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Klabund: "Wo andre gehn, da muß ich fliegen..."

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Wo andre gehn, da muß ich fliegen :::: E...

4.5|2)

Verlag: btb Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 400

ISBN: 9783442722679

Termin: September 1998

  • Klabund: "Wo andre gehn, da muß ich fliegen"
    ein Lesebuch, herausgegeben von Matthias Wegner


    Als Klabund war er einer der bekanntesten Dichter der zwanziger Jahre: Alfred Henschke,
    1890 in Crossen an der Oder geboren, 1928 viel zu früh an einem chronischen Lungenleiden
    gestorben. Heute erscheint dieser liebenswerte Poet, Erzähler und Bühnenautor wieder sehr
    gegenwärtig: verträumt und verzweifelt, leidenschaftlich und respektlos, melodisch und
    abrupt, spiegelt seine Poesie das nervöse Lebensgefühl einer Epoche, die sich emphatisch
    über sich selbst amüsierte, aber am Rande des Abgrunds wußte.
    (Klappentext)


    In diesem wunderbaren Buch sind Gedichte und eine Auswahl von Klabunds Prosa
    enthalten. Es enthält Liebesgedichte, Chinesische Gedichte, Lieder von Lust und Laster,
    garstige Weihnachtslieder, Geschichten von Liebe und Krieg, deutliche Worte, deutsche
    Literaturgeschichte (in einer Stunde) und das Spiel in 5 Akten " Der Kreidekreis".


    Lebenslauf
    Geboren ward Klabund,
    Da war er achtzehn Jahre
    Und hatte blonde Haare
    Und war gesund.


    Doch als er starb, ein Trott,
    War er zwei Jahre älter,
    Ein morscher Luftbehälter,
    So stieg er aufs Schafott.


    Er bracht ein Zwilling um...
    (Das Mädchen war vom Lande
    Und kam dadurch in Schande
    Und ins Delirium).


    Dieses Buch ist so liebevoll zusammengestellt von Matthias Wegner, dass ich es nicht
    mehr aus der Hand legen kann. Man erfährt so viel von dem Poeten und Erzähler
    Klabund. Durch die Auswahl der Gedichte und Erzählungen wird klar, wie zerrissen und
    verzweifelt Klabund war. Aber es wird auch ganz deutlich, welche Lebenslust in diesem
    Mann, der so früh sterben musste, steckte. Klabund, der die Frauen liebte (und ich
    wünschte, ich hätte ihn gekannt!) und der seine große Liebe im Sanatorium
    fand, sie heiratete und mit ihr ein Kind bekam. Dann starb erst seine Frau und einige
    Monate später sein Kind. Dieser Mann, der neben seiner chronischen Lungenkrankheit
    noch solche Schicksalsschläge hinnehmen musste, schreibt Gedichte, die voller Gefühl
    sind, aber auch deutliche Worte enthalten über Krieg und menschliche Schwächen.
    Er schrieb Tagebuch in der Zeit, als er im Gefängnis saß (aus politischen Gründen)
    und verfasste Offene Briefe an Kaiser Wilhelm II und die Nationalsozialistische
    Freiheitspartei Deutschlands. Er war unbequem und wegen Gotteslästerung ange-
    klagt. In seiner kurzen Lebenszeit hat er so viel geschrieben und so viel gelebt!
    In seine 38 Jahre hat er Leben und Liebe für ein ganzes langes Dasein gepackt.
    Ich mag diesen Autor sehr und das Buch auch.
    Wer Lyrik liebt, sollte Klabund lesen.
    Morgensternchen


  • Vorab: Das Zitat ist wirklich Klasse. Gefällt mir. :loool:
    Danke für die schöne Rezi. Da ich mich im Moment wieder mal mit den Literaten und Bohemians der zwanziger Jahre
    beschäftige (Scott Fitzgerald / Hemingway / James Joyce etc) kommt mir deine Rezi über Klabund wie gerufen.
    Ich hatte zwar den Namen schon mal gehört, konnte ihn aber nicht wirklich einordnen. Das Buch kommt jetzt auf
    meine Wunschliste. Hört sich sehr interessant an.

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare

    :study:The Penguin Book Of Irish Short Stories

    :study:Ron Carlson - A Kind Of Flying (Selected Stories)

  • Wieder


    Wieder willst du zu mir schleichen
    durch die dunkle Nacht.
    Alle Kluggedanken weichen
    Deinem wilden Unbedacht.


    Und du bittest,
    Dass ich wieder sei wie einst.
    Littest
    Du? - (Du weinst . . .)



    In einem Buchflohmarktramsch in Koppenhagen habe ich vor ein paar Jahren einen hübschen alten Einband entdeckt. Ich kaufte es ... es war meine erste Begegnung mit Klabund. Seine Gedichte haben mich berührt. Und können es noch heute.

    „Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht, kommen sie nicht wieder zurück.“
    Theodor Fontane

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