Georges Simenon: Hier hat Skrupel

  • Das Ehepaar Marton würde sich am liebsten gegenseitig umbringen. Motive dafür gäbe es sicher viele. Doch ein Verbrechen gab es bisher nicht. Also wendet es sich an Kommissar Maigret und bittet ihn um Hilfe. Doch dem sind die Hände gebunden, solange kein konkretes Verbrechen vorliegt.


    Simenon gilt als Klassiker unter den französischen Kriminalautoren. Von ihm kann ein Leser sicherlich gute Literatur erwarten. Oder nicht? Simenon wartet bei diesem Roman mit einer ungewöhnlichen Vorgehensweise auf. Er führt lange vor dem eigentlichen Verbrechen in die Handlung ein. Langsam, Schritt für Schritt steigert sie sich bis zum Verbrechen. Als der Mord endlich geschieht, ist der Mörder schnell gefunden. Immerhin liegend die Motive offen auf der Hand.
    Was eigentlich als literarisches Stilmittel gedacht , entpuppt sich schnell als Fehler. Die Handlung plätschert lange Zeit vor sich hin. Welchen Krimileser interessiert es schon, wie ein Kommissar ein Verbrechen verhindert? Die Arbeit des genialen Detektivs macht die Handlung spannend. Gepflegte Langeweile zeichnet diesen Roman aus. Es spricht oft für literarisches Können, Ort und Handlung einschränken zu können. Die Lösung des Falls gelingt schnell. Die Handlung spielt sich an wenigen Orten, wenn nicht gar an einem Ort ab. Bei dem vorliegenden Werk entsteht fast schon der Eindruck, Maigret gelinge es, den Fall von seinem Büro aus zu lösen. Nun ja. Diese scheinbare Behäbigkeit kann leicht mit fehlender Spannung verwechselt werden.Kommissar Maigret, Xavier und Giséle Marton und ihre Schwester – sie sind die Hauptfiguren. Ein paar Polizisten und Inspektoren kommen als Statisten hinzu. Psychologisch spielt sich die Handlung zwischen ihnen ab. Die Handlung bleibt dafür aber zu oberflächlich. Ihr fehlt das atmosphärische Knistern, das einen guten Roman ausmacht. Die Charaktere bleiben beliebig. Ihnen fehlen die Eigenarten, die etwa einen Sherlock Holmes oder Hercule Poirot auszeichnen.Maigret hat Skrupel gehört bestimmt nicht zu den stärksten Romanen von Simenon.
    Georges Simenon: Maigret hat Skrupel; Diogenes Verlag Zürich; 208 Seiten; ISBN 3 – 257 – 21806 – 0