Shalom Auslander - Eine Vorhaut klagt an

Cover zum Buch Eine Vorhaut klagt an

Titel: Eine Vorhaut klagt an

, (Übersetzer)

4,8 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

Verlag: Berlin Verlag Taschenbuch

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 320

ISBN: 9783833309182

Termin: April 2013

Aktion

  • Shalom Auslander ist in der jüdisch-orthodoxen Gemeinde in
    New York aufgewachsen. Bisher von ihm erschienen ist der Kurzgeschichtenband
    „Vorsicht, bissiger Gott“ und nun die Erinnerungen „Eine Vorhaut klagt an“

    Shalom Auslander schreibt von seiner Kindheit in einer
    ultra-orthodoxen Gemeinde in New York. Er beschreibt ausführlich die
    Repressalien seiner Glaubensmitglieder. Das geht schon beim Essen los. Es gibt
    mehr als siebzig Regeln dafür, was man zu welcher Zeit essen darf und was
    nicht. Auch die Sabbat-Regeln sind peinlich genau einzuhalten. Bei
    Nichteinhaltung der entsprechenden Regeln bestraft Gott entweder sofort oder in
    einer späteren Existenz im Himmel oder in der Hölle. Shaloms Leben wird geprägt
    von Schuld, schlechtem Gewissen und Reue. Er probiert das Leben aus, doch
    Pornohefte, Fast Food und Drogen können ihn nicht von seinem schlechten
    Gewissen heilen. Auch sein späterer Psychotherapeut kann ihm kaum helfen. Auf
    die Frage seines Therapeuten, ob er denn wirklich glaube, dass Gott ihn ständig
    beobachte und strafen wolle, sagt Shalom, dass er das nicht glaubt, sondern
    dass er es weiß. Shaloms Frau kommt am Ende des Buches zu einem vernichtenden
    Fazit: Sie meint, dass theologischer Missbrauch wesentlich schwerer wiegt als
    jeder körperliche Missbrauch.

    Mein Fazit:

    Dieses Buch ist als Satire angelegt und soll auf lustige
    Weise den Wahnsinn von Dogmen extremistischen Glaubens veranschaulichen. Zuerst
    habe ich auch viel gelacht, doch je weiter ich in dem Buch fortschritt, desto
    kleinlauter wurde mein Lachen. Bei der Behauptung, dass theologischer
    Missbrauch am schwersten wiegt, war es mit meiner Kicherei zu Ende. Ich
    überlege, ob ich mit diesem Wissen das Buch noch ein weiteres Mal lesen will. Doch
    dann weiß ich, dass ich wahrscheinlich bei den einen oder anderen Stellen
    weinen und nicht lachen werde, und bin glücklich, dass ich all diesen Horror
    nicht am eigenen Leib erleben musste.

    LG Ralf.

    Wenn du einen verhungernden Hund aufliest und machst ihn satt, dann wird er dich nicht beissen. Das ist der Grundunterschied zwischen Hund und Mensch.
    Zitat: Mark Twain

    2 Mal editiert, zuletzt von K.-G. Beck-Ewe (6. April 2010 um 22:51)

  • Sünde, Schuld, Angst, Strafe - diese Schlagworte bilden das vielen Religionen inhärente "Marketingkonzept". Schon Nietzsche verstand dieses als Kapitalverbrechen am Leben. Und weder vor noch nach ihm hat ein Mensch mit einer einzigen Aussage den Nagel so schön auf den Kopf getroffen!

    Das Buch interessiert mich brennend und wandert sofort auf meine Wunschliste. Danke für die Rezension, Ralf! :thumright:

  • Das klingt in der Tat äußerst interessant!

    Man weiß ja, dass unter dem Deckmantel der Religion viele Verbrechen begangen werden, aber es ist schon mutig von dem Schriftsteller, offen darüber zu schreiben!

    (Mein Wunschzettel wächst und wächst und wächst...!!!)

  • "Ich glaube an Gott. Das ist für mich ein echtes Problem."

    Shalom Auslander berichtet von seiner Kindheit in einer lieblosen, aber frommen Familie in einem jüdisch-orthodoxen Viertel in New York, von seiner Ehe und der Geburt seines Sohnes und erzählt von seiner inneren Zerrissenheit bezüglich der Beschneidung.
    Als Kind musste er sich den vielen Regeln unterordnen, muss den Traditionen des Vaters und des Rabbis folgen. Für Shalom ist der Gott ein strafender Gott, der ihm das Leben schwer macht.Dauernd fürchtet Shalom, dass jemand bestraft wird, sollte er einen Fehler begehen.
    Ihm wird vorgeschrieben, was er zu essen hat - was ist koscher, was nicht?
    In der Pubertät beginnt er daher, diese Regeln zu brechen und geht dann eine Zeitlang nach Jerusalem, um auf den rechten Weg zurückzufinden.
    Noch als Erwachsener plagen ihn Gewissensbisse und die Zerrissenheit.
    Um mal ein Beispiel zu nennen:
    Um ein Spiel der Rangers live zu erleben, legt er mit seiner Frau Orli 20 Kilometer zu Fuß zurück - nur weil Samstag/Schabbat ist und es verboten ist, den Bus oder das Auto zu benutzen. Als die Rangers verlieren, isst er zur Strafe Gottes einen Hot Dog.
    Sein Schreibstil ist zum Teil recht derb - so benutzt er zum Beispiel das Wort "Fuck you".

    Auslander hat einen respektlosen, bitterbösen, aber auch unterhaltsamen Roman geschrieben, der einen auch im Nachhinein noch beschäftigen kann.
    Zudem erfährt man etwas über die jüdisch-orthodoxen Regeln.

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