Saskia Rögner: „Die Traurigkeit der Drachen“

  • Saskia Rögner: „Die Traurigkeit der Drachen“; HolzheimerVerlag,
    2007; 320 Seiten; EUR 19,80; Cover: Schorsch Jr.; ISBN ; http://www.holzheimerverlag.de


    "Die
    Traurigkeit der Drachen" ... was könnte das bedeuten? Drachen kennen
    wir als furchtlose, Menschen fressende Ungeheuer, die Angst und
    Schrecken verbreiten und das Land in Schutt und vor allem in Asche
    legen. Solche Wesen fühlen nicht, sie sind da um zu herrschen und zu
    versklaven. Unbesiegbar trotzen sie jeder Gefahr, und jeder der einen
    Angriff auch nur in Erwägung zieht, darf mit dem Tod bezahlen. Wie
    könnte ein solches Wesen so etwas wie Gefühle besitzen? Aus welchem
    Grund sollte es jemals traurig sein? Im Titel wird das genannte
    Adjektiv gar substantiviert, was eine gewisse Dramatik verspricht. Ich
    darf vorwegnehmen, dass dieses Versprechen eingehalten wird...!
    Es
    gibt Ärger in Asangál, im Palast des Hohen Rates. Cithàr, Oberster
    desselben, will seinem Sohn Aduran das Recht auf den Thron aberkennen
    und verbannt ihn. Als flügellos geborener Feuerdrache wäre er eine
    Schande für das gesamte Reich. Greta Tarina Silvardán, eine Dragan,
    Erbin des großen Drachens, wird nicht angehört und auch Draindell, dem
    Rebell und Unruhestifter aus Soschorr, wird es verwehrt, vor dem hohen
    Rat aussagen zu dürfen.
    Wird Aduran zurückkehren, um seine Rechte
    einzufordern und was geschieht mit seiner großen Liebe Silvana, die auf
    der Suche nach ihm in unbändiger Wut über das Land hetzt und
    anschließend in die alles verschlingende Traurigkeit zu stürzen droht?
    Denn nur die Traurigkeit besitzt die Macht, die Unsterblichkeit der
    stolzen Drachen zu zerbrechen...


    Es beginnt mit Tarina (von den
    Menschen Silberfuchs genannt), die zwischen Draghor und der
    Menschenwelt pendelt und die sich nichts sehnlicher wünscht, als
    Draghor niemals mehr verlasen zu müssen. Ihre Aufgabe ist, die „Tore“
    zu bewachen und Drachen, die sich in die Menschenwelt verirren,
    zurückzuschicken. Doch da ist noch etwas. Der große Drache Durell
    Valdan. Er lebt in der Menschenwelt...
    Einst wurde er für etwas
    verbannt, was nie zuvor geschehen war. Er verschwendete seine Seele an
    einen Menschen und nahm sie zur Frau. Doch selbst er konnte nicht
    ahnen, welch unabsehbare Folgen dies haben sollte. Er wurde mit ihr in
    die „Wüsten Darayan“ geschickt und öffnete dort zum ersten Mal ein Tor
    in die Menschenwelt - er, der einer der letzen war, der die Mächte
    aller Elemente in sich vereinen konnte. Das war vor 6000 Jahren...
    Stefan
    Leander gelangt als Mensch in die Drachenwelt. Mehr oder weniger
    versehentlich. Tarina ist auf der Flucht. Es geht um Leben und Tod. Sie
    hastet durch diese Disco, über die Tanzfläche und durch eine Tür, die
    in einen verspiegelten Gang führt. Jetzt oder nie. Es bleibt keine
    Zeit, denn das Tor muss sofort geöffnet werden ... es gelingt, doch sie
    macht einen winzigen Fehler...
    (Was jetzt passiert, möchte ich gerne
    in einem Kinofilm sehen. Spektakulärer kann eine Szene nicht sein. Das
    Tor nach Draghor! Oder eines davon, denn es gibt ja viele ...)
    Marcus,
    dessen Vater einst Tarinas Mutter tötete, ist sich seiner Sache sicher.
    Einmal ist ihm Tarina entkommen. Doch das würde ihm nicht noch einmal
    passieren. Das nächste Mal wird er besser gerüstet sein Er würde Macht
    über die Drachen gewinnen und vor allem – er würde ewig leben...
    Wenn
    die Tivàr erwachen, sollte man sich von den Bergen Talvadars
    fernhalten, denn dort sind die Gesetze der Drachen vergessen. Das
    Wesen, das dort lebt, gibt Namen und einst gab es auch Leben. Es ist
    ewig, kennt kein Alter und ist dennoch nicht unsterblich. Es holt sich
    Kraft von den Wesen Draghors, und so ruht das Gleichgewicht dieser
    Welt...
    Wie das alles zusammenpasst, muss selbst „erlesen“ werden.
    Saskia Rögner entwirft eine phantastische Welt, geschaffen aus purer
    Phantasie. Eine Welt in der Welt, ein gigantisches Traumbild: Draghor.
    Auf
    ebenso langwieriges wie langweiliges Ausmalen von Charakteren, deren
    endlose Lebensgeschichten und -umstände, verzichtet die Autorin
    weitgehend, tauscht sie gegen bildgewaltige Landschaftsbeschreibungen
    der Drachenwelt aus, und widmet sich einer geradlinigen Geschichte,
    welche die Handlung in den Vordergrund stellt. Und genau diese vermag
    sie unvermittelt und teils völlig unerwartet in Szene zu setzen, so
    dass es den Leser fast in akute Atemnot stürzt.
    Symptomatisch dafür
    scheint mir ein Satz auf S. 171 zu sein. Tarina stellt den Mörder ihrer
    Mutter, der ihr von der Faszination des Tötens erzählt. In allen
    Einzelheiten schildert er das Sterben ihrer Mutter und dass er heute
    noch vom „Tanz ihres Todes“ träumt - was er nach all der vergangenen
    Zeit noch immer genießt! Tarina erstarrt in ohnmächtiger Wut ...


    „Sie konnte es sehen, jedes Wort von ihm war wie ein Bild.“
    Diese
    Aussage kann ich mühelos auf das gesamte Buch übertragen. Die 320
    Seiten vergehen wie im Flug. Doch wenn sich das Buch schließt, bleibt
    die Welt von Draghor erhalten. Für immer. Wie auf einer unsichtbaren
    Leinwand. Denn was Saskia Rögner schreibt, können wir sehen...
    Jedes Wort von ihr ist wie ein Bild.


    © Thomas Lawall - Oktober 2008: www.tomundmary.de

  • Hallo Bonprix,


    danke für deine Editierung. Wird zeit, daß ich das mal auf die Reihe bekomme. Gibt es hier irgendwo einen Artikel oder beitrag über den Unterschied der zwei ISBN-Nummern? Welche wird jetzt hier eingetragen, die 10 oder 13?


    Lieber Gruß,


    Martinus