Rinke, Moritz - Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel

Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel

4 von 5 Sternen bei 14 Bewertungen

Verlag: KiWi-Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 496

ISBN: 9783462043426

Termin: August 2011

Klappentext / Inhaltsangabe: »Klug und zum Versinken witzig« Bücher – der Spiegel-Bestseller jetzt als Taschenbuch Worpswas? Worpswede! Ausgerechnet als Paul Wendland mit seinem Leben und seinen kuriosen Kunstprojekten in die Zukunft starten will, holt ihn die Vergangenheit ein: In Worpswede drohen das Haus seines Großvaters und sein Erbe im Moor zu versinken. Die Reise zurück an den Ort der Kindheit zwischen mörderischem Teufelsmoor, norddeutschem Butterkuchen und traditionsumwitterter Künstlerkolonie nimmt eine verhängnisvolle Wendung … Mit seinem furiosen Romandebüt hat Moritz Rinke bereits unzählige Leser begeistert. Mit hinreißender Tragikomik erzählt er von unheimlichen Familiengeheimnissen, vom Künstlerleben, von Ruhm, Verführung und Vergänglichkeit, vom Lieben und Verlassenwerden und von einem Dorf im hohen Norden, das berühmt ist für seinen Himmel und das flache Land.
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  • Fällt schon sehr aus dem Rahmen!


    Paul Kück-Wendland wird aus Berlin beordert, wo er eine Galerie mit blinden Malern betreibt, und soll am Ort seiner Kindheit in Worpswede das Familiengut vorm versinken im Moor retten. Doch Paul ist ein Mensch, der auch noch nicht recht im 21. Jahrhundert angekommen ist. Er pflegt zwar den Umgang mit Handy und Computer, aber seine Prägung liegt in der Künstlerkolonie des Teufelsmoors. Und so stellt diese reale Aufgabe schon eine enorme Herausforderung für ihn dar.


    In Worpswede angekommen wird der Protagonist vom Baumeister darüber informiert, wie man das Anwesen vorm Versinken schützen könnte. Es werden Bohrungen angeordnet und dabei wird eine Nazi-Bronze-Statue entdeckt. Eine Kunstfigur seines Großvaters, allerdings überdimensional groß als alle anderen Bronzen, die im Garten an der Eiche gekettet sind: Bismarck, Nietzsche, Willi Brandt, Max Schmeling und Ringo Star u.a.. Sein Onkel Nullkück hilft Paul dabei diese Statue wieder im Moor zu versenken, doch Paul wird durch diesen Vorfall hellhörig und beginnt seine Familiengeschichte zu durchforsten …


    Dabei stellt nicht nur Paul, nein auch der Leser, fest, dass es einfach herrlich ist seine Mutter und seinen Großvater wegen diesem Fund anschuldigen, anzuprangern, Paul hat endlich die Oberhand, aber nach außen hin verteidigt er seine Familie bis aufs Messer … Soweit ist es dann mit der Ehrlichkeit und der Wahrheit …


    Die ganze Handlung und das ganze Drum und Dran ist sehr umfangreich, skurril und raffiniert, man kann es nicht kurz in Worte fassen. Trotz des prekären Themas behält das Buch eine wunderbare Leichtigkeit, es ist sogar sehr spannend diese Familiengeschichte von Seite zu Seite aufzudecken. Dieses Romandebüt hat mir richtig gut gefallen und ich werde auf weitere Bücher des Autors gespannt warten.


    Moritz Rinke wurde 1967 in Worpswede geboren, studierte „Drama, Theater, Medien“ in Gießen und zählt zu den erfolgreichsten deutschen Gegenwartsdramatikern. Sein Stück „Republik Vineta“ wurde 2001 zum besten deutschsprachigen Theaterstück gewählt und 2008 verfilmt. Einige seiner Reportagen, Kurzgeschichten und Essays sind unter dem Titel „Der Blauwal im Kirschgarten“ sowie „Das große Stolpern“ erschienen. Der Autor lebt in Berlin und ist Gastprofessor für Szenisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.


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  • Im Kulturjournal des NDR habe ich am Montag einen Bericht über das Buch gesehen und es anschließend auf die Wunschliste gesetzt.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Paul ist aufgewachsen in Worpswede, lebt aber jetzt in Berlin und betreibt dort eine eher erfolglose Galerie. Seine Mutter, die in Lanzarote lebt, schickt ihm regelmäßig Salat in die vitaminlose Großstadt.
    Eines Tages erreicht Paul die Mitteilung, dass sein Elternhaus droht, im Moor zu versinken. Er reist nach Worpswede, um sein Erbe zu retten. Mit zum Erbe gehören die Bronzestatuen seines Großvaters, die im Garten stehen: Willy Brandt, Max Schmeling, Nietzsche und noch einige andere Statuen, welche alle angebunden werden müssen, damit sie nicht versinken. Alte Fragen tauchen auf - war Willy Brandt wirklich auf Besuch und ist es sein Stück Butterkuchen, das in der Tiefkühltruhe lagert?
    Und da ist die Statue von Marie, um welche sich ein Geheimnis rankt.
    Und immer wieder erreichen ihn "Muttertelefonate" - auch aus der Ferne will die Mutter instruieren.
    Damit nicht genug, erscheint eines Tages ein Fremder im Garten, der die Nazi-Vergangenheit der Künstlerfamilie erforschen und bekannt machen will.


    Themen des Romans sind Verdrängung der Vergangenheit, verschmähte Liebe, Verleugnen und Verlust.
    Mir hat der Roman gut gefallen, er ist unterhaltsam und recht spannend geschrieben - zudem finden sich tragikomische, skurrile Szenen und trotz des Themas ist der Roman wunderbar leicht geschrieben (wie schon Buchkrümel schreibt)


    Liebe Grüße


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  • Das Buch beginnt mit Paul Kück-Wendland und endet mit Paul. :lol:
    Es ist sehr originell, extrem skuril, und hat mich bestens unterhalten. Das Dorf Worpswede und besonders die Familie Kück hat es in sich, egal ob hoch geschätzt oder eben nur "Nullkück".
    Endlich hatte ich einmal nicht das Gefühl so etwas schon gelesen zu haben.
    Das ist mir :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: wert. :thumleft:
    Und wer es nicht liest, verpasst echt ein Highlight!


    Liebe Grüsse
    Wirbelwind


    :study: Anthony McCarten. Liebe am Ende der Welt

    :study: Naomi J. Williams, Die letzten Entdecker









    Bücher sind die Hüllen der Weisheit, bestickt mit den Perlen des Wortes.

  • Er war mal bei uns in der Schule, sympathisch.


    Das Buch ist auch gut zu lesen, wenn auch nicht direkt in meinem gewohnten Genrebereich.