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Michael Theurillat - Sechseläuten

Sechseläuten

3.9 von 5 Sternen bei 7 Bewertungen

Band 3 der

Verlag: List

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 336

ISBN: 9783548609447

Termin: August 2010

  • Kurzmeinung

    cocodrilla
    Ein Krimi der sich mit einem traurigen Thema befasst, das mich sehr beeindruckt hat. Spannend und einfach zu lesen.

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  • Beschreibung:
    Jedes Jahr findet in Zürich das Sechseläuten statt, ein Fest mit dem man den Winter austreibt. Der zürcher Kommissar Eschenbach besucht dieses Fest, und erlebt hautnah mit wie eine Dame das Bewusstsein verliert und stirbt. Der Kommissar startet sofort Reanimationsversuche - vergebens. Die Frau namens Charlotte Bischoff stirbt noch vor Ort. Doch sie war nicht alleine. Ein kleiner Junge war bei ihr, aber er spricht kein Wort. Jedenfalls nicht Deutsch - er spricht Jenisch. Selten heutzutage, denn die Jenischen in der Schweiz haben eine sehr traurige Vergangenheit, gehütet wie ein Staatsgeheimnis.
    Die Medien stürzen sich auf die Story mit der Toten vom Sechseläuten, Eschenbach wird als unfähiger Polizist dargestellt und wird kurzerhand von seiner gehässigen Chefin suspendiert. Auf der Suche nach Antworten vertieft sich Eschenbach in die Schwester der Toten, Lara Bischoff, ahnend dass auch sie Geheimnisse hütet...
    Immer weiter vergräbt sich Eschenbach in den Tod der Frau, bis er eine Verschwörung enthüllt die nicht nur bis in die obersten Reihen des Weltfussballverbandes FiFa, sondern auch bis in die eigenen Reihen der Kantonspolizei führt...


    Meine Meinung:
    Ja da wären wir - meine erste Rezi. Sechseläuten war mein allerserster schweizer Roman, interessant wenn man einige der Handlungsorte nicht nur aus dem Fernsehen kennt, sondern auch schon selber gesehen hat. Und der Autor Michael Theurillat weiss Zürich angemessen zu beschreiben - nämlich karg. Kaum in einem anderen Buch, fühlte ich mit der Hauptperson so mit als es darum ging sich mit der eintönigen Umgebung auseinanderzusetzen. Kommissar Eschenbach hat eigentlich keine Lust auf Zürich, keine Lust auf seinen Job und auch keinen Lust auf die Menschen mit denen er seine Zeit verbingt, er ist Egozentriker... womöglich auch Zyniker. Jedoch lassen ihn die Fragen, die dieser merkwürdige Fall aufwirft, nicht los. Und mich auch nicht - ich habe manchmal gar nicht mehr gemerkt auf welcher Seite ich war, habe völlig die Orientierung verloren, weil ich umbedingt wissen wollte, "wer was wo" getan hat.
    Die Story an sich ist sehr intelligent durchdacht, die Charaktere sind allesamt sehr undurchsichtig und zwielichtig. Eigentlich pausenlos, hatte ich während dem lesen ein Unbehagen, und bis zum Ende dieses Buches wächst das Unbehagen zu einer nervenzerreissenden Spannung heran.
    Kanns nur weiterempfehlen!


    Meine Bewertung: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: 4 von 5..

    Ps. Das ist wie gesagt meine allererste Rezi, also falls was nicht stimmt mit dem Erstellen des Beitrages oder so, wäre ich dankbar wenn mir jemand unter die Arme greift.

  • Danke für die interessante Rezension. Jetzt möchte ich es auch wissen - "wer was wo" :) Muss auch gestehen, dass ich noch gar nichts von Jenischen gehört habe. Bei Wiki nachgeschlagen:

    Zitat

    Merkmale dieser historischen Jenischen waren ihr ökonomischer, rechtlicher und sozialer Ausschluss aus der Mehrheitsbevölkerung und eine dadurch bedingte Dauermigration

    Könnte interessant sein.

    2019: Bücher: 142/Seiten: 58 122
    2018: Bücher: 224/Seiten: 89 626
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Lese gerade:

    Beckett, Simon - Verwesung

    Glasfurd, Guinevere - Worte in meiner Hand

  • Da morgen das "Sächsilüüte" stattfindet, hole ich die Rezi wieder hoch und ergänze durch meinen Eindruck zu diesem Buch.



    Inhalt (vom hinteren Cover kopiert)


    Mit dem Sechseläuten treibt man in Zürich den Winter aus. Während der Feierlichkeiten bricht plötzlich eine Frau zusammen und stirbt. Die Todesursache ist unklar. Neben der Leiche steht zitternd ein kleiner Junge. Kommissar Eschenbach, der zu den Ehrengästen gehört, spürt, dass der Junge etwas gesehen hat. Doch er schweigt. Was für Eschenbach als spontaner Einsatz beginnt, wird zu einer erschütternden Reise in die Vergangenheit.



    Meine eigenen Eindrücke


    Pünktlich zum diesjährigen „Sechseläuten“ habe ich den Krimi von Michael Theurillat fertig gelesen. Der Autor schreibt Regiokrimis, die in und um Zürich spielen. Der Ermittler ist Kommissar Eschenbach, der einen sehr an die Figur des „Wachtmeister Studer“ von Friedrich Glauser erinnert. Mit viel Liebe zum Detail werden die Schauplätze in Zürich und der Region am See beschrieben die Protagonisten im Umfeld der Polizei sind sehr menschlich und lebensecht gezeichnet. Zu einem Regiokrimi gehört eine gewisse Portion Lokalkolorit, allerdings habe ich das in diesem Krimi nicht so aufdringlich empfunden, wie das manchmal der Fall ist. Umgangssprachliche und schweizerdeutsche Ausdrücke sind sehr sparsam verwendet, allenfalls gibt es die ein oder andere Redewendung, die man typischerweise in der Schweiz verwendet und die dem deutschen Leser vielleicht eher ungewohnt oder unverständlich erscheinen mag. Im gesamten ist aber der lokale „touch“ angenehm dosiert.


    Aufgebaut ist das Buch aus 6 größeren Teilen, die jeweils als Überschrift die Abschnitte eines Fußballspieles trägt (Erste Halbzeit, zweite Halbzeit, Nachspielzeit…). Inhaltlich taucht Fußball einmal im Hintergrund auf; die EURO 2008 steht kurz bevor und diese Großveranstaltung bindet die Ressourcen den Polizei sehr stark und ein weiteres mal da die Hauptfiguren um die Ermordete im Umfeld der FIFA zu finden sind. Für das Verständnis sind aber keinerlei Fußball-Kenntnisse nötig und für einen erklärten Nicht-Fußballfan wie mich, sind die wenigen Informationen nicht störend.


    Die Ermittlungen gehen zurück in ein sehr dunkles Kapitel der schweizerischen Geschichte. Zwischen 1926 und 1972 wurden Kinder von Fahrenden, in diesem Fall vor allem von „Jenischen“, von einer Stiftung „Kinder der Landstraße“aus ihren Familien entfernt und in Kinderheime oder zu Pflegefamilien gebracht, die die Kinder, falls sie sich gut angepasst haben, später adoptierten. Man empfand die Lebensform der Fahrenden als Persönlichkeitsmangel wollte durch die bewusste Entfremdung der Kinder von ihren Familien bewirken, dass diese Lebensweise ausstirbt.


    Inhaltlich ist der Krimi nicht allzu umfangreich, weshalb ich auch nicht mehr verraten möchte. Stellenweise war mir die eine oder andere Begebenheit nicht sehr glaubwürdig erschienen. So war mir zum Beispiel das allumfassende Wissen eines ehemaligen Polizisten etwas zu dick aufgetragen. Insgesamt aber fand ich den Krimi sehr angenehm zu lesen, er ist spannend, hat mich gut unterhalten und auch nachdenklich gestimmt, da ich die Aufklärung dieses Menschen verachtenden Vorgehens an den „Jenischen“ und die Reaktionen in der Bevölkerung selber als Schulkind aus der Presse, im Fernsehen und durch so manche Diskussion in der Familie miterlebt habe.


    Wer Regiokrimis mag, gerne ein bisschen in den Zürcher Alltag eintaucht oder Interesse hat am Schicksal der „Kinder der Landstraße“, dem kann ich den Krimi sehr empfehlen.


    Ich vergebe :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte und siehe, die Pflicht ist Freude!
    Rabindranath Tagore (1861-1941)


    Lha gyal lo - Free Tibet!

    Wir sind grüüüüüün!!!!

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