Shalom Auslander ist in der jüdisch-orthodoxen Gemeinde in
New York aufgewachsen. Bisher von ihm erschienen ist der Kurzgeschichtenband
„Vorsicht, bissiger Gott“ und nun die Erinnerungen „Eine Vorhaut klagt an“
Shalom Auslander schreibt von seiner Kindheit in einer
ultra-orthodoxen Gemeinde in New York. Er beschreibt ausführlich die
Repressalien seiner Glaubensmitglieder. Das geht schon beim Essen los. Es gibt
mehr als siebzig Regeln dafür, was man zu welcher Zeit essen darf und was
nicht. Auch die Sabbat-Regeln sind peinlich genau einzuhalten. Bei
Nichteinhaltung der entsprechenden Regeln bestraft Gott entweder sofort oder in
einer späteren Existenz im Himmel oder in der Hölle. Shaloms Leben wird geprägt
von Schuld, schlechtem Gewissen und Reue. Er probiert das Leben aus, doch
Pornohefte, Fast Food und Drogen können ihn nicht von seinem schlechten
Gewissen heilen. Auch sein späterer Psychotherapeut kann ihm kaum helfen. Auf
die Frage seines Therapeuten, ob er denn wirklich glaube, dass Gott ihn ständig
beobachte und strafen wolle, sagt Shalom, dass er das nicht glaubt, sondern
dass er es weiß. Shaloms Frau kommt am Ende des Buches zu einem vernichtenden
Fazit: Sie meint, dass theologischer Missbrauch wesentlich schwerer wiegt als
jeder körperliche Missbrauch.
Mein Fazit:
Dieses Buch ist als Satire angelegt und soll auf lustige
Weise den Wahnsinn von Dogmen extremistischen Glaubens veranschaulichen. Zuerst
habe ich auch viel gelacht, doch je weiter ich in dem Buch fortschritt, desto
kleinlauter wurde mein Lachen. Bei der Behauptung, dass theologischer
Missbrauch am schwersten wiegt, war es mit meiner Kicherei zu Ende. Ich
überlege, ob ich mit diesem Wissen das Buch noch ein weiteres Mal lesen will. Doch
dann weiß ich, dass ich wahrscheinlich bei den einen oder anderen Stellen
weinen und nicht lachen werde, und bin glücklich, dass ich all diesen Horror
nicht am eigenen Leib erleben musste.
LG Ralf.



