Kai-Michael Böttcher - Der Birkenwald (ab 22.05.2009)

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Der Birkenwald

3.5|6)

Verlag: Frieling & Huffmann

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 200

ISBN: 9783828025813

Termin: April 2008

  • Hallo Zusammen,


    ab dem 22.05.2009 wird hier "Der Birkenwald" zusammen mit dem Autor Kai-Michael Böttcher gelesen.


    Teilnehmen werden:
    Hermia
    LisaM
    literat
    Melli2505
    (ab 1.6)


    Beim Lesen dann einfach in der Überschriftenzeile die Buchseiten angeben, auf die sich der Beitrag bezieht.


    Liebe Grüße :winken:


    Mario

  • Hallo Hermia, LisaM, literat und Melli2505!


    Zweimal werden wir noch wach, dann geht es los. Ich bin schon sehr auf Eure Beiträge und Fragen gespannt.
    Auf jeden Fall heiße ich Euch im "Birkenwald" herzlich wolkommen.
    :kiss:

    Bis dann, Kai-Michael Böttcher.



  • Herzliches Willkommen doch dann auch noch an den Autor höchstpersönlich *verneig*. Ich hoffe das Buch ist so spannend wie es vespricht und ich hoffe wir führen angeregte Diskussionen drüber :D Hab mich allerdings schon mit dem Paket abkämpfen müssen, wollte doch patout nicht aufgehen.... und die Folie drumrum war dann die zweite Tücke, nächstes Mal bitte nicht so schwer aufmachbar Mario :lol:
    Und Willkommen an alle anderen die mit mir teilnehmen, viel Spaß uns allen :)

  • Auch von mir ein herzliches HALLO zusammen, vielen Dank lieber Autor für Deine Bereitschaft, mit uns über Dein Buch zu diskutieren!


    Heute habe ich mit der Lektüre des Buches begonnen (inzwischen bin ich auf Seite 46 gelandet) und muß sagen, es ließt sich sehr flüssig - was ich so fast nicht erwartet hatte von einem Buch, daß solch schwieriege, technische Sachverhalte zum Inhalt hat. Und das von mir, absolutem technischem Idioten!! Ich muß aber auch sagen, daß ich trotzdem nach den ersten 30 Seiten nochmal den Text auf dem Buchrücken gelesen habe, um überhaupt zu verstehen, was denn Dirk in diesem Institut bei Dr. Grothe überhaupt gemacht hat. Vielleicht hälst Du Dich, lieber Kai-Michael hier aber auch noch mit Absicht zurück, um nicht zu viel vorweg zu nehmen?


    Im ersten Kapitel, auf der Seite 8, gehst Du lieber Autor schon in die Vollen, da heißt es:

    .


    Mein erster Eindruck von dem Buch ist sehr positiv, ich bin angenehm überrascht, wie verständlich die Sprache ist, auch wenn ich noch einiges nachlesen musste (lag aber an mir). Ich bin sehr gespannt auf den Fortgang der Geschichte, dieser zweite Handlungsstrang mit Werner Löb verspricht spannend zu werden. Ein kleines bischen hat mich bisher gestört, daß die Protagonisten nicht sehr detailliert beschrieben worden sind bisher. Ich weiß weder wie Dirk aussieht noch wie Eva aussieht, über ihr Seelenleben hoffe ich zukünftig mehr zu erfahren.
    Bei mir haben sich nun schon einige Fragen gesammelt, ich freue mich auf eine rege Diskussion und möchte nun nichts weiter vorwegnehmen!

    Wie wenig du gelesen hast, wie wenig du kennst - aber vom Zufall des Gelesenen hängt es ab, was du bist. Elias Canetti

  • Hallo literat,
    auch wenn es mir schwer fällt, halte ich mich mit Antworten zu Euren Einträgen zurück bis alle das Buch gelesen haben.
    Aber ich möchte Euch etwas zur Geschichte meines Buches erzählen. Die Idee zu dem Roman hatte ich schon 1983.
    Es war eine Zeit, da wäre die Beschreibung eines Navi echter Sciencefiction. Ein Telefonat von Hamburg nach München kostete ca. 3DM. Handys gab es noch nicht, wer das D2-Netz aufbauen darf war gerade in der Ausschreibung.
    Computerbilder wurden aus Buchstaben aufgebaut und waren gedruckt nur aus größerer Distanz zu erkennen.


    Die Erdoberfläche abzuscannen und online weltweit anzufliegen, galt nicht nur praktisch sondern auch theoretisch als unmöglich.


    Nachdem ich den Film "Matrix" sah, legte ich mein Buch voller Groll auf Eis. Es war meine Idee ...[IMG:wcf/images/smilies/smile75.gif]


    Als ich 23 Jähre später bei GoogleEarth faziniert unseren roten VW-Bus vor meinem Haus bestaunte, sagte mein Sohn hinter mir: "Papa geh mal zu New York und mach 3D an. New York ist fast fertig."


    Da fiel mir mein schlafendes Buch ein, indem ich eine im Rechner konstruierte Stadt erdacht hatte.
    Es war nicht ganz einfach die Atari ST Disketten in Word zu importieren, aber dann fand ich folgende Passage (Seite 16):



    Es war schön, meine kühnen Gedanken die ich als Zwanzigjähriger dachte noch einmal zu erleben, aber diesmal mit einem Gefühl der Bestätigung.
    Dieser Satz zündete letztlich den Impuls das Buch doch zu vollenden.

  • So, nun möchte ich mich auch mal zu Wort melden. Leider hatte ich in den letzten Tagen ziemlich viel um die Ohren und konnte mich schlecht auf das Buch konzentrieren. :-?


    Zunächst mal vielen Dank an den Autor! Ich bin schon sehr gespannt, das ist meine erste LR mit einem Autor.
    Besonders weit bin ich noch nicht gekommen, erst auf Seite 8. Dort bin ich dann auch gleich über den Satz gestolpert, den literat auch schon erwähnt hatte:


    Im ersten Kapitel, auf der Seite 8, gehst Du lieber Autor schon in die Vollen, da heißt es:

    .

    literat , mir sind da die gleichen Gedanken durch den Kopf geschossen. :wink:


    @Kai-Michael, deinen Beitrag über die Geschichte des Buches fand ich sehr interessant, vielen Dank, das du uns das mitgeteilt hast.

    Ein Telefonat von Hamburg nach München kostete ca. 3DM.

    Da musste ich richtig schmunzeln - ich erinnere mich noch daran, wie aufregend es für meinen Bruder und mich war, wenn meine Eltern mit den der holländischen Verwandtschaft telefoniert haben. Dieses teure Telefonat durfte auf gar keinen Fall gestört werden. [-X :mrgreen:

  • Ein Hallo in die Runde!


    Mario hat ein Exepmplar zu mir auf die Reise geschickt, doch es ist leider noch nicht angekommen!


    Ich freue mich schon, mich dann hier zu melden!


    Ja, ein "Danke" an den Autor, dass er uns begleiten will! Dazu dachte ich:


    Hallo literat,
    auch wenn es mir schwer fällt, halte ich mich mit Antworten zu Euren Einträgen zurück bis alle das Buch gelesen haben.


    ..., dass Du sicherlich nicht erst am Ende unserer Lektüre des Buches posten brauchst, sondern uns ja "begleiten" kannst. Okay, das setzt voraus, dass Du noch nicht verlangst, dass wir am Anfang der Story alles wissen. Ich finde das Interessante einer LR gerade darin, dass sich einige Einsichten erst allmählich herausschälen!


    Also bis bald!!!

  • Hallo Zusammen,


    tom fleo schrieb:

    Ich finde das Interessante einer LR gerade darin, dass sich einige Einsichten erst allmählich herausschälen!

    das ist richtig. Ich würde aber weiter gehen:
    Mit jedem Menschen, der ein Buch liest, entstehen tatsächlich auch neue Wahrheiten.


    Ich möchte nicht, [-X , dass meine Wahrheiten über Euren stehen, nur weil ich das Buch geschrieben habe.


    litrat schrieb:

    "Ich weiß weder wie Dirk aussieht noch wie Eva aussieht

    Wenn Ihre Eure Vorstellung des Paares jetzt mitteilt, bleibt jeder andere in seiner Phantasie frei.


    Würde ich das Bild der Beiden, dass ich in meinem Kopf habe/hatte hier schreiben, wäre es wie eine Ergänzung des Buches.
    Den Grund dafür, warum "Der Birkenwald" den Leser in diesem Punkt so alleine läßt, verrate ich wenn alle fertig gelesen haben. :scratch:


    Versprochen! :cheers:

  • Kai-Michael Böttcher :
    Vielen Dank für die Hintergrundinformationen zu dem Buch. Du scheinst Dich viel mit der Zukunft und vor allem mit technischen Entwicklungen in der Zukunft zu beschäftigen. Inspiriert Dich Dein Job dazu?


    Zitat

    Da fiel mir mein schlafendes Buch ein, indem ich eine im Rechner konstruierte Stadt erdacht hatte.
    Es war nicht ganz einfach die Atari ST Disketten in Word zu importieren, aber dann fand ich folgende Passage (Seite 16):



    Es war schön, meine kühnen Gedanken die ich als Zwanzigjähriger dachte noch einmal zu erleben, aber diesmal mit einem Gefühl der Bestätigung.
    Dieser Satz zündete letztlich den Impuls das Buch doch zu vollenden.


    Über diesen Satz bin ich tatsächlich auch gestolpert. Er kam mir so "reinkopiert" vor. Der erste Satz erschien mir schon fast wie eine Zeitungsmeldung. Und ich hab mir den Kopf zerbrochen, was wohl steuerlich abzugsfähige EDV-Systeme sind. Ist damit die Software der Architekten gemeint, die ihre Gebäude dreidimensional abbildet? Du siehst ich bin ein ziemlicher Laie was Informatik betrifft (reiner Anwender am PC), aber ein sehr interessierter Laie!! Und welche Steuer darf dann wer kürzen, wenn er diese Software einsetzt? Und auf diese vernetzten System hat dann tatsächlich jeder Zugriff, auch ein Institut, das gewerblich die Daten nutzt?


    Gehe ich hier zu sehr in Detail? - ihr müsst mich bremsen wenn ich mich an einer Kleinigkeit zu sehr verbeisse, dazu neige ich nämlich! Normalerweise stehe ich dann mit meinen Fragen alleine da und lasse meiner Phantasie freien Lauf - aber wenn ich jetzt die Möglichkeit habe, den Autor zu löchern, dann tue ich das auch.


    @Hermia:
    Schön, daß Du dieselben Gedanken hattest bei der Passage! :friends:

    Wie wenig du gelesen hast, wie wenig du kennst - aber vom Zufall des Gelesenen hängt es ab, was du bist. Elias Canetti

  • das ist richtig. Ich würde aber weiter gehen:
    Mit jedem Menschen, der ein Buch liest, entstehen tatsächlich auch neue Wahrheiten.


    Ich möchte nicht, [-X , dass meine Wahrheiten über Euren stehen, nur weil ich das Buch geschrieben habe.


    Das ist ein interessanter Gedanke! Sowas ähnliches ging mir durch den Kopf bei der Lektüre. Ich finde nämlich, daß Du uns Lesern viel Raum für eigene Interpretationen, eigene Gedanken und die eigene Phantasie lässt. Das finde ich toll, Du stellst in dem Buch einen Gedanken in den Raum - lieferst aber nicht sofort die Auflösung. Ich bin mir sicher, daß die im weiteren Verlauf dann kommt, aber wir Leser haben erstmal Zeit uns selbst Gedanken zu machen und uns so unsere eigene Wahrheit zu schaffen.



    Fragen über Fragen!! Die nächste betrifft...


    Wie wenig du gelesen hast, wie wenig du kennst - aber vom Zufall des Gelesenen hängt es ab, was du bist. Elias Canetti

  • Hallo literat,
    es birgt eine große Gefahr sich in die Kleinigkeiten zu verbeißen, weil sie den Blick auf das Komplexe verstellen.
    Hinten auf dem Buch steht, ich verwende Tatsachen wie Mosaiksteine. Das stimmt!
    Einen Mosaikstein zu analysieren ob es ein solcher oder solcher Stein ist mag sehr interessant sein, dient aber nicht dem großen Bogen.


    Als ich den Text mit der Zwangsvernetzung schrieb, da gab es noch kein Internet.
    Selbst 10 Jahre später sagte mir der Hotelier in unserem Dorf:
    "Du glaubst doch nicht, dass man übers Internet mal ein Hotel bestellen wird". Dieser Satz erst 15 Jahre alt.


    Die Vorstellung, dass die PCs aller Architekten in einem großen Netz verbunden sind, musste ich über die Konstruktion der Steuer erst plausibel machen.
    Die Geräte, die ich für meinen Job anschaffe senken meine Steuer, weil sie meinen Gewinn mindern.
    Das mich der Staat im Gegenzug verpflichtet, sie an "das Netz" anzuschließen, ist in Zeiten wo selbst Banken wieder enteignet werden nicht unplausibel.


    Das andere war Deine Frage: "Wie denn praktisch Dirk und Eva in den Computer gelangt sein könnten und was dabei mit ihrem Körper in der "realen" Welt passiert ist."
    Wer meine Antwort dazu öffnet, sollte bis Seite 110 gekommen sein !

  • Ich erhielt heute morgen mein Exemplar und konnte eben schon mal richtig loslegen!


    Ja, es liest sich gut an und verspricht einerseits Spannung und auch etwas Nachdenken, Angestossen-Sein.


    Da ich immer mit dem Betrachten der Einbandseiten etc. anfange, war ich durch den Klappentext (und die Rezis) ja schon thematisch ein wenig vorbereitet. Was mir auffiel war, dass Du, Kai -Michael, (oder aber der Herausgeber oder jemand anderes) im Klappentext das Wort "verwenden" verwendest (was die Mosaiksteinchen anbetrifft) und ein Satz endet dann mit "UM" eine neue Sicht auf die Welt zu konstruieren und die natürliche Realität aufzuheben". Das geht als Finalsatz (oder wie nennt man das: Konsekutivsatz?) mir eigentlich schon sehr weit... Aber vielleicht kommen wir darauf später zurück, denn mir ist sicherlich noch nicht klar, wie ERNST ich solch ein Buch (jetzt nicht mißverstehen: ich meine im Sinne der wirklichen Realitätsabbildung!) nehmen soll oder wie sehr es nicht eben vielmehr eine Einladung ist, sich über das Verhältnis von Realität, Vorstellung, Illusion, Virtualität (usw.) Gedanken zu machen.


    Wenn man so ans Lesen geht fallen einem auf der ersten Seite schon einige Beschreibungen und Worte auf, die in genau diese Richtung gehen "wirklich, eigentlich, unwirklich, Schleier, fremde Gestalten, Schatten..." Von Beginn an, wo es zunächst um Evas Erleben geht, spricht das Buch von Erfahrungen der Entfernung, der Entfremdung.


    :arrow: Seite 6: "Sie sollte auf dieser Schule die Gesetze der Menschen begreifen, warum haben sie nicht gelernt zu leben?"
    Ein Satz, der etwas in mir auslöst, da ich angesichts der Schule einen ähnlichen Groll hege. Klaro, habe ich vieles Sinnvolles gelernt, doch spricht ein Teil der "normalen" Schulerziehung auch nur einen Teil des Menschen, des Menschseins an, und läßt oft ganze Dimensionen außen vor. (Okay, ich will jetzt keine Bildungsdebatte... und ich sehe auch die Wichtigkeit des Elternhauses...)


    Ein Schlüsselmoment ist wohl der Weggang aus dem Institut, bzw.... bleibt zu sehen, was da denn passiert ist! Schon (oder vorher?) auf :arrow: Seite 22 findet Löb Dirk ja nicht mehr in der alten Wohnung! War da also ein Wegzug??? Oder...?


    Vielleicht ein interessant eingebauter Hinweis auf EINE Motivation Grothes: :arrow: Seite 16 (angesichts des Wetters etc. heißt es von Grothe:) "...war versessen darauf, jedes Detail im Cyberspace zu erfassen und zu beweisen, dass alles im Computer nachgebildet werden kann". Nun, ob diese Nachstellungen letztlich für alle Bereiche des Lebens, Empfindens etc. überhaupt möglich sind oder sein werden ist wohl noch offen, aber ist schlußendlich der Wahn Grothes nicht - im modernen Zeitalter potenziert - der alte Traum der Allmächtigkeit, der absoluten Kontrolle? Tja, ein ewig wieder auftauchender Wahn...


    (ich bin zwar im Lesen schon etwas weiter, doch ich stoppe hier mal für heute und warte auf Eure weiteren Gedanken...)

  • Hallo tom fleo,
    Du schreibst: "Okay, ich will jetzt keine Bildungsdebatte..."
    Ich aber! Ich finde es toll, dass Du schon auf den ersten Seiten so einsteigst, dass Du eine Anknüpfung zu einem politischen Thema findest.


    literat schrieb, ich würde mich mit technischen Entwicklungen der Zukunft beschäftigen. Die Frage, ob mich mein Job dazu inspiriert, habe ich noch nicht beantwortet.
    Das Wort Beruf kommt von Berufung. Ich versuche mein Leben zu verstehen. Der Klappentext verrät, dass ich sechs Kinder habe, da interessiert mich die Zukunft nicht nur technischer Art.
    Mein Job lässt mich Dinge begreifen.
    Zum Beispiel war ich vor 14 und vor 3 Jahren in China. Die Erlebnisse dort haben sehr dazu beigetragen, dass es heute "Der Birkenwald" gibt, weil ich ein neues Bild unserer Kultur gelernt habe.


    Unter http://www.der-birkenwald.de/HuJintao.pdf
    findet man meinen Brief an den chinesischen Staatschef. Er möge als Beispiel dienen, wozu mich mein Job inspiriert.


    Die anderen Punkte sollten wir behandeln, wenn alle das Buch gelesen haben!


    Gruß
    Kai-Michael

  • Danke für Deine interessante Reaktion, Kai-Michael!


    Der Brief an den chinesischen Staatschef ist nach meinem Geschmack und es ist mir nun klarer geworden, dass es also wirklich nicht "nur um einen Unterhaltungsroman geht, sondern Du wirklich Dir Wichtiges ansprechen willst. Wie schon erwähnt, war allein der Klappentext mit einem Konsekutivsatz, aber auch schon das direkte Einsteigen ins Thema Indizien dafür.


    Schnelll wissen wir, dass Dirk irgendwie "anders" lebt, angeschlossen ist an ein System. Insofern ist die Frage schnell, nicht ob er noch in der "realen Welt" lebt, sondern wie er quasi dem Gefängnis entfliehen kann. Dieser Kampf bedarf anscheinend ganz neuer Wege: er hat keinen "Körper", der in die realen Computerräume eindringen könnte. Kann er aber durch das Übertragen seiner "Bilder" Einfluss nehmen und das System auf irgendeine Weise sprengen? (Ist dies hier ein Ansatz einer "geistig-gesteuerten" Macht?) Und es kommt zum "Kaktus-Experiment"!


    Auf :arrow: Seite 41 ist klar die Erkenntnis da (bei Dirk), dass er sehen will, wie er dem Auge Doktor Grothes ("seiner Kontrolle") entwischen kann. Also die Frage: Welcher Freiheitsraum bleibt nun wirklich? Nein, auch Doktor Grothe ist nicht vollkommen: da müssen Lücken, Freiräume im System sein!


    Was mag Menschen in solch einem Roman anstossen, schocken, ängstigen?: Vielleicht das Gefühl ( :arrow: Seite 43), dass "sein Leben nicht das wahre Leben ist"?


    Ich dachte mir: wenn der Kai-Michael sich sechs Kinder geleistet hat, dann hat er doch auf die ein oder andere Weise eine Antwort für sich gefunden, dass es neben der beschriebenen Routine, Wiederholung (den patterns?, den Mustern) etwas Einzigartiges geben muss, das das Leben lebenswert macht?! Denn - um einen Satz von Dirk umzuformulieren - es darf uns ja nicht nur darum gehen "zu funktionieren, sondern zu leben". Was tatsächlich in unseren Gesellschaften in den verschiedensten Bereichen eine extrem aktuelle Frage ist. Dass viel Menschen daran verzweifeln liegt auf der Hand...


  • Schnelll wissen wir, dass Dirk irgendwie "anders" lebt, angeschlossen ist an ein System. Insofern ist die Frage schnell, nicht ob er noch in der "realen Welt" lebt, sondern wie er quasi dem Gefängnis entfliehen kann. Dieser Kampf bedarf anscheinend ganz neuer Wege: er hat keinen "Körper", der in die realen Computerräume eindringen könnte. Kann er aber durch das Übertragen seiner "Bilder" Einfluss nehmen und das System auf irgendeine Weise sprengen? (Ist dies hier ein Ansatz einer "geistig-gesteuerten" Macht?) Und es kommt zum "Kaktus-Experiment"!


    Auf :arrow: Seite 41 ist klar die Erkenntnis da (bei Dirk), dass er sehen will, wie er dem Auge Doktor Grothes ("seiner Kontrolle") entwischen kann. Also die Frage: Welcher Freiheitsraum bleibt nun wirklich? Nein, auch Doktor Grothe ist nicht vollkommen: da müssen Lücken, Freiräume im System sein!


    Was mag Menschen in solch einem Roman anstossen, schocken, ängstigen?: Vielleicht das Gefühl ( :arrow: Seite 43), dass "sein Leben nicht das wahre Leben ist"?


    Sehr interessante Gedanken tom fleo, ich nehme mal den ersten auf: welcher Freitheitsraum bleibt Dirk? Die Frage ist doch, woher weiß er überhaupt daß er etwas aus eigenem Willen entscheidet oder ob er etwas fremdgesteuert tut. Wenn ich das recht verstehe, dann ist sein eigener Geist in einer virtuellen Welt gefangen, wobei er in dieser virtuellen Welt agiert, als sei sie die reale und er hätte ganz normal seinen Körper zur Verfügung. Er baut sich aber seine Wahrheit, seine Umwelt, sein Leben immer wieder durch seine Gedanken neu. Sehr interessant fand ich die Vorstellung, daß der Computer eine Bühne ist. Wenn ein "Darsteller" sagt, er fährt jetzt nach Berlin und dem Blick entschwindet, sozusagen die Bühne verlässt, dann weiß man nicht, was er nun tatsächlich tut, er geht einfach von der Bühne. Jedes "Eingabeterminal" erschafft sich also mit Hilfe des Computers seine eigene Welt, je nachdem wohin oder worauf es seinen Blick richtet. Welchen Einfluß hat nun Dr. Grothe oder auch dieser Prof. Flemming auf Dirk als "Eingabeterminal"?


    Ich denke, der Roman bringt die Leser doch zumindest dazu, nachzudenken, inwieweit jeder einzelne Herr über sein Schicksal ist. Im Endeffekt läuft es auf eine Glaubensfrage hinaus. Lenkt jemand außerhalb von mir mein Leben oder bin ich es, der die Dinge in der Hand hat?

    Wie wenig du gelesen hast, wie wenig du kennst - aber vom Zufall des Gelesenen hängt es ab, was du bist. Elias Canetti

  • Übrigens bin ich über einen Fehler gestolpert, der zwar nicht gravierend ist, aber mich aus dem Lesefluß gerissen hat und mich ja, auch geärgert hat. Auf Seite 135 steht:
    "Das glaube ich nicht!" Dabei schlägt sie ihre Hände auf die Unterschenkel ...
    Ich habe tatsächlich überlegt, wie das gehen soll.
    Da war wohl jemand etwas nachlässig?

    Wie wenig du gelesen hast, wie wenig du kennst - aber vom Zufall des Gelesenen hängt es ab, was du bist. Elias Canetti

  • Du hast Recht literat, über diese Stelle ist bisher noch niemand gestolpert (sehr peinlich), dabei habe ich schon eine Liste ärgerlicher Pannen.
    Aber reden wir lieber nicht von den Fehlern, sondern loben das Buch, damit es eine (hoffentlich) fehlerfrei 2.Auflage geben wird.

  • Ich denke, der Roman bringt die Leser doch zumindest dazu, nachzudenken, inwieweit jeder einzelne Herr über sein Schicksal ist. Im Endeffekt läuft es auf eine Glaubensfrage hinaus. Lenkt jemand außerhalb von mir mein Leben oder bin ich es, der die Dinge in der Hand hat?


    Ja, natürlich bringt der Roman die Leser zu diese Gedanken.
    Als einen mir sehr wichtigen Gedanken würde ich angesichts der von Dir angesprochenen Glaubensfrage wohl sagen, dass mein eigener Glaube es nicht nötig hat, etwa hinter Gott den Marionettenzieher zu sehen, der in gewissem Sinne alles in der Hand hat und uns nur mit mehr oder weniger illusorischer Freiheit ausgestattet hat. Er läßt uns Freiheit...
    Insofern ist es also für mich nicht einfach eine Glaubensfrage, sondern auch eine Begriffsfrage: Was verstehe ich denn eigentlich unter Freiheit? Wäre der "Begleiter" (nun, "Gott") automatisch unser Gegenspieler? ODER eben gerade nicht?
    Vielleicht stossen sich viele Zeitgenossen nicht so sehr an dem, was dahinter steckt, als vielmehr an ihren eigenen Vorstellungen...

  • Ich habe heute das Buch noch einmal von vorne begonnen. Die letzten Tage hatte ich nicht die rechte Konzentration dazu, obwohl es eigentlich nicht schwer zu lesen ist. Aber andererseits muss ich immer wieder innehalten und über das gelesene nachdenken.
    Ich bin nun bis Seite 43 gekommen. Etwas ungewohnt fand ich, das sowohl aus der Sicht von Dirk als auch aus der Sicht von Werner erzählt wird.

    oder wie sehr es nicht eben vielmehr eine Einladung ist, sich über das Verhältnis von Realität, Vorstellung, Illusion, Virtualität (usw.) Gedanken zu machen.


    Ich sehe das zum jetzigen Zeitpunkt als Einladung. Kann man das Buch überhaupt lesen, ohne darüber nachzudenken?

    Auf :arrow: Seite 41 ist klar die Erkenntnis da (bei Dirk), dass er sehen will, wie er dem Auge Doktor Grothes ("seiner Kontrolle") entwischen kann. Also die Frage: Welcher Freiheitsraum bleibt nun wirklich? Nein, auch Doktor Grothe ist nicht vollkommen: da müssen Lücken, Freiräume im System sein!


    Nun, da bin ich gespannt, ob es den wirklich Lücken gibt. Im Moment sehr ich noch keine, aber ich bin ja auch noch nicht soweit.

    Wenn ich das recht verstehe, dann ist sein eigener Geist in einer virtuellen Welt gefangen, wobei er in dieser virtuellen Welt agiert, als sei sie die reale und er hätte ganz normal seinen Körper zur Verfügung. Er baut sich aber seine Wahrheit, seine Umwelt, sein Leben immer wieder durch seine Gedanken neu.

    Ich verstehe es auch so. Die Vorstellung, das es sowas wirklich geben könnte, finde ich sehr bedrückend. Denn woher soll wissen, ob man wirklich lebt, wenn man der Geist in der virtuellen Welt lebt und ihm vorgegaukelt wird, das das die Realität ist? :-k

  • Ich verstehe es auch so. Die Vorstellung, das es sowas wirklich geben könnte, finde ich sehr bedrückend. Denn woher soll wissen, ob man wirklich lebt, wenn man der Geist in der virtuellen Welt lebt und ihm vorgegaukelt wird, das das die Realität ist? :-k


    Eine gewisse "Angst" vor der Wahrhaftigkeit unserer Sinneseindrücke und dem vermeintlichen Verhältnis zur Realität ist aber sicherlich schon älter als das virtuelle Zeitalter. Seit langem stellten Menschen sich immer wieder die Frage, was wohl die "Wahrheit, Realität" hinter den Erscheinungen ist. Mein Philosophieunterricht ist nun schon was her :uups: , doch im Bereich der Erkenntnisphilosophie geht es speziell um diese oder verwandte Fragen.


    Heute aber wächst eben das Wissen darum, wie sehr (das Thema taucht im Buch explizit auf) wir konditioniert sind von nicht von uns gewählten Einflüssen. Tja, wie groß ist dann also unser Spielraum? Ist eine unabhängig von gegebenen Wirklichkeiten ausgeübte Freiheit überhaupt denkbar? Wäre die Vorgegebenheit gewisser Umstände in unserem Leben schon ein Grund, nicht mehr an seine doch real erlebte Freiheit zu glauben?


    Ich finde es heilsam, wenn wir einerseits vom hohen Ross unseres Allmächtigkeitswahn herunterkommen ("wir bestimmen ja eh alles, ich bin der Bestimmer allen Tuns...") und zur selben Zeit nicht ein Grundvertrauen in die Wirklichkeit und meine, wenn auch beschränkte, Freiheit verliere.

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