Anchee Min - Madame Mao

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    Die Person Jiang Qings, der dritten und letzten Ehefrau Mao Zedongs, ruft bis heute irritierende Reaktionen hervor. In der Volksrepublik China gilt sie nach dem Sturz der so genannten Viererbande -- eine Bezeichnung, die Mao auf eine Gruppe linksgerichteter Politbüromitglieder um Jiang Qing prägte -- als die Volksverräterin schlechthin. Am Ausbruch und Radikalisierungsprozess während der Großen Proletarischen Kulturrevolution 1966-69 hatten Mitglieder der Viererbande in der Tat einen wesentlichen Anteil, doch lässt sich der kanalisierte Hass nicht allein dadurch erklären. Jiang Qing geriet in die Rolle eines Sündenbocks, der für viele der Fehlentwicklungen des späten Maoismus verantwortlich gemacht werden sollte, derweil man den großen Vorsitzenden aus der Kritik halten wollte. Schließlich bedurfte es seiner Person als Legitimation für ein Weiterregieren der Kommunistischen Partei in China.
    Anchee Min, kurzzeitig Schauspielerin in Jiang Qings Shanghaier Filmstudios, unternimmt in ihrem provokanten Roman Madame Mao den Versuch, hinter die Fassaden dieses "Weiße-Knochen-Gespenstes" zu blicken. Sie zeichnet den Lebensweg der späteren First Lady nach, die, aus ärmlichen Verhältnissen in der Provinz Shandong stammend, im Shanghai der 30er-Jahre eine bescheidene Karriere als Schauspielerin macht, bis sie schließlich in der kargen Lösslandschaft Yan'ans auf den Mann trifft, der ihr Leben verändern soll, auf den Hunaner Bauernsohn Mao.



    Bis auf die Wilden Schwäne kenne ich bisher eher wenige Bücher über China, weshalb ich mich auf dieses kleine Büchlein freute. Leider kam ich mit dem Schreibstil nicht klar, der ständig seine Perspektive wechselt: ein paar Absätze spricht "Madame Mao", sofort darauf wird ihre Aussage durch einen neutralen Kommentar unterlegt. Mit dieser Struktur könnte man sich ja noch anfreunden (ist ja ähnlich wie mit den umfangreichen Fußnoten bei David Foster Wallace), aber unglücklicherweise kam die Autorin nicht dazu, neben den dürren Fakten noch Details oder Emotionen einzubauen, die einem die Handlungen der Personen näher bringen und nachvollziehbar machen könnten. Man liest daher eher wie in einem Geschichtsbuch vor sich hin...


    LG schnakchen

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