Frédéric Dard - Diener aus Leidenschaft

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  • Klappentext:
    Boris Lassef, Superstar des Pariser Theaters, ist außerordentlich vital und produktiv, eitel und keinem sexuellen Abenteuer abgeneigt. Léon, seit zwanzig Jahren Boris' Ratgeber, Intimus, Diener, Komplize, ist Mädchen für alles. Eifersüchtig wacht er über Boris' Leben. Die Intimität geht soweit, dass Léon auch schon mal in Boris' Auftrag mit einer von dessen zahlreichen Freundinnen schläft, wenn dieser keine Lust oder keine Zeit hat. Frédéric Dard hat mit "Diener aus Leidenschaft" einen glänzenden Unterhaltungsroman geschrieben, der in Frankreich unmittelbar nach Erscheinen ein großer Publikumserfolg geworden ist. Wie "Der schöne Eduard" so ist auch "Diener aus Leidenschaft" ein Beispiel für Dards hohe Kunst des schwarzen Humors.


    Boris ist ein Sch***kerl, ein Miststück. Vor seiner Verachtung ist niemand sicher. Er drangsaliert die Schauspieler, die sein Stück einstudieren, behandelt seine Ehefrau wie ein Stück Dreck und verstößt alle Menschen, die ihm, seinem Vergnügen und seiner Karriere nicht nutzen. Was er haben will, will er sofort, egal, ob Frauen oder Häuser. Léon ist sein Sockelhalter, sein Speichellecker und seinem Meister hündisch ergeben. Kann Léon anfangs beim Leser noch Sympathiepunkte ergattern, weil er seine im Wachkoma liegende Frau Simone zuhause pflegt, so weiß man es nach der Lektüre besser.
    Das Buch ist bevölkert von widerwärtigen, abscheulichen Figuren, denen jedes Mittel recht ist, sich selbst in den Mittelpunkt und ihr eigenes Wohlergehen über das aller anderen zu stellen. Die einzigen liebenswerten Personen haben nur Komparsenstatus. Die Handlung ist banal, nichtssagend und belanglos: Theaterstücke, die geschrieben, eingeübt, aufgeführt werden, Frauen, die man ins Bett bekommt und wieder raus. Dass Dard ständig Wörter in Anführungszeichen setzt, v.a. sein Synonym für Boris, der 'Berühmte", nervt und ist unnötig.
    Das Buch trieft von Sex, sexuellen Anspielungen und Assoziationen, aber die Erotik bleibt außen vor. Dazu kommt ein menschen- und v.a. frauenverachtender Ton, den ein Erzähler, der nicht Person der Handlung ist, hineinbringt ("Sie schien entspannt wie eine gut gebumste Frau."S. 130).


    Nach dem Klappentext hatte ich eine Gesellschaftssatire à la Maupassant erwartet mit Witz, einigen Spitzen und leiser Erotik. Davon ist das Buch meilenweit entfernt.
    Ich lese sehr gern Bücher mit schwarzem Humor (den ich hier nicht gefunden habe), und ich liebe Frankreich und seine Literatur. Doch jetzt muss ich an die französischen Autoren appellieren: Schreibt bitte Eure skurrilen Krimis und Eure bezaubernden Erzählungen. Aber überlasst den schwarzen Humor den Engländern. Die können es einfach besser.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



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