George Orwell - Erledigt in Paris und London/ Down and Out in Paris and London

  • Originaltitel: Down and Out in Paris and London


    George Orwell versammelt in dieser Lebenserinnerung Anekdoten und Beobachtungen aus seiner Zeit in Paris und London in den 1920er Jahren.


    Das Buch beginnt mit seinem Aufenthalt in Paris, wo er als angehender Schriftsteller versucht, sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser zu halten und dabei trotzdem so manche Durststrecke durchzumachen hat. Bevor einen Job als Tellerwäscher ergattert, erlebt er viele Tage an denen er hungert, seine wenigen Habseligkeiten verpfändet und durch die Straßen tigert, um die Tage zu füllen – immer bemüht, den Anschein von Anstand und Wohlstand zu wahren. Auf diesen Streifzügen begegnet einer Armee von Arbeitslosen, Tagträumern und Glücksrittern, die das Leben mit niedrigsten Mitteln meistern. Orwell sammelt deren Lebensgeschichten, ihre Hoffnungen und Überlebensstrategien und gibt ihnen Namen. Er selbst beginnt in einem Restaurant zu arbeiten und was er dort erlebt, ist haarsträubend, anstrengend und kräftezehrend. Er verfällt einer Routine, die ihm jeglichen Willen für eine solide Zukunftsplanung nimmt. Doch irgendwann bricht diese Ziellosigkeit über ihm zusammen und er hat genug.


    Als er durch einen Bekannten von einer Stelle in London erfährt, macht er sich auf die Reise nach England, um festzustellen, dass er diese Tätigkeit erst in zwei Monaten wird antreten können. Noch immer pleite schließt er sich einem Tramp an, der ihm die Geheimnisse des Überlebens als Obdachloser beibringt. Übernachtungen in wohltätigen Herbergen, Wanderlust und Schacherei sind an der Tagesordnung - Ziel ist es den verhassten Armenhäusern zu entkommen. Dieser Kontrast zu seinem Dasein in Paris kitzelt er in diesem Bericht hervor.


    Neben diesen Erinnerungen reflektiert Orwell das Leben am Rande der Gesellschaft und stellt einige eigene Thesen auf, die gegen Ende des Buches zunehmend sozialkritisch werden. Sicher sind einige Stellen im Sinne des Effekts dramatisch überzeichnet, aber dennoch glaubwürdig. Manche seiner Erfahrungen sind herzzerreißend, andere humorig. Vieles traurig und bewegend. Orwell schreibt sehr plakativ und dennoch eingängig. Er hat eine Botschaft und die heißt: schau zweimal hin, bevor du jemanden wegen seiner Armut verurteilst. Er kritisiert Staat und Wirtschaft es sich in ihrem Umgang mit den mittellosen Bürgern zu einfach zu machen und spielt Gedankenexperimente durch, deren Situation zu verändern. Anhand von Listen und Prosastücken bekommt man als Leser einen Eindruck vom Alltag seiner Leidensgenossen.


    “Erledigt in Paris und London” ist einerseits ein schnell zu lesendes Büchlein, aber auch etwas das in Erinnerung bleibt. Nicht zu vergleichen mit “1984” oder “Farm der Tiere”, aber ebenso empfehlenswert.

    She wanted to talk, but there seemed to be an embargo on every subject.
    - Jane Austen "Pride and prejudice" - +