfunden ist, die sich allerdings trotzdem so genau wie möglich an den historischen Begebenheiten und Fakten orientiert. Detailliert und gut recherchiert beschreibt Sabine Weiss den Alltag und die Arbeitsbedingungen in der Druckerei. Man erfährt ausserdem etwas über die Handwerkszünfte, ihre Regeln und den Einfluss den die Zünfte ausüben konnten. Es gelingt der Autorin das historische Straßburg so zu beschreiben, dass man sich das emsige Treiben in den Gassen oder vor dem Münster lebhaft vorstellen kann. Die Beschreibungen sind detailliert, aber keinesfalls langatmig. Im Gegenteil, sie lassen die Handlung glaubwürdig und lebendig wirken.


    Der Schreibstil ist flüssig und angenehm lesbar. Man kann mühelos in die Handlung eintauchen und ihr problemlos folgen. Selbst die Beschreibungen der damalig angewendeten Drucktechniken und auch die eher trockenen Fakten der Reformation sind gut recherchiert und als Teil der Handlung ansprechend und interessant geschildert. Die Hauptprotagonistin Margarethe wirkt, im Gegensatz zu anderen weiblichen Protagonistinnen im historischen Genre, authentisch. Obwohl sie die Buchdruckerei erbt, kann sie das Handwerk nicht ohne Mann ausüben und muss sich an die Auflagen der Zunft halten. Margarethe ist keine typische Heldin, denn sie hat durchaus ihre kleinen Schwächen, aber gerade diese lassen sie sympathisch und glaubhaft wirken.


    Auch in diesem Roman darf natürlich die Liebe nicht fehlen. In dieser Hinsicht hält das Schicksal einige Überraschungen für Margarethe bereit. Dennoch hält sich die Liebesanteil wohltuend zurück und lässt dem historischen Bereich genug Raum. Das Buch erzählt die Geschichte eines außergewöhnlichen Frauenschicksals und wirkt dabei nicht überladen und klischeehaft, sondern glaubwürdig.


    Mein Fazit


    Insgesamt gesehen hat mir dieser historische Roman sehr gut gefallen. Besonders interessant fand ich, dass die Hauptprotagonistin Margarethe Prüß tatsächlich als Buchdruckerin in Straßburg gelebt hat und man erfährt, wie aufwendig Bücher zur damaligen Zeit hergestellt wurden und welche Risiken die Drucker dabei manchmal eingingen. "Die Buchdruckerin" ist ein gut recherchierter und lebendig erzählter historischer Roman, den ich gerne weiterempfehle.



    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • „Die Buchdruckerin“ von Sabine Weiß hat mich wider Erwarten, positiv überrascht. Obwohl man es aufgrund des Klappentextes nicht vermutet, handelt es sich um einen anspruchsvollen und sehr gut recherchierten historischen Roman über die Kunst des Buchdrucks zu Zeiten der Reformation in Deutschland. Die Handlung beschränkt sich auch nicht nur auf das Jahr 1520, sondern erstreckt sich über mehrere Jahre, genauer gesagt von 1510 bis 1542.


    Zum Inhalt selbst brauche ich eigentlich nichts mehr erwähnen, weil dieser von meinen Vorschreiber/innen schon perfekt wiedergegeben wurde. Auch zu meiner eigenen Meinung über das Buch muss ich nicht mehr allzu viele Worte verlieren, da ich mich zu hundert Prozent den obigen Beurteilungen anschließen kann.


    Religiöse Schriften, die nicht von der Zensurbehörde zugelassen sind, werden anonym gedruckt. Auch die Druckerei Prüß bringt solche Schriften heraus.

    Hier möchte ich kurz anmerken, dass Margarethe dieses Risiko in erster Linie nicht wegem dem Verdienst eingeht (mehr als einmal nagen sie und ihre Familie am Hungertuch), sondern weil sie den Menschen mit ihren Werken die Möglichkeit geben will, sich selbst Gedanken über religiöse Fragen machen zu können, statt blind das auszuleben, was die katholische Kirche in Rom ihren Gläubigen vorzuschreiben versucht, was ich von der Druckerin sehr bemerkenswert finde.


    Die Darstellung der Entwicklung der reformatorischen Bewegungen in Straßburg liest sich wie ein Who is who der Reformation, der Leser begegnet u.a. Reformatoren wie Martin Bucer und Matthäus Zell, dem Vertreter des mystischen Spiritualismus Sebastian Franck und dem Wiedertäufer Melchior Hoffman. Hier hätte ich mir neben dem informativen Nachwort der Autorin ein Personenverzeichnis der Reformatoren gewünscht, da es nicht immer einfach ist, die jeweiligen religiösen Strömungen und ihre Vertreter im Überblick zu behalten.

    Auch ich hätte ein Personenverzeichnung hilfreich gefunden, da man über die vielen verschiedenen Personen der Reformation ganz schnell den Überblick verliert.


    Die Hauptprotagonistin Margarethe wirkt, im Gegensatz zu anderen weiblichen Protagonistinnen im historischen Genre, authentisch. Obwohl sie die Buchdruckerei erbt, kann sie das Handwerk nicht ohne Mann ausüben und muss sich an die Auflagen der Zunft halten. Margarethe ist keine typische Heldin, denn sie hat durchaus ihre kleinen Schwächen, aber gerade diese lassen sie sympathisch und glaubhaft wirken.

    Diese Darstellung von Margarethe fand ich wirklich sehr gut! Sehr überrascht war ich über die Tatsache, dass diese Frau tatsächlich gelebt hat und sich die Autorin möglichst eng an die Überlieferungen gehalten hat. Insgesamt ist ihr der Spagat zwischen Fakt und Fiktion sehr gut gelungen, wodurch die Geschichte überaus authentisch wirkt, sowohl in Bezug auf die Hintergründe der Reformation, das Leben in Straßburg, den Alltag und die Abläufe in einer Druckerei als auch auf die Figuren.


    Sabine Weiß' Schreibstil liest sich durchaus flüssig, ist aber auch etwas anspruchsvoller, wie ich finde. Am Anfang war es gar nicht so leicht in die Geschichte hineinzukommen, doch hat man sich erst einmal an den Stil gewöhnt, liest sich das Buch recht angenehm.


    „Die Buchdruckerin“ ist meiner Meinung nach ein etwas anspruchsvoller, äußerst gut recherchierter und lebendig erzählter Historienroman, der den Leser in die Zeit des Buchdrucks und der Reformation entführt.

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