Jan Fleischhauer - Unter Linken. Von einem, der aus Versehen konservativ wurde

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  • Jan Fleischhauer hat ein wirklich interessantes Buch geschrieben, ein Buch mit einigen sehr nachdenkenswerten Passagen, aber eben auch ein Buch in welchem eine Menge Unsinn aufgeschrieben wurde. Sehr oft ordnet Fleischhauer die Dinge so wie sie am besten in sein Weltbild passen.


    Er schreibt durchaus locker und flüssig und auch ein gewisser Charme ist ihm sicher nicht abzusprechen. Leider vermisst man bei ihm, das etwas tiefere Eindringen in die von ihm angesprochene Materie. Dinge, die nicht in sein Denkschema passen, werden ausgeklammert oder ins Lächerliche gezogen.


    Jan Fleischhauer stammt aus einer linksorientierten Familie und linkes Gedankengut wurde ihm quasi schon mit der Muttermilch eingeträufelt. Doch irgendwann löste er sich von elterlichen Einfluss und ging seinen eigenen Weg. Er studierte Literaturgeschichte und Philosophie in Hamburg und arbeitet seit 1989 in der Redaktion des SPIEGEL. Und eben das merkt man diesem Buch sehr deutlich an. Gerade der SPIEGEL ist bekannt für seine populistisch und oberflächliche Berichterstattung, die Woche für Woche aber immer wieder als intellektuelles Highlight präsentiert wird. Der SPIEGEL schafft es immer wieder seine journalistische Flachheit geschickt zu tarnen. Und dieses scheint Fleischhauer eben auch in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. Angenehmer Schreibstil, mit aber sehr oft fehlender inhaltlicher Aussage.


    Er spricht immer von „der Linken“ obwohl er augenscheinlich gar nicht begriffen hat, was „diese Linke“ eigentlich ist, er hat den ganzen Facettenreichtum der linken Szene offensichtlich nicht begriffen.


    Aber das Buch auch bemerkenswerte Passagen. Sehr gut ist Fleischhauer die Darstellung des Kleinbürgertums gelungen. Seine Gedanken und Überlegungen dazu sind sehr interessant und fordern geradezu zum Nachdenken auf. Seine Sichtweise dürfte unter Garantie nicht allzu weit verbreitet sein. Man sieht das „Kleinbürgertum“ von einer ganz anderen Warte.


    Das Buch von Jan Fleischhauer ist nicht wissenschaftlich, nicht einmal populär wissenschaftlich. Es liest sich sehr schnell und auf der einen oder anderen Seite gibt es schon mal ein „Aha-Erlebnis“. Es eignet sich gut als Diskussionsgrundlage, aber man sollte sich davor hüten, den Fleischhauerismus allzu kritiklos zu übernehmen.


    Fleischhauer schreibt durchaus witzig, sicher auch nicht unintelligent, er kann sehr pointiert und scharf formulieren, wird dabei aber nie unhöflich oder vergreift sich im Ton.


    Lesenswert – ohne Frage. Aber man erwarte bitte nicht die zweite Offenbarung.

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