Thomas Wiedling - Die Treppe

Affiliate-/Werbelink

Die Treppe

3|1)

Verlag: btb Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 160

ISBN: 9783442734061

Termin: Februar 2006

Anzeige

  • Klappentext:
    War es Vergewaltigung? War es Ehebruch? Oder einfach eine leidenschaftliche Liebesnacht? Drei Mitglieder einer Familie, bis dahin halbwegs glücklich im kleinstädtischen Reihenhaus, erzählen nacheinander, was sie beobachtet und erlebt haben in jener Nacht, in der das Leben aller eine katastrophale Wendung nehmen sollte. Was ist wirklich passiert in der kleinen Kammer, zwischen der halbnackten Frau und dem Fremden im Soldatenmantel?
    Ein beklemmender Roman über Reden und Schweigen und das falsche Glück der zweiten Nachkriegsgeneration.


    Eine deutsche Bildbuchfamilie in Westdeutschland. Vater, Mutter, Sohn, Tochter im Einfamilienhaus. Die Cousine der Mutter steht plötzlich vor der Tür: Sie ist aus der DDR geflüchtet, findet Zuflucht und wird zu einer Art Kindermädchen für Sohn und Tochter. Die titelgebende (Wendel)treppe führt vom zweiten Stock ins Dachgeschoss, wo der Vater ein Zimmer für den Sohn ausbaut, der zur Zeit noch das Kinderzimmer mit der sieben Jahre jüngeren Schwester teilt. Eines Nachts geschieht in diesem Zimmer etwas, das die aus dem Schlaf gerissenen Kinder von den obersten Stufen der Treppe aus beobachten ohne es einordnen zu können. Später, als Erwachsene, erinnert sich der Sohn an einen Ehebruch, die Tochter an eine Vergewaltigung; kurze Zeit später verlässt der Vater die Familie, auch die Cousine zieht aus, und der Sohn verlässt früh sein Elternhaus. Über das, was die Kinder gesehen haben, wird nie gesprochen.


    Das Buch ist nach den Personen der Familie in vier Kapitel aufgeteilt und jeweils aus der Ich-Perspektive von Vater, Sohn, Tochter und Mutter geschrieben, wobei der Vater ein "stummes Kapitel" erhält. Später versteht man, warum. Erst im letzten Kapitel, aus dem Mund der Mutter, erfährt der Leser, was tatsächlich damals geschehen ist.


    Möglicherweise handelt es sich um ein gutes oder sehr gutes Buch. Die Sprache ist eher karg, distanziert, aber dennoch poetisch und einfach zu lesen. Trotzdem hat es mich nicht "getroffen". Zum einen fehlt mir ein emotionaler Hintergrund, um das Bild dieser Familie wirklich zu verstehen, zum andern mag die Aufdeckung, was es wirklich mit diesem Akt im Dachzimmer auf sich hatte, für einen Überraschungseffekt gut sein; ich fand sie eher abstoßend.


    Marie

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



Anzeige