Bernd Perplies - Für die Krone

  • Wie gewohnt bedanke ich mich zuallerst herzlich bei dem Egmont-LYX-Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplares des Buches "Magierdämmerung - Für die Krone" von Bernd Perplies, dem ich den äußerst freundlichen Kontakt zu dem Verlag überhaupt erst verdanke. Wie auch einige andere Verlage ist der LYX-Verlag sehr offen und interessiert an den Meinungen ganz normaler Leser, was beileibe nicht selbstverständlich ist und deswegen auch mal lobend erwähnt werden sollte.


    Zu meiner Schande muß ich jedoch auch gestehen, dass ich mir zwar von dem aufstrebenden Autoren den zweiten Band der vorangegangenen Tarean-Trilogie preiswert kaufen, aber den ersten und dritten Band noch nicht käuflich erwerben konnte - ab und zu benötigen ja auch wir Bücher-Narren etwas Handfesteres als Lesefutter ;-) - und so bin ich noch ein völliger Neuling in bezug auf die Schreibweise des Fantasy-Autors. Was ja nicht schlecht sein muss, wenn man völlig unvoreingenommen an ein Werk heran geht. Allerdings wird sich das nach der Lektüre dieses ersten Bandes der zweiten Trilogie des Autors ändern, denn die Ideen des Autors sind einfach klasse und in mir ein neuer Fan geboren.


    Nun aber zum Buch selbst:
    Das Coverbild des Romans wirkt sehr einladend und erinnert mit der Zeichnung des U-Bootes Nautilus natürlich stark an die Romane von Jules Verne, allerdings kommt hier auch gleich ein Kritikpunkt: Ich finde, das der Umfang des Buches es durchaus verdient hätte, in gebundener Form verlegt zu werden. Bei 448 Seiten leidet ein broschiertes Buch einfach zu sehr. Ansonsten weist schon der Einband und das Coverbild darauf hin, dass man sich als Leser in eine phantastische Vergangenheit begibt, die auf Fantasy-Leser sehr einladend wirkt.


    Am 18. April 1897 geschehen mehrere mysteriöse Dinge gleichzeitig: Lordmagier Wellington ist es gelungen, einen superreichen Industriellen zu einer Expedition per Unterseeboot, das aus einer skurrilen Laune des Finanziers Käptn Nemos Nautilus nachempfunden ist, zum untergegangenen Eiland Atlantis zu überreden. Doch nicht die Entdeckung und Erforschung der legendären Stadt selbst ist sein Ziel, sondern ihn interessiert lediglich ein besonderer Pyramidenbau, der bisher mithilfe eines magischen Siegels die Quelle unglaublich großer magischer Kraft versiegelt hielt. Sein Gehilfe Duncan Hyde-White wird in einem behäbigen, klobigen Tauchanzug ausgeschickt, um das Siegel auf zu brechen und der wahren Quelle der Magie ungezügelt Zugang zur Welt zu gewähren.
    Dies gelingt und hernach spüren überall auf der Welt magiebegabte Lebewesen die große einschneidende Veränderung. Ein Zeitalter chaotischer Magie beginnt und die tiefe Kluft, die zwischen einzelnen, verfeindeten Magierfraktionen besteht, erreicht eine brisante Bedeutung.


    Der Schauplatz wechselt ins viktorianische London. Der zehnjährige Richard, dessen Erziehung väterlicherseits von rein wissenschaftlichem Interesse geprägt ist und der sich trotz seiner Jugend nicht gerne ein X für ein U vormachen lässt, besucht zusammen mit seinem Onkel eine Zaubervorstellung. Der oberste Magier Albert Dunholm - demselben Magierorden wie Lordmagier Wellington angehörend, politisch gesehen aber sein Gegner - , der sich oft den Spaß gönnt, als Bühnenmagier Magister Hieronymus Brazenwood den perplexen Zuschauern das Staunen bei zu bringen, erleidet während seines Auftritts scheinbar einen Schwächeanfall. In Wahrheit fühlte er den überwältigenden Anstieg der besagten chaotischen Energie der Magie, die Wellington auslöste, möchte der Ursache nach Ende der Zaubervorstellung natürlich sofort nachgehen und in der Bibliothek des Magierordens nach Hinweisen suchen, was passiert sein könnte. Auf dem Weg dorthin wird er jedoch von vermummten Verfolgern gehetzt und tödlich verletzt.


    Den sterbenden alten Mann findet der junge Reporter Jonathan Kentham auf seinem eigenen Nachhauseweg nicht ganz zufällig - auch er fühlt nämlich offenbar magische Kräfte, die ihn zum Tatort ziehen - und hört Dunholms vermeintlich letzte geflüsterten Worte. Mit buchstäblich letzter (hypnotischer) Kraft drängt ihm der Magier einen seltsamen Ring auf. Der Reporter kommt sich zwar kurzzeitig vor wie ein Leichenfledderer, nimmt den Ring aber dennoch in seine Obhut und rennt davon, in der Absicht, Hilfe zu holen.
    Inzwischen hat der Kutscher Dunholms, Randolph Brown, der gleichzeitig dessen Schüler ist, von dem Überfall Kenntnis erlangt und eilt seinem Mentor zu Hilfe. Mit letzter Kraft gibt ihm Dunholm den Auftrag, Jonathan (und den Ring natürlich) zu suchen und ihm bei zu stehen. Das wird auch höchste Zeit, denn für Jonathan ist die Magie, durch die er durch den Besitz des Ringes offenbar gelangt ist, des Guten zuviel und er stürzt schwer und zieht sich eine Gehirnerschütterung zu. In diesem Zustand wird er von Randolph und einem Raben namens Nevermore gefunden und erstmal nach Hause ins heimische Bett verfrachtet - unter der Beobachtung besagten Rabens.


    Erneuter Schauplatzwechsel am immer noch gleichen Tag: In den schottischen Highlands versuchte sich die junge und ansonsten ziemlich gelangweilte Kendra bisher mehr schlecht als recht darin, Magie herauf zu beschwören. Die junge Vollwaise lebt seit dem Tode ihrer Eltern bei ihrem Vormund, einem Dorfarzt, fand vor kurzem ein Buch aus dem Besitz ihrer Mutter mit magischen Zeichen und bildlichen Anleitungen und versuchte sich in der Abgeschiedenheit eines nahegelegenen Waldsee schon des öfteren in der Ausübung magischer Rituale. In dieser Nacht spürt sie bei der Ausübung ihrer Rituale den unwiderstehlichen Drang, zum Grunde des Sees hinab zu tauchen, wo ein starkes Leuchten sie zu rufen scheint. In letzter Minute gelingt es ihrem Großvater, dem die geheimen Aktivitäten seiner bisher von ihm auf Abstand gehaltenen Enkelin gar nicht gefallen, sie aus dem See zu ziehen bevor sie ertrinkt. Aber es ist bereits zu spät. Kendras magische Fähigkeiten haben sich vervielfacht.


    Dies ist grob umrissen die Ausgangssituation des gewaltigen Fantasyabenteuers, in das uns der Autor entführt, zu dessen Fortgang ich ganz sicher aber nicht mehr verraten möchte. Zu schön ist nämlich die Geschichte, die Bernd Perplies sich da ausgedacht hat, zu genial die Idee, sich Magie als Fäden vorzustellen, die alles wie eine - für normale Menschen natürlich unsichtbare - Aura umgeben und die sich ein geschulter Magier in der sogenannten Wahrsicht nutzbar machen kann, indem er sie mehr oder weniger verwebt, bündelt und benutzt, als seien es echte Stofffäden.


    Das sollte man schon selbst als Leser erleben und sich vom Autor quasi an die Hand nehmen und in eine überaus gelungene Mischung aus fantastischem Kriminalroman a la Sir Arthur Conan Doyle mit Elementen in Anlehnung an Jules Verne, E.T.A. Hoffmann, H.G.Wells Visionen entführen lassen.
    Erwähnenswert ist noch, dass man selten so fein detailliert ausgearbeitete Protagonisten findet, die auf Anhieb sowohl ihren ganz eigenen Charakter und Stil haben, als auch jedesmal ein leises Bedauern des Lesers hervorrufen, wenn man gerade diese Figur mal kurz beim Lesen verlassen muss, um sich einer anderen Romanfigur zu zuwenden. Jedenfalls wuchsen mir alle Protagonisten sehr schnell ans Herz und ins einsetzende Kopfkino, welches durch den Roman hervorgerufen wurde, so dass ich mir nur eines wünschen kann: bitte bald eine gute Fortsetzung mit dem zweiten Teil.

  • Ich bin durch Zufall auf dieses Buch gestoßen und das schöne Cover und der interessante Klappentext haben das Buch auf meine Wunschliste gebracht. An Weihnachten lag es dann unterm Baum und ich wollte es natürlich so schnell wie möglich lesen. :D


    Ich kann mich der schönen Rezi von Baumbart nur anschließen, "Magierdämmerung" ist der erste Teil einer fantastischen Trilogie über Magie, Verrat und Mut.
    Den Inhalt hat Baumbart ja schon zusammengefasst, Bernd Perplies führt uns in das Jahr 1897 in der sich ein Magier aufmacht das segenumwobende Atlantis zu finden und das Siegel der Quelle der wahren Magie zu brechen um damit seine politischen Gegner zu besiegen und den "neuen Morgen der Magie" beginnen zu können.
    In London treffen wir auf den Journalisten Jonathan der mit Magie nichts am Hut hat, durch den Tod eines Zauberers jedoch mitten in den politischen Kampf der Londoner Magier hineingezogen wird.


    Der Autor schafft es in der Geschichte sehr bildhaft zu erzählen und man hat das Gefühl alles vor sich zu sehen, die Umgebung vom Innern der Nautilus, Atlantis, die Stadt London und die Kämpfe der Zauber.
    Auch die Charaktere die man im Laufe der Geschichte kennenlernt werden schnell lebendig und sympathisch. Besonders Holmes hat es mir mit seiner lockeren und aufbrausenden Art angetan.
    Die Magie lernt man als Leser gemeinsam mit Jonathan und Kendra kennen, während sie über Magie und ihr Ausmaße erfahren. Die Idee das Magie eine Art Naturkraft ist die der Mensch nicht beherrschen, sondern nur nutzen kann finde ich sehr schön. Auch das die Magie als Fäden alles umgibt finde ich sehr gelungen. :thumleft:


    Das Ende ist ein absoluter Cliffhanger und ich habe noch ein paar mal geschaut ob ich nicht doch noch ein paar Seiten finde. :lol:
    "Magierdämmerung" ist auf jeden Fall ein gelungener erster Teil, der den Leser erstmal in Perplies Welt einführt und Lust auf mehr macht.
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: von mir.


    Der zweite Teil kommt übrigens im Februar 2011, der dritte Teil im September 2011.

    "The stories we love best do live in us forever,
    so whether you come back by page or by the big screen,
    Hogwarts will always be there to welcome you home."

    (J.K. Rowling)

  • Auch die Charaktere die man im Laufe der Geschichte kennenlernt werden schnell lebendig und sympathisch. Besonders Holmes hat es mir mit seiner lockeren und aufbrausenden Art angetan.

    Da stimme ich zu 100% zu; Holmes ist mein absoluter Favorit in der Geschichte.


    Ich hatte mir das Buch damals mehr wegen der Tatsache gekauft, dass es im viktorianischen London spielt und ich auf die Zeit gerade Lust hatte. Doch kaum begann ich zu lesen, wollte sich das Buch nicht mehr aus meiner Hand wegbewegen und schon war es durchgelesen und die nächsten zwei Bände wurden bestellt.
    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen: Bernd Perplies schreibt so, dass man es sich vorstellen kann (wenn nicht sogar muss), allerdings auch ziemlich ausschweifend, was den ein oder anderen ärgern könnte. Teilweise habe ich schon das Gefühl, dass er "ins Plaudern" gerät, aber mir hat es sogar eher gefallen :wink:
    Die vielen, vielen Andeutungen auf andere bekannte Werke haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht und Holmes ist sowieso der Charakter mit dem es einfach Spaß macht und die Seiten einfach so dahinschmelzen.


    Ich bin absolut begeistert von dem Buch und deswegen wird es von mir fünf Sterne kriegen, sobald ich die Bücher bewerten darf (habe momentan noch zu wenige Beiträge geschrieben, ich faule Socke).
    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Zum Inhalt


    Am 18. April 1897 unternahm Duncan Hidy-White im Auftrag des Magiermeisters Wellington einen nicht ungefährlichen Tauchgang mitten im Atlantik vor der afrikanischen Küste; auf der Suche nach nichts geringerem, als der versunkenen Stadt Atlantis.


    Währenddessen wird der Erste Lordmagier von London, Albert Dunholm, das Opfer eines geplanten Überfalls und der letzte, dem er einen Hinweis auf die umwälzenden Veränderungen geben kann, ist der unbeteiligte Reporter Jonathan Kentham.


    Doch auch in den Highlands von Schottland sind die merkwürdigen Auswirkungen spürbar und die junge Kendra McKellen wird unversehen in das Geschehen hineingezogen, das die Welt für immer verändern könnte.


    Meine Meinung


    Das Buch war einfach unglaublich! Was für ein Lesegenuss!!!
    Ich mag es ja eigentlich gar nicht, wenn seitenlang auf die Ereignisse hingearbeitet wird, die man schon durch den Klappentext erfahren hat - aber hier ... hier war das einfach nur grandios! Der Schreibstil war so perfekt an die Zeit und die Umstände angepasst, ruhig, ohne zu langweilen und anschaulich, ohne zu kompliziert zu sein. Die Atmosphäre hat mich sofort gefangen genommen und den Flair der damaligen Zeit eingefangen. Ich hab mich durch dieses Buch gelesen und gleichzeitig einen inneren Film aller Szenen ablaufen sehen und ich kann mich nur wiederholen, dass das ein großartiges Lesevergnügen war!


    Im ganzen umfasst die Handlung hier im ersten Band "nur" 3 Tage, doch die sind so voll gepackt mit teilweise arglosen und dann so dramatischen Ereignissen, dass man nur so durch die Seiten fliegt.
    Die Kapitel beginnen immer mit kleinen Zeitungsausschnitten der damaligen Zeit, die das Gefühl zur Wirklichkeit verstärken und gleichzeitig zeigen sollen, wie das "normale" Leben weiterläuft, während sich im Hintergrund geradezu dramatische und umwälzende Ereignisse abspielen. Sogar die Kapitelübergänge sind super aufeinander abgestimmt.
    Zur Orientierung gibt es auch immer die genauen Orts- und Zeitangaben, durch die man sich sehr gut zurechtfinden kann.
    Es gibt nämlich viele Namen, die anfangs Erwähnung finden, aber so geschickt eingeführt und vorgestellt werden, dass man dadurch keine Probleme hat. Im übrigen gibt es hinten im Buch ein "dramatis personae", in dem man jederzeit nachschlagen kann.


    Jede der Figuren hat hier einen sehr eigenwilligen und ihm eigenen Charakter, der sehr detailliert und mit großer Wortgewandtheit in Szene gesetzt wird, darunter auch einige aus der Literatur bekannte Namen, die hier in eine neue Rolle schlüpfen, die im Zusammenhang ein wunderbar erfrischendes Ensemble ergeben.


    Es geht um Intrigen, Macht und den Wunsch nach Weltherrschaft, die mithilfe einer überschäumenden Magie erreicht werden soll. Doch einige aufgeweckte Magier des Ordens des Silbernen Kreises tun alles dafür, um dieses unaufhaltbare Phänomen zu verhindern. Bernd Perplies hat mich in eine wahre, magische Welt entführt, die ich gar nicht mehr verlassen wollte, allein die Idee der Magiefäden hat mich geradezu verzaubert! Und alles ist so wunderschön erklärt und bis ins letzte Detail durchdacht, das ich immer alles genau vor Augen hatte - als würde ich gleichzeitig einen Film sehen! Der zweite Band wird sicher bald folgen!


    Fazit


    Dieses Buch war ein reiner Lesegenuss und man sollte sich weder vor der viktorianischen Zeit, noch vor dem Anteil der Magie scheuen, sondern beherzt zugreifen. Die Fortsetzungen müssen schleunigst bei mir einziehen und ich werde auch direkt schauen, was der Autor noch alles veröffentlich hat!



    © Aleshanee
    Weltenwanderer


    Magierdämmerung


    1 - Für die Krone
    2 - Gegen die Zeit
    3 - In den Abgrund