Kurt Marti: Leichenreden

  • Buchdetails

    Titel: Leichenreden


    Verlag: Verlag Nagel & Kimche AG

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 72

    ISBN: 9783312002771

    Termin: Februar 2001

  • Bewertung

    5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

  • Inhaltsangabe zu "Leichenreden"

    Man soll von Toten nichts Schlechtes sagen, heißt es. In seinen 'Leichenreden' hinterfragt Kurt Marti diese Konvention und wehrt sich gegen die gängigen Abschiedsrituale, gegen die gut gemeinten Worte und tröstenden Phrasen. Er schreibt ehrlich und schonungslos über das Leben, das Sterben und den Tod, immer verbunden mit einem tiefen Verständnis für Angst, Verdrängung und Abwehr, die den Verlust eines Menschen begleiten. Martis lyrische Totenreden sind ein Klassiker der Schweizer Literatur. Seit ihrer Erstveröffentlichung haben sie nichts von ihrer Aktualität und Brillanz verloren. Selten wurde so offen über den Tod und die Trauer geschrieben.
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  • als sie mit zwanzig
    ein kind erwartete
    wurde ihr heirat
    befohlen


    als sie geheiratet hatte
    wurde ihr verzicht
    auf alle studienpläne
    befohlen


    als sie mit dreißig
    noch unternehmungslust zeigte
    wurde ihr dienst im hause
    befohlen


    als sie mit vierzig
    noch einmal zu leben versuchte
    wurde ihr anstand und tugend
    befohlen


    als sie mit fünfzig
    verbraucht und enttäuscht war
    zog ihr mann
    zu einer jüngeren frau


    liebe gemeinde
    wir befehlen zu viel
    wir gehorchen zu viel
    wir leben zu wenig


    Ich lese eher selten Gedichte, aber da dieser Gedichtband mich seit einigen Jahren immer wieder fasziniert, möchte ich ihn gerne hier mal vorstellen.


    Autor:
    Kurt Marti wurde 1921 in Bern geboren und studierte Jura und Theologie in Bern und Basel. Sein literarisches Werk umfasst unter anderem Erzählungen, einen Roman und Gedichte. (frei nach der Biographie im vorgestellten Buch)


    Das Thema der Gedichte:
    Wie der Titel schon sagt sind in diesem Buch lyrische Leichenreden versammelt, welche aber viel schonungsloser mit dem Tod und der Trauer umgehen, als man es von Reden an Beerdigungen gewohnt ist.


    Meine Meinung:
    Es ist schwer zu sagen, was mich an diesem dünnen Büchlein am meisten anspricht, ob es die gesellschaftskritischen Texte sind, die mehr als nur aufrütteln, die schlichte und doch so nachdenkliche Sprache oder die Textausschnitte aus Werken anderer, welche den Gedichten immer wieder gegenüber gestellt werden und nochmals eine neue Sicht auf den Inhalt des jeweiligen Gedichtes eröffnen.
    Ich kann dieses Büchlein jedenfalls immer wieder aufschlagen und Neues darin entdecken, und deshalb bekommt es
    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: von mir.
    Wem aufrüttelnde Gedichte zusagen kann ich diese Gedichtesammlung nur wärmstens empfehlen.

  • Vielen Dank Allinna, das du das Buch hier vorgestellt hast!


    Das Gedicht in deiner Rezeszion kam mir sehr bekannt vor - ich habe es irgendwo schon mal gelesen, aber ich hatte keine Ahnung wer der Autor war.


    Mittlerweile habe ich mir auch dieses kleine Büchlein (69 Seiten) ertauscht und bin sehr froh darüber, obwohl auch ich eher selten Gedichte lesen. Mir haben sie sehr gut gefallen und ich kann mir gut vorstellen, das ich sie immer wieder lesen werde.
    Sehr schön fand ich auch die Aufmachung - die Gedichte auf der rechten Seite, auf der linken Seite daneben passende Zitate (z.b. von Heinrich Heine, Ingeborg Bachmann und Henry Miller, um mal die bekanntesten zu nennen). Ein kleiner Wehrmutstropfen: einige der Zitate sind in französisch und deshalb für mich leider unlesbar. Schade, das es da keine Übersetzung gab. Vielleicht ist das aber auch nur bei meiner Ausgabe aus dem Nagel & Kimche Verlag so. :-k


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    1. (Ø)

      Verlag: Verlag Nagel & Kimche AG