Wu Cheng-En - The Journey to the West, Vol. 1. Adapted and Revised by Collinson Fair from the 1955 Beijing People's Edition. [EN]

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  • Klappentext:


    Beinhaltet die ersten fünfzig Kapitel von Chinas meistgeliebten Werk in einer bearbeiteten, aber vollständigen und absolut akkuraten Übersetzung für den westlichen Leser.


    BAnd 1 beginnt mit der Geburt des Affenkönigs, seiner geheimen Ausbildung in den verschiedenen Formen der Magie durch den Patriarchen, seinem Umgang mit dem Herrscher der Wolken, seiner berühmten Revolte im Himmel und dem Fall und der Bestrafung des "Großen Weisen".


    Dann, nach einer Begnadigung, schließt sich der Affengott dem Tangpriester an um ihn nach Indien zu führen. Zusammen mit dem Monster Schwein und Bruder Sand machen sich die Vier auf eine Reise voller erstaunlicher und amüsanter Abenteuer, die kein ende finden.


    Eigene Beurteilung:


    “Die Reise nach Westen” aus dem 16. Jahrhundert ist eine der bekanntesten und beliebtesten Geschichten der chinesischen Literatur – auch wenn die meisten Chinesen sie wahrscheinlich nur in einer stark gekürzten oder adaptierten Version genossen haben. Aber diese Comics (z.B. "Dragonball"), Filme und Romane werden ständig weiter produziert . Hierbei stehen vor allen die Geschichten mit Sun Wukong, dem Affengott im Vordergrund. Aber auch der Gelehrte Sanzang, General Zhu „Schwein“ Wuneng und Bruder Sha „Sand“ Wujing haben ihre Freunde.

    Die Geschichte beginnt im wahrsten Sinne des Wortes am Anfang und zeigt, wie der Affengott in die Welt kommt. Dann wird seine Karriere beschrieben von der Lehre bei einem daoistischen Meister, bei dem er die Zauberei erlernt und sich auf den Weg zur Unsterblichkeit macht, über die Anstellung im Himmelpalast, wo er aber mit der Tätigkeit des Marshalls nicht sonderlich glücklich ist und bald ein großes Chaos anrichtet. Da er mittlerweile aber geradezu mehrfach unsterblich geworden ist, schaffen es die „himmlischen Heerscharen“ zunächst nicht ihn festzusetzen. Nur durch einen Trick gelingt es schließlich, ihn unter drei Bergen zu begraben.

    Sehr viel später wird der Gelehrte Sanzang vom Kaiser Tang des Östlichen Reichs, für den er in der Unterwelt gewesen ist, zum Westlichen Himmel geschickt um dort Buddha seine Referenz zu erweisen und einige Schriften mit ins Östliche Reich zu bringen. Da die Reise lang und beschwerlich ist wird er unter den Schutz einer weiblichen Buddha-Inkarnation - Boddhisattva Guanyi - gestellt, die ihm drei Gefährdeten zuführt und ein verzaubertes Pferd. Diese drei Gefährten sind – nach ihrem Übertritt zum Buddhismus und der Mönchsweihe – Wukong, Schwein und Sand, die jeweils ihre eigenen Geschichten des Verbrechens und Fehlverhaltens haben und nun durch ihre Mission Läuterung erfahren sollen.

    In vielen kleinen Episoden führt das Buch die Leserinnen und Leser zunächst zu dieser Ausgangssituation der Gesamterzählung hin und dann zusammen mit den Gefährten auf den langen und gefahrvollen Weg voller Teufel, Teufelinnen, Dämonen und anderen üblen Wegelagerern, die sich den vier Reisenden immer wieder in den Weg stellen und ihre heilige Mission gefährden. Dabei muss speziell Wukong immer wieder flexibel reagieren – und die ein oder andere Mönchsregel brechen, was ihn wiederum mit seinem Meister in Konflikt bringt.

    Neben vielen Figuren der chinesischen und indischen Mythologie begegnen die Gefährten auch immer wieder Vertreterinnen und Vertretern des Buddhismus, des Hinduismus, des Daoismus, des Konfuzianismus und Freunden des I-Ching. Und dies nicht immer in Reinform, sondern oft auch im Austausch miteinander, so dass „Die Reise nach Westen“ neben einer „Quest“-Geschichte auch eine Art geistesgeschichtliche Entdeckungsreise und Diskussion darstellt, die man am Besten sehr langsam und genau dosiert zu sich nimmt. Dann aber ist es wirklich in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung. Dieser erste Band sammelt die ersten fünfzig je etwa 12-seitigen Erzählungen und endet als eine Art „Cliffhanger“. Die Übersetzung ist relativ gelungen, nur hätte man beim Lektorieren ein wenig besser aufpassen können, denn des Öfteren werden Homophone vertauscht, was sich zum Teil ziemlich seltsam liest. Trotzdem ist diese Ausgabe sicherlich die umfänglichste und treueste Bearbeitung des chinesischen Ausgangstextes, die man zur Zeit bekommen kann. Der abgezogene Stern bezieht sich auf die erwähnten handwerklichen Mängel.

  • Hier nun meine Betrachtungen zum zweiten Band:

    Nach dem „Cliffhanger“ im letzten Band kommt es zu einer der langwierigsten Auseinandersetzungen, die Sun Wukong mit einem seiner Gegner haben soll und es ist bei Weitem nicht die letzte Auseinadersetzung dieser Art. Immer wieder wollen böse Geister, Monster oder Menschen die Pilger – und besonders Sanzang – essen um aus deren unsterblichen Fleisch eigene Unsterblichkeit zu schöpfen, oder böse Frauen versuchen Sanzang in das Netz der Ehe und Leidenschaft einzufangen um mit Hilfe seines „primären Samens“ Perfektion zu zeugen. All diesen Anwürfen muss Sun Wukong immer wieder begegnen, wobei ihn die Gutgläubigkeit seines Meisters genauso stark behindert, wie die Gier und die Einfältigkeit seines Pilgerbruders „Pig“, der immer zuerst an seinen Magen und an seine eigene Haut denkt, bevor er die Interessen des „Meisters“ wahrnimmt.

    Die Idee der Serie mit immerhin hundert Episoden wird hier mustergültig vorexerziert und dabei auch das Musterhafte, dass in der zweiten Hälfte einer solchen Serie einige Geschichten dann manchmal bekommen. Aber das hat eine tiefergehende Methode, wie einem speziell auf den letzten Metern der reise zunehmend deutlich wird – d.h. besonders auf dem Rückweg.

    [font=&quot]Es ist faszinierend zu sehen, wie hier ein Roman aus dem China des 16. Jahrhunderts die Mechanismen und Muster der Serienromane und Fernsehserie des 20. und 21. Jahrhunderts bereits vorwegnimmt und nahezu perfekt durcharbeitet. So ist „Die Reise nach Westen“ nicht nur erzählerisch und vom narrativen Einfluss, sondern auch mediengeschichtlich eines der wichtigsten Werke der Weltliteratur. Selbst wenn seine Wirkung sich hier im Westen nur über einige Umwege entfalten sollte (zum Beispiel bei „Dragon Ball Z“)[/font]

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