Sébastien Japrisot - Mathilde, eine große Liebe (älterer Titel: Die Mimosen von Hossegor)

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  • Das wird jetzt ein wenig kompliziert. Der Romantitel "Mathilde - eine große Liebe" wurde, so vermute ich, nur für den gleichnamigen Film mitumbenannt. Früher lautete er im Deutschen "Die Mimosen von Hossegor", wie ein Kapitel aus dem Roman. Auf Französisch allerdings, also ursprünglich nennt er sich "Un long dimanche de fiançailles" und auf Englisch passend dazu, so vermute ich auch mal ( ;) ), "A Very Long Engagement". Also nur, damit ihr, falls ihr jeweils eine andere Ausgabe gelesen habt, auch wisst, worum es sich hier handelt. Wirklich verwirrend, zumal der deutsche, neue Titel etwas vollkommen anderes suggeriert, als man dann tatsächlich zu Lesen bekommt.


    Das Filmcover mit Audrey Tautou, zusammen mit dem Titel lässt einen eine magisch-hoffnungsvolle Geschichte erwarten, man bekommt etwas sehr Trauriges zu bieten.


    Mathilde, die mit 16, 1916, ihren Verlobten Manech in den Krieg ziehen sieht, erfährt ein Jahr später von seinem Tod. Doch sie glaubt nicht an das, was ihr mitgeteilt wurde und begibt sich auf eine lange Suche nach dem verschollenen Geliebten. Alles, was sie als Ansatzpunkt hat ist ein Foto und ein paar verschlüsselte Briefe. "Zart, zerbrechlich, aber mit nahezu kriminalistischem Verstand begabt..." (Klappentextauszug).



    Nach dem Tagesspiegel müsse zu den berühmtesten Liebespaaren der Welt nun auch Mathilde und Manech gezählt werden. Und dem stimme ich zu. Diese Geschichte ist zwar traurig und erschütternd, da es die Grausamkeiten des Krieges ausweitet zu dem, was er der Liebe antut. Die aber ist in diesem Roman eine der stärksten und inspirierendsten, von denen ich bisher gelesen habe. Mathilde ist stark und sucht unablässlich nach der Wahrheit. Was ist in der Nacht vom 7. Januar 1917 geschehen? Grundsätzlich steht sie vor nichts als einem Bündel Briefe. Aber sie macht ihren Weg und das wird einfühlsam beschrieben. Im letzten Viertel gab es so seine Längen, da viele bisherige Anhaltspunkte zusammengesetzt werden und ich leicht mit den französischen (Orts-) Namen durcheinander gekommen bin. Nichts desto trotz ist das ein wunderbarer Roman, dem ich wirklich jedem ans Herz legen kann, der Liebesgeschichten ohne Kitsch mag. Es lässt sich gut lesen und vermittelt den unbedingten Wunsch auch an den Leser, wissen zu wollen, was geschehen ist und was natürlich aus den beiden geworden ist / wird.
    Besonders gefallen hat mir, dass es wirklich nur kleine Schritte waren, die Mathilde mit Hilfe einiger liebevoller Menschen machen konnte und sie immer weiter bringen auf ihrer Suche.



    Ich gebe 4 1/2 Sterne, glaube ich, da ich zwischendurch den Faden selber etwas verloren hatte und das der kleinen Länge im letzten Teil zuschreibe. Aber das muss bei euch nicht so sein! :) Ich hatte das Buch schon eine Weile auf dem SUB und bin jetzt froh, es gelesen zu haben.



    Ich wünsche euch damit viel Freude und bedanke mich für's Lesen!
    funke

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