Petra Durst-Benning: Die russische Herzogin

  • Buchdetails

    Titel: Die russische Herzogin


    Band 3 der

    Verlag: Ullstein Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 512

    ISBN: 9783548283999

    Termin: Februar 2012

  • Bewertung

    4.3 von 5 Sternen bei 17 Bewertungen

    86,5% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Die russische Herzogin"

    Nicht immer hält das Leben, was es verspricht, das muss auch Zarentochter Olga erkennen. Ihre Ehe mit Kronprinz Karl von Württemberg bleibt kinderlos, der Hof in Stuttgart ist ihr lange Zeit fremd. Als der Zar sie bittet, seine Nichte Wera aufzunehmen, willigt Olga freudig ein. Doch das Mädchen ist schwierig, wild und unberechenbar. Olga setzt alles daran, aus Wera eine würdige Großfürstin und einen glücklichen Menschen zu machen. Beide Frauen müssen viele Träume begraben. Doch ihre Freundschaft hilft ihnen, neue Wege zu gehen und dem Leben ein wenig Glück abzutrotzen.
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  • Kurzbeschreibung (amazon)


    Nicht immer hält das Leben, was es verspricht, das muss auch
    Zarentochter Olga erkennen. Ihre Ehe mit Kronprinz Karl von Württemberg
    bleibt kinderlos, der Hof in Stuttgart ist ihr lange Zeit fremd. Als der
    Zar sie bittet, seine Nichte Wera aufzunehmen, willigt Olga freudig
    ein. Doch das Mädchen ist schwierig, wild und unberechenbar. Olga setzt
    alles daran, aus Wera eine würdige Großfürstin und einen glücklichen
    Menschen zu machen. Beide Frauen müssen viele Träume begraben. Doch ihre
    Freundschaft hilft ihnen, neue Wege zu gehen und dem Leben ein wenig
    Glück abzutrotzen.


    Meine Beurteilung


    Keine heile Welt


    "Die russische Herzogin" ist der Folgeband zu "Die Zarentochter" und
    beschäftigt sich mit dem Leben der Olga Nikolaewna Romanowa (genannt
    "Olly",1822 - 1892)
    nach ihrer Eheschließung mit dem Kronprinzen Karl
    von Württemberg (später König Karl I). Die Romanhandlung setzt 1863 ein.
    Olgas Leben ist nicht so verlaufen, wie sie es sich bei der Hochzeit 17
    Jahre zuvor erträumt hatte. Ihr Schwiegervater, König Wilhelm I, hält
    nicht viel von seinem Sohn und beteiligt das junge Ehepaar nicht an der
    Regierung. Besonders Olly ist geistig ziemlich unterfordert und hat sich
    karitativen Aufgaben verschrieben. Sie ist unermüdlich unterwegs, um
    den Armen zu helfen, oft finanziert sie ihre sozialen Tätigkeiten aus
    ihrer eigenen Schatulle, da der Königshof ihr nur wenig Geld zur
    Verfügung stellt. Auch in ihrer Ehe steht es nicht zum Besten: Karl und
    Olly sind kinderlos geblieben und haben sich zunehmend voneinander
    entfremdet. Dass ihr Ehemann homosexuell ist, will Olly lange Zeit nicht
    wahrhaben.


    Ihr Leben erhält einen neuen Sinn, als ihr Bruder Konstantin sie
    bittet, seine neunjährige Tochter Wera Konstantinowna Romanowa (1854 -
    1912)
    bei sich aufzunehmen, da die Eltern mit dem unangepassten,
    quirligen Mädchen völlig überfordert sind und ihm keine Liebe
    entgegenbringen (können). Auch Olly, Karl, die Hofdame Evelyn von
    Massenbach und die gestrenge Gouvernante Helene Trupow erleben mit dem
    aufgeweckten, aber schwierigen Mädchen (heutzutage würde man wohl ADS
    diagnostizieren) allerlei unangenehme und peinliche Situationen.


    Trotzdem gelingt es Olly im Laufe der Jahre, zu Wera eine liebevolle
    Beziehung aufzubauen und in ihr soziales Interesse und Engagement zu
    wecken. Sie ist auch an Weras Seite, als diese - inzwischen von Olly und
    Karl adoptiert - in ihrer eigenen Ehe schwere Schicksalsschläge
    hinnehmen muss. Die beiden Frauen sind sich darin ähnlich, dass sie auch
    unter widrigen Umständen niemals aufgeben und für das Wohl der
    Stuttgarter Bevölkerung im Einsatz sind. Noch heute bestehen die von
    Olly und Wera ins Leben gerufenen wohltätigen Institutionen, die
    seinerzeit bahnbrechend waren: Wera gründete das erste "Mutter und Kind
    Heim"
    , in dem verarmte alleinstehende Mütter mit ihren Kindern ein
    menschenwürdiges Leben führen konnten.


    Der Roman ist in einen Prolog, drei Hauptteile und einen Epilog
    (1909) gegliedert, die drei Hauptteile passen sich den Lebensabschnitten
    von Wera an, die neben Olly eine gleichwertige Hauptfigur darstellt.
    Wie schon der erste Band ist auch dieses Buch von der Autorin gründlich
    recherchiert und sehr flüssig erzählt. Oft kann man sich ein Schmunzeln
    über Weras kindliche Missetaten nicht verkneifen, andererseits werden
    die Armut und die unwürdigen Lebensbedingungen der einfachen Leute sehr
    eindringlich geschildert. Besonders beeindruckend ist die differenzierte
    Charakterzeichnung aller Hauptfiguren, die nicht in Gut und Böse
    eingeteilt werden, sondern mit ihrer Zurschaustellung sympathischer und
    weniger sympathischer Züge sehr lebensnah wirken.


    Dieser Roman bietet nicht nur gute Unterhaltung, sondern auch
    Hintergrundwissen über die politischen und gesellschaftlichen
    Entwicklungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts (Forderung nach mehr
    Demokratie, Auflehnung gegen die russische Zarenfamilie und ihren
    autokratischen Regierungsstil) . Ein Buch, das unterhält und nachdenklich macht!


    Wenn möglich, sollte man zuerst "Die Zarentochter" gelesen haben,
    damit man den komplizierten Verwandtschaftsverhältnissen folgen kann.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Vielen Dank für die tolle Rezi €nigma :thumleft:
    Ich hatte das Buch auch vorbestellt, und nun wartet es zu Hause auf mich. Wenn ich am Sonntag wieder daheim bin, werde ich gleich mit dem Buch beginnen :cheers:

    Narkose durch Bücher - Das Richtige ist: das intensive Buch.
    Das Buch, dessen Autor dem Leser sofort ein Lasso um den Hals wirft, ihn zerrt, zerrt und nicht mehr losläßt.


    :study: Sarah J. Mass - Throne of Glass / Die Erwählte :study:

  • Inzwischen habe ich den Roman auch gelesen, stimme mit €nigma völlig überein. Hier meine Rezi:


    "Die russische Herzogin" lang erwarteter Folgeband der "Zarentochter" beginn mit einem Zeitsprung von 17 Jahren. Olgas Ehe mit dem Kronprinzen Karl von Württemberg wird nicht glücklich. Das Ehepaar hat sich kaum noch etwas zu sagen. Karl läßt sie oft allein und sie schmerzt seine Lieblosigkeit. Die Ehe ist kinderlos geblieben, was auf Karls Homosexualität zurückzuführen ist. Dies will sich Olga jedoch lange Zeit nicht eingestehen, sucht den "Fehler" bei sich. Sie widmet sich karitativen Aufgaben und fühlt sich ansonsten unterfordert.


    Als Ihr Bruder Konstantin sie um Hilfe bittet, sieht sie einen Ausweg aus dem tristen Alltag. Er bittet sie seine neunjährige Tochter Wera zu sich zu nehmen, die augenblicklich in einem schwierigen Alter sei. Olga ist begeistert, fühlt sich als Patentante gerade verpflichtet zu helfen. Was ihr Bruder ihr jedoch verschweigt ist die Tatsache, dass Wera nicht zu bändigen ist. Ungeliebt und unverstanden reagiert sie wild und ungestüm, häufig auch recht ungehobelt. Olgas Liebe allein nutzt da wenig. Es kommt zu peinlichen Situationen, die sich erst dann mäßigen als Olga erkennt, dass Wera durch viel frische Luft beim Wandern mehr Ruhe findet. Immer wieder hofft Wera von den Eltern nach Hause gerufen zu werden oder dass man sie abholt, doch die Eltern zeigen kein Interesse und so wird Olga für Wera mehr Mutter und auch Freundin als es ihre wahre Mutter je gewesen war. Jahre vergehen, Olga ist inzwischen Königin und Wera den Kinderschuhen entwachsen. Auf der Suche nach dem passenden Ehemann verliebt sich Wera ausgerechnet in den Weiberhelden Eugen und auch sie wird wie Olga erleben, dass Glück, Pflicht und Leid nahe beieinander liegen.


    Wieder liefert uns Petra Durst-Benning eine wundervolle Geschichte. Durch ihre lebhafte, beschwingte Schreibweise holt sie die Vergangenheit nachvollziehbar zurück. Die Charaktere sind hervorragend herausgearbeitet, die damalige Zeit gut recherchiert. So vermittelt sie ein umfassendes Bild über den gesellschaftlichen Hintergrund, zeigt die Schwierigkeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts und ganz besonders die Probleme der Romanovs, die Auflehnung erleben und sogar Morddrohungen erhalten. Auch welcher Gegenwehr und Desinteresse Olga und Wera beim Sammeln für ihr Mutter-Kind -Heim begegnen wird deutlich zur Sprache gebracht. Die Autorin bedient sich künstlerischer Freiheit, aber nie so gravierend, dass es auffällig wäre. Auch der Humor kommt nicht zu kurz.


    Fazit: ein sehr schöner unterhaltsamer historischer Roman, der nicht an der Oberfläche schwimmt, sondern auch Tiefe zeigt. Für mich war es ein Vergnügen ihn zu lesen und so wird es vielen gehen.



    Anmerken möchte ich dazu nur noch, dass ich nicht so ganz verstehen konnte, warum Wera ihrer Freundin aus Kindertagen nicht mehr helfen konnte. Nur mal hier und da ein Korb mit Lebensmitteln, wo doch grundlegende Hilfe gefragt war, besonders für die Kinder.


    Meine Beurteilung: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Liebe Grüsse
    Wirbelwind


    :study: Claire Hake, Mein geteiltes Herz

    :study: Naomi J. Williams, Die letzten Entdecker









    Bücher sind die Hüllen der Weisheit, bestickt mit den Perlen des Wortes.

  • Ich habe das Buch in meinem Urlaub gelesen, und bin wieder einmal restlos begeistert :thumleft:
    Die Autorin hab es einmal mehr geschafft, das ich mich voll und ganz in die damalige Zeit "einfühlen" konnte. Die bilhaft geschriebene Geschichte, sowie die lebendigen Charaktere haben sich zu einem sehr schönen Gesamtbild zusammengefügt. Besonders die etwas "spezielle" Wera habe ich sofort in mein Herz geschlossen, und sie während der Geschichte richtig lieb gewonnen. Sie hat die biedere Gesellschaft von damals tüchtig aufgemischt, das hat mir an ihr gefallen :), und ich fand es sehr schön, dass sie den größten Teil der Geschichte eingenommen. Schön beschrieben war auch das mitunter nicht einfache Zusammenfinden von Wera und Olly.
    Alles in allem eine Geschichte die - leider - viel zu schnell zuende war. Ich hätte gerne noch etwas mit Wera verweilt.


    5 Sternchen: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Narkose durch Bücher - Das Richtige ist: das intensive Buch.
    Das Buch, dessen Autor dem Leser sofort ein Lasso um den Hals wirft, ihn zerrt, zerrt und nicht mehr losläßt.


    :study: Sarah J. Mass - Throne of Glass / Die Erwählte :study:

  • Besonders die etwas "spezielle" Wera habe ich sofort in mein Herz geschlossen, und sie während der Geschichte richtig lieb gewonnen.

    Ich auch.


    Schön beschrieben war auch das mitunter nicht einfache Zusammenfinden von Wera und Olly.

    Das war realistisch und nicht nur ein romanmäßiges Friede-Freude-Eierkuchen-Gehabe.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Inhalt:
    Olga, die Tochter des russischen Zaren, hat Karl von Württemberg geheiratet und ist mit ihm nach Stuttgart gegangen. Da die Ehe der beiden leider kinderlos ist, widmet sich Olly von ganzem Herzen der Wohltätigkeit. Als ihr Bruder Konstantin sie bittet, sich seiner Tochter Wera anzunehmen und aus ihr eine gesellschaftsfähige Dame zu machen, stimmt sie begeistert zu und nimmt ihr Patenkind bei sich auf. Doch das Leben mit dem Kind ist nicht einfach, und mehr als einmal droht Olly zu verzweifeln. Doch mit Liebe, Geduld und der ein oder anderen kreativen Idee gelingt es der Königin schließlich, Wera zu einem großartigen Menschen heranzuziehen.


    Meine Meinung:
    Nachdem es im ersten Band „Die Zarentochter“ um Kindheit und Jugend der russischen Zarentochter Olga ging, handelt der zweite Teil „Die russische Herzogin“ von ihrem restlichen Leben. Darüber hinaus lernen wir Wera kennen, Tochter von Ollys Bruder Konstantin und das Patenkind der späteren Königin. Intensiv wird die Beziehung zwischen Tante und Nichte geschildert, mit allen Höhen, aber auch allen Tiefen, und davon gibt es reichlich. In Russland hält man Wera für verrückt weil sie sich an keine Regeln hält und ständig Unsinn macht. Als Olga sie aufnimmt, bekommt sie es mit einem unsicheren, verstörten Kind zu tun, das kein gutes Bild von sich selbst hat. Doch im Laufe der Zeit finden die beiden immer näher zusammen und werden von Tante und Nichte zu Mutter und Tochter. Diesen Prozess kann der Leser beinahe hautnah mitverfolgen, denn wie schon im ersten Teil gelingt es der Autorin schnell, den Leser für die Geschichte zu begeistern und ihn hineinzuversetzen in die vergangene Zeit.


    Olly, die man in „Die Zarentochter“ bereits kennenlernen und liebgewinnen konnte, spielt besonders im ersten Teil des Buches eine große Rolle. Ich fand es sehr schön, noch mehr über sie zu erfahren und zu sehen wie es in ihrem Leben weiterging. Leider nicht so gut wie ich es ihr gewünscht hätte, aber dieses Schicksal war anscheinend nun mal für sie vorgesehen. Schade fand ich, dass zum Schluss nur noch wenig über sie geschrieben wurde, man erfährt beispielsweise nichts über ihren oder Karls Tod etc., denn am Ende nimmt Wera den größten Teil der Handlung ein. Von ihr war ich sehr beeindruckt, auch wenn ich sie am Anfang ziemlich anstrengend fand. Aber sie tat mir auch leid, heute hätte man ihr sicherlich helfen können, damals wurde sie einfach für verrückt erklärt. Wie sie ihr schweres Schicksal meistert hat mich sehr beeindruckt, aber auch bewegt. Umso schöner fand ich es, dass sie sich in fortgeschrittenem Alter doch noch ihren Lebenstraum erfüllen konnte.


    Mit „Die russische Herzogin“ ist Petra Durst- Benning wieder ein großartiger historischer Roman gelungen, der mich sehr begeistert hat. Und das, obwohl ich sonst mit historischen Geschichten sehr wenig anfangen kann. Ich bin gespannt, mit wem sich der dritte Teil dieser Reihe befassen wird und freue mich schon sehr darauf, ihn zu lesen.

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