Bücherwichteln im BücherTreff

Rafael Yglesias - Glückliche Ehe / A HAppy MArriage

Glückliche Ehe

4 von 5 Sternen bei 12 Bewertungen

Verlag: Goldmann

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 448

ISBN: 9783442472390

Termin: November 2011

Anzeige

  • Ich habe dieses Buch von vorablesen.de bekommen, die Sperrfrist gilt dafür nicht.


    Die Geschichte einer Ehe, vom ersten Kennenlernen bis zu ihrem Ende, als die Ehefrau stirbt, erzählt Rafael Yglesias´ Roman. Im Wechsel wird dabei von der aktuellen Situation und von den Anfängen der Ehe, aber auch ihren Höhen und Tiefen erzählt.
    Die aktuelle Situation ist deprimierend; Margaret hat Krebs im Endstadium und wünscht sich, zu Hause in Frieden sterben zu können, weitere lebensverlängernde Maßnahmen lehnt sie ab. Enrique pflegt sie, kümmert sich aufopferungsvoll um sie, ist Tag und Nacht für sie da. Eine Woche, vielleicht zwei, hat Margaret noch zu leben. In dieser Zeit will sie sich verabschieden; von ihren Eltern, von Freundinnen und Freunden, jeden Tag soll jemand zu ihr kommen. Und auch von Enrique.
    In den Rückblicken erfährt der Leser, wie sie sich kennenlernten, verliebten, zueinander fanden, aber auch, wie nach der Geburt des ersten Sohnes die Luft raus war, Enrique anfing fremd zu gehen und an die Scheidung dachte. Dann mit Margaret zusammen eine Ehebratung aufsuchte und schließlich erkannte, dass sie zusammen gehören.


    Rafael Yglesias kann hervorragend schreiben. Sein Stil ist bildgewaltig und mitreißend, die Formulierungen und die Sprache absolut passend. Es gelingt ihm, Margaret und Enrique, aber auch die Nebenfiguren vielschichtig und tiefsinnig darzustellen. Enrique, das Wunderkind, vom Leben verwöhnt, mit einundzwanzig bereits ein erfolgreicher Autor. Und Margaret, in der die Seele einer Künstlerin steckt, was Enrique erkennt.


    Leider aber fehlt dem Roman von Anfang an fast jegliche Spannung. Nicht zuletzt deshalb, weil bereits auf dem Klappentext steht, das Margaret sterben wird. das weiß man also vorher. Dass sie heiraten werden, weiß man auch, was die Kennenlern-Kapitel leider auch nicht besonders spannend macht, zumal sie streckenweise ziemlich langatmig sind. Der phänomenale Schreibstil trägt zwar gut darüber hinweg, aber an den Stellen wäre etwas kürzer besser gewesen.


    Die Liebe zwischen den beiden ist allerdings grandios dargestellt. Es werden die tiefen Gefühle wirklich deutlich.
    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Unheilbarer Krebs - welch ein Martyrium!


    " Lieferservice" - Kapitel eins des Romans "Glückliche Ehe"
    Die Betitelung passt perfekt zum anschließenden Inhalt. In flapsigem Schreibstil stellt uns der Autor Rafael Yglesias die beiden Freunde Bernhard Weinstein, 25 Jahre, und Enrique Sabas, 21 Jahre, vor. Sie sitzen zusammen in einer Kaffeebar. Bernhard schwärmt von Margaret Cohen, einem hübschen Mädchen mit außergewöhnlichen Qualitäten. Enrique traut Bernhard nicht so recht; er hält die Existenz Margarets für Fiktion. Doch ein Treffen wird arrangiert: "auf seine Bestellung erscheint die Traumfrau, von der er gar nicht gewusst hatte, dass er von ihr träumt". Locker-leicht liest sich der Text.
    "Ahnung" ist - nach dem federleichten ersten Kapitel - ein düsteres und ernsthafteres. Margret und Enrique sind nun 27 Jahre glücklich verheiratet. Sie haben zwei Jungs, Gregory und Max (16 Jahre alt). Die Familie gehört zur oberen Mittelklasse New Yorks und kann ihr Leben sorglos genießen.
    Doch drei Jahre zuvor hat das Schicksal in aller Härte zugeschlagen: Bei Margaret wurde Blasenkrebs diagnostiziert. Seit einem halben Jahr kann sie keine Nahrung mehr aufnehmen. Alle medizinischen Maßnahmen und technischen Möglichkeiten sind erschöpft. Nichts kann mehr helfen.
    Rafael Yglesias beschreibt den Krankheitsverlauf in aller Härte und brutaler Offenheit. Wir sehen Margaret nackt und abgemagert vor uns; ihr Körper ist durchlöchert von den Versorgungsschläuchen. Wir lesen von den vielen Operationen, dem persönlichen Einsatz Enriques, der nahezu rund um die Uhr bei seiner Frau ist. Er hat sie zeitweise gepflegt; nun kann er sie nur noch "in den Armen halten, ermutigen, trösten, aufheitern und lieben". Dabei empfindet er Furcht wie noch nie zuvor.
    Die zeitlebens aktive Margaret nimmt ihre Erkrankung anfangs an. Sie kämpft mit all ihrer Kraft dagegen an. Als alles aussichtslos erscheint, fordert sie Operationen, die die Ärzte kaum noch für sinnvoll erachten. Aber nun am Ende kann sie nicht mehr. Sie bittet ihren Mann: "Ich will sterben. Du musst mir dabei helfen."
    In den "Erinnerungen" setzt sich inhaltlich das vorsichtige Kennenlernen der Beiden bis zur ersten Verabredung fort. So alternieren die weiteren Kapitel: Fokussierung auf den weiteren Leidensweg Margarets im Wechsel mit der weiteren Entwicklung der Beziehung. Diese thematischen Kapitel fand ich zwar teilweise langatmig, aber sie sind wohl als bewusst eingesetztes Stilmittel des Autors zu verstehen: Der Leser kann Luft holen, er kann das Gelesene verarbeiten, Kraft tanken und wieder zu Margaret zurückkehren.
    Das Buch kann man nicht so leicht abschütteln. Es fordert Aufmerksamkeit und Respekt. Da der Tod unausweichlich ist, wird das Lesen für manchen zu einer seelischen Belastungsprobe werden. Ein mutiges Buch.

  • Von vornherein weiß man wie diese Geschichte enden wird und wovon sie handelt. Auch ist absehbar was noch passieren wird. Und doch ist das Schicksal zwei sich Liebender so fesselnd, das man dasBuch nicht mehr aus der Hand legen mag. Die Erzählstrukur ist vorwiegend in zwei Abschnitte unterteilt. Bis kurz vorm Schluss des Romans wird, wechselnd pro Kapitel, einmal aus der Jugend von Enrique und Margaret und einmal von der gegenwärtigen Situation-die sterbende Margaret mit Enrique an ihrer Seite-erzählt. Erst am Schluss, in Margarets letzten Stunden im komaähnlichen Zustand,wird auch die Erzählstruktur verwirrrender.



    Ein wenig errinnert mich dieses Schicksal an den Roman "Wie ein einziger Tag" von Nicolas Sparks. Am Ende ihres Lebens schauen zwei alte Menschen auf ihre Jugend zurück. Nur das im vorliegenden Roman, Enriques Leben noch nicht zu Ende ist, und er versuchen muss mit der neuen Situation klar zukommen.


    Eigentlich ist der Titel als solcher ein Paradoxon. Denn eine wirklich glückliche Ehe hatten die beiden Protagonisten doch erst, nachdem Margarets Krankheit ersichtlich wurde. Man lernt also wirklich erst das zu schätzen was man liebt, wenn der baldige Verlust droht...


    Ein wirklich bewegendes Schicksal, 5 von 5 Sternen!

    -Lesen ist die schönste Art zu Träumen, Träumen ist die beste Art zu fliegen-

  • britta


    Das Buch wurde bereits im Forum vorgestellt! Ich habe daher deinen Beitrag an den bereits bestehenden Thread angehängt. :idea::wink:

  • Enrique Sabas ist der Prototyp eines Wunderkindes. Mit sechzehn Jahren seinen genialen Debütroman veröffentlicht und von Kritikern gefeiert, lernt er früh auf eigenen Beinen zu stehen. Er zieht von zuhause aus und lebt zunächst 3 Jahre lang bei seiner wesentlich älteren Freundin, bis er nach der Trennung allein in seinem Studentenappartement lebt. Verzweifelt versucht er, an seinen Erfolg von damals anzuknüpfen und gerät immer mehr unter Druck, erfolgreich sein müssen. Bewundert wird er inzwischen nur noch von Bernard, der als Schriftsteller noch erfolgloser ist als er. Als dieser ihm eines Tages die selbstbewusste Margaret vorstellt, verändert sich Enriques Leben für immer.


    Im Wechsel wird die Geschichte von Enrique und Margaret in der Vergangenheit und der Gegenwart erzählt. Im Hier und Jetzt sind die beiden seit über 20 Jahren verheiratet und haben 2 erwachsene Söhne. Was jedoch nach einer Idylle klingt, wird von einer Tragödie überschattet, den Margaret hat Krebs und keine Aussicht auf Heilung mehr. Und weil sie ihr Leben, so wie es geworden ist, nicht mehr ertragen kann, bittet sie Enrique, ihr beim Sterben zu helfen - den letzten Liebesdienst, den ihr Mann ihr erweisen kann.


    Vorsichtig, aber dennoch intensiv schildert Rafael Yglesias die Anfänge und das Ende einer großen Liebe. Wir erfahren von Enriques und Margarets erstem Date, von Bernards Eifersucht und Enriques Angst, der Frau an seiner Seite nicht genügen zu können. Der schönen und klugen Margaret, die ebenso kühl und launisch sein kann und am liebsten jeden und alles um die herum kontrollieren möchte. Eine Kontrolle, die sie erst im Sterben an ihren Mann abgeben kann.


    Dass Yglesias in seiner Geschichte auch die dunklen und schwierigen Seiten einer Ehe zeigt, bringt sie dem Leser näher und macht sie glaubwürdiger. Neben Liebe und Freundschaft spielen auch Zweifel, Lieblosigkeit, Verzweiflung und sogar Hass eine Rolle. Enrique betrügt seine Frau mit einer anderen, Margaret verletzt ihn immer wieder und schließt ihn aus seinem Leben aus. Dennoch halten sich die beiden wie Ertrinkende aneinander fest - bis zum Schluss.


    Rafael Yglesias ist es gelungen, von einer nicht perfekten Ehe zu erzählen, ohne Pathos und Augenwischerei - einer Ehe wie jeder anderen, aber dennoch besonders.
    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Während ich diese Rezension schreibe bin ich noch immer ganz egriffen von meinem Empfinden, was dieses Buch betrifft. Mir war klar das es sehr emotional werden würde, mir war aber nicht bewusst wie sehr! Rafael Yglesias schafft es mit seinem Schriftstil den Leser in diese Geschichte eintauchen zu lassen, die Personen des Buches nahe zu bringen. Enrique der vermutliche Protagonist dieser Handlung berichtet über seine Ehe. Den Anfang, das miteinander aber auch die Probleme die auch in einer "Glücklichen Ehe" auftauchen können. Bewundernswert gehen seine Frau Margaret und er mit ihrer schweren Krankheit Blasenkrebs um. Sie wissen beide das Margarets kampf zu Überleben aussichtslos ist und so hat sie nur noch einen einzigen Wunsch : In Frieden zu sterben. Enrique kümmert sich aufopfernd um sie während es immer wieder Rückblicke über ihre Ehe zu lesen gibt. Man fragt sich in diesem Buch immer wieder, woher nimmt er diese Kraft. Hätte man selbst diese Kraft? Auch Margaret erscheint sehr bewundernswert. Grausam realistisch werden Details der Krankheit aufgeführt, ob es die Behandlung betrifft oder aber auch die abschreckenden Gedanken.


    Fazit: Ein wunderbares gefühlvolles Buch das einen oft schlucken lässt. Dennoch unbedingt lesenwert!

    Laß die Leute reden so bleib ich wenigstens im Gespräch :wink:

  • Das Lesejahr 2010 begann für mich mit einem Highlight. Rafael Yglesias schildert das Kennenlernen und die wachsende Liebe Enriques und Margarets, die aus vollkommen verschiedenen Gesellschaftsschichten stammen.
    Fast 30 Jahre später -die Beiden gehören inzwischen der oberen Mittelschicht New Yorks an- erkrankt Margaret an Krebs.
    Die stets energiegeladene, sportliche und unternehmungslustige Frau kämpft gegen ihre Krankheit an, doch leider erfolglos.
    Enrique steht ihr in dieser schweren Zeit zur Seite, unterstützt Margaret in jeder Hinsicht, auch als es darum geht, ihr Sterben zu akzeptieren und sie auf diesem letzten Weg zu begleiten.


    Die Vita des in New York lebende Autors lässt vermuten, dass der Roman zumindest autobiografische Züge trägt.
    Rafael Yglesias schildert keine unglaubwürdige “Friede-Freude-Eierkuchen-Ehe”, sondern eine glückliche und auf mich realistisch wirkende jahrzehntelange Beziehung mit Höhen und Tiefen, Problemen, Fehltritten und Zweifeln.
    Yglesias verlangt seinen Lesern einiges ab. Der Roman ist schonungslos und schildert die Brutalität des Endstadiums dieser schlimmen Krankheit ohne jedes Tabu. Obwohl der Autor zu keiner Zeit pathetisch oder rührselig wird, hat mich das Schicksal dieses Paares tief bewegt.


    Ein unbedingt lesenswertes Buch für alle, für die eine “glückliche Ehe” nicht zwingend mit "Es war einmal…” beginnen und mit einem "Und wenn sie nicht gestorben sind..." enden muss.

    Liebe Grüße,
    Rita


    ~Ich wäre lieber ein armer Mann in einer Dachkammer voller Bücher als ein König, der nicht lesen mag.~
    Thomas Babington

  • »Glückliche Ehe« ist die Geschichte einer fast dreißigjährigen Ehe, von ihren beschwingten Anfängen bis zu ihrem durch Krebs erzwungenen Ende. Die Leichtigkeit und Komik des Kennenlernens in den ersten Wochen wechselt dabei ab mit den bitteren, aber auch erfüllten letzten Monaten von Margarets Leben, als sie sich von Familie und Freunden verabschiedet - und von ihrem Mann Enrique.



    Dieses Buch ist unglaublich tiefgreifend, emotional, detailgetreu und lebensnah. Yglesias schafft es die Beziehung zwischen Enrique und Margaret sehr gefühlvoll und mit einem Gespür fürs Detail darzustellen. Das Buch handelt von der Entstehung, den Tücken und Problemen und dem ungewollten Ende einer Ehe. Die Geschichte wird aus der Sicht von Enrique erzählt und bietet einen tiefen Einblick in sein Seelenleben. Mir fiel es dadurch leicht sich mit ihm zu identifizieren, da ich eigene Gewohnheiten, Schwächen und Leidenschaften in ihm wieder entdeckt habe. Das Buch punktet nicht unbedingt mit einem großartigen Spannungsaufbau, sondern mit einer unglaublich ausführlichen und gekonnten Schreibweise. Ich war zutiefst beeindruckt wie realistisch und lebensnah Yglesias die Situationen schildert. Als ich die Kurzbiografie von Rafael Yglesias durchlas stellte ich erst fest, dass die Grundlage der Geschichte aus seinem eigenen Leben stammt. Auch Yglesias brach die High School ab um einen Roman zu veröffentlichen, schrieb Drehbücher, hat zwei Söhne und war mit seiner Frau Margaret bis zu ihrem Tod 2004 verheiratet. Man kann also bei „Glücklicher Ehe“ schon fast von einer Autobiografie sprechen. Es ist unklar wie viel im Detail der Autor aus seinem Leben in das Buch eingebracht hat, aber so greifbar wie Yglesias schreibt, meint man fast zu wissen, dass der Autor von seinen eigenen Gefühlen und Erfahrungen erzählt. Es werden viele Facetten des Lebens dargelegt und am Ende bleibt die Frage: Was im Leben ist eigentlich wirklich wichtig? Ich kann das Buch nur empfehlen, es ist auf jeden Fall ein Buch das berührt und nicht viel Spannung nötig hat, da die Erzählung einen auch so direkt fesselt.



  • Dieser wunderbare Roman ist eines der schönsten Bücher über das Zusammenleben von Mann und Frau, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Nach einer Schreibpause von über 13 Jahren hat der in New York lebende Autor Rafael Iglesias mit "Glückliche Ehe" ein Buch geschrieben, das ehrlich und kritisch, liebevoll und manchmal bitter, mit viel Humor und noch mehr Trauer im Herzen die sicher auch vom Tod seiner Frau Margaret Joskow 2004 geprägte Geschichte der Ehe von Enrique Sabas und Margaret Cohen erzählt.


    Als Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts der gerade einmal 21-jährige Enrique auf die drei Jahre ältere Margaret trifft, erkennt er in ihr auf der Stelle die Liebe seines Lebens. Sie überwinden die zunächst fast unüberbrückbaren Unterschiede in ihren Herkunftsfamilien und ihren Persönlichkeitsstrukturen.


    Als nach über dreißigjähriger Ehe Margaret erfährt, dass sie Krebs im Endstadium hat, kämpft sie zunächst erbittert gegen die Krankheit, bevor sie sich dann ihrem Schicksal beugt und ihr nahes Ende akzeptiert. Enrique ist an ihrer Seite und während ihr gemeinsames Leben mit zwei Kindern zu Ende geht, was von Iglesias mit tiefem, weil selbst erlebtem Mitgefühl erzählt wird, gehen die Erinnerungen zurück an ein langes gemeinsames Leben. An die Zeit des Kennenlernens, die Zeit der Krisen und drohenden Untreue, an viele schöne und viele schwere Erlebnisse und Erfahrungen. Enrique, der immer nach Beweisen für ihm entgegengebrachte Liebe sucht, und seine Schwierigkeiten als Schriftsteller sind ein immer wiederkehrender Unruheherd, den Margaret mit ihrer energischen und zielstrebigen Art auszugleichen bemüht ist.


    Indem Enrique einen klaren Zeitplan aufstellt, wie sich alle Freunde und Verwandte von der noch lebenden Margaret verabschieden können, mischen sich ihm andauernd Gedanken an den Tod und an ein Weiterleben nach dem Tod in die Seele und in das Herz. Und immer wieder kommen die Erinnerungen an die Phasen ihres Lebens, ihrer trotz aller Krisen "glücklichen Ehe", wie sie Iglesias aufrichtiger nicht hätte erzählen können.


    In Zeiten, wo kaum noch jemand willens oder in der Lage zu sein scheint, eine über Jahrzehnte dauernde Ehe zu führen, in Zeiten, wo bei jeder kleinen Krise der Scheidungsrichter bemüht wird, ist dieses Buch an ermutigendes Zeugnis. Das Leben in einer Ehe ist voller Widersprüche, vielschichtig, mit Zweifeln und Versuchungen gespickt, doch es lohnt sich. Rafael Iglesias hat es mit viel eigenen Erfahrungen angereicherter in wundervoller Weise beschrieben. Die Erfahrung von Glück braucht all diese weniger glücklichen Erlebnisse, um als dauerhaftes Glück identifiziert und dann auch gelebt zu werden. Menschen, die schon lange verheiratet sind, und die Beziehungsarbeit nie aufgegeben haben, werden das bestätigen.

  • Eine sehr bewegende Erzählung mit autobiographischem Hintergrund!


    Enrique, der Erzähler, berichtet rückblickend seine Geschichte. Wobei eine Ebene die schicksalhafte Auseinandersetzung mit dem Tod seiner Frau ausmacht, und die andere noch tiefer in die Vergangenheit zurück blickt, das Kennenlernen, die Geburt der Kinder und sein Eheleben.


    Er lernt die 24 jährige Margaret mit 21 kennen. Zu diesem Zeitpunkt hat er schon zwei Romane veröffentlicht und schreibt gerade am dritten. Mit 16 Jahren ist er von Zuhause ausgezogen, und steht seither auf eigenen Beinen. Zwar mehr schlecht als recht, doch er kann sich irgendwie mit der Schreiberei über Wasser halten. Seine Jugend hat er diesem Projekt untergeordnet, und seine Situation zwingt ihn zu Disziplin und Ausdauer. Bei seinen Werken setz er auf Qualität statt Quantität, und aus diesem Grund verkaufen sich seine Bücher eher schleppend.


    Margaret ist von den 3 Jahren jüngeren Mann fasziniert, weil er, anders als ihre anderen Bekannten, für sein Alter schon sehr konsequent und erwachsen ist und verliebt sich in ihn.


    Die andere Ebene, die Ebene der Krankheit, das Siechtum und das Leiden Margarets, wird sehr ausführlich, auch medizinisch mit Symptomatik, Medikation und Behandlungsmethoden, beschrieben. Gepaart ist dies mit sehr viel Gefühl und Emotion (als ich dann den Werdegang des Autors las, begriff ich auch warum), da Yglesias es selber so erlebt hat. Aber es ist nie aufdringlich oder wehleidig! Ich habe diesen Teil als sehr anregend und bewegend empfunden und las ihn sehr gerne.


    Zum Schluss stirbt Margaret und Enrique steht als gefestigter Mann da. Sicherlich mit großer Trauer und Schmerz, aber auch gereift, tapfer und selbstbewusst. Diese Eigenschaften waren vorher Margaret eigen und sind auf auf ihn übergegangen. Das Paar hat am Ende ihre Rollen vertauscht, so dass der Leser auch ganz viel Hoffnung aus diesem Buch schöpft – es hat mich tief bewegt!

  • Inhaltsangabe:


    Nach knapp 30 Ehejahren muss der New Yorker Drehbuchautor und Schriftsteller Enrique Sabas seine Frau Margaret beim Sterben begleiten. 30 Jahren Ehe, die ihre Anfänge in den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts hatte und durchaus holprig war.


    Gute und schlechte Zeiten hat das Paar begleitet: zwei Söhne wurden geboren, eine Affäre die Ehe enorm gefährdet und berufliche Misserfolge den Alltag zusätzlich belastet. Und doch blickt Enrique immer wieder zurück und stellt am Ende fest, dass er sie doch liebt und ihren bevorstehenden Tod durch die Krebserkrankung weder akzeptieren noch begreifen kann.


    Mein Fazit:


    Es gibt am Anfang des Buches den Hinweis, dass das Buch Fiktion ist und alle genannten Personen frei erfunden wären. Aber der Roman ist autobiografisch, denn die Parallelen zm wahren Leben des Autors sind einfach zu offensichtlich. Er hat über seine Ehe mit der Malerin Margaret geschrieben, die das genaue Gegenteil von dem war, was er ist.


    Ein gefeiertes Wunderkind war er, mit 16 Jahren seinen ersten Roman veröffentlicht und gleich von der Schule gegangen, ohne Abschluss, um sich dem Schreiben zu widmen. Inspiriert von seinen Eltern, Exil-Kubaner und ebenfalls Künstler, lebte er das Leben eines Boheme, während Margaret aus einer bürgerlichen Familie entstammte. Was genau sie die 30 Jahre zusammen hält, kann er selbst nicht sagen. Er fühlte sich ihr oft unterlegen und von ihrer kontrollierten Art erschlagen. Er flüchtete sich sogar zwischendurch aus der Ehe und pflegte eine Affäre, da ihn das New Yorker Familienleben einengte. Dabei versuchte seine Frau durchaus die Familie über Wasser zu halten. Sie arbeitete und spannte ihn in die Organisation des Familienalltags ein, damit er weiter seiner schriftstellerischen Tätigkeit nachgehen konnte, obwohl er keinen erfolgreichen Roman mehr veröffentlichte. Um Geld in die Kasse zu spülen, begann er (das allerdings erfolgreich) Drehbücher zu schreiben.


    Die Abschnitte wechseln zwischen Gegenwart und Vergangenheit ab, dabei wird gerade der Anfang ihrer Beziehung ziemlich genau beleuchtet. Enrique ist zwar schon erfahren, aber im Angesicht seiner Traumfrau linkisch und unsicher. Jedes Treffen wird zum Minenfeld und seine Stimmungen schwanken zwischen Himmel hoch jauchzend bis zu Tode betrübt.


    In der Gegenwart, während Margaret von Freunden und Familien Abschied nehmen kann, analysiert Enrique genau die Personen, die seine Frau noch einmal sehen will. Er sehnt sich danach, selbst von ihr Abschied zu nehmen. Und doch kommt immer wieder etwas dazwischen. Nebenbei hat er einige weitreichende Erkenntnisse. Eine gewisse Unsicherheit ist ihm nach wie vor geblieben, aber er ist an der Seite seiner Frau.


    Der Autor hat sehr viel Witz und Charme an den Tag gelegt, allerdings hat er auch eine ausschweifende Erzählweise, die lange Absätze zur Folge hat. Mit Dialogen ist er oft recht sparsam umgegangen, was mich leider auch immer wieder ermüdete. Ich kam nur langsam mit dem Buch voran. Allerdings ist es schon erstaunlich, wie er seine Ehe analysiert. Und Leser bzw. Leserinnen, die selbst schon lange verheiratet sind, werden sich bestimmt an der einen oder anderen Stelle wiederfinden. Ich tat es zumindest!


    Zu diesem Buch gab es in der Kirchengemeinde, wo ich arbeite, einen Literaturgottesdienst. Diesen habe ich mit großem Interesse verfolgt, ebenso die Meinung des Lektors, der den Gottesdienst leitete. Und es stimmt, was er sagt: Das Buch hätte auch „Eine glückliche Ehe“ heißen können, das wäre zumindest dem Original-Titel gerecht geworden – aber auch der Geschichte!


    Von mir gibt es vier Sterne und eine klare Empfehlung!

    LG, Elke :wink:

    • in 2016 gelesen: 83 Bücher/ 30.850 Seiten/ 506 Minuten gehört
    • in 2017 gelesen: 84 Bücher/ 34.387 Seiten/ 20 Hörbücher/ 10.930 Minuten gehört
    • in 2018 gelesen: 50 Bücher/ 19.282 Seiten/ 13 Hörbücher/ 7.651 Minuten gehört
    • in 2019 gelesen: 46 Bücher/ 21.130 Seiten/ 16 Hörbücher/ 8.832 Minuten gehört/ SuB: 98 Bücher :-,

    Bücher suchen ein neues Zuhause!

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Rafael Yglesias - Glückliche Ehe“ zu „Rafael Yglesias - Glückliche Ehe / A HAppy MArriage“ geändert.

Anzeige