Originaltitel: Lo stato delle anime
Kurzbeschreibung (von Amazon kopiert):
Sardinien Ende des 19. Jahrhunderts: In einem abgelegenen Dorf in den Bergen glauben alle an das Gleichgewicht der Seelen. Nicht nur der Pfarrer Don Càvili weiß: Wenn ein Kind geboren wird, muß dafür jemand gehen. Die schwangere Piccosa verheißt daher nicht nur neues Leben. Daß es die reiche, verbitterte Donna Milena trifft, scheint nur gerecht. Aus Neid wollte sie den letzten Willen ihres Mannes verhindern, der die schöne Graziana mit seinem gesamten Vermögen bedachte. Doch der Tod folgt seinen eigenen Gesetzen, und so macht sich der berühmte Einbalsamierer Efisio Marini daran, Donna Milenas Leiche zu öffnen.
Ein düsteres Krimi, der in den Bergen Sardiniens spielt, wo schweigsame, in sich gekehrte Leute zurückgezogen leben. Die Gemeinde ist überschaubar, der Pfarrer weiß auf die Hostie genau, wer in seiner Kirche zu Messe geht. Es wird sogar nur dann ein Huhn geschlachtet, wenn ein Küken ausschlüpft. Konstante Zahlen und das Unveränderliche sind wichtig. Jeder weiß, wo sein Platz ist, und je weniger man über ein Thema spricht, desto besser. Wenn jemand getötet wird, dann meist in den Wäldern von Wegelagerern und Banditen mit dem Messer oder einem Schlag auf den Kopf, aber das ist Donna Milena nicht passiert. Sie stirbt in ihrem Bett unter großen Qualen.
Misstrauisch geworden bestellt der Arzt des Dorfes seinen alten Freund und Kollegen Efisio Marini, dessen Spezialgebiet die Arbeit an Leichen ist. Marini bekommt bald noch mehr zu tun, denn Piccosa bringt Zwillinge zur Welt.
Mit seinen knapp 190 Seiten ist dieser Krimi recht karg, was Handlung, Spannung und Personen betrifft, aber mir allemal lieber, als wenn ich mich seitenweise durch Nichtigkeiten lesen muss. Sein dünner Erzählfaden ohne Nebenhandlungen spinnt sich in Marinis Gedanken, Gefühlen und Taten fort, der nicht nur mit den Erkenntnissen der "Gerichtsmedizin", sondern auch der Psychologie arbeitet; sogar der Begriff "Täterprofil" taucht im Titel eines Buches auf, das Marini liest.
Das Buch ist im Präsens geschrieben, manchmal wechselt der Autor ins Imperfekt, ohne dass ich eine Regel dahinter erkennen konnte.
Efisio Marini ist laut Nachwort des Autors eine historische Figur. Er wurde 1835 in Cagliari geboren, studierte Medizin und entwickelte eine eigene Methode zur Mumifizierung, die Versteinerung, die auch umkehrbar ist. In Sardinien belächelt hatte er mehr Anerkennung auf dem italienischen Festland, in Frankreich und Österreich, wo er einige bekannte Persönlichkeiten mumifizierte und versteinerte Leichenteile ausstellte. - Falls es wahr ist, hat Marini eine Art Vorarbeit zu "Körperwelten" geschaffen.
Marie




